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Perspektive

16. November 2007 6 Kommentare

Leben 133 – Freitag, 16.11.07

Sie hatten uns unsere Arbeit weggenommen. Unser super-duper Projekt! Wir waren so etwas von innovativ. Doch wir arbeiteten auf der falschen Seite eines großen Teiches. NIH. Not invented here: wir waren gut, aber wir waren nicht von „here“. Das klingt bitter, und wir waren in der Folge auch sehr verbittert.

Unsere Arbeit war weg. Der Sinn in unserem beruflichen Alltag auch. Unsere Jobs hatten wir noch. Zum Glück. Dafür waren wir dankbar.

Doch was braucht der berufstätige Mensch?

Drittens: Geld, Lohn, soviel, wie er verdient, weil und wenn er seine Arbeit gut macht, mindestens aber so viel, dass er davon leben kann, und all die, die auf ihn angewiesen sind.

Zweitens: Ein Betriebsklima, ein kollegiales, in dem das Wort Mobbing keinen Platz hat.

Erstens: Vor allem braucht der Mensch eine Perspektive. Nimm dem Menschen seine Perspektive, so verkümmert er. Oder sucht sich selber eine.

Genau das taten wir. Schauten nach links. Rechts. Vorne. Hinten. Schön, wenn ein Unternehmen, ein Konzern so groß ist, dass man sich umschauen kann, ohne sein Fell auf dem harten Markt externer Bewerbungen zu Markte zu tragen.

Eine nach der anderen, einer nach dem anderen, wurden wir fündig, fanden neue Jobs.

Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich mit der Zusage für den neuen Job bei meinem bisherigen Chef vorstellig wurde. Ich hätte mich woanders beworben, ich hätte eine Zusage, ich würde nach H. gehen wollen. Es würde nicht an ihm liegen, nicht an ihm, meinem Chef. Ich wäre sehr gerne diese Zeit gemeinsam mit ihm den gleichen Weg gegangen, es sei eine gute Zeit gewesen, dafür sei ich ihm dankbar.

Statt einer unwirschen Reaktion lächelte mich mein Noch-Chef auf das Freundlichste an, wohin ich denn gehen wolle? Nach H., meinte ich. Nach H.?

Da gehe er auch hin!!!!! Wohin denn in H., wollte er wissen. Wir bedauerten beide, dass sich unsere Wege trennen würden, aber vielleicht würden wir in H. auch zukünftig Berührungspunkte für eine Zusammenarbeit finden.

Da gehst Du also mit schlechtem Gewissen zu Deinem Chef und stellst fest, dass er genau so normal reagiert wie Du: Sucht sich selber eine Perspektive, wenn man sie ihm nimmt, und man ihm keine neue als Ersatz anbietet…

© Ulf Runge, 2007

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