Gelbe Ampel? Grün!

Bald nur noch Vergangenheit

Foto: © Claudia Hautumm / PIXELIO

Leben 161 – Mittwoch, 19.12.07

Einsetzender Berufsverkehr in Ehrenfeld. Die Straßen waren gut voll. Mittenmang fuhr ich, einen 20m-Schlitten (nein, keine 20 Meter lang, sondern das damalige Flaggschiff von Ford) unter dem Hintern. Inzwischen konnte ich fahren, glaubte ich, wusste ich eigentlich, die morgige Fahrprüfung war eigentlich nur noch Formsache. Vor allen Dingen, ich fühlte mich recht sicher, wusste aber, dass zu allem Können immer noch das nötige Glück gehört. Auf jenes hoffte ich allerdings für morgen.

Er wolle noch einmal eine typische Prüferstrecke mit mir abfahren, meinte mein Fahrlehrer, und so kurvten wir auf ein- und zweispurigen Straßen, teilweise Kopfsteinpflaster, mitunter auch über Straßenbahnschienen, volle Konzentration war gefordert.

Sechs Wochen lang hatte ich mir durch Jobben das nötige Geld für die Fahrschule verdient, morgen sollte geerntet werden. Führerschein, ich komme!

An der Ampel da vorne solle ich rechts abbiegen, mich sofort links einordnen und nach links abbiegen. Ich ordnete mich nach rechts ein, als erster an der roten Ampel.

Wenn das morgen nicht klappt, wird es eng, dachte ich mir. Nächste Woche bist Du schon beim Bund, viele Kilometer weg von hier, da kann ich mir die Nachprüfung erst mal abschminken. Und Kohle hätte ich eh keine dafür. Also: Morgen muss es klappen!

Grün! Ich biege rechts ab, gleich links rüber und auch schon links abgebogen. Voll konzentriert auf Strecke und Tacho (maximal 50, bitte!) fahre ich weiter, als mich die Stimme des Fahrlehrers aus meiner Tagträumerei herausreißt. „Sie sind der Erste!“ Sagt er mit einem Ton der Bewunderung und Verwunderung zugleich. Was will er mit sagen? „Sie sind der Erste, der bei dieser Ampel noch bei Gelb durchgekommen ist! Respekt!“ Nun, die Ampel war doch grün, ich war doch der erste, der um die Kurve bog, ich bin etwas ratlos. „Wie meinen Sie das, bei gelb? Es war doch grün!“ „Ja, natürlich war sie grün, die Ampel. Die erste. Die zweite aber war gelb!“ Zweite Ampel? Wo? Beim Linksabbiegen hätte mir eigentlich die gelbe Ampel auffallen müssen…

Der Tatbestand, dass ich soeben eine Ampel überfahren habe, egal ob rot, gelb oder grün, befördert mein Selbstvertrauen nun diametral in die falsche Richtung, die Generalprobe war also gründlich in die Hosen gegangen. Das würde ja morgen was werden, wohl eher nichts.

Und dann die Fahrprüfung. Zuerst musste ich bei der Fahrprüfung einer jungen Dame hinten im Auto mitfahren. Wenn andere Fehler machen, die sieht man sofort. Und die junge Dame machte kapitale Fehler. Bei dem, was man so über Prüfer sagt, war klar: Die ist durchgefallen. Schade, dachte ich mir.

Und jetzt bin ich also dran. Jetzt sitzt die junge Dame ziemlich aufgelöst hinten im Wagen, sie ahnt, dass es nichts war, ich ahne, dass es gleich nicht gewesen sein wird bei mir…

Während ich fahre, merke ich, dass ich mich beim Fahren beobachte. Ist ja schön, wenn man sich selber bei etwas beobachten kann. Doch das empfand ich nun absolut störend. Wollte ich vor dem Prüfer wissen, wann ich durchgefallen war?

Die Fahrt ist zu Ende, der Prüfer ist sehr freundlich zu der jungen Dame, bietet ihr einen Nachprüftermin nächste Woche an, da werde sie es bestimmt schaffen. Ein freudiges Lächeln huscht über ihr Gesicht, alle im Wagen sind sich einig, nächste Woche wird sie es packen.

Dann schaut mich der Prüfer streng an, maßregelt mich für zwei Situationen, die ihm nicht gefallen haben, um mir dann doch gratulierenderweise das heiß ersehnte Papier zu geben.

© Ulf Runge, 2007

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. andrea2007 sagt:

    Lieber Ulf, was für eine spannende Geschichte…und.. puh,geschafft, den führerschein.wenn ich mir so dein foto anschaue, hast du dich seitdem ziemlich verändert, *lach* lgr andrea

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  2. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,
    ich weiß, warum ich nicht meinen Führerschein hier abgebildet habe.
    Das ganze Internet würde vor Lachen einen Bauchfellkrampf bekommen, und dann wäre Essig…
    Liebe Grüße, Ulf

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