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Posts Tagged ‘Witz’

Lappentausch

10. Dezember 2009 2 Kommentare
Leben 529 – Donnerstag, 10.12.09

Sich ganz alleine wissend hatte er sich umgedreht und beugte sich, mir seinen Allerwertesten entgegenstreckend, über einen Putzeimer. Das nicht genug, murmelte er darüber hinaus auch noch vor sich hin.

„Sie führen Selbstgespräche, ist es schon so weit?“ durchschnitten meine Worte seine beschauliche Stille, um dann meinerseits noch von einem herzlichen Tagesgruß gefolgt zu werden.

Mit ertappter Miene drehte er sich zu mich um, lächelte zurück, wünschte mir ebenfalls einen schönen Morgen und meinte, er hätte ihn tauschen wollen. Den da. Den Lappen. Heute früh. Und dann habe er es doch vergessen. Das dürfe er doch mal so für sich feststellen, oder etwa nicht, und sein Grinsen wurde breiter.

„Tauschen? Den Lappen?“ entfuhr es mir. „Gegen was denn?“

„Ja gegen was wohl?“ wurde er etwas heftiger in seiner Antwort. „Natürlich gegen einen neuen Lappen!“

Dass der Lösungsraum für eine Tauschaktion ungleich größer ist, als er in diesem Moment für möglich hielt, hätte ich ihm gerne noch gesagt, aber wir waren auf einmal umringt von drei anderen Käse- und Wurstbrötchenkäufern, so dass ich es mir verkniff, ihm folgenden Witz zu erzählen, den er dann morgen wohl über sich ergehen wird lassen müssen und den ich hier schon einmal unter „Der Tausch – oder Hans im Glück ‚reloaded‘ im Abschnitt „Zweite Annäherung“ zum Besten gegeben habe:

Transsibirische Eisenbahn. Seit Stunden rollt der Zug durch die unwirtliche Landschaft, als er auf offener Strecke unverhofft zum Stehen kommt. Als die Reise nach zwei Stunden immer noch nicht weitergeht, begibt sich einer der Fahrgäste auf die Suche nach einem Zugbegleiter. Auf die Frage, warum es denn nicht weitergehe, antwortet der Bahnmitarbeiter: „Wir tauschen die Lok!“ Warum das denn so lange dauere, will unser Reisender nun wissen. Darauf der Bedienstete: „Nastrovje! Wir tauschen gegen Wodka!“

© Ulf Runge, 2009

Joint Venture

9. Oktober 2009 13 Kommentare
Leben 500 – Freitag, 09.10.09

Joint Venture Nummer 1

Ein Bekannter fragt mich, ob ich deeen schon kenne. Ne, sag ich, obwohl ich, wie immer bei Witzen, nicht vorher wissen kann, ob ich deeen schon kenne. Schluss der Vorrede! Hier ist er:

„Das Huhn sagt zum Schwein: ‚Lass uns ein Joint Venture machen!‘
‚Joint Venture? Was ist das dann?‘
‚Pass auf!‘ sagt das Huhn, ‚also ich leg die Eier, und von Dir kommt der Schinken!‘
‚Da geh ich ja bei drauf!‘
empört sich das Schwein.
‚Das ist aber normal beim Joint Venture‘
, erklärt ihm das Huhn.“

Gröhl! Ich muss lachen. Schöner Witz, finde ich!

Joint Venture Nummer 2

Spontan entgegne ich meinem Bekannten, der Witz würde aber anders gehen. Der Witz müsse so lauten: „Ein gelbes Huhn und ein grrrrrr“, aber den behalte ich besser für mich. (Sorry.)

Joint Venture Nummer 3

Abendbrottisch. Jugend sitzt auch am Tisch. Hat Besuchsjugend dabei. Ich eröffne der Runde, ich würde da einen Witz kennen. Den vom Joint Venture. Die mir Vertrauten winken gelangweilt ab. Sie kennen ihn schon. Doch die Besuchsjugend will ihn hören. Chaka!

„Also ein Hase und ein Schwein, nee, geht ja gar nicht, Hase passt nur an Ostern. Also nochmal. Ein Hahn und ein Schwein, nee, ist auch nicht so gut. Also ein Huhn und ein Schwein …“ Und so kriege ich den Witz dann doch noch zusammen. Witz. Incl. Pointe!

Wobei, ja, natürlich hätte ich das wissen müssen, aber ich wollte ihn einfach mal wieder erzählt haben, diesen Witz, also, statt zu lachen, fragt mich die Besuchsjugend: „Und was ist ein Joint Venture?“

© Ulf Runge, 2009

Jägerwitz No. 2

2. Juni 2009 6 Kommentare
Leben 439 – Dienstag, 02.06.09

Der von mir hier schon mehrfach als mein Lieblingswitz genannte und erzählte, ich nenne ihn mal Jägerwitz, ist meiner Leserschaft vermutlich bis zum Abwinken bekannt. Aus Kreisen genau dieser meiner treuen Leserschaft erreichte mich nun ein Witz von fast gleichen Kaliber des Jägerwitzes, finde ich. Deshalb will ich ab sofort den ersten Jägerwitz, den „echten“ als Jägerwitz No. 1 titulieren, und den neuen, nur noch wenige Sekunden seiner Preisgabe harrend, als Jägerwitz No. 2.

Der guten Ordnung halber und auch, um wildes Geclicke und Gesuche zu vermeiden, hier in aller Kürze der allseits bekannte Jägerwitz No. 1: Treffen sich zwei Jäger. Beide tot.

Der Vorworte genug: Jägerwitz No.2: Treffen sich zwei Unsichtbare. Sagt der eine zum anderen: „Lange nicht gesehen!“

© Ulf Runge, 2009

Nicht tarifierbar

28. April 2009 8 Kommentare

Leben 419– Dienstag, 28.04.09

Ich liebe Bahnfahren. Es bringt Abwechslung ins Leben. Es härtet ab. Es bringt einem Steilvorlagen fürs Schreiben.

Allerdings ist das Leben als Bahnkunde eine immer wieder neue und zugleich harte Schule des Umgangs mit Komplexität.

Erstens müsste ich erklären,
dass eine Regionalbahn zwar überall hält, aber deshalb auch sehr langsam vorwärts kommt,

dass ich in einem Ort wohne, an dem nur Regionalbahnen halten,

dass ich mit schnellen Zügen bisweilen einen Teil der Strecke in kürzerer Zeit bewältigen kann,

dass ich dann allerdings mittendrin umsteigen muss,

um klar zu machen, dass bis jetzt noch nichts passiert ist in dieser Begebenheit.

Zweitens müsste ich erklären,
dass ich aufgrund des fortgeschrittenen Abends heute eine ganz verrückte Verbindung zu nehmen beabsichtige,
dass ich mit dem schnellen Zug heute über mein Ziel hinausfahren werde, um dann mit einem langsamen wieder ein bisschen zurückzufahren,
und dass das ganze sogar noch schneller ist, als einfach eine halbe Stunde auf den langsamen Zug zu warten,

um klar zu machen, dass die Komplexität nun gleich ihren Lauf nehmen wird.

Drittens müsste ich schlussendlich erklären,
dass ich eine Schnellzug-Dauerkarte habe bis zu meinem Wohnort, obwohl da ja keine Schnellzüge halten,
und ich müsste klar machen,
dass ich die freundliche Zugbegleiterin nun um eine Anschlussfahrkarte bitte, für die zusätzliche Wegstrecke hin und zurück, die ich heute extra  fahren willmuss,

um dann endlich schildern zu können, wie sehr sie verloren ist mit ihrem Apparat, der seinerseits sichtlich überfordert ist mit meinem Wunsch, den sie sich nun zu eigen gemacht hat,

eine Schnellzughinfahrkarte ab einem Nichtschnellzugbahnhof auszustellen,

wobei die Rückfahrt dann wiederum ohne Schnellzugzuschlag sein soll. Klar?

Genau!

Genau das müsste ich erklärt haben, um ein nachvollziehbares Fundament dafür zu legen, dass ich nun meine helle Freude hatte an der Nachricht auf dem Display, den mir die geduldige Dame als der Unweisheit letztem Schluss vorlas: „Nichttarifierbares Angebot!“

Übrigens. Das ganze erinnert mich an einen lieben ehemaligen Kollegen, der seinerzeit das Phänomen, dass einem eine Pointe einfällt, aber nicht der zugehörige Witz, der also genau dieses Phänomen mit „unbewitzbare Pointen“ bezeichnet hat.

© Ulf Runge, 2009

Lehrreicher Tag

28. Oktober 2008 10 Kommentare

Leben 332– Dienstag, 28.10.08

Gestern ist mein Auto mit mir sozusagen nur noch nach Hause gestolpert. Am Motor war da nichts. Aber knarrende, krächzende Geräusche gleich hinter dem Motor. Getriebe. Oder Antriebswelle. Egal was. Hauptsache ankommen, habe ich mir gestern Abend gedacht.

Und heute? Das Auto bange in die Werkstatt gebracht. „Wollen Sie nicht mal über ein neues Auto nachdenken?“ „Das kann zwei Wochen dauern, bis wir das Ersatzteil haben. Und zu sparen können Sie auch schon mal anfangen.“ So ungefähr stellte ich mir das Telefonat mit der Werkstatt vor.

Es kam nicht ganz so schlimm. Und es war für mich lehrreich.

Ich habe heute zwei Sachen gelernt. Die erste, nicht wirklich überraschend, und für wohl alle irgendwie gültig: Das Geld geht verdammt schnell weg. Ich bin unter 500 Euro geblieben. Aber auch die fehlen mir jetzt woanders. Zunächst einmal auf meinem Konto.

Die zweite erkläre ich gleich. Da gäbe es einen Automechaniker in HBerg, der habe sich auf derartige Aggregate spezialisiert. Die würde er reparieren. Das käme locker mehr als 100 Euro billiger. Und man müsse auch nicht lange warten. „Der hat immer eine reparierte auf Lager!“

Hatte er wirklich. Und heute Abend ist mein Auto schon wieder voll einsatzfähig.

Die zweite Erkenntnis des heutigen Tages lautet für mich: „Immer eins auf Lager haben!“

Etwa, wenn man unbekannterweise beeinander sitzt oder steht, wenn also „Klein-Gespräch“ angesagt ist: Dann ist es gut, wenn man einen Eröffnungssatz auf Lager hat, mit dem man das Eis bricht. (Ich hatte mich jüngst für den originellen Satz „Und wann haben Sie sich entschieden, hierher zu kommen?“ entschieden. Antwort: „Vor zwei Wochen.“ Das war’s dann für die kommenden 90 Minuten…)

Im Ernst: Wer bereit ist, einen Wunsch seines Kunden, seiner Chefin, eines Familienmitgliedes oder einer Freundin, eines Bekannten zu erfüllen, der sollte sicherheitsweise etwas „auf Lager haben“. Am besten, das was vermeintlich gerade gebraucht wird, denn damit kommt am leichtesten „ein Geschäft“ zustande. Und wer nicht hundertpro das parat hat, was gewünscht, dem bleibt zu wünschen, dass sie oder er ein Leckerli für den Hund hat, einen (positiven) Status für seinen Chef, einen Witz für die Kollegen, ein Lächeln für jede und jeden.

Apropos Witz. Zum Schluss noch eine Frage: Was gibt 4 plus 3 plus 2 Nachtwächter?

Morgen werde ich die Antwort hierauf geben. Und übermorgen werde ich begründen, warum denn diese Antwort die richtige ist.

© Ulf Runge, 2008

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