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Was braucht es zu einer guten Erzählung?
| Leben 409 – Freitag, 27.03.09
Was braucht es zu einer guten Erzählung?
Seit zwei Jahren stelle ich mir diese Frage vornehmlich unbewusst. Weil ich ein Drauflosschreiber bin. Heute nun möchte ich einen bewussten Annäherungsversuch an eine Antwort wagen.
Erst mal: Lassen wir mal das “gut” weg. Dann bleibt: Was braucht es zu einer Erzählung?
Eine Handlung. Einen roten Faden. Vielleicht sogar ein Bündel Fäden. Mit Knoten drin. Einen Protagonisten. Mehrere Protagonisten. Sympathieträger. Bösewichte, die vom Guten besiegt werden wollen. Vielleicht. Einen Ort. Einen Ankerpunkt, an dem ich mich in Gedanken immer wieder mit den Handelnden treffen kann. Eine Zeit. Jetzt. Gestern. Gedachtes Morgen. Gewesenes Morgen. Mehrere Jetzts. Perspektiven. Auf die Protagonisten, Orte und Zeiten. Nach dem Motto: Wer berichtet hier eigentlich? Und wann und was? Über wen?
Soweit „meine“ Zutaten zu einer Erzählung.
Wann ist die Erzählung denn nun „gut“? Ein Text ist nicht gut an sich, sondern immer nur für die Person, die ihn gelesen hat. Und zwar zu Ende. Weil das Interesse der Leserin oder des Lesers geweckt wurde, die Phantasie angesprochen wurde, weil die lesende Person selbst zum Teil der Handlung wurde, als Beobachter oder, besser noch, als eine oder mehrere der handelnden Personen. Das Geheimnis hier heißt Spannung. Zuguterletzt. Stil. Das ist der sorgsame Umgang mit Sprache. Das Formen der Gedanken in eine unverwechselbare Gestalt, auf dass die Leserin, der Leser sich „zu Hause“ fühlen möge.
Vielleicht bist Du ja beim Lesen dieser Zeilen in die Rolle „Ich schreibe selber“ hineingeschlüpft. Deshalb: Ein Text ist nicht gut an sich, sondern immer auch nur durch die Person, die ihn gelesen hat. Durch Deine Fantasie, die Dich aus meinem Text Deine gedachte Wirklichkeit erschaffen lässt.
Ich mache mal ein Beispiel. Die Handlung muss nicht zwangsläufig eine spannende Begebenheit sein. Das kann sogar eine sachliche Abhandlung sein. Wie diese hier. Der Protagonist. In seiner sparsamsten Form beschränkt sich eine LiteratIn auf die Ich-Form. Wie in diesem Essay. Ort. Hier. Zeit. Jetzt. Perspektive: Ich. Stil. Du kennst meinen Stil. Dein Wohlgefallen sowie das meine an selbigem möchte ich nicht beschädigen durch unnützes Herumanalysieren. Spannung. Wie so oft kommt bei mir dann doch noch eine überraschende Wende. Die die womöglich vorliegende Erwartungshaltung der begierig Buchstaben, Silben und Wörter aufsaugenden Person enttäuscht, dafür aber mit einer Überraschung zum Schluss noch für ein Lächeln sorgt.
So auch hier. Weil, auch diesmal gibt es erwartungsgemäß ein unerwartetes, weil jähes ND.
© Ulf Runge, 2009
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