Wie das Wochende war?

Der Denker

Foto: © RAHOUSE / PIXELIO

Leben 226 – Montag, 10.03.08

Wie das Wochenende war? Willst Du wissen? Wie’s mir geht? Und wenn ich Dir dann antworte, warum fragst Du mich, Du willst ja doch nicht wissen, wie’s mir geht, dann wirst Du mich mit großen Augen anschauen. Doch, doch, wirst Du sagen, natürlich will ich wissen, wie’s Dir gut. Wobei am liebsten würde ich hören, Du weißt schon, der Rheinländer, des sagt doch, am liebsten gut, also, das würde ich am liebsten auch von Dir hören, wirst Du zu mir sagen.

Und ich werde mir überlegen, ob ich Dir wirklich sagen will, wie’s mir geht. Ich glaube das will ich nicht. Ich werde Dir nicht davon erzählen, dass ich viel nachgedacht habe am Wochenende. Du weißt, dass ich immer alles gleichzeitig mache, aber es gibt da Sachen, da kann man nicht was anderes nebenher machen. Außer denken. Und solche Momente, lange Momente hatte ich dieses Wochenende. Es wird Dich nicht interessieren, dass ich viel gedacht habe. Zumal aus dem Denken nicht sofort und gleich etwas passiert ist. Passiert. Passieren wird.

Joggen. Ich bin wieder gejoggt am Wochenende. Endlich. Nach zwei Wochen Pause. Wegen so vielem. Auch wegen Schweinehunden. Fasst zwei Fußballspiele lang bin ich gejoggt. Gestern eins. Heute eins. Und keinen Knopf im Ohr. Nur Gedanken im Kopf. Und einen glücklichen, Stöckchen tragenden Hund dabei.

Wenn ich Dir das erzählen würde, ich glaube, Du würdest lachen. Ich habe nämlich über das Denken gedacht. Du erinnerst Dich? Ich kann ja schon nicht mehr Federball spielen, ohne zu zählen. Wenn ich nicht zählen würde, dann würde ich ans Zählen denken. Und so war ich unterwegs, habe gedacht, habe ans Denken gedacht.

Ob das alles war, was ich so gedacht habe, würdest Du wissen wollen? Nein. 300 Gramm. Feldsalat. Nebenher Krone-Schmalz. Gabriele Krone-Schmalz. Sie hat ein Buch geschrieben. Über Russland. Ich habe sie noch gut in Erinnerung. Als kompetente Russland-Reporterin. Mit ungewöhnlichem Haarschnitt. Ist wohl präsent zur Zeit in den Medien, um ihr Buch vorzustellen. Nichts gegen Wetten dass, aber so ein Interview in SWR1 Rheinland-Pfalz Leute, das hat Tiefgang, das ist nicht nur eine Plüschsofaveranstaltung. Da schält man nicht nur gerne Kartoffeln nebenher, nein, da dürfen es auch 300 Gramm Feldsalat sein. (Ich bin da halt nicht so schnell…) Und wenn dann Musik gespielt wird, dann denke ich. Weil, ich kann nichts tun nebenher. Nichts schreiben. Nichts tippen. Nur putzen. Salat putzen.

Und da fällt mir noch was ein. Was ich gestern getan habe. Ich habe mir Ohrwürmer gekauft. Ja, ja, werden die sagen, die mich kennen. Hast doch genügend Haustiere. Nein, sage ich, Ohrwürmer kann man nicht genug von haben. Obwohl ich früher, sozusagen als sie noch die „Alten“ waren, obwohl ich sie damals nie so richtig wahrgenommen habe, bin ich die letzten Wochen immer mehr abgefahren auf die Eagles. Und habe mir gestern, den Kauf einer Druckerpatrone vortäuschend, die Doppel-CD gekauft. Und will die morgen im Zug hören, rauf und runter. Meinetwegen können die ersatzfahrplankonform fahren wie sie wollen, hauptsache, meine Accus halten, und immer und immer wieder werde ich „busy being fabulous“ hören…

All das werde ich Dir nicht erzählen, wenn Du mich morgen fragst, wie das Wochenende war. Das ist meine Sache. Und dass ich viel nachgedacht habe, das wird Dich womöglich nur verwirren. Und ich erzähle Dir auch nicht von den Bonbons mit dem abgelaufenen Verfalldatum, diesen ca. 100 Bonbons, die ich müllsortierkonform alle einzeln aufgemacht habe, um das Papier in den grünen Eimer und die womöglich ungenießbaren Bonbons in den Restmüll zu werfen. Dabei immer wieder denkend, dass ich heute, gestern, dass ich in letzter Zeit überhaupt viel nachgedacht habe.

Und dass ich denke, eigentlich sollte man nicht nur nachdenken, sondern auch vordenken.

Ich glaube, wenn Du mich morgen fragst, wie mein Wochenende war, dann werde ich Dich fragen, Deines auch?

© Ulf Runge, 2008

P.S.: Und ich weiß, dass ich einige Telefonate nicht geschafft habe. Dieses Wochenende. Und ich weiß, dass ich bei meinen Lieblingsblogs mich gerade rar mache. Und ich weiß, dass ich das auch bald wieder ändern werde. Aber im Augenblick denke ich viel nach…

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wally sagt:

    Lieber Ulf

    Kann ich sehr gut nachvollziehen! In meinem Kopf ist es auch immer am Rasen, vor allem bei so stupiden Arbeiten, wie Bügeln etc. Manchmal wünsche ich mir, mal nichts zu denken, einfach nur Ruhe im Kopf. Weiß aber nicht, wie geht. Wie kann man das Denken abschalten? Geht das überhaupt? Selbst bei entspannenden Dingen – z.B. einen spannenden Film ansehen – ist mir bewusst, dass ich denke, obwohl ich denke, dass ich nichts denke, sondern nur gespannt zusehe und zuhöre…

    „Denke, nie gedacht zu haben. Denn das Denken der Gedanken, ist gedankenloses Denken.“
    – ein Zitat von irgendwem, ein Spruch aus meiner „nach philosophischen Erkenntnissen drängenden“ Jugendzeit. Fiel mir jetzt spontan zu deinem Text ein… Hab bis heute noch nicht recht verstanden, was er aussagen soll…*grübel**

    Liebe Grüße
    von „Denkerstirn zu Denkerstirn“…*lach*
    von Wally

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  2. Wally sagt:

    Wichtiger Nachtrag:

    „Fiel mir jetzt spontan zu deinem Text ein… Hab bis heute noch nicht recht verstanden, was er aussagen soll…*grübel**

    Ich meinte natürlich nicht deinen Text, sondern hab nicht verstanden, was der Spruch aussagen soll…*lach* . War bißchen seltsam von mir formuliert…*mir an die Stirn klopf*

    LG Wally

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  3. Christa sagt:

    *LOL* Ulf,

    im Moment scheinen die DENKER zu schreiben. Mag sein, dass es für manchen meiner Leser unglaubwürdig sein mag, aber manchmal denke auch ich. 😉

    Gerade gestern Nacht, genau wie du, habe auch ich gedacht und nachgedacht- ziemlich lange sogar. Das Ergebnis meines Denkens ist auf meinem Blog zu nachzulesen, genauer gesagt in einer Diskussion mit Menachem, dem großen Denker von Wunsch-und Wille.
    Nein,nein ich werde keine Links setzen, nicht noch einmal will ich als Spammerin ins Gerede kommen. Wen es interessiert, wer, wo wann und was denkt, muss sich halt ein wenig durch die entsprechenden Blogs klicken.

    Und zum Schluß kann ich kann nur bestätigen, was Ulf oben schreibt. Wir haben zwar zusammen gedacht, noch dazu in der gleichen Nacht – ABER:

    Es ist nichts passiert – gell Ulf 😉

    Lieben Gruß und einen guten Wochenanfang
    Christa von ver-rueckt.net

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  4. Ralph sagt:

    Lieber Ulf,

    Wie das Wochende war?

    Wochende?
    Hmm, ist das wieder einer dieser versteckten Anglizismen?

    week-end –> Woch-ende 😉

    Du wirst es mir aber nicht glauben: Bei diesem Wort verschreibe ich mich meistens auch, in der gleichen Art und Weise, komisch …

    ———-

    Nun zu Deinem Nachdenken während des Joggens äh LAUFENS (gutes Deutsch wollen wir ja wahren):

    Ich möchte nämlich evtl. auch mit dem Laufen anfangen und frage mich, ob man bei diesem Kraftakt überhaupt denken kann? Fühlt der Körper sich dabei nicht ermattet?
    Ich weiß allerdings auch, dass die Gedächtnisleistung beim normalen Gehen im Gegensatz zum Sitzen gute 20% Leistungszuwachs erfährt.

    Liebe Grüße,
    Ralph

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  5. Ulf Runge sagt:

    Lieber Ralph,

    danke für den Hinweis zum WochENDE.
    Dir habe ich deshalb meinen jüngsten Beitrag gewidmet.
    Viel Spaß,

    LG, Ulf

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  6. Mamü sagt:

    Lieber Ulf,

    denken scheint gerade „in“ zu sein. *seufz* Ich komme vor lauter Denken nicht zum Schreiben. Wenn das Denken nur endlich einen Sinn ergäbe. Ein Fortschritt erkennbar wäre. Aber vermutlich muss man die Gedanken erst wieder loslassen, damit sie ihren Weg finden. Hmmm…

    Vordenken *lach*, ja das kann manchmal helfen. 🙂

    Und alte Bonbons vom Papier befreien… Interessante Beschäftigung bei der man sicher gut nachdenken kann. *lach* Und sehr vorbildlich.

    Liebe Grüße,
    Martina

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  7. Ulf Runge sagt:

    Liebe Wally,

    danke für die ergänzende Richtigstellung, andernfalls mein
    Selbstwertgefühl erheblichen Schaden genommen hätte.

    Zum Nicht-Nicht-Denken-Können: Vielleicht müssen wir einfach nur
    ganz intensiv daran denken, wie es wäre, wenn wir nichts denken
    würden, also auch nicht daran denken würden, wie es wäre, wenn wir
    nichts denken würden, also auch an nicht denken würden, wie es wäre…

    Liebe, gedankenversunkene Grüße,
    Ulf

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Christa,

    ja, wir haben gemeinsam gedacht, und passiert ist nichts 🙂
    Du wolltest doch nicht „spammen“, und was sehe ich da,
    bloß weil ich zu träge bin, mal bei Dir vorbeizuschauen,
    weil Du mich neugierig gemacht hast, mit Deinem Kommentar,
    was also passiert da?
    Ein Pingback… So, so 🙂

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  9. Ulf Runge sagt:

    Liebe Martina,

    Du haderst, weil beim Denken nichts rauskommt?
    Doch es kommt was raus, das weißt Du auch,
    die Dinge müssen nur reifen.
    Da muss man schon mal Geschirr spülen,
    ein ander Mal im Stau stehen oder auf den Zug warten,
    und dann sind da nicht nur die Gedanken da,
    sondern auch die Beschlüsse, Entscheidungen.
    Und da fragt sich dann allerdings,
    wie kommen die Gedanken in den Bauch? 🙂

    Liebe Grüße, Ulf

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