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Archive for März 2008

Stille

28. März 2008 8 Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs,

es ist still geworden hier die letzten Tage. Das hat verschiedene Gründe.

Zum einen brauche ich eine Pause.

Ruhe.

Stille.

Die werde ich hoffentlich in den nächsten Tagen ein bisschen finden. Mal woanders rein sehen. Rhein sehen. Und dann wir weiter sehen.

Zum anderen? Prioritäten!

Manchmal muss man das eine tun, und muss dann andere bisweilen lassen. Zumindest für kurze Zeit. Ich glaube, wir lesen uns im April wieder. Am 5., hoffe ich mal.

Bis dahin herzliche Grüße und eine gute Zeit,
Ulf Runge

© Ulf Runge, 2008

Mein “letztes” Buch – Eine “erste” Annäherung

25. März 2008 6 Kommentare

Ein gutes Buch
Foto: © Althea / PIXELIO

Leben 239 – Dienstag, 25.03.08

Ich lese gerade mein „letztes“ Buch. Darüber wird noch zu berichten sein. Während der witzige Titel „Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat“ mich zum hemmungslosen Spontankauf verleitet hat, auch die Buchhändlerin zwinkerte mir zu, dass ich doch bitte trotzdem weiterhin zum Bücherkauf kommen solle, na egal, ich werde davon berichten, und diesen Satz lasse ich mal so stehen.

Und während ich dieses Buch lese, ich will noch nicht zu viel vorwegnehmen, nur so viel, passiert ne ganze Menge mit mir. Die Dimension der Zeit, des Vergänglichen, der verblassenden Erinnerung, des sich verändernden Damals, diese Dimension wird mir bei der Lektüre dieses Buches so bewusst wie bisher nur selten.

Ich bin aufgewachsener Kölner, sage ich immer, scherzhaft. Und das Aufwachsen in Köln ist schon „verdamp lang her“, die Erinnerungen werden immer schöner, immer geschönter.

Ohne das Buch von Pierre Bayard schon fertig gelesen zu haben, fühle ich, dass ich den Kauf dieses „Witzes“ teuer bezahlen muss, weil über den Humor hinaus – nur vordergründig lustig – die unfreiwillige Gehirnfunktion „Vergessen“ immer mehr meine Gedanken kreisen lässt.

Beispiel: Ich bin Führerscheinbesitzer. Will sagen, habe 1972 meinen Führerschein bestanden. Und seither auch den „Lappen“ nicht abgeben müssen. Will fragen, ob ich heute die Theoretische noch bestehen würde. Ich gebe zu, meine Antwort kommt da nicht so spontan. Und behaupte, dass mich bei der Praktischen ziemlich zusammenreißen müsste, aber das ist ein anderes Thema.

Anderes Beispiel: Ich habe Großes Latinum. Schön. Nett. Und? Kreuzworträtsel, Jauch-am-Fernseher-Gucken, aus dem Lateinischen entlehnte Wörter im Deutschen, Englischen, Französischen. Das waren die konkreten Einsatzgebiete. Will bedeuten: Da nicht praktiziert, verblasst das „Große Latinum“.

So ist es mit allem, was wir nicht täglich, nicht regelmäßig mit unseren grauen Zellen einüben. Die Dinge verblassen, verselbständigen sich. Das Gehirn schafft sich eine neue Wirklichkeit in der Vergangenheit.

Ob die Fritten am Strohhut wirklich so gut waren, wie es die Erinnerung mich glauben machen will, weiß ich nicht. Wir kamen vom Schwimmen im Müngersdorfer Stadion, waren des Fahrradstampelns müde, und dann der technische Halt an der Venloer Straße: Fritten mit Mayo und Ketchup. Und Curry. Ob die mir heute noch schmecken würden? Wohl weniger. Aber damals! Nix ging da drüber.

Und dann sind wir bei einem der zentralen Themen dieses Buches: Was weiß ich denn noch von den Büchern, die ich damals gelesen, von den Museen, die ich seinerzeit besucht, von den Konzerten, die erlebt habe. Und da wird mir so richtig bewusst, dass das geschriebene Wort es bei mir am Schwersten hat, während die Bilder und Klänge fast noch präsent sind wie damals. Oder hat selbst die mein Hirn mutieren lassen?

Soweit dieser Zwischenbericht über ein Buch, das als intellektuelle Posse geplant war und nun zu einem Meilenstein meiner Selbstreflexion zu werden auf dem besten Wege ist.

© Ulf Runge, 2008

In eigener Sache – Ein Grußwort an meine Leserinnen und Leser

Leben 238 – Montag, 24.03.08

Zuerst einmal wünsche ich allen, die dies hier lesen, noch ein friedvolles Rest-Ostern. Von ganzem Herzen.

Ob mir nichts mehr einfällt, was ich berichten könnte? Höre ich fragen.

Doch. Doch. Sage ich zu meiner Verteidigung. Und stelle fest, dass mir augenblicklich etwas die Zeit fehlt, will sagen, dass ich andere Prioritäten setze, setzen muss.

Und dann die vielen Fragmente, die zu keinem fertigen Text reifen wollen.

Und dann die Wut. Die ich zügeln und bändigen muss. Über Presseartikel, die einen sieben Tage alten Sachverhalt wie eine völlig neue Meldung bringen. Die nicht selber recherchiert sind, sondern nur nachgeplappert, irgendwelchen Analysten nachgeplappert.

Die Artikel schreiben über eine Firma, die Sorgenkind sei, Verluste mache. Und ein Blick in die Bilanz straft diese Schreiberlinge Lügen. Schwarze Zahlen, aber nicht geldgeilheitbefriedigend genug.

Egal. Der Versuch, dieses Thema via Parabel zu adressieren, ist noch nicht so reif, wie ich wünschte. Eine Argumentation auf der Sachebene steht mir nicht zu, da ich ja nicht Anno Nuehm bin.

Und so bleibe ich womöglich mit meinem heutigen Beitrag für viele ein Rätsel…

Ich wünsche allen Menschen guten Willens ein gesegnetes Osterfest.

Herzliche Grüße,
Ulf Runge

© Ulf Runge, 2008

In Emtern möcht‘ ich nicht wohnen

20. März 2008 6 Kommentare

Am Stadtrand

Foto: © Jörg N / PIXELIO

Leben 237 – Donnerstag, 20.03.08

„It’s your life“ dröhnt es durch den Wagen, bis Smokies Musik der Stimme des Nachrichtensprechers weicht. Er liest das Neueste aus aller Welt, Nachrichten durchfluten den Äther. Nach den schlimmen Meldungen aus aller Welt noch eine Nachricht aus Deutschland. Ca. 500 PCs seien in den vergangenen Jahren verloren gegangen, in Ämtern und Behörden.

„Hast Du gehört, 500 PCs weg, einfach so!“ „*$+%????“ guckt mich meine Tochter an. „Hörst Du da etwa zu, wenn keine Musik kommt?“ fragt sie mich verständnislos.

Ich erkläre ihr das mit den verloren gegangen PCs, hoffe zumindest, dass meine Erklärung den Weg in ihre Synapsen finden möge.

Wir sind angekommen, steigen aus, ich fange so etwas auf wie „möcht‘ ich nicht wohnen.“ „Was hast Du gesagt, wo willst Du nicht wohnen?“

„Na in Emtern!“ „Wie bitte?“ Guckt mich an, hey Alter, was checkst Du nicht, sagt Ihr Gesicht.

„Weil Du Dich da unsicher fühlen würdest? Weil da die PCs wegkommen?“ Sie nickt. Ist ihr Alter also selber drauf gekommen…

„Ich glaube ich muss Dir was sagen. Emtern, das ist keine Stadt, keine Land. Ämter, das sind Rathäuser zum Beispiel. Wo Menschen arbeiten, die von unseren Steuergroschen leben.“

Wir lachen und sagen laut: „In Emtern möcht‘ ich nicht wohnen!“

© Ulf Runge, 2008

Mausohren – Guten Appetit!

17. März 2008 14 Kommentare

Leben 236 – Montag, 17.03.08

Sie stand neben mir. Gab ihre Bestellungen auf. Bezahlte. Ging.

Ich war dran. Gab meine Bestellungen auf. Wollte gerade „Ein Bund Karotten“ sagen. Als sie wieder neben mir stand. Sie habe noch etwas vergessen. Ja, selbstverständlich, meinte ich, könne sie. Was ich nicht leiden könne, seien Vordrängler. Sie auch, meinte sie, bedankte sich. „Mausohrensalat. 200 Gramm“ hörte ich sie sagen.

MAUSOHRENSALAT?

Selbst die Marktfrau, die viel erlebt, gesehen und gehört haben mag, zog die Augenbrauen hoch, wollte wissen, ob sie richtig verstanden.

Ja, Mausohrensalat, der da, meinte meine Ich-habe-was-vergessen-Nachbarin.

Feldsalat. Ackersalat. Das wollte sie.

Ach ja, Ihr kennt das hier gar nicht. Das sagt man ja nur im Saarland, wir sagen halt Mausohrensalat…

© Ulf Runge, 2008

Ruf mich an – und ich bin dran

16. März 2008 4 Kommentare
Leben 235 – Sonntag, 16.03.08

Eine alte Frau im Rollstuhl, die von ihren Kindern nicht mehr besucht wird, ein Ehemann, der nicht davon lassen kann, ins Bordell zu gehen, eine Mutter, die den Kontakt zu ihrer Tochter verloren hat, das war die Ausbeute des heutigen Abends. Sie hatten gerade noch die Sendung nachbesprochen, jetzt ging jeder nach Hause, Martin hastete über den Hof zu seinem alten Käfer, klitschnass hechtete er in den Sitz, er startete den Motor, die Wischer kamen fast nicht nach, der Asphalt glänzte in der Nässe, spiegelte von den entgegenkommenden Scheinwerfen.

Der alten Frau hatte er nicht wirklich helfen können, nur zuhören, Trost spenden, nur die Nachbarn kümmern sich um sie, und die Pflegestation, aber das ist alles. Keine Kinder, keine Enkel, keine Nichten und Neffen. Dagegen gibt es keine Versicherung, dachte Martin bei sich, und dass ihm sowas immer noch nahe geht. Über zwei Jahre schon mache er seine Radiosendung, eine Stunde Gespräche, ganz ohne Musik, von Mitternacht bis Eins. Die Quote stieg, immer weiter, interessierte, wohlwollende Zuschriften nahmen kein Ende, um seine Zukunft brauchte er sich keine Sorgen zu machen.

Die Sicht wurde schlechter, die Wassermassen sorgten dafür, dass sein Auto endlich mal gewaschen wurde, dachte Martin bei sich, als es ihn fast aus dem Sitz riss, als er fast auf die Windschutzscheibe knallte, geistesgegenwärtig die Kupplung drückte, um dann festzustellen, dass der Motor aus war. Das Licht brannte noch, zum Glück und ließ er den Wagen an den rechten Rand ausrollen. Einige Male versuchte Martin noch, den Wagen zu starten, aber alles Essig.

Die von der Pannenhilfe meinten dann, es könne wohl zwei Stunden dauern, bei dem Regenchaos sei gerade viel los. Die Taxizentrale sicherte ihm zu, dass er höchstens eine Viertelstunde warten müsse, so dass ihm die Entscheidung leicht viel. Das Auto würde er hier bis morgen stehen lassen.

Glücklich verheiratet und dann doch nur im Bordell befriedigt? Martin ging dieser Mann durch den Kopf. Symphathische Stimme, ein Mann zum Stolzsein, ganz bestimmt. Seine Frau würde bestimmt im Fragebogen „glücklich verheiratet“ antworten. Ohne zu ahnen, dass sie mit einem Schauspieler verheiratet ist. Na ja, sind wir nicht alle irgendwie Schauspieler, setzen uns Masken auf nach Belieben? Es konnte nicht sein Auftrag zu moralisieren. Das Gespräche mit diesem Mann verlief trotzdem sehr konträr, weil es ihm gelungen war, seinen Gesprächspartner in die Gefühlslage seiner Frau hineinzuversetzen, sein Verhalten mit anderer Brille zu betrachten. Er wird sich kaum ändern, dachte Martin, als er im Rückspiegel das Taxi wahrnahm.

Die junge Frau am Steuer wahr wohl erleichtert, dass es sich bei seiner Panne nicht um eine Falle gehandelt hat, dass da wirklich jemand in Not einfach nur befördert sein will. Das sei sowieso eine merkwürdige Nacht, sagte sie zu Martin, der sich auf den Ohrwurm aus dem Autoradio konzentrierte. Merkwürdige Nacht? Wieso merkwürdige Nacht, dachte er bei sich? Wieso merkwürdige Nacht, fragte er seine Chaufferin teilnahmsvoll.

Ach! Sagte sie. Und schwieg. Lange. Bis sie ihr Schweigen aufgab. Sie habe heute eine Begegnung der dritten Art gehabt. Sie höre sehr gerne diese „Ruf mich an – und ich bin dran“ Sendung, bei der man anrufen könne, wenn man jemanden brauche, der einem zuhört, vielleicht auch einen Rat gibt. Und dann sei es ihr eiskalt über den Rücken gelaufen, sie habe geglaubt, die Stimme ihrer Mutter zu hören. Fast zehn Jahre hätten sie sich nicht gesehen, gesprochen, geschrieben, nachdem sie sich zerstritten hätten. Es sei auch egal warum, der Schmerz saß tief, sitze immer noch tief. Aber heute, als sie die Stimme ihrer Mutter, die Verzweiflung in ihrer Stimme gehört habe – Tränen schossen aus den Augen seiner Chaufferin, Martin war hellwach, half ihr den Wagen sich an den Straßenrand zu lenken, damit sie ihrem Gefühlsausbruch freien Lauf lassen könne.

Geht schon wieder, meinte sie dann, und sie entschuldigte sich, fuhr Martin nach Hause, wollte 22 Euro, bekam 25, Martin verließ den Wagen, ging zu seiner Haustür.

Drehte sich um, winkte ihr zu, winkte ihr heftig zu, sie hielt noch mal an, sah ihn erstaunt an, als er sie fragte, ob sie noch auf einen Espresso mit zu ihm hoch käme. Nur Espresso, sonst nichts.

Sie wusste nicht warum, sie ließ sich darauf ein, der Mann war bestimmt zwanzig Jahre älter als sie, drei Stockwerke, kein Fahrstuhl, er schnaufte, sie aber auch, sie war das Treppensteigen nicht gewohnt.

Er schloss die Wohnung auf, das Licht ging an, eine feuchte Zunge fing an, ihre Hand zu lecken. „Der beißt nicht, der küsst nur!“ grinste er sie an, während der Collie sie schwanzwedelnd begrüßte.

Nach diesem Todesschrecken ließ sie sich in das Sofa fallen, wobei der Collie das Lecken nicht mehr aufgab. „Espresso habe ich angeboten. Ist das immer noch okay?“ „Doppio!“ rief sie zurück. Ein merkwürdiger Typ und sie dachte sich, die Stimme, die Stimme, die… Und sah sich um, und sie blieb hängen an der Wand gegenüber, Fotos ohne Ende, Stars und Sternchen, Zeitungsartikel, und mehrfach die Überschrift „Ruf mich an – und ich bin dran!“

Gibt’s doch nicht. Zwick mich. Dachte sie. Da kam Martin mit dem Kaffeegeschirr, und sah ihren Blick gefangen an seiner Medienwand. Grinste sie an.

„Wenn Sie möchten, fahren wir nach dem Espresso noch mal ins Studio. Rufen Ihre Mutter an.”

© Ulf Runge, 2008

Long road out of Eden

15. März 2008 6 Kommentare

Eagle has landed

Foto: © Marcello66 / PIXELIO

Leben 234 – Samstag, 15.03.08

Hm, ich bleibe bei der Musik. Will sagen, heute ist wieder nichts mit Kurzgeschichte und so. Seit Herbst vergangenen Jahres hat mich mein Lieblingssender (und jetzt alle: SWR1 Rheinland-Pfalz) mit der Musik einer neuen CD immer wieder zugeschüttet. Und in meinen Ohren nicht nur einen, sondern gleich mehrere Ohrwürmer hinterlassen. Nun waren diese Wochen nicht gerade die Zeit, dass mein Konto zu mir gesagt hätte, kauf Dir dies und das, und so habe ich mir immer wieder verkniffen, das neue Album der Eagles zu kaufen. Bis zum letzten Wochenende.

Nun muss ich sagen, bin ich prinzipiell ein Kunstbanause. Sogar bei der Musik. Die Musik, die ich mag, da kenne ich die Interpreten und die Titel schon, kann sie meistens auch auf der Zeitachse zuordnen. Aber bitte, man frage mich nicht nach Stilrichtungen, und wie man sie sauber voneinander unterscheidet.

Deshalb wird es mir auch nicht gelingen, das neue Album der Eagles nach Stilrichtungen zu differenzieren. Lässt es sich auch nicht. Das werde ich gleich durch ein kleines Experiment klar zu machen versuchen.

Doch zuvor noch ein Hinweis auf „meine Eagles“ der vergangenen Jahre. Die gibt es nämlich gar nicht. Auch wenn sie laut Wikipedia eine der erfolgreichsten amerikanischen Country-Rock-Gruppen der 70er waren, irgendeinen Titel habe ich nie mit ihnen gedanklich verküpft. Nicht einmal „Hotel California“. So ist das also mit den Eagles und mir, was die Vergangenheit angeht.

Das wird sich ändern. Ihr erstes Studioalbum seit 28 Jahren, „Long Road Out Of Eden“, liegt vor mir, eine Doppel-CD, bezahlt habe ich ca. 17 Euro, war zu geizig die ca 24 Euro für eine aufwändigere Produktion mit zusätzlichem Heftchen und zwei Bonustracks auszugeben. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte.

Schön ist, dass auch bei meiner „low price“ Version sämtliche Songtexte in einem kleinen Beiheft abgedruckt sind. Ansprechende Lyrik, zum immer wieder Lesen, Mitsummen, Mitsingen.

Also, ich wage mich jetzt auf das schlüpfrige Feld, eine Kurzkritik zu diesem Album abzugeben:

Super, klasse, witzig, einfühlsam, fetzig, sentimental, ohrwurmig!

Das hilft nicht so recht weiter. Deshalb jetzt ein Experiment. Ich stelle mir mal vor, es gäbe die „Hotel California“-Eagles nicht, und müsste jetzt die einzelnen Titel anderen Urhebern, Interpreten zuordnen. (Was das soll? Ich erwarte, dass morgen heute die Verkaufszahlen signifikant hochgehen, weil viele neugierig sein werden auf diese Vielfalt!)

Titel

Wenn es die Eagles nicht gäbe, dann hätten folgende Interpreten vielleicht diesen Titel irgendwann “erfunden”

Kommentar

1.1
No more walks in the wood

Crosby, Stills, Nash & Young

a capella;
dort wo man sich zur ersten Liebe traf, steht der Wald nicht mehr.

1.2
How long

(Eagles, sonst niemand :-) )

Ohrwurm;
wie lange wird seine Liebe auf ihn warten?

1.3
Busy being fabulous

Rod Stewart

Ohrwurm; Kaufgrund;
wenn man zu spät erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben…

1.4
What do I do with my heart

Take That

Tempotaschentücherstehblues;
es ist aus, aber es ist noch nicht ausgesprochen

1.5
Guilty of the crime

Status Quo

gewöhnungsbedürftig; witzig;
wenn man sich bekennt, schuldig zu sein, schuldig des „Verbrechens“ zu lieben…

1.6
I don’t want to hear anymore

Phil Collins, Take That, Bee Gees

Tempotaschentücherstehblues; es ist aus, und es braucht nicht mehr ausgesprochen zu werden

1.7
Waiting in the weeds

Snow Patrol, Take That

Tempotaschentücherstehblues;
die Liebe ist den Bach runter gegangen, langsam, ganz langsam…

1.8
No more cloudy days

Take that

flotte Liebeserklärung

1.9
Fast company

Candy Dulfer & Funky Stuff, Temptations, Michael Jackson

funky soul;
über uns
ere hektische Zeit und die Suche nach Orientierung

1.10
Do something

Crosby, Stills, Nash & Young, Take That

Ohrwurm, country blues;
eindringliche Aufforderung, es noch einmal miteinander zu versuchen

1.11
You are not alone

Ralph McTell

country blues;
sentimale Freundschaftserklärung

2.1
Long road out of Eden

(Eagles, sonst niemand :-) )

außergewöhnliches Musikbild unseres Auszugs aus dem Paradies, über die Veränderung der Welt durch den Menschen.

2.2
I dreamed there was no war

Trevor Jones, Spotnicks

Wenn man eine Titelmusik für Notting Hill -2- bräuchte, das wäre sie…

2.3
Somebody

Chris Rea

Eiskalte Schauer laufen Dir den Rücken rauf und runter, wenn Du diese Musik hörst, den Text dazu liest

2.4
Frail grasp on the big picture

Eric Clapton

beat-blues;
Was wissen Verliebte von der Liebe?
Was lernen wir aus der Geschichte?

2.5
Last good time im town

Eric Burdon

latino-rock;
außergewöhnlich, stark!
mal nur sich selbst sein, heute zu Hause bleiben, Kreuzworträtsel raten…

2.6
I love to watch a woman dance

Ralph Mc Tell

so schön hat noch kein Mann den Frauen der Welt gesagt, wie schön es ist, sie tanzen zu sehen, tanzen zu spüren, atmen zu spüren

2.7
Business as usual

Pink Floyd

Das ist ein verdammt treffender Text über die Art und Weise, wie es (mitunter) im Geschäftsleben und am Marktstand zugeht; wobei, beim Marktstand weiß ich, da ist das Drängeln die Ausnahme…

2.8
Center of the universe

Crosby, Stills, Nash & Young

Ballade;
wenn man hofft, sie wiederzusehen; und sich sicher ist, dass das nur am Mittelpunkt des Universums sein wird

2.9
It’s your world now

Roy Orbison (nicht seine Stimme, aber seine Art zu interpretieren)

Du bedeutest mir so unbeschreiblich viel, und doch muss ich gehen

Am Ende bleiben und wollen nicht mehr gehen: Besitzergreifende Lyrik und eine reife Musik, Töne und Noten…

© Ulf Runge, 2008

Ohrwurm, bleib noch was

Luxus-Suite für diesen Ohrwurm

Foto: © Joujou / PIXELIO

Leben 233 – Donnerstag, 13.03.08

Ohrwurm. Immer wieder kommt er vorbei. Auf meinem „Grufti“-Sender. Das Beste von Damals, Vormals und Ehemals. Zumindest sagen das die Augen meiner Tochter, wenn ich RPR1 wegschalte, um (und jetzt alle, Ulf macht wieder Werbung für:) SWR1 Rheinland-Pfalz zu hören.

[Super, Ihr habt das schön gesagt, esweerrr-rheinland-pfalz... eins gehört gehört …]

Aktuelle Hits sind die Ausnahme, außer sie kommen von den Eagles (traumhaft) oder Kati Melua (schwärm).

Und wie gesagt, dieser Ohrwurm. Endlich identifiziere ich ihn. „Enjoy the ride“ von Morcheeba. In Wikipedia gibt’s was über die Gruppe, von der ich jetzt zum ersten Mal höre. Und deren Song „Enjoy the ride“ aus diesem Jahr ist. Und nicht mehr raus will aus meinen Ohren.

Ich clicke mich zur Homepage der Gruppe durch, bin begeistert, dort das Stück online in voller Länge hören zu dürfen, allerdings mit einem Video, dass mir nicht direkt was sagt: Homepage von Morcheeba.

Clicke mich durchs Netz. Finde eine sehr schöne Karaoke-Vorlage: http://www.youtube.com/watch?v=1CTBOskmXaE&feature=related.

Und dann einen (enttäuschenden) Live-Mitschnitt:
http://www.youtube.com/watch?v=WyLP3JpT2IE&NR=1

Wobei bei diesem die Kommentare lesenswert sind: Judie, Judy, Jody? Nein, Manda, löst da jemand auf. Köstlich…

© Ulf Runge, 2008

Ich wär so gerne Anno Nuehm

13. März 2008 17 Kommentare

Menschenmassen

Foto: © Schemmi / PIXELIO

Leben 232 – Donnerstag, 13.03.08

Ich wär so gerne Anno Nuehm.

Warum?

Weil ich dann wahrscheinlich genauso witzig und kreativ schreiben könnte, wie Anna Nuehm.

Aber Spaß beiseite, jetzt wird es ernst.

Wer anonym unterwegs ist im Netz, der hat es leichter. Sie oder er kann Autobiografisches runterschreiben ohne jede Rücksichten. Ob jemand in der Familie stundenlang versucht hat, mit der Videorecorder-Fernbedienung den Fernseher zu bedienen, das ist nur so lange lustig, so lange man nicht auf der Straße angesprochen wird, etwa so: „Machen Sie sich nichts draus, was Ihr Sohn da in seinem Blog schreibt, ist mir auch schon passiert. Hab’s bloß was schneller gerafft. Hihi. Schönen Tag noch!“ Anmerkung: Natürlich ist dieses Beispiel frei erfunden. Ich bitte um Beachtung!!!

Dass man die Nachbarn dabei beobachtet hat, wie sie ihren Müll in fremde Eimer leeren. Anmerkung: Auch frei erfunden.

Aber jetzt ist klar, worauf ich hinaus will, oder?

Wenn man berichtet, autobiografisch schreibt, dann macht es nicht so viel Spaß, wenn man Rücksichten nehmen muss.

Einziger Ausweg. Blog auflösen. Neuen anonym aufmachen. Etwa als Anno Nuehm. Die Kommentierer per Email anschreiben, dass man jetzt anders heißt. Und das soll kein Schw… merken? Dass sich die gleichen Kommentierer von einem Tag auf den anderen auf einem völlig neuen Blog einfinden? Nein, das klappt nicht. Irgendwer, vielleicht so gar ich selber, verplappert sich. Lügen haben kurze Beine. Geht also nicht.

Weiterer (!) einziger (!) Ausweg. In die Phantasie flüchten. Etwa zum Besten gebe, dass einem der beste Freund folgende Geschichte erzählt habe. Glaubt doch keiner mehr, nachdem ich diese Zeilen hier geschrieben habe, oder?

Und da stellt sich generell die Frage. Gibt es überhaupt nicht-autobiografische Literatur?

Marcel Reich-Ranicki habe ich – sinngemäß – mal sagen hören, dass das soeben besprochene Buch „ja garrrr keihhhne Littterahhtuhr“ sei, da autobiografisch.

Ich bin soweit, dass ich es genau andersherum glaube, und das gilt für mich auch für Science Fiction: Wenn es nicht unsere erlebten Erlebnisse sind, unsere erhofften Erlebnisse, unsere ersehnten Erlebnisse, wie können wir dann darüber berichten? Ist die Phantasie denn nicht gerade die Wirklichkeit, die wir durch das Schreiben erschaffen?

Will sagen: Zu spät! Hätte gleich anonym anfangen müssen. Hab ich nicht. Der Weg in den Untergrund wird mir nicht helfen. Man wird mich stellen: Bisweilen wird man „bisweilen“ in meinen Texten aufspüren, die Spur wird gelegt sein, die Meute mich finden.

Aber es gibt auch einen Vorteil dabei: Wenn mir jemand irgendwas zuerkennen will, etwa den Deutschen Kleinkunstpreis für seniore Juniorblogger, oder so, der findet mich auch recht schnell im richtigen Leben. Mainz, Stockholm, rufet nur, ich komme…

© Ulf Runge, 2008

Zwei Liebesperlen

Leben 231 – Dienstag, 11.03.08

Zwei „Liebesperlen“ im Netz ich fand,
beim Künstler, der mir völlig unbekannt,
die Perlen, die link ich jetzt mal hier herein,
Herr Wartke soll fortab kein Fremder mehr sein.

Bodo Wartke (ja, den Link hatten wir schon)

Bodo Wartkes Liebesliedgenerator (ja, den Link hatten wir schon).

Bodo Wartke: Ich trau‘ mich nicht (ja, hatte ich schon in einem Kommentar hierdrauf hingewiesen).

Bodo Wartke und Melanie Haupt (aus Paris!): Quand même, je t’aime.

© Ulf Runge, 2008

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