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Posts Tagged ‘Brötchenmann’

Warum Holland 3:2 gewonnen hat – gegen Uruguay

11. Juli 2010 8 Kommentare
Leben 595 – Sonntag, 11.07.10

Jetzt gibt also doch einen Beitrag zur Fußball-WM…

Wie sehr doch alles miteinander verwoben ist, zeigt uns ja der Kraken-Paul mit seinen treffsicheren Siegerprognosen. Dass das ganze noch gesteigert werden kann, sei hier berichtet.

Spielen die Holländer, ja, ich weiß, ich sollte schreiben „Die Niederländer“, egal, spielen die Holländer also die Südamerikaner schwindelig und führen bis kurz vor Schluss verdient mit 3:1. Und dann, ich habe mir die Szene immer wieder und wieder angesehen, da macht es einen Ruck und schwupp, ist der Ball drei Minuten vor Schluss im Tor unserer Nachbarn.

Wie das? Frage ich mich. Ach ja, es wird wohl am Platz gelegen haben. Oder am Ball. Merkwürdig finde ich das schon. Zum Glück war es nicht spielentscheidend, auch wenn die Urus dann fast sogar noch ausgeglichen hätten.

Erzähle ich meinem Brötchenmann am nächsten Morgen. Grinst er mich an.

Tja, vielleicht hätte ich doch anders anfangen sollen mit dieser Geschichte. Etwa so:

Mein Brötchenmann hatte eine lustige Idee gehabt. Hat er während der WM immer einen Zettel ausgelegt für eines der Spiele des Tages. Konnte man ohne Einsatz tippen, wer gewinnt und wie hoch. Wer richtig getippt hat, bekam beim nächsten Kauf vom Brötchenmann einen kostenlosen Sieger-Kaffee spendiert.

So, jetzt mach ich wieder nach dem Holland-Spiel weiter. Erzähl ich also meinem Brötchenmann, dass das schon irgendwie merkwürdig gewesen sei mit dem 3:2. Dass der Ball da auf einmal im Tor der Holländer gewesen sei.

Grinst er mich an. (Bis hierher hatte ich ja schon erzählt.)

Sagt er doch: „3:1, das wäre mich teuer zu stehen gekommen. Hatten verdammt viele getippt! Hätte ich Kaffee ohne Ende spendieren müssen. Wissen Sie, was ich da gemacht habe? Aber nicht weitererzählen!“

Ehrensache, denke ich.

„Da bin aus meinem Sessel hoch, habe meinen Fernseher sanft und zugleich entschlossen gepackt und dann vorsichtig immer mehr nach hinten gekippt. Hat keiner von den Spielern mit gerechnet. Und drin war der Ball!“

Wir haben uns jetzt für kommenden Samstag bei ihm verabredet. Ziehung der Lottozahlen!

© Ulf Runge, 2010



Lappentausch

10. Dezember 2009 2 Kommentare
Leben 529 – Donnerstag, 10.12.09

Sich ganz alleine wissend hatte er sich umgedreht und beugte sich, mir seinen Allerwertesten entgegenstreckend, über einen Putzeimer. Das nicht genug, murmelte er darüber hinaus auch noch vor sich hin.

„Sie führen Selbstgespräche, ist es schon so weit?“ durchschnitten meine Worte seine beschauliche Stille, um dann meinerseits noch von einem herzlichen Tagesgruß gefolgt zu werden.

Mit ertappter Miene drehte er sich zu mich um, lächelte zurück, wünschte mir ebenfalls einen schönen Morgen und meinte, er hätte ihn tauschen wollen. Den da. Den Lappen. Heute früh. Und dann habe er es doch vergessen. Das dürfe er doch mal so für sich feststellen, oder etwa nicht, und sein Grinsen wurde breiter.

„Tauschen? Den Lappen?“ entfuhr es mir. „Gegen was denn?“

„Ja gegen was wohl?“ wurde er etwas heftiger in seiner Antwort. „Natürlich gegen einen neuen Lappen!“

Dass der Lösungsraum für eine Tauschaktion ungleich größer ist, als er in diesem Moment für möglich hielt, hätte ich ihm gerne noch gesagt, aber wir waren auf einmal umringt von drei anderen Käse- und Wurstbrötchenkäufern, so dass ich es mir verkniff, ihm folgenden Witz zu erzählen, den er dann morgen wohl über sich ergehen wird lassen müssen und den ich hier schon einmal unter „Der Tausch – oder Hans im Glück ‚reloaded‘ im Abschnitt „Zweite Annäherung“ zum Besten gegeben habe:

Transsibirische Eisenbahn. Seit Stunden rollt der Zug durch die unwirtliche Landschaft, als er auf offener Strecke unverhofft zum Stehen kommt. Als die Reise nach zwei Stunden immer noch nicht weitergeht, begibt sich einer der Fahrgäste auf die Suche nach einem Zugbegleiter. Auf die Frage, warum es denn nicht weitergehe, antwortet der Bahnmitarbeiter: „Wir tauschen die Lok!“ Warum das denn so lange dauere, will unser Reisender nun wissen. Darauf der Bedienstete: „Nastrovje! Wir tauschen gegen Wodka!“

© Ulf Runge, 2009

Hoffnungsloser Fall?

3. Dezember 2009 9 Kommentare
Leben 523 – Donnerstag, 03.12.09

Noch schnell mein Käsebrötchen geholt und dann rein ins Meeting-Getümmel, dachte ich bei mir, als mir just beim Betreten des Gebäudes klar wurde, dass ich mich nicht ordnungsgemäß abgemeldet hatte. Für die vergangenen beiden Tage. Beim Brötchenmann.

Ich hatte ihm vor längerer Zeit zugerufen, dass ich jeden Monat für ungefähr zwei Tage weg sei. Auf Schulung. Hatte beim ersten Mal dann auch ganz brav mein tägliches Käsebrötchen abbestellt.

Um es beim zweiten Termin dann vergessen zu haben. Außer einem vom Herrn Brötchenmann gespielten, bösen Blick und ein paar bissigen Anmerkungen hatte das keine Folgen. Seitdem war ich zusätzlich Inhaber seiner Visitenkarte. Damit ich mich melden könne, falls ich doch mal vergessen würde, mich am Vortag abzumelden.

Ich gehe die Treppe hoch, und als er mich erblickt, setzt er seinen bösestmöglichen Blick auf.

„Guten Morgen, der Herr, ich hätte gerne meine beiden Käsebrötchen von gestern und vorgestern!“ versuche ich einen Hauch von Entspanntheit in die Situation zu bringen. „Ach ja, und das von heute natürlich auch!“ grinse ich ich frech hinterher.

Wo ich denn gestern gewesen sei? Und vorgestern? Und ob ich denn seine Visitenkarte nicht mehr hätte?

Die Worte meines tiefen Bedauerns sind in einer noch nicht lautbildenden Kompositionsphase, als mein Gegenüber in seiner unwiderstehlichen Menschenfreundlichkeit zum verbalfinalen Blattschuss ansetzt:

„Sagen Sie mal, ist das etwa immer der gleiche Kurs? Wie oft müssen Sie den denn noch wiederholen?

© Ulf Runge, 2009

Die Abmeldung

8. September 2009 4 Kommentare
Leben 485 – Dienstag, 08.09.09

Ich wolle mich bei ihm abmelden, für zwei Tage, er bräuchte also morgen und übermorgen kein Käsebrötchen für mich zu reservieren. Sage ich zu dem für täglich neue Scherzereien aufgelegten Brötchenmann in der Cafeteria.

Er reicht mir mein heutiges Käsebrot und bedankt sich für meine „Abmeldung“.

Ob ich Urlaub hätte, fragt er interessiert. „Nein, ich gehe auf Schulung nach Kastein.“ Er guckt mich freundlich an, erwidert aber nichts. Die Pause, die er macht, erscheint mir ein bisschen zu lang, so dass ich ihm eine Brücke baue: „Was man in meinem Alter denn noch lernen kann, fragen mich die meisten, wenn ich ihnen sage, dass ich auf Schulung gehe!“

Er lacht, ein Funkeln glitzert aus seinen Augen, um mir dann volle Breitseite zu geben: „Warum denn nicht, ’s könnt ja was für die Rente sein!“

© Ulf Runge, 2009

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