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Archive for April 2008

Big Bang (Abkündigung)

29. April 2008 4 Kommentare

Leben 251 – Dienstag, 29.04.08

Liebe Leserinnen und Leser,

die nächsten Tage werde ich mich wohl nicht von hier melden können.
Es wird wohl eine Woche dauern, bis diese ungeplante Auszeit um ist.

Ich bedanke mich für die jüngsten Kommentare und grüße herzlich
mit einem Vers aus einem Gedicht von Dietrich Bonhoefer:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Herzliche Grüße,
Ulf Runge

Big Bang (Ankündigung)

28. April 2008 7 Kommentare

Leben 250 – Montag, 28.04.08

Darüber, wie es kam, dass ich „Plötzlich Blogger“ wurde.

Darüber, dass ich mich seit 366 Tagen Blogger nennen darf.

Darüber wollte ich schreiben. Hier und jetzt.

Anderes war / ist wichtiger.

Doch über Big Bang will ich diese Woche noch schreiben.

Meine Laudatio auf ein Jahr Bloggerei lässt noch wenige Tage auf sich warten. Aber sie entsteht gerade. Im Kopf. Und auch schon ein bisschen auf den Tasten…

© Ulf Runge, 2008

Niko

28. April 2008 6 Kommentare

Leben 249 – Montag, 28.04.08

Während wir in der Gaststätte sitzen, erzählen, trinken, essen, Rindfleisch essen, direkt beim Bauern eingekauftes Rindfleisch essen…

Während wir also da sitzen, passiert im Nachbarhaus, im Nachbarstall ein Wunder. Wie schon unzählige Male zuvor. Und doch hier wie beim Menschen ein Wunder.

Kinder eines genialen Gedankens. (Das ist nicht von mir, darüber schreibe ich sehr bald mehr.)

Und da liegt es das Kalb. Auf Stroh. Ein Kind darf sich einen Namen ausdenken. „Niko!“ Niko? Ja, okay, Niko.

Und so wünsche ich Niko alles Gute, ein kuhwürdiges Leben, in der Hoffnung, dass Niko nicht als Kalb auf dem Tisch im Nachbarhaus enden möge…

© Ulf Runge, 2008

Ja mei, is denn scho Mai?

28. April 2008 11 Kommentare

Leben 248 – Montag, 28.04.08

Gestern entdeckt…

© Ulf Runge, 2008

Schüsselfrage

28. April 2008 1 Kommentar

kleines Erfrischungsbad

Foto: © Bettina Stolze / PIXELIO

Leben 247 – Montag, 28.04.08

„Unser Fernseher geht gerade kaputt.“, erzählt der 11jährige Besucher. „Meine Eltern wollen sich jetzt eine Schüssel kaufen“, ergänzt er wissend.

Was das eine mit dem anderen zu tun habe, frage ich, ergänze scherhaft, ob sie denn zukünftig direkt in die Schüssel gucken wollen.

Ja, das habe er sich auch schon gefragt, wie seine Eltern das wohl gemeint hätten…

Und schaut „Ja, ja, die Eltern!“ denkend in die Runde…

© Ulf Runge, 2008

Aus der Arbeit der Kriminalpolizei: Homophon-Skandal aufgeklärt…

25. April 2008 4 Kommentare

Leben 246 – Freitag, 25.04.08

Aufgrund eines Tipps aus der Jugendredaktion sind wir einem Phänomen der Popmusik auf die Spur gekommen, nämlich dass in unscheinbaren, ja scheinbar harmlosen Texten, Botschaften sozusagen direkt ins Unterbewusstsein ausgesendet werden, ohne dass sich die Empfänger dagegen wehren können.

Bevor wir den aktuellen Stand der Recherchen durch die Öffentlichlegung eines bisher vertraulichen Videos kommunizieren wollen, hier noch ein Blick auf den Notizzettel des Leiters der Kriminalkommission „Agathe Bauer“:

An die Latte ging der Schuss, für den Stürmer kein Genuss,
nur der Torwart, der war froh, denn alle lieben den Mirko,
auch die Anneliese Braun, eine von den Spielerfraun,
und sie stand wenn gut ihr ging’s, meist am Zaun, da vorne links,
summte den Dickschädel Blues, winkt dem Mirko einen Gruß,
trank nen Schnaps gegen den Durst, rief „Hau auf die Leberwurst
und war gar nicht wirklich froh, als ihre Oma fiel ins Klo.
O Anneliese, popel nicht“, sagt jene als das Rohr durchbricht.

Segelst Du in Luv und Lee, Zahnweh tut egal wo weh.

Es macht eine Geschmacksattacke, wer reimt auf „You‘re feelin‘ Kacke“.

Zum Schluss will ich Euch jetzt noch sagen, sing Roland was vom Schnitzelwagen.

Strange, liebe Leserinnen und Leser? Ja, wirklich strange. Aber einen Click weiter löst sich alles auf:

Das Geheim-Video vom Homophon-Skandal

Viel Spaß!

P.S.: Wem „Agathe Bauer“, so wie mir, bis heute nichts gesagt hat, „Agathe Bauer“ ist ein Homophon zu „I got the power“…

(Und über den weißen Neger Wumbaba hatte ich ja schon an anderer Stelle berichtet…)

© Ulf Runge, 2008

Pröbchen

24. April 2008 5 Kommentare

Mundgeruch?

Foto “Mundgeruch?”: © Mariamne / PIXELIO

Leben 245 – Freitag, 25.04.08

Bisweilen frage ich mich. Was ich falsch mache. Im Leben.

So ist es mir vor einiger Zeit passiert, ich glaube, ich berichtete darüber bereits, also, ich komme aus dem Bahnhof, eine hübsche (das tut hier allerdings nichts zur Sache), junge (das auch nicht) Dame (und das eigentlich erst recht auch nicht; aber wenn ich es recht bedenke, ist das alles doch mit Sicherheit relevant…), also eine hübsche, junge Dame spricht mich freundlich lächelnd an, drückt mir eine kleine Schachtel in die Hand, wofür ich mich vorsorglich, ohne den Inhalt zu kennen, herzlich bedanke, wobei ich dann aus der Schachtel ein kleines Fläschchen herausfische, das sich einigen weiteren Gehmetern entpuppt, und zwar als Mundgeruchsbekämpfungsmittel. Na super! (Ich höre die Dame hinter mir insgeheim hinterherkichern, hey Alter, putz mal wieder Deine Zähne…).

Gestern. Was war gestern? Nun, ja, also, ich komme aus dem Bahnhof (aha!), ein hübsche (s.o.), junge (dto.) Dame (nein, es nicht die gleiche, es gibt wohl viele hübsche, junge Damen, die sich für Geld dafür hergeben, mir …, aber ich will nicht vorgreifen…). Also, eine hübsche, junge Dame spricht mich freundlich lächelnd an (nein, es ist nicht 6:00 Uhr morgens, ich liege auch nicht im Bett, es ist auch nicht Cher, die mich da aus dem Radio beglückt, und von Murmeltieren soll hier jetzt nicht die Rede sein…), drückt mir eine Tüte in die Hand (die Geschichte nimmt hier also doch noch eine unverhoffte Wendung), ich bedanke mich vorsorglich, ohne den Inhalt zu kennen, herzlich bei ihr, ich fische in der Tüte herum, bei einem kleinen Tübchen werde ich fündig, nein, nix gegen Mundgeruch, es ist eine Creme, eine Gesichts-Anti-Aging-Creme für den Mann. Na super! (Ich höre die Dame hinter mir insgeheim hinterherkichern, hey Alter, Du brauchst bestimmt ne Leselupe und nen Langenscheid, um rauszukriegen, was Du da in der Hand hältst… – oh bin ich wieder böse…).

Ach, warum immer was „gegen“? Gegen Mundgeruch, Falten, Pickel, verdreckte Brillengläser, was auch immer?

Oder sehe ich das nur falsch? Warum ist dieses leckere Mundwasser, das ich bis heute anzurühren keinen Anlass gehabt habe, nicht mit „Lecker-Atem“ betituliert? Warum heißt die Creme nicht „Schöne-Falten-für-die-Alten“?

Warum reg ich mich eigentlich auf? Nem geschenkten Gaul, heißt es ja. Und ich muss ja nun nicht alles auf mich beziehen.

Schon möglich. Aber was hätt ich heute sonst zu erzählen gehabt?

© Ulf Runge, 2008

Unendlich

21. April 2008 36 Kommentare
Leben 244 – Montag, 21.04.08 

Mein Beitrag zu Shepherd’s Lit Ag Project

Unendlich

Da sitzt Du mir gegenüber. Lächelst. Sprichst mit mir. Da hätte schon wieder ein – was weiß ich, was Du da gerade gesagt hast – aufgemacht, hier im Ort, gleich neben dem Bäcker. Ein was hat aufgemacht? Frage ich mich. Ich höre Dich reden. Und sehe mich Dich hören. Sehe, wie ich Dich höre, sehe, wie ich Dir nicht zuhöre, nicht so wirklich. Sehe, wie ich darüber nachdenke, warum ich Dir nicht zuhöre.

Da sitzt Du mir gegenüber. Kaust Dein Honigbrötchen. Schlürfst den Milchkaffee. Rührst den Löffel in der Ikeatasse. Liest im Stadtanzeiger. Faltest ihn neu. Nein, ich sage nichts dazu. Nicht mehr. Nichts zu Deiner irreversiblen, volumenverdoppelnden Zeitungspatentfaltung. Nichts zu halbvollen Zahnpastatuben im falschen, im Restmülleimer. Oder schief sitzenden Marmeladengläserdeckeln. Nein, diese Spielchen sind gespielt für mich. Kein Bedarf mehr. Über Dein Falten bekomm ich keine Falten mehr.

Da sitzt Du mir gegenüber, keine Zollstocklänge trennt uns. Keine zwei Meter. Ich sehe den Zahlenstrahl von mir zu Dir, greife nach ihm, hangle mich entlang, bin bei 80 cm, komme Dir näher, bin bei Eins-Zwanzig, denke an Achilles und die Schildkröte, und daran, dass der arme Schlucker heute noch hinter dem Reptil her rennt, in unendlich kurzer Zeit unendlich kleine Schritte tippelnd. Und doch immer ein bisschen zu kurz, als dass er das Tierchen einholen könnte. Und doch immer ein bisschen zu kurz, als dass er jemals ins Ziel käme. Eilnachrichten aus meiner linken Hirnhälfte lassen mich wissen, dass bei Eins-Sechzig Schluss ist, wenn ich immer nur die Hälfte dazu nehmen darf, so wie Achilles auch, dass ich Dich so nicht erreichen werde. Nicht über den Zahlenstrahl. Nicht mit Zahlen. Nicht mit Ratio. Nicht mit linkem Hirn.

Das größte Bauwerk der Erde? Warum musste es eine Mauer werden? Warum eine Mauer? Warum kein Tempel der Liebe? Keine Kathedrale der Zuneigung? Kein Altar des Vertrauens?

Das größte Bollwerk unserer Gefühle und Gedanken? Warum muss es auch eine Mauer sein? Eine Mauer aus Schweigen, Nichtdrüberredenwollen. Ein Gestrüpp aus Nichtgehörthabenwollen und Unverstandensein. Ein Dickicht aus Wenndumirwenigstenseinmal und Ichhabemirgleichgedachtdassdu.

Wir sollten miteinander reden. Denke ich. Und dass ich mal jemanden kannte, der sich immer damit aufplusterte, man könne über alles reden, mit ihm. Mit ihm könne man über alles reden! Und das tat ich dann. Um festzustellen, dass man mit ihm besser doch nicht über alles gesprochen hätte. Alles nur Fassade! Geschwätz. Geschwafel. Entlarvt, als ich ihn beim Wort nehmen wollte.

Kann ich mit Dir reden? Ich will ja gar nicht über ALLES reden. Über unendlich weniger als alles. Nur über das, was uns bewegt. Uns gemeinsam bewegen könnte. Sollte.

Weißt Du eigentlich, dass ich Dich liebe? Immer noch! So könnte ich anfangen. Würde mich vorher noch räuspern. Nee! Das ist zu platt. Wie aus dem Psychobuch. Lassen wir das.

NOCH liebe? Will ich Dir sagen, dass Du das unverschämte Glück hast, dass da noch ein Funke ist bei mir? Aber müsstest Dich schon beeilen. Sonst wird aus dem Noch ein Nicht. Nein, bitte nicht als Drohung verstehen. Immer musst Du mich falsch verstehen! HÖR MIR DOCH MAL ZU! Denke ich. Ich soll nicht so brüllen, meinst Du? Nein, ich brülle ja gar nicht. Ich habe ja bisher keinen Ton gesagt. Hab mir nur vorgestellt, was ich sagen würde zu Dir. Wenn wir dann miteinander reden würden. Irgendwann.

Räuspere mich.

Ob ich was sagen will, fragst Du mich. Nein, nein, murmel ich, in den Sportteil vertieft.

Feigling, denke ich mir. Wieder eine Chance verpasst. Da hättest Du was machen können draus. Aber nein, hast die Hosen gestrichen voll, weil Du nicht weißt, was daraus wird, aus dem Gespräch. Mal miteinander reden ist gefährlich. Es könnte ja sein, dass man wirklich mal miteinander redet…

Fange an abzuräumen. Warum ich denn so ungemütlich sei, fragt sie mich, ob ich nicht noch einen Augenblick sitzen bleiben wolle…

Nein, will ich nicht, denke mir, ich gehe an den Laptop, was schreiben. Denk’s mir bloß, bleibe sitzen, lese zum xten Mal die Bundesligatabelle, finde es heute noch blöd, dass die damals auf 18 Vereine aufgestockt haben, mit 16 war das mathematisch viel eleganter.

Wen interessiert das schon, denke ich, mein Blick verschwimmt über den Totozahlen, ich sehe nur noch Nullen und Einsen, kein Auswärtssieg, denke an mein ungläubiges Gesicht, als ich zum ersten Mal erfuhr, dass es da unendlich viele Zahlen gibt, zwischen 0 und 1.

Denke an die Baracke, in der wir damals gesessen sind, weil die Schule aus allen Nähten platzte. Um dort die Unendlichkeit in den Zahlen zu entdecken. Das waren spannende Unterrichtsstunden. Programmierte Unterrichtsbücher hatte unser Mathelehrer mitgebracht. Die wurden nicht von vorne nach hinten gelesen. Nein. Am Ende jeder Seite durften wir entscheiden, wo wir weitermachen. Wenn wir was richtig gemacht hatten, durften wir schneller vorwärts blättern. Wir waren die Testklasse in unserer Schule, ob man sowas mit Schülern machen könne. Konnte man.

Denke an die Baracke, in der wir damals gesessen sind, unendlich still, grabesstill, um die Nachricht zu erfahren über ein Verbrechen, um zu trauern über dieses Verbrechen, das uns genauso hätte treffen können. Ein kranker Geist, der mit einem Flammenwerfer in eine Schule eindringt, um zu töten. Weil er zu wenig Liebe, Zuwendung erfuhr? Weil er keine unbedingte, unbegrenzte, unendliche Liebe erfahren durfte?

So lernte ich die Unendlichkeit der Zahlen und die unendliche Unfassbarkeit des Grauens gleichzeitig kennen. Danke all jenen, von denen ich so unbegrenzt viel Liebe erfahren durfte, dass mir jene Amoktat fremd, unverständlich blieb. Damals. Und bis heute.

Wo ich mit meinen Gedanken sei, will sie wissen, ich würde so ernst aussehen.

Ob sie mich beim Sportteil schon mal lachen gesehen habe, frage ich humorlos zurück, fühle mich ertappt, fühle mich doppelt ertappt, da es doch nichts Lächerlicheres gibt, als Trainer- und Spielerstimmen nach dem Spiel.

Verdammt, ich lieb Dich, denke ich, lass uns doch mehr uns sein, denke ich. Uns uns sein lassen. Ja, das ist es. Und uns miteinander sein lassen. Nicht nur nebeneinander.

Und wie ich so hier sitze, und neben mir stehe, um mich hier sitzen zu sehen, denke ich an diese alte Rollfilmkamera von meinem Opa, auf der man beliebig oft belichten konnte. Wie ich mit Lissy damals in den Park gegangen bin, wie wir uns abwechselnd auf der Bank sitzend fotografiert haben, ohne den Film vorwärts zu drehen, um uns dann als eng umschlungenes Liebespaar auf einem Foto zu verewigen.

So geht das nicht weiter, denke ich auf, wische mir den Mund mit der Serviette ab, lege die Zeitung zur Seite, lächle das von mir hinter dem Feuilleton vermutete Gesicht freundlich an, gehe an den Schreibtisch, starte den Laptop. Ich muss es aufschreiben, denke ich, sonst sind sie weg, diese Gedanken.

Schreibst Du wieder? Ruft Sie mir hinterher. Jahaaaa, nicht laaange! Gebe ich zur Antwort. Ich schreibe immer nicht lange, was auch immer nicht lange sein mag. Manchmal sind es Stunden. Aber nie ist es lange.

Und ich schreibe über Dich und mich. Unser Frühstück jetzt eben.

Und ich denke, wenn ich Dir sage, ich liebe Dich, und ich sage Dir, dass ich Dich unendlich liebe, und dann lachst Du, lachst mich aus, sagst mir, typisch Mann, und Du überfliegst mein Blatt, diesen meinen Text, und gibst mir nen Kuss und freust Dich, weil ich die Gänsefüßchen weggelassen habe. Die Du so hasst. Unendlich hasst.

Bloß weil Du damit alle Deine Diktate versiebt hast, mit den Gänsefüßchen. Nie wusstest, ob da noch ein Komma kommt, oder gar kein Satzzeichen mehr. Und Dir zuliebe verzichte ich immer wieder auf sie.

„Duhu!“ sagt sie. Sieht mich mit ihrem Guckmichbitteanblick an. „Ich finde, wir sollten uns mal aussprechen. Ich glaube, der Alltag frisst uns auf. Da frühstücken wir, reden miteinander, und sind doch nicht wirklich bei uns. Jetzt bist Du schon wieder hier und schreibst von Gott und der Welt oder Wasweißich. Du hast mir damals UNENDLICHE Liebe versprochen, weißt Du noch, Du Linkshirn! Und ich habe Dir damals schon gesagt, mit der anderen Hirnhälfte liebt es sich besser.“ Grinst sie mich an.

Ja; denke ich, endlich hast Du sie, die Idee, meine Idee. Bist selber drauf gekommen. Wir werden uns aussprechen. Über unsere UNENDLICHEN Gefühle. Jetzt. ENDLICH!

 

 

© Ulf Runge, 2008

Lebenszeichen

21. April 2008 7 Kommentare

Leben 243 – Montag, 21.04.08

Uhps! Diese Pause war länger als beabsichtigt. Ich entschuldige mich ganz höflich bei meinen Leserinnen und Lesern, dass ich „U-Boot“ gespielt habe. Sorry.

Intensive Tage waren das. Ich skizziere nur mal kurz, was mich bewegte und bewegt. Nicht als Entschuldigung, eher als Ideensammlung, worüber ich die nächsten Tage reflektieren und hier schreiben möchte, werde.

Der liebe Mensch, dessen Operation anstand, ist inzwischen operiert und wieder „den Umständen entsprechend“ wohlbehalten zu Hause. Darüber bin ich sehr froh. Und dass er, noch benommen von der Operation, mich nun nicht bei sich am Krankenbett erwartend, erst einmal für einen Pfarrer hielt, ich habe es ihm lächelnd nachgesehen.

Der innere Schweinehund, der über mich Oberhand zu gewinnen vermochte, ist heute wieder in die Schranken gewiesen. Ich bin endlich wieder mal laufen gegangen. Jedoch, meine Form ist derzeit nicht eines Marathons angemessen, ich werde zum ersten mal seit drei Jahren einen geplanten Marathon nicht laufen. Der Ärger über Fremdbestimmung und zu wenig eigene Energie ist längst verflogen, im Herbst spätestens will ich wieder das entsprechende Gewicht und die erforderliche Form haben.

Oh, ich habe auch was fertig bekommen, die vergangenen Tage. „Unendlich“, mein Kapitel in Ernie Schäfers Online-Buch habe ich pünktlich abgeliefert. Es ist das erste Mal, dass ich an einem Literatur-Wettbewerb teilnehme. Flitzebogengespannt bin ich.

Und dann habe ich die letzten Wochen versäumt, mich mental auf den gestrigen Poetry Slam in Heidelberg so vorzubereiten, wie ich es von mir erwartet hätte. Es war (trotzdem) ein schöner, ein phantastischer Abend.

Und: Ich weiß seit gestern, dass das hier alles, obwohl virtuell, Netz seiend, doch irgendwie real ist. Ich habe gestern Ralph Schumacher kennen gelernt, auf der Poetry Slam. Ralph existiert also, damit auch alle anderen hier, die so „treu“, ich gebrauche das Attribut, das Andrea mit seinerzeit zugestanden hatte, die so „treu“ hier kommentieren. Danke. Ihr seid „echt“! :-)

Und und: Ich lese gerade so viel, wie schon lange nicht mehr. Leider etwas weniger die spirituellen Bücher, „The Secret“ ist noch nicht abgeschlossen. Es ist mehr das Inventurmachen mit mir selbst. Zwei Bücher von Coven, die ich parallel zu einem Buch über die „Theory of Constraints“ (TOC) lese. Und dann guck ich immer mal wieder in „Simplify your life“ rein.

Und heute zieh ich mir im Zug das Hörbuch von Lother J. Seiwert, „Wenn Du es eilig hast, gehe langsam“ rein.

Und dann war da noch letzte Woche dieses gute Treffen zum Thema „Wenn Arbeit krank macht“.

Und heute war der erste Tag, an dem die Kaninchen, keine vier Monate alt, endlich zum ersten Mal in den Garten durften. Frühling, danke für diesen einen Frühlingstag!!!

Viele Themen, von denen ich in den nächsten Tage zu berichten beabsichtige.

Und zuerst werde ich die Kommentare hier beantworten.

Und mich mal bei meinen lieben Mitbloggerinnen und Mitbloggern sehen lassen.

Und und und…

Danke für das Verständnis, dass ich eine Auszeit vom Bloggen und Kommentieren gebraucht habe.

Bis sehr, sehr bald, herzliche Grüße,
Ulf Runge

© Ulf Runge, 2008

Schlechte Handys kommen nicht in den Himmel… und auch nicht weg

12. April 2008 23 Kommentare

Frankfurter Bahnhof

Foto: © Claudia Hautumm / PIXELIO

Leben 242 – Samstag, 12.04.08

Eigentlich ist irgendein Taschendesigner schuld. Oder meine Frau. Aber der Reihe nach.

Ich fahre Zug. (Wie so immer und oft.) Heute habe ich eine Reisetasche dabei. Nicht meine. Nein, die meiner Frau. (Sämtliche nachfolgend denkbaren Schuldfragen lassen sich mit der Eigentümerschaft meiner Frau bezüglich dieser Tasche als auch mit Verantwortung von Taschendesignern für die von ihnen entworfenen Produkte begründen.)

Ich habe die Tasche neben mir auf dem Sitz. Der Zug ist noch leer. Der Zug füllt sich. Von Station zu Station. Der Sitz neben mir wird gebraucht werden, denke ich mir, nehme die Tasche, stelle sie nach oben auf die Gepäckablage. (Nein, es ist kein von Nieeisenbahnfahrendeningenieuren konstruierter Doppelstockwaggon mit einer Gepäckablage für Liliputanerkoffer, es ist noch ein Wagen älterer Provenienz, wo man oben noch richtig was drauf stellen kann.)

Mein Handy habe ich noch in der Hand und beschließe, es für den Rest der Fahrt nicht mehr benötigen zu wollen. Stehe auf und schiebe es in die Außentasche der Reisetasche.

Setze mich. Schlummere mich zum Zielbahnhof. Nach der Durchsage mit den Anschlüssen, die wir erreichen würden, wenn der Zug pünktlich wäre, und der Maßgabe, doch bitte auf die Lautsprecherdurchsagen zu achten, ziehe ich meine Wetterjacke über, hänge die Reisetasche um, schubse mich mit den anderen Pendlern nach draußen.

Im Büro angekommen, leere ich meine Brust- und Hosentaschen, finde Geldbeutel, Ausweis und Taschentücher, frage mich, wo das Handy, ach ja, greife in die Reisetasche, nein, da ist es nicht, es muss in der Wetterjacke, nein, auch nicht. Wühle und gucke ratlos durch die Gegend, denke mir, die Reisetasche!

Kalter Schauer läuft mir über den Rücken, dass die Außentasche der Reisetasche ein (für mich) ungewöhnliches Feature hat: Reißverschluss oben, zum Reinstecken. Und Reißverschluss unten, damit die oben eingesteckten Sachen gleich wieder rausfallen können?! (Doch, doch, der Reißverschluss unten, der wird schon einen Sinn haben, nur könnte ich ihn noch nicht entdecken.) Kurzer Rede langer Sinn: Der untere Reißverschluss war auf, warum auch immer.

Zum Bahnhof gerast, wie blöd. Natürlich ist der Zug schon weg. Und das Handy also auch.

Zum Fundbüro. Nein, es sei noch nichts abgegeben worden. Ich solle doch heute Mittag noch mal vorbeikommen, und ansonsten die Nummer hier – die Dame gibt mir einen visitenkartengroßen Zettel – anrufen. Ich trotte davon, denke mir Mist, hätte nicht sein müssen, denke ganz kurz, wirklich nur ganz kurz an die Todesstrafe für Taschendesigner, frage mich, ob meine Frau mich nicht hätte aufmerksam machen müssen auf dieses Feature, überhaupt denke ich mir, dass Türen, Fenster und Reißverschlüsse bitte geschlossen zu halten seien. Es kann doch nicht sein, dass Reißverschlüsse ohne Grund offen sind. Noch dazu, wenn sie unten an einer Tasche…

Ich drehe um, gehe noch mal zum Fundbüro zurück, frage wohin denn der Zug jetzt gefahren sei.
Der Kollege von der Dame von eben ruft bei der Transportleitung an, erfährt, dass der Zug jetzt auf dem Gleisvorfeld abgestellt sei, dass der jetzt gereinigt wird, oder auch nicht, aber kurz vor 12 wieder bereitgestellt wird. Der freundliche Mensch schreibt sich meine Handynummer auf, den Typ, die Farbe, will den Waggon wissen, das ist alles sehr individuell, nicht 08/15, er werde Viertel von Zwölf zum Zug gehen und nach dem Handy suchen. Ich bin platt über so viel Bereitschaft, mir helfen zu wollen.

Wäre ja schön, denke ich, wenn das klappt, wobei mit dem Handyverlieren in der Bahn habe ich noch nie Glück gehabt. Und ehrlich gesagt, dieses Handy war ein Fehlkauf, ich hätte nie gedacht, dass ein Telefon so mies konstruiert sein kann, dass ich wegen dieses blöden Mittelknüppels bestimmt 20% ungewollte Anrufe mache. (Ja, ja, nicht der Mittelknüppel ist schuld, es sind meine dicken Finger…)

Natürlich bin ich erst um 5 vor Zwölf am Bahnhof, auf den allerallerletzten Drücker, in elf Minuten fährt der Zug ab, ja, er ist es, glaube ich zu glauben, ich betrete den dritten Waggon, da sitzen aber schon hacke viel Leute drinnen, die haben alle bestimmt schon mein Handy gefunden und geben wie der Fuchs die Gans, sie geben es nicht mehr, ich gehe zu der Bank, auf der ich gesessen habe, da sitzt schon eine Dame und wundert sich, wie forsch ich auf sie zukomme, ich greif auf die Gepäckablage, fasse mein Handy, und denke mir was von duselgehabt oder so. Keine Scherereien mit Ersatzkarte oder Ersatzhandy, da sind viele andere Anrufe von Unbekannt drauf, keine 10 Minuten her, das müssen die vom Fundbüro gewesen sein, die haben versucht, das Handy durch Anrufen zu orten. Ich hätte denen sagen sollen, dass ich das Handy immer leise geschaltet habe, weil ich entscheiden möchte, wann ich mich stören lasse…

Zurück zum Fundbüro, finde den Herrn, er sieht mich bedauernd an, ja, sage ich, er habe wohl versucht mein Handy anzurufen, ich habe es gesehen, halte ihm freudig mein Handy entgegen, bedanke mich ganz herzlich, er freut sich über mein Glück, und ich bin zu doof, ihm eine kleine Anerkennung zukommen zu lassen.

Beschließe, dass ich das nächste Woche tue. Und womit, weiß ich auch schon…

© Ulf Runge, 2008

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