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Der erste Satz
| Leben 461 – Sonntag, 05.07.09
Es ist wahrlich ein erhebendes Gefühl, wenn man Zeuge sein darf, wie man selber einem anderen Lebewesen das Sprechen beibringt. Wenn man sieht und hört, dass sich aus den Urlauten Silben bilden, und diese Sprachfetzen sich dann zu ersten Wörtern verschwistern. Wenn die sich entwickelnde, geliebte Stimme den ersten Satz spricht. Erst undeutlich. Befremdlich. Bis auf einmal hell und klar die Vokale und Konsonanten sich zu einer begeisternden Überraschung zusammenfügen. Ich werde nie den Tag vergessen, als er zum ersten Mal „Donald ist lieb.“ sprach. Unendliche Glücksgefühle durchströmten mich. Und sein Lieblingssatz wurde „Donald gibt Küsschen.“ Ja, obwohl er nie Alkohol zu trinken bekam, war ich immer begeistert, wenn er mir „Donald trinkt Bier.“ nachsprach. Eine Idee meines Vaters. Die ich anfänglich nicht gut fand. Gelinde ausgedrückt. Aber „Donald trinkt Bier“ muss für einen Wellensittich die helle Freude sein, sonst hätte er es bestimmt nicht so häufig gesagt. Zehn Sätze konnte er. Sprechen. Mein Donald. © Ulf Runge, 2009 |
Werbespot
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Leben 319– Donnerstag, 02.10.08
Prolog 1: Manche Computerprogramme müssen – in der Sprache der IT-Experten – „gebunden“ werden, bevor man sie einsetzen kann. Dadurch kann man ein neu entwickeltes Programm mit schon exisitierenden, hoffentlich fehlerfreien anderen Programmen verbunden werden, etwa für die Maus- oder Tastaturansteuerung. Das hat den Vorteil, dass man „das Rad nicht jedes Mal neu erfinden muss“.
Prolog 2: Heute früh kam mir ein Gag in den Sinn. Und diesen Gag will ich jetzt los werden. Den ganzen Tag ging er mir durch den Kopf. Und natürlich auch aufkeimende Zweifel, ob ich das denn hier überhaupt aufschreiben soll. Im Blog. Ich mach’s jetzt… (immer noch Prolog 2…) Donnerstag. Markttag. Wie oft habe ich hier schon die immer wieder gleichen Buden, Waren und Menschen gesehen. Gleich vorne rechs etwa, wo das immer gleiche, schon vertraute Gesicht die Ketchup- und Senf-Behälter rotdeckigen Bistrotischen mit einem – anfänglich – sauberen Lappen abwischt. (immer noch…) Obwohl schon xmal gelesen, nehme ich heute zur Linken wirklich zum allerersten Mal diesen nicht mehr taufrischen Schriftzug wahr, der für ein Frankfurter Traditionsbier wirbt: „BINDING“. Und in diesem Augenblick, da war er da, ohne jeden Verzug, da war er da, dieser alberne Gag.
Prolog 3: Nun noch eine letzte Vorbemerkung. Weil, eigentlich ist dieser Gag ein Werbespot. Nicht zum Lesen, Vorlesen oder Radiohören geeignet. Man sollte ihn ehrlich gesagt sehen und gleichzeitig hören. Damit jetzt beim Lesen das Hören leichter fällt, schreibe ich die unvermeidbare, fremdländische wörtliche Rede in selbsterfundener Lautsprache.
Jetzt aber! Idee für einen Werbespot, auch im Ausland verwendbar Klappe, die erste. Zwei Programmierer sitzen vorm PC, hochroten Kopfes, irgendetwas läuft schief. Der erste erregt sich laut und heftig und wendet sich zum zweiten: „Wei dassent mei prougräm wörk?“ Darauf der andere, seinem Kumpel dazu noch ein leckeres Glas Binding Bier in die Hand drückend: „Ju fohrgatt sä Beinding!“ Schnitt. Schlussszene. Glücks- und biertrunkene Programmierer freuen sich, wiederum vor dem PC sitzend, über das nun augenscheinlich funktionierende Programm. Mit einem Glas Binding Bier einander zuprostend lallen sie unisono: „Näwwa fohrgätt sä Beinding!“ Klappe.
Epilog. Jetzt frage ich mich, ob ich dem Marketingteam von Binding ernsthaft meine Idee „zum Kauf“ anbieten soll… Und bin mir bewusst, dass ein Angelsachse wohl eher auf die ing-Form verzichten würde und statt dessen formulieren: „You forgot to bind“. Damit wäre dann aber kein Tropfen Bier verkauft. Und dieser Beitrag ungeschrieben…
© Ulf Runge, 2008 |


Angemerktes