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Archive for September 2007

Leben 91 – Sonntag, 30.09.07 – Merkels Rücktritt beschlossene Sache?

30. September 2007 4 Kommentare

Wie aus wohl unterrichteten Kreisen verlautet, steht die Ablösung von Bundeskanzlerin Angela Merkel unmittelbar bevor.

War war / ist passiert? Nun es gibt da einige politische Verwerfungen, bei denen es Frau Merkel verstanden hat, sich die relevanten Lobbies dieser Welt zum Feind zu machen.

Punkt 1: Frau Merkel hat sich positiv über die Zusammenarbeit mit der CSU und ihrem neuen Parteiführer Huber geäußert. Eigentlich schon Grund genug für so manchen interessierten Kreis, ihr einen Strick draus zu drehen. Aber für eine Entmachtung wohl doch nicht ernsthaft verwertbar.

Punkt 2: Frau Merkel tritt dafür ein, die Klimakatastrophe verhindern zu wollen. Das ist sehr nobel von ihr, und unsere Kinder und die Kinder in der ganzen Welt würden und werden ihr es danken, wenn ihrem Engagement Erfolg beschieden wäre. Leider hat sie damit die Regierung des machtpolitisch bedeutendsten Staates der Erde gegen sich. Das ist schade. Und damit ein weiteres Mosaik-Steinchen auf dem Weg zu ihrer Entlassung.

Punkt 3: Frau Merkel hat sich mit dem Dalai Lama getroffen. Damit hat sie die Regierung von zwei Dritteln der Weltbevölkerung gegen sich. Bedarf es da noch weiterer Argumente, Frau Merkel in den Ruhestand zu schicken?

Bevor wir auf den wirklich relevanten Punkt 4 kommen, bevor ich diese Satire dem Höhepunkt zusteuere,

möchte ich meinen Hut ziehen vor Frau Merkel,
die es sich auf die Fahne geschrieben hat, der Vernunft eine Chance zu geben, wenn es um das Überleben unseres Globus geht,
die lieber Courage zeigt statt die feige Diplomatie ihrer Vorgänger, wenn es darum geht, dem Dalai Lama die gebührende Ehre zu erweisen.

So, jetzt aber zu Punkt 4.

Punkt 4: Titelt doch der Bergsträßer Anzeiger vom 27.09.07, wie leider heute erst bekannt wird, „Merkel tritt Putin in Wiesbaden“. Ist sie da nicht ein bisschen über das Ziel hinaus geschossen, frage ich mich? Bloß weil der Hardliner Putin den Herrn Schröder zum Pipeliner gemacht hat? Ist Wiesbaden denn ein geeigneter Ort, um fremde Staatsoberhäupter – egal wohin – zu treten? Darf sie das überhaupt? Wird das nicht zu internationalen Verwicklungen führen? Bei allem Verständnis für Frau Merkel, aber sollte sie sich da nicht doch ein bisschen zurückhalten?

© Ulf Runge, 2007

 Merkel tritt Putin

 

 

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Intermezzo – 29.09.07 23:35 – Blogsenf

29. September 2007 6 Kommentare

Liebe “Leben”s-freundinnen und -freunde,

es gibt einen neuen Blog, auf den ich hier nicht ganz uneigennützig hinweisen möchte:

blogsenf.jpg

www.blog-senf.de

Renate (Blaes) und Heike (Schubeck) werden ab sofort mit mir, sozusagen als “Trio Moutarde”, einen gemeinsamen Blog führen. Mehr darüber an Ort und Stelle ;-)

Dieser Blog hier wird unverändert meine Experimentalwerkstatt für’s Schreiben bleiben und von den vermeintlich banalen und unbanalen meines Lebens berichten. Ich hoffe weiterhin auf Ihre und Deine Treue zu diesem meinem Blog und ermutige hiermit, dass Sie / Ihr mal einen Ausflug zu unserem neuen Blog wagen. Wir sehen, ahem lesen uns?

Viel Spaß dort und hier ;-),
Ulf

 

© Ulf Runge, 2007

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Leben 90 – Samstag, 29.09.07 – Ebbe und Flut

29. September 2007 8 Kommentare

Das Meer hatte zwei Kinder.

Eines der beiden, die Flut, war groß und stark geraten. Das andere aber, die Ebbe, war zierlich und schwächlich.

Wann immer die beiden miteinander spielten, kam es zum Streit. Die Flut war so riesig, dass man die Ebbe nicht mehr sehen konnte, wenn sie sich berührten. Fortan gingen sie sich aus dem Weg und vermieden jeden möglichen Kontakt.

Das Meer war darüber sehr traurig und bat den Wind, die beiden doch zusammenzubringen, damit sie sich mal aussprächen.

Mehrmals schlug der Wind den beiden einen Termin vor. Doch zu einem Treffen kam es nicht.

Als nämlich die Flut am vereinbarten Treffpunkt erschien, wartete sie vergeblich. Nirgendwo war die Ebbe zu sehen. Und je länger die Flut auf die Ebbe wartete, um so schwächer fühlte sie sich, bis sie schließlich total kraftlos einschlief.

Auch die Ebbe wartete vergebens, doch je länger sie wartete, desto stärker fühlte sie sich und wunderte sich über die merkwürdige Veränderung, die in ihr vorging.

„Wind! Teile der Ebbe mit, dass sie mir gestohlen bleiben kann!“ rief die Flut. Einen ähnlichen Auftrag erhielt der Wind von der Ebbe.

Da sprach der Wind zu den beiden: „Euch ist der größte Spiegel gegeben, den diese Welt zu bieten hat. Schaut in diesen, schaut in Euch hinein, und Ihr werdet erkennen, dass Ihr Zwillinge seid, untrennbar miteinander verbunden, dass der einen Schwäche die Stärke der anderen ist.“

Nun aber erkannten die Zwillinge, dass sie zwei völlig verschiedene und doch gleichwertige Geschwister sind, die nur gemeinsam existieren können.

So kommen Ebbe und Flut heute noch täglich abwechselnd vorbei, um uns zu mahnen, dass wir im Anderen immer wieder neu einen Teil von uns selber entdecken und schätzen lernen.

© Ulf Runge, 2007

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Leben 89 – Freitag, 28.09.07 – Angelegt

Er öffnete diese Tür, von der er sicher war, dass sie vorher noch nicht dagewesen war, oder sollte er besser sagen, dass er sie vorher noch nicht wahrgenommen hatte? Er nahm den Griff in die Hand und wartete, bis sich seine Augen an das heraustretende Dunkel gewöhnt hatten, dann trat er vorsichtig nach vorne, nur einen Schritt erst einmal. Der Boden war feucht und glänzte, es roch nach Teer, vermutlich handelte es sich um eine Trittschalldichtung aus Bitumen.

Tim hätte man in die ganze Welt schicken können, von heute auf morgen, jetzt gleich und sofort, er hatte alles im Rucksack, was er so zu brauchen meinte. „Zahnbürste und Zahnpasta kann ich mir überall auf dieser Welt kaufen!“ sagte er immer ironisch, wenn er auf das Ausufernde seines Rucksacks angesprochen wurde. Nein, Zahnpflege hatte er wirklich nicht dabei, sein Spruch war schon irgendwie ernst gemeint. Dafür war er mit den vielen anderen Dingen des Lebens wirklich gut gerüstet.

Laptop und Handy, für beides jeweils noch das Ladekabel, von den allerwichtigsten Dokumenten einen tagesaktuellen Ausdruck, Tagebuch, Notizblöcke, Minen-Druckbleistifte, mindestens drei mussten es sein, Ersatz-Bleistiftminen mit 0,7mm Durchmesser, Härte 2B, zwei Radiergummis, diverse Ausweise, insbesondere Impf-, Blutspende- und Organspendepässe, allerwichtigst Nähzeug, falls es mal galt einen Knopf anzunähen oder annähen zu lassen, Wundpflaster sowie eine Taschenlampe.

Auf diese Taschenlampe war er besonders stolz. Die hatte er sich mal schenken lassen. Wobei er seinen Wunsch zwar ohne großes Nachdenken locker vom Hocker in den Raum gestellt hatte, damals. Und die, die es ihm schenken wollten, die verzweifelten fast, weil so ein Teil – damals jedenfalls – beinahe nicht aufzutreiben war. Es sollte eine Taschenlampe sein, die man am Kopf befestigen konnte und ebenso gut in der Hand halten. Nun lag da wirklich dieses exquisite Teil an seinem Geburtstag auf dem Geschenketisch, und seine Freude war unbeschreiblich, riesig. Ein schwarzes Stirnband, das mit einem Klettverschluss beliebig passend gemacht werden konnte. In das Band eingearbeitet war eine Hülle, in der die extrem schlank gearbeitete Lampe einen sicheren Halt fand.

Tim war froh, dass er all diese Dinge jetzt dabei hatte, im Rucksack, auf dem Rücken. Obwohl es nahezu zappenduster war, wusste er, wo hingreifen, fingerte nach seiner Taschenlampe, umschloss sie mit der rechten Hand, verschloss wieder sorgfältig den Rucksack, drehte vorne an der Lampe, nichts, drehte noch mal vorne, wieder nichts, nochmal, nichts, hin und her, nichts! Die Lampe blieb aus. Tim im Dunkeln. Blieb im Dunkeln. Ja, er hätte wohl ab und zu mal den Ladezustand überprüfen sollen, von seiner Taschenlampe, okay, das war jetzt nicht gut gelaufen. Haste alles dabei, sinnierte er vor sich hin, doch das, was er jetzt wirklich brauchte, dann, wenn man es wirklich einmal brauchte – vergiss es, dachte er, ich muss da jetzt durch, egal wie.

Er musste wirklich, weil er spürte, dass der minimale Lichtschein von der Tür her, von da, wo er hergekommen war, verlosch, verloschen war, weil die Tür zu war, zugefallen war. Oder jemand hatte nachgeholfen, sie zu schließen.

Auch egal, konzentrier Dich, denk mal nach, was hier eigentlich abgeht – als plötzlich das Licht an ging, er stand in einem modern eingerichteten Wohnzimmer, nein, das war nicht wirklich sein Stil, ein kühles, kaltes, steriles Ambiente suchte sich den Weg in seine Augen. Er setzte sich auf das Sofa, als er die Handbewegung des schon darauf sitzenden Mädchens als Einladung deutete, sich neben sie zu setzen. Ein fremdes Mädchen, nicht unfreundlich, fremd irgendwie, befremdlich, sie sah aus wie aus der Retorte, sie sah aus wie das Mädchen, dass Tims Tochter Melanie ihm gezeigt hatte. „Sieh mal, das hier bin ich!“ hatte sie zu ihm gesagt, als sie ihm am Gameboy dieses Mädchen gezeigt hatte, mit dem Hinweis, dass das sie selber sei, natürlich nur in diesem Spiel.

Und jetzt saß er neben Melanie, der Melanie aus dem Spiel, und konnte nicht fassen, was das hier zu bedeuten hatte.

Auf einmal war ihm Melanies Antwort ganz dicht, Melanies Antwort auf seine Frage, wo er denn in dem Spiel vorkomme, gar nicht komme er da vor, ob sie ihn auch in dem Spiel „anlegen“ solle, das sei ein leichtes, ja, das fände er ganz witzig, und überhaupt meinte Melanie dann noch, Ferien gebe es keine in dem Spiel und wenn er denn wolle, könne er dort auch den Tagesschau-Wetterkarten-Wolkenfilm gucken, den würden die da auch haben…

Es war ihm so, als seien nur wenige Sekunden vergangen, dass er aus Melanies Zimmer gegangen war, ein breites Grinsen im Gesicht, so jetzt legt sie mich bestimmt gleich an, dachte er so bei sich, und dachte sich, was es heute nicht alles gibt. Mit Wikingautos hatte er gespielt. Und mit Lego. Und den Wasserstand von Konstanz und Rheinfelden über Iffezheim und Bingen bis Koblenz und Köln gehört. Virtuelle Spiele? Flipper spielen bis er tilt, ja das hatten sie gemacht, aber sich selbst neu erschaffen, einen (nicht unbedingt schönen) Clon von sich erstellen, nein, das war ihm fremd.

Er stand auf, ging ins Bad, sah in den Spiegel und verlor die Fassung. Das! Das war nicht er. Er sah genauso synthetisch aus wie das nette Mädchen, aber er fühlte sich nicht synthetisch. Was ging hier ab?

Die Badezimmertür öffnete sich, sie sah an die Zimmerdecke, flüsterte ihm zu, dies sei der einzige abhörsichere Raum im ganzen Haus, er solle sich keine Sorgen machen, man würde auch ihn so gut behandeln wie sie, ab und zu müsse er halt mal etwas Leistung bringen, wenn das Mädel da oben auf den Tasten rumackern würde.

Er solle bloß nicht so gucken, das sei ihr auch so gegangen, Tatsache sei, da oben gebe es weiterhin einen Tim – just in diesem Augenblick vernahm Tim seine eigene Stimme –„So, jetzt hast Du mich auch in diesem Spiel angelegt? Du schreckst auch vor nichts zurück!“ Grinsend blieb er bei ihr sitzen.

„Sieh mich nicht an wie ein Ufo!“ sagte Melanie zu Tim, die Melanie aus dem Spiel zu dem Tim aus dem Spiel. „Die Sache ist gelaufen. Ich war sogar schon mal zurück. Habe erzählt von meinem Aufenthalt hier. Weißt Du, was die mir gesagt haben? Dass ich das geträumt habe, dass ich nicht die Wirklichkeit verwechseln solle mit dem Spiel, was willst Du da noch sagen? Seitdem buche ich das alles unter Traum. Du tust gut daran, alles was Dir fremd vorkommt, einfach so zu nehmen, wie es ist. Du glaubst doch nicht, dass Dir jemand glaubt, dass Du mal für ein paar Tage in so einem Gameboy-Spiel mitgemacht hast!“

Lachte und verschwand. Er hörte Ihr Lachen, das der befremdlichen Melanie, noch lange nachhallen.

Wenn er je aus diesem Traum oder Nichttraum auswachen würde, er würde nichts erzählen. Das hatte er sich vorgenommen. So etwas Absurdes glaubt einem wirklich niemand.

Am nächsten Abend saß Tim an Melanies Bett und fragte, ob er eine Geschichte erzählen solle, er habe sich da etwas ausgedacht, vielleicht etwas skurril, sie solle erst mal zuhören.

Doch dazu kam es nicht mehr, weil Tim, der aus dem richtigen Leben, nicht so recht glauben wollte, dass das ganze mehr war als nur ein Traum. Den man besser nicht erzählt. Oder?

© Ulf Runge, 2007

 

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Leben 88 – Donnerstag, 27.09.07 – Blödeleien #1

27. September 2007 2 Kommentare

Quatschkopf

Wer immer ernst und –haftig ist,
beim Witz Pointen gern vergisst,
der kriegt schon gerne so ´nen Touch,
als mög‘ er alles, nur kein‘ Quatsch.

~ ~ ~

Hassliebe

Wer ratlos sitzt vorm Schreibpapier,
meist weiß und dann auch DIN A4,
und will ´nen Liebesbrief verfassen,
der wird schon bald aus Liebe hassen.

~ ~ ~

Angebot

Da ruft wer an, den sie nicht kennt,
und sich Call-Center-Agent nennt,
verkaufen will er, und zwar günstig,
da ruft sie „Nein!“ und zwar inbrünstig!

~ ~ ~

Durchblick

Wenn Deine Brille ist verschmutzt,
und Du sie mit dem Tuche putzt,
dann meide besser prickelnd Sekt,
sonst ist sie gleich wieder verdreckt.

© Ulf Runge, 2007

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Leben 87 – Mittwoch, 26.09.07 – Autokorso

Hallo! Waren Sie heute abend auch auf dem Autokorso? Haben Sie auch Ihre Deutschlandfahnen ans Auto gesteckt? Sind hupenderweise durch Ihr Dorf, Ihre Stadt gefahren?

Haben sich zu den anderen auf die Straße gestellt, bis nichts mehr ging an Autoverkehr. Haben geklatscht bis zum Umfallen. Heute beim Public Viewing mit anderen Fans Biergartenatmosphäre aufkommen lassen.

„Neid! Neid! Neid!“ gerufen. Um neidlos einzugestehen, dass Sie den Namen der deutschen Trainerin kennen. Und natürlich wissen Sie, dass Frankfurt Deutscher Meister ist. Nein, nicht die Eintracht. Sondern der 1. FFC. Hört sich zwar etwas befremdlich an, aber so isses.

Nein, nicht „kleines dickes“ Müller hat heute ein Tor geschossen, die erfolgreiche Jokerin heißt Martina mit Vornamen.

Und Prinz ist auch nicht ein aus der Mode gekommener Kleinwagen eines ehemaligen Automobilbauers aus Neckarsulm, Prinz ist gepflegte Spielkultur, Fußball vom Feinsten, „unsere“ Spielführerin.

Wenn Sie dann heute Nacht um zwei nach Hause kommen und freudetrunken mit heiserer Stimme sich an diesen historischen Abend zurückerinnern, Revue passieren lassen, wie „wir“ Norwegen besiegt haben, dann werden Sie sicherlich denken, das war damals beim Klinsi fast genau euphorisch wie jetzt. Und sie werden sich denken, ja, ja, die Erinnerung, die verklärt einfach die Dinge!

Natürlich werden Sie am Sonntag eine Grillparty anlässlich der Live-Übertragung im Ersten organisieren. Den ganzen Abend haben Sie schon Ihre Freunde und Bekannten angerufen, doch die meisten waren bereits zu einer anderen Endspiel-Party eingeladen. So werden es wohl nur ca. 10 Gäste sein, die sich bei Ihnen im Garten versammeln werden. Es wird auf jeden Fall eine megamäßige Party werden. Bei Regen in der Garage.

Und es ist noch „schlimmer“ als im letzten Jahr. Nur noch brasilianische Flaggen und das Sternenbanner bekommt man zu kaufen, die Deutschlandfahne ist restlos ausverkauft. Die Stimmung im Land ist getragen von einer Welle der Euphorie. Frau Merkel will Ihre Klimamission für ein paar Tage unterbrechen, um das Endspiel vor Ort zu besuchen, die Wirtschaftsweisen und die Bundesanstalt für Arbeit sehen erheblich positive Impulse für den deutschen Arbeitsmarkt, und „Der Kicker“ erwägt die Herausgabe einer eigenständigen Frauenfußballausgabe. Um dem Zuschauerschwund im Männerfußball Einhalt zu gebieten, liegen erste Vorschläge für die Einführung von gemischt geschlechtlichen Teams vor, was nur ein Schmunzeln in der Damenwelt hervorrufen kann. Der Männerfußball ist einfach auf dem absteigenden Ast, es gibt immer noch genügend Hart- und Sand-Plätze, auf die die Herren der Schöpfung zurückgreifen können.

So, ich muss jetzt wieder an den Fernseher, die haben ja das Programm geändert, überall kommen jetzt live-Interviews und noch einmal Zusammenschnitte aus den letzten Tagen. Nach der Zusammenfassung „Auf dem Weg ins Finale“ sollen in den kommenden drei Tagen bis zum Endspiel noch einmal alle Länderspiele der deutschen Mannschaft von der WM 2003 in voller Länge wiederholt werden. Morgen ruf ich an in der Firma, ich brauch jetzt frei bis zum Finale!

© Ulf Runge, 2007

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Leben 86 – Sonntag, 23.09.07 – BLINK

23. September 2007 6 Kommentare

Er war nicht gut drauf. Aber er war selber schuld. Zu spät ins Bett gegangen. Und wollte zu früh aufstehen. Passte nicht zusammen. Beides. Nein, nicht dass er zu spät in die Firma gekommen wäre. Es war Samstag. Er hatte frei.

Bäume hätte er heute ausreißen wollen, und nun stand die spätsommerliche Sonne auch schon am späten Morgenhimmel. Ein herrlicher Tag. Was hätte man in den zurückliegende Stunden schon alles erledigen, bewegen, ausrichten können? Und was davon war passiert? Er hatte vor sich her geschlafen. Stand nun etwas verloren in der Küche, unschlüssig, ob sich Frühstücken überhaupt noch lohnte. Oder gleich duschen und ab zum Markt. Da konnte er nicht beliebig spät vorbeischauen.

Er hätte etwas freundlicher sein können zu seinen Lieben, die ihn hatten etwas länger schlafen lassen. Es fiel ihm schwer, wie sollte er charmant sein, wenn er sich doch selber nicht leiden konnte! Nein, sagte er sich, es ist Samstag, das Frühstück lasse ich nicht ausfallen, dann runter unter die Dusche, ab zum Einkaufen.

Ein mürrisches Etwas fuhr in die große weite Welt, um zu tun, was getan werden musste.

Apotheke. Dies und das, noch ein Rezept zahlen. Fertig. Die Apotheken-Zeitung mitnehmen und – BLINK – was war das? Er war schon auf dem Sprung nach draußen, sagt ihm die Dame, sie hätten da noch eine andere Zeitung, die sei auch sehr gut. Die solle er ruhig auch mal mitnehmen. Kostenlos? Ja, natürlich kostenlos.

Seine Laune stieg, ohne dass er es aber zu zeigen bereit gewesen wäre. Die waren immer nett und freundlich dort, aber heute war es dazu angetan, seine Stimmung ein bisschen zu heben.

Bäckerei. In diese Bäckerei war er schon lange nicht mehr gegangen, er war mal sehr sauer gewesen, weil er mitbekommen hatte, dass ein kleines Kind vom Personal total ignoriert wurde, bis er dann eingeschritten war. Und gerade heute sollte / wollte er hier ein Brot kaufen. Und Brötchen. Stellt sich hinten an, vor ihm eine größere, unstrukturierte Menschentraube. Ich habe Zeit, denkt er sich, überfliegt den Einkaufszettel, ist noch weit weg von einem euphorischen Wochenende. Okay, gestern Abend, das war ein richtiges Highlight, will er gerade zu denken anfangen, als die soeben noch da gewesene Menschentraube gepflückt ist, verschwunden, vor ihm nur noch eine Kundin, hinter dem Tresen schauen ihn gleich drei Bedienungen an, wollen wissen, was er denn, ob sie denn ein Dinkelbrot hätten, eine der drei Verkäuferinnen greift den Faden auf, oh, wenn sie etwas wirklich hätten, dann Dinkelbrot, – BLINK – lächelt sie ihn an, zeigt mit der Hand auf die mehr als zehn Dinkelbrote, oh, das sei prima, er brauche nur eins, ja selbstverständlich, sagt sie, packt es ein. Lächelt ihn an. Penetrant freundlich. Nicht aufdringlich. Und auch nicht aufgesetzt. Einfach nur freundlich.

Vielleicht spürt sie, dass sie ihn gerade aus einem Stimmungstief holt. Vergleichbar einem Aufstieg, auf den Berg, aus nebligem Tal, nach steilem Weg, über Baumwurzeln und Geröll. Die Schwaden lichten sich, erste Sonnenstrahlen durchbrechen die feuchte Luft, der Gipfel ist auf einmal sichtbar, scheint plötzlich zum Greifen nah.

Ob er noch etwas, ja, Brötchen, Vollkornbrötchen, die da und jene. Lächeln. Sie bleibt bei ihrem unverändert freundlichen Lächeln. Eine Nuance freundlicher als nur höflich, eher ein aufgeschlossenes Lächeln. Ein wissendes? Merkt sie, dass hier vor ihr gerade eine Metamorphose passiert? Der Mega-Kotzbrocken wird gerade zum friedlich-freundichen Zeitgenossen.

Gut so, dass das passierte. Andernfalls hätte die Marktfrau ihn nicht wiedererkannt. Möglicherweise gefragt, ob heute etwas passiert sei. So kommt es zum freundlichen, nur auf den ersten Blick belanglosen Gespräch mit „seiner“ Marktfrau, das er nicht missen möchte, ohne das ein Samstag fast keiner für ihn ist.

Ja, ab jetzt heißt es nur noch ansteckend lächeln. Dem Imker über den tollen Erfolg berichten, den seine Bienensalbe in Kombination mit den Propolis-Tropfen erzielt habe, dass die erfolglose Behandlung mit einer Cortisonsalbe endlich überwunden sei, dass er ihm für den Tipp ganz herzlich danke. Ein überrascht froher Imker sieht ihm noch lange nach…

Es wurde noch ein schöner Samstag für ihn. Und wohl auch für die, die es mit ihm aushalten müssen…

Es ist schon wieder kurz nach Mitternacht. Und morgen will er spätestens um sieben aufstehen. Gleich wird er sich den Wecker stellen. Gleich wird er ins Bett gehen wollen. Und dann kann es ein guter Sonntag werden. Er kann ja schließlich morgen nicht schon wieder ein Brot kaufen gehen, in dieser Bäckerei…

© Ulf Runge, 2007

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Leben 85 – Donnerstag, 20.09.07 – Wie man zu mir findet (#1)

20. September 2007 4 Kommentare

Zunächst einmal herzlichen Dank an Andrea2007, die mich auf die Idee gebracht hat, den nachfolgenden Artikel zu schreiben, und es auch nicht als Plagiat auffasst, wenn ich denn nun berichte, wie man auf meinen Blog findet:

Ulf Runge, mit und ohne Gänsefüßchen, dafür „Danke“! Gibt es also Menschen, die durch gezielte Eingabe, doch davon nun genug.

Kurze Geistergeschichte, ja eine habe ich bisher geschrieben: Geistergeschichte #1 und dabei ist dann geblieben. Das könnte ich mal wieder aufgreifen…

Lebensmittelbasar Afrika, da habe ich zunächst keinen blassen Schimmer, wie man damit zu mir finden kann; ich finde auch selber nichts auf meinen Seiten, zumindest nichts mit der WordPress-Suchfunktion; Google findet weltweit zwei Seiten, eine davon ist die nachfolgende Beschreibung, wie ich mal als Schwedenlebensmittelhändler reich werde: Womit ich vielleicht noch einmal ganz reich werde. Betroffen bin ich schon, dass Google zu diesem Thema nur zwei Einträge findet…

BEIKIRCHER Der Konjunktiv und Konrad Beikircher + Konjunktiv: Da frachisch mich, ob datt ne arme Kreatur iss, die irjend su ene sachenmamal Diplohomarbigg erstelle muss, und dem Beikircher sing Sprach am Analisüre iss, könnt ja sing, mit dähm Konjunktief… Und minge Text wäge dähm Beikircher findste hier: Mein Leben als Hochdeutscher.

Schön auch, dass man mich findet mit „mann soll den tag nicht vor dem abend lo“, wobei das sicherlich mit „loben“ geendet hat. Ich lob ihn meistens nach Mitternacht. Aber die Fundstellen in meinem Blog haben nichts mit der Suche nach diesem Sinnspruch zu tun. Ich hoffe, das Verweilen hier hat trotzdem etwas Spaß gemacht.

wie wird radiergummi hergestellt, diese und vergleichbar spannende Fragen werden immer wieder gestellt, und man wird fündig bei mir, leider wahrscheinlich. Wer die Geschichte mit den Radiergummis noch mal nachlesen möchte, hier ist sie: Radiergummis.

muss jetzt auch brille tragen, diese sehr pessimistische Aussage habe ich hoffentlich dadurch etwas erheitern können, dass es sich bei der suchenden Person um eine kurzsichtige handelt, die nun auf einmal eine gewisse Überlegenheit gegenüber weitsichtigen Menschen entwickelt haben sollte: Bifokale Intelligenz.

was ziehe ich in den swingerclub an, über diese Frage bin ich doppelt überrascht: Wo matcht diese Suche auf meinem Blog (wir werden das hoffentlich gleich herausfinden), und dann dachte ich immer, dass man immer Swingerclub nichts an hat. Okay, man lernt nie aus. Zur ersten Fragestellung: Oha, und hier wird man fündig: Leben 17. So jetzt werde ich mir mal die anderen Google-Matches zu diesem Thema ansehen ;-)

Gute Nacht…
und ich glaube versprechen zu dürfen: Fortsetzung folgt
:-)

© Ulf Runge, 2007

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Leben 84 – Mittwoch, 19.09.07 – Technik hat eine Seele

19. September 2007 2 Kommentare

Es ist allseits bekannt, dass ich, sagen wir mal, in der Regel nur unbedeutend zu früh am Bahnhof auftauche. Um dies erfolgreich zu bewerkstelligen, müssen die folgenden Bedingungen gegeben sein: Die Haustür darf nicht mehr abgeschlossen sein, der Autoschlüssel passt beim ersten Versuch in das Schloss, die Gangschaltung hakt nicht, der Rückwärtsgang rutscht nicht durch.

Dies genügt dann, um zeitgleich mit dem Zug in den Bahnhof einzufahren, den Rucksack, die Krawatte, den Gürtel und den Regenschirm zu schnappen und dann als Letzter auf den Zug bei noch geöffneter Tür aufzuspringen.

Der Zug fuhr ein. Ich auch. Ein älterer Mann beobachtete mein rasantes Einparken. Das kann noch reichen. Das muss noch reichen! Jetzt sitzt jeder Handgriff. Radio aus. Licht aus. Zündung aus. Schlüssel ziehen. Tür auf. Was ist jetzt? Ein Klacker-Geräusch, die Tür bleibt zu, lässt sich nicht öffnen. Was soll das denn?

Nun muss man wissen, dass die Macht im Auto ungleich verteilt ist. Der Fahrer ist selbstverständlich in der Lage, den Beifahrer zu entmündigen, indem das rechte Außenfenster nur noch nach Einwilligung durch den Fahrer bedient werden kann. Und dann gibt es da einen Zentralverrriegelungschalter, an den ich wohl gekommen sein muss. Damit böse Menschen nicht ins Auto eindringen können, etwa wenn man ihnen den Vogel gezeigt hat, oder wenn es dunkel ist auf einsamer Straße. Dieser Schalter ist in die Fahrertür integriert. Mein Ellenbogen wird ihn wohl nachhaltig außer Funktion gesetzt haben.

Jetzt war nur eines angesagt: Cool bleiben! Ich blieb also Cool. Was auch immer „Cool bleiben“ bedeuten mag. Da drüben stand mein Zug, pünktlich wie immer, wenn er ruhig mal ne Minute später fahren könnte. Hektisches Drücken beliebiger Tasten im Fahrersteuerungszentrum half nicht. Die Schrott-Tür wollte nicht aufgehen. Was tun? Zündschlüssel wieder rein, linkes Fenster runterfahren, mit dem Autoschlüssel die Tür durch das geöffnete Fenster öffnen. Okay, das gelang dann, parallel zum Abfertigungspfiff des Zugbegleiters, parallel zum Anfahren des Zuges.

Der Zug war weg. Das muss hier jetzt einfach konstatiert werden.

Ebenso sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass ich in der Nachbarstadt die Gelegenheit nutzen durfte, schon zu so früher Morgenstund einen Doppio und ein Rosinenbrötchen zu genießen; Buttercroissants sind hier nicht so der Renner.

Diese Begebenheit erzählenderweise habe ich mir dann sagen lassen müssen, dass technische Gebrauchsgegenstände des Alltags sehr wohl eine Seele hätten, und dass mein nicht so pfleglicher Umgang beim morgendlichen Start des Autos möglicherweise jetzt diese heute erlebte Situation zum Ergebnis gehabt hätten.

Stimmt. Kann ich nur sagen. Technik hat eine Seele.

© Ulf Runge, 2007

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Leben 83 – Dienstag, 18.09.07 – Bei den Grauhörnern (5)

Little Chief hatte sie höchst dringlich zusammengetrommelt zu einem wichtigen Meeting. Schweigend saßen sie um den Tisch herum. Was er wohl von uns will, gibt es mal wieder einen Rundumschlag, war mal wieder alles schlecht gewesen? Auf alles gefasst saßen sie, Lämmern gleich, kurz vor dem Gang zur Schlachtbank.

Nachdem sie sich fünf Minuten angeschwiegen hatten, fünf Minuten können lang sein, Du fängst an zu zählen, um ruhig zu werden, bist irgendwann bei 30, siehst auf die Uhr, Dein Handy, fingerst an der Tastatursperre rum, siehst aus dem Fenster, siehst den anderen ins Gesicht, wissen die schon mehr als Du, dachte Benny, seine Spannung stieg ins Unermessliche.

Er habe sie zusammengerufen, sagte Little Chief plötzlich, nein, das Sprechen hatte er also doch nicht verlernt, aber es waren Pfeile, die da aus seinem Mund geschleudert wurden, Pfeile mit Spitzen, man wusste nur nicht, ob sie giftig waren, giftig genug zu töten, das wusste man nicht, aber man war sich sicher, giftig genug, um die Atmosphäre zu vergiften. Er habe sie zusammengerufen, weil er ihnen seine Entscheidung mitteilen wolle. Nämlich, dass er sich entschieden habe, die Stelle seines Stellvertreters zu besetzen. Aha! Ey, gut, dachten alle. Ey gut, wer denn? Dachten alle. Wer denn, frug einer von ihnen. Grinsen, breitestes Grinsen, die Arroganz bleckte ihre Zähne, kam zu ihnen herüber. Darüber wolle er noch nicht reden. Doch sein Entschluss sei gefallen. Er müsse das jetzt nur noch mit der Perso und wenns denn sein müsse mit den Arbeitnehmervertretern behandeln, egal wie, sein Entschluss stünde fest, daran sei nichts zu rütteln.

Sie verließen den Raum, ratlos, zumindest taten sie so, ob denn einer wisse, alle zuckten mit den Achseln, das könne nur einer von draußen sein, von ihnen käme bestimmt keiner in Frage.

Benny fühlte sich verkackeiert wie nie zuvor. L.C. hatte ihm mal gesagt, dass er großes mit ihm vor habe. Das hat der bestimmt allen erzählt, die es wissen wollen, dachte er sich. Benny ging ins Intranet und dachte sich, das muss ich mir doch angucken, fand sofort die entsprechende Stelle in einer Ausschreibung, die mal gerade einen Tag alt war.

Benny fasste den Entschluss, der ihm Klarheit bringen sollte, über seinen Job, über sein Verhältnis zu L.C. Setzt sich hin, bewirbt sich intern auf genau diese Stelle. Entweder er ist sowieso gemeint, dann war das vorhin ja geradezu eine Aufforderung, dass er sich bewerben solle, sozusagen durch die Blume gesagt.

Oder jemand soll da reingemauschelt werden, dann müsse L.C. ihm ja schon eine Erklärung geben, warum denn er nicht den Vorzug bekäme.

Das Telefon klingelt. Er solle mal ganz schnell zu L.C. kommen, lässt man ihm mitteilen. Ob er denn noch bei Trost sei, nicht mehr alle Tassen im Schrank habe, was denn das solle, er habe ihm doch gesagt, was er mit ihm vorhabe, doch nicht diesen Job, der da gerade zur Disposition stehe, er solle doch bitteschön noch etwas Geduld haben, jetzt müsse er mit ihm ein Personalgespräch führen, darüber ein Protokoll schreiben, ihm absagen, das auch noch begründen, das würden sie doch beide nicht wollen.

Benny zog die Bewerbung zurück.

Wie wir sehr bald schon erfahren werden, wird Benny Post bekommen. Von der Personalabteilung. Da arbeiten ja schließlich auch nur Menschen. Die ihm dann schreiben, dass sie ihm leider mitteilen müssten, dass sie sich für seine Bewerbung bedanken und dass es ihnen leid tue, aber sie könnten ihm gerade keinen Platz im Unternehmen der „Grauhörner“ anbieten, würden ihm aber auf seinem Berufsweg weiterhin alles Gute wünsche.

Was können die dafür, dass sie den Textbaustein verwechselt haben, dachte Benny, kommt halt vor. Das ist der Preis des Fortschritts.

Lachte sich schlapp. Und freute sich schon darauf, dass die Geschichte hier eine Fortsetzung findet…

© Ulf Runge, 2007

 

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