Dafür bist Du noch zu klein

Ankreuzen 2

Foto: © S. Hofschlaeger / PIXELIO

Leben 158 – Samstag, 15.12.07

Dafür bist Du noch zu klein.

Das war ein Spruch, den ich so oder ähnlich immer zu hören bekam. Als Kind natürlich häufiger als als Jugendlicher. Natürlich wollte ich so schnell wie möglich groß werden, wachsen, alt genug sein. Um endlich zu dürfen, was dann meistens uninteressant wurde, als ich „groß genug“ war.

Und weil es schick war, bin ich mit 14 – frisch konfirmiert – raus aus dem Reli-Unterricht. Der war gar nicht so schlecht gewesen, weil wir dort dank eines engagierten Lehrers den Freiraum bekommen hatten, über Dinge zu diskutieren, die uns wirklich bewegten: Große Koalition, Notstandsgesetze, Bader-Meinhof. Aber die 14 war da, und der Reli-Unterricht wurde gekündigt. Oh, wie fühlten wir uns „groß“!

Zu meiner Zeit durfte man ab 16 in der Öffentlichkeit rauchen. Natürlich fing ich mit 15 an, weil, es war verboten, das war der Reiz. Geschmeckt haben diese „Ich-will-auch-dabei-sein“-Zigaretten sowieso nicht.

Und heute? Da bekomme ich mitunter schon mal zu hören: „Bist Du dafür nicht zu alt?“

Das Fallschirmspringen werde ich wohl nicht mehr anfangen wollen, aber das hat auch damit zu tun, dass ich selbst im Schwimmbad nicht gerne vom Brett springe, nicht mal vom 1er.

Im Ernst: Man ändert im Lauf der Zeit seine Ansichten und Einsichten. Oft entwickelt man sie weiter, manchmal ändert man sie radikal. Man ist sicherlich gut beraten, wenn man sich selber und auch anderen gegenüber begründen kann, warum man seine Meinung ändert, die Ziele neu steckt.

Wann immer die Dinge augenscheinlich in den Brunnen gefallen waren und es eigentlich keinen Anlass mehr gab zu hoffen, dann habe ich immer gerne eine Haarwasser-Werbung zitiert. Vorher noch ein kleiner Exkurs…

Haarwasser? Was das ist? Früher, im Vor-Gel-Zeitalter, haben sich das die Herren in die Haare eingerieben, das gabe es ohne und mit Alkohol (äußerlich anzuwenden), und dann haben diese Herren sehr intensiv gerochen, nach Haarwasser. Die einen haben’s gemocht, die anderen nicht. Das ist ja im Moschus-Zeitalter auch nicht viel anders.

Das bekannteste Haarwasser meiner Jugend war Diplona. Bevor ich jetzt hier weiterschreibe, sehe ich mal im Internet nach, ob es das noch gibt. So ganz schlüssig kann ich aufgrund meiner Recherche diese Frage nicht beantworten, aber der Name lebt definitiv weiter in einer Haarpflegeserie, die heute noch Diplona heißt.

Und um das, worauf ich jetzt eigentlich hinaus will, diese Haarwasser-Werbung, um das also noch einmal abzusichern, suche ich und stoße dabei auf www.slogan.de. Dort finde ich: „Es spricht sich rund von Mund zu Mund – Diplona macht das Haar gesund.“ Brüll!

Und aber auch, worauf ich, jetzt wieder ganz ernsthaft, hinaus möchte: „Es ist nie zu früh und selten zu spät für Diplona.“ Das „für Diplona“ lasse ich natürlich gerne weg, wenn ich eine vermeintlich schwierige Situation für lösbar halte oder eine augenscheinlich späte Entscheidung treffe.

So wünsche ich allen für ihre schwierigen Situationen und überfälligen Entscheidungen die unumstößliche Zuversicht, die aus diesem Sinnwort spricht:
„Es ist nie zu früh und selten zu spät!“

© Ulf Runge, 2007

 

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Christa sagt:

    Morgen Ulf,

    vielen Dank für diese schöne Zeitreise. Ab und an derartige Rückblicke lassen mich auch verständnissvoller mit meinen Kindern umgehen

    LG Christa

    Liken

  2. Barbara sagt:

    Lieber Ulf,

    da kann ich dir nur beipflichten. Nicht beim Haarwasser, das habe ich nie benutzt. 😉
    In meinem hohen Alter *g* habe ich vor 1 Jahr einen harten Schnitt gemacht und noch einmal völlig neu angefangen, um mir vor meinem Ableben *gg* endlich den Wunsch nach einer anderen Lebensart/Wohnsituation zu erfüllen. Getreu dem Motto: Es ist nie zu spät (neu anzufangen), sind Ort, Haus, Partner, Katzen, Job etc. völlig neu. Bereut habe ich es bislang keine Sekunde, obwohl ich teilweise immer noch in so etwas wie Anfangsschwierigkeiten stecke.
    Es ist nie zu spät, sich aus Situationen, die unlösbar scheinen, doch zu lösen – und das in jedem Alter. Man kann nicht zu alt für etwas sein – diese Messlatte steckt man selbst.

    Lieben Gruß
    Barbara

    Liken

  3. Ulf Runge sagt:

    Liebe Christa,

    danke, das freut mich, wenn eine RÜCKblende zu mehr VORsicht führt. 🙂

    Liebe Grüße, Ulf

    Liken

  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Barbara,

    eine Zaesur kommt selten allein, das habe ich auch schon vergleichbar umfassend wie Du hinter mir.
    Daraus kann man ja auch lernen, dass zukünftige Schnitte auch schon mal etwas überschaubarer ausfallen dürfen 😉
    Statt eines Vulkanausbruchs reicht es ja manchmal, einfach einen neuen Weg durch schwieriges Gelände zu finden.
    Weiterhin viel Freude und Erfolg im „Neuen Leben“.

    Liebe Grüße,
    Ulf

    Liken

  5. zauberliebe sagt:

    Hallo Ulf,

    schöner Beitrag!!! Wobei mir das Haarwasser nun VÖLLIG unbekannt war 😉

    Ich helf mir da immer mit dem Spruch „Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn ich dran ziehe“ weiter … oder anders gesagt: es gibt für alles den richtigen Zeitpunkt – und den werd ich nicht verpassen! 🙂

    Optimistische Grüße aus Düsseldorf,

    Ulli

    Liken

  6. andrea2007 sagt:

    Lieber Ulf, ein gutes Thema, danke für einen weiteren Gedankenanstoss, dafür bist du zu alt, dafür bist du zu jung, das hört man des öfteren. wer entscheidet das eigentlich? und woher weiss jemand, wie alt oder wie jung ich mich fühle? also mein biologisches alter ist 27, ätsch:-)
    und mit Dir zauberliebe, stimm ich auch überein, dein spruch ist so gut, danke. es gibt für alles den richtigen zeitpunkt.
    liebe grüsse andrea

    Liken

  7. Ulf Runge sagt:

    Liebe Ulli,

    das ist auch ein schöner Spruch, mit dem Gras..
    Werde ich mal ausprobieren… 🙂

    Ebenso optimistische und liebe Grüße, Ulf

    Liken

  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    jetzt werde ich mal lieber nicht meinem biologischen Alter kokettieren 🙂
    Und das Schöne ist ja, dass wir – genügend Selbstbewusstsein vorausgesetzt –
    oftmals selber entscheiden dürfen, ob wir uns zu alt fühlen.
    Beim zu jung sein hat man oftmals noch elterliche Sachzwänge zu akzeptieren 😉

    Liebe Grüße, Ulf

    Liken

  9. andrea2007 sagt:

    Lieber Ulf, jedes Alter hat seinen schönen seiten. wenn ich es mir vom heutigen standpunkt aussuchen könnte, würde ich bei 33-35 mal ein bisschen länger verweilen. das war ein gutes alter für mich, ich wusste, was ich wollte, hatte genug selbstbewusstsein. allerdings kannte ich EUCH alle noch nicht, also – ich bin gern so wie ich bin:-)
    Liebe Grüsse Andrea

    Liken

  10. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,
    das freut mich aber, dass so sein möchtest wie Du bist,
    weil Du uns sonst nicht kennen würdest *kicher*
    Aber Du hast recht, manchmal würde man die Zeit gerne still stehen lassen…
    Liebe Grüße, Ulf

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s