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Wieder da
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Leben 272 – Dienstag, 15.07.08 „Guten Morgen, Martin!“ Martin – Name natürlich geändert – hebt seinen Kopf, will „Guten Morgen“ murmeln, um dann sofort seinen Blick wieder auf seinen Notizen ruhen lassen zu können. Und dann nimmt er mich doch wahr, bevor den Mund öffnet. Und lächelt mich an: „Ja, guten Morgen, der Ulf ist ja wieder da!“ Erholt würde ich aussehen. Meint er. Hat er ja auch recht. Und übrigens. Ich MUSS jetzt erholt aussehen. Ich MUSS jetzt erholt sein. Nach drei Wochen Urlaub. „Wo warst Du?“ fragt er. Korrigiert sich. „Warst Du weg?“ Ich erzähle ein bisschen, bis seine Arbeit wieder drängt. Ich gehe weiter. Zur Arbeitsaufnahme unfähig, da laufend angesprochen werdend, wie es denn gewesen sei. Das Wetter? Und sonst? War’s gut? „Der Ball ist rund“-Weisheiten kommen aus meinem Mund: „Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub“ oder „Das Wichtigste nach dem Urlaub ist, den nächsten zu planen, zu buchen.“ Oder auf die Frage, wie er denn gewesen sei, der Urlaub, meine Lieblingsanwort: „Viel zu kurz!“ Ob es schön gewesen sei? Bitte eine Antwort in drei Sätzen und 180 Sekunden. Weil. Ich muss ja ins Meeting. Drei Wochen lang habe ich nicht gewusst, was das ist. Drei Wochen lang sockenfrei. Schlips- und krawattenfrei. Kniefreie Hosen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen. Man sollte keinen Urlaub machen. Er will vorher hart verdient sein. Anschließend wollen Unmengen von E-Mails gesichtet werden. Und: Während des Urlaubs könnte man feststellen, dass es auch ohne Dich geht. Oder mit jemand anders besser. Man sollte täglich Urlaub machen. Was ich damit sagen will? Wer kreativ sein will und muss, der sollte kleine Fluchten haben, etwa die Augen schließen können und sich der Stimmungen zurückerinnern, den Bildern, den Klangbildern und Gerüchen. Den Stimmungen aus dem Urlaub. Eine Künstlerin aus Dalarna hat es sinngemäß so formuliert: Im Winter male ich meine Bilder, erschaffe ich meine Kunstwerke. Und im Sommer muss ich raus. Sehen. Hören. Fühlen. Um Eindrücke zu gewinnen, die ich kreativ verarbeiten kann. Zu guter Letzt sinngemäß ein Spruch, den ich vor kurzem gelesen habe, ich weiß gar nicht, ob ich ihn schon mal zitiert habe: „Man sollte sein ganzes Leben so gründlich planen wie seinen Urlaub.“ Das ist das eigentliche Fazit: Jeden Tag bewusster leben. Zu versuchen, die Schöpfung und sich in einem Kontext zu verstehen. Zu versuchen, Geist, Herz, Verstand und Körper möglichst täglich zu leben, einzeln für sich und im Einklang miteinander. Soviel für heute. Nach dem letzten „Hej då!“ bin ich also: Wieder da. © Ulf Runge, 2008 |
Die andere Hälfte des Lebens
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© Paul-Georg Meister / PIXELIO
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Leben 160 – Dienstag, 18.12.07 Ordnung ist das halbe Leben. Sagt man. Die andere Hälfte ist die schönere. Sage ich immer. Ich glaube ich weiß, wie Ordnung geht. Ich glaube auch, dass meine Art von Ordnung so etwas Besonderes ist, dass nur wenige Menschen sie nachvollziehen können. Hauptsache ich kann. Disziplin und Ordnung sind sehr verwandt miteinander. Ich glaube, ich bin sehr diszipliniert. Um dann, wenn es wichtig ist, etwa wenn es gilt, mindestens mal die Welt zu retten, um mich dann also sehr gerne stören zu lassen im Diszipliniertsein. Da genieße ich dann lieber einmal, Samariter zu sein. Pfeife was auf die Disziplin, die geordnete Vorgehensweise. Das ist aber auch ein besonders kreativer Teil des Lebens, wenn man nach Lösungen suchen muss, wenn man entscheiden muss, wen man noch in die Analyse und Lösungsfindung einbeziehen sollte. Das ist bisweilen stressig, weil es eilt, weil man unter Erfolgsdruck steht, weil die Produktion nicht stehen darf. Aufgrund dieser Schilderung könnte ich wohl im Sternbild Zwillinge geboren sein. Bin ich aber nicht. Bevor ich versuche zu erklären, was mich zum Fischewassermann macht, noch kurz ein Exkurs zum Thema Papier. Man gebe mir ein Stück Papier, ich schaffe es, dieses in weniger als Nullkommanix unauffindbar verschwinden zu lassen. Standarddialog: „Ich hatte es hier auf Deinen Schreibtisch gelegt.“ „Hm. Kannst Du’s noch mal drucken, oder soll ich es suchen?“ Meistens bleibt mir das Suchen erspart. So jetzt also zu meinem Sternbild, dem Fischewassermann: Heute habe ich x-trillionsten Neuversuch gestartet, mein Papier- und Aufgabenchaos in den Griff zu bekommen. Nach monatelangem Durchhalten mit Kladden wird dies jetzt wieder ein Loseblattansatz. Wobei, diesmal habe ich eine Strategie, die hat die Welt noch nicht gesehen. (Höre ich da irgendwo Gelächter oder Gekicher?) So mache ich das oftmals tage-, monatelang, manchmal sogar über Jahre: Die immer neue Antwort auf die Frage: Wie organisiere ich mich, wie strukturiere ich meine Zeit, das bisschen Zeit, das ich selber noch disponieren darf? Die Zeit, von der ich meine, dass ich die Fremdbestimmung über meine Zeit in Form von Meetings akzeptieren muss. Oder auch nicht? Wenn jemand eine total clevere Art und Weise hat, sich und sein Leben zu organisieren, ich freue mich darauf, hier mehr darüber zu erfahren. Oder zu entsprechenden Tipps verlinks zu werden. Für die Zeit nach meinem neuen Ansatz… © Ulf Runge, 2007 |


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