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Archive for the ‘Mein Schreibetagebuch: “Leben”’ Category

Wenn Die Tante semantisch wird

2. Juli 2014 2 Kommentare

Leben 1127 – Mittwoch, 02.07.14

Wenn Die Tante semantisch wird

 

Man muss nicht zu alle seinen Senf beitragen. Etwa zur Fußball-WM. Hier und jetzt und heute breche ich mein Schweigen. Es muss einfach raus…

Aus zwei Gründen. Ich muss einen Kalauer loswerden, der mich seit Tagen verfolgt. So wie ein Ohrwurm nicht mehr raus will aus Amboss, Schnecke und wie sie alle heißen.

Und zweitens möchte ich huldigen. Dem hohen sprachlichen Niveau der TV-Reporter-Berichterstattung.

Eins nach dem anderen. Also erst „Eins“.

Da spielen also „Die Tante“, „Die Maria“ und „Susi“. Und ich dachte, es ist Herren-WM.

Nun „Zwei“.

Zwei. Die erste. Es geht um einen Torwart. Spricht der Reporter: „4 Gegentore bisher, aber keines konnte er halten.“

Danke, lieber Sportreporter! Ich ernenne Dich zum Tautologen, ehrenhalber.

Zwei. Die zweite. Es geht um einen Stürmer. Spricht der Reporter: „Überragendes Spiel, nach seiner Einwechslung.“

Danke, lieber Sportreporter! So widerspruchsfrei, so semantisch!

© Ulf Runge, 2014

P.S.: Fußball und Sprache. Geht das? Ja! Was geht, sagt uns die Maus!

Strandgut

28. Juni 2014 2 Kommentare

Leben 1126 – Samstag, 28.06.14

Strandgut

 

Manchmal kann man nicht anders. Bzw. manchmal kann ich nicht anders.

Da lese ich auf einer Social Media Plattform „So bekommen Sie eine Strandfigur“.

Das macht neugierig. Auch mich.

Ich lese weiter: „1. Eine Figur haben“ und „2. Zum Strand gehen“.

Stimmt, denke ich mir.

 

Aber ich kann es nicht verhindern, dass ich ergänzend poste: „So bekommen Sie einen Strandkorb“.

Und schreibe: „Gehen Sie zum Strand“ und „Warten Sie, bis keine der Damen Sie auswählt“

Manchmal halt.

 

© Ulf Runge, 2014

Ein Präservativ, schwarz!

22. Juni 2014 4 Kommentare

Leben 1125 – Sonntag 22.06.14

Ein Präservativ, schwarz!

So etwas wie am Freitag Abend habe ich noch nicht erlebt. Ich sitze im Nationaltheater Mannheim. In der Oper. Und im Publikum sitzt ein Mann mit Hut. Auf dem Kopf!. Nimmt ihn nicht ab. Den Hut. Ich korrigiere. Ich sehe nicht einen Mann. Mit Hut. Ich sehe richtig viele Männer. Mit Hut. Strohhüten. Oder schwarzen Hüten.

Mein Nachbar meint, das sei ziemlich respektlos. Recht hat er. Aber heute darf man in der Tat in der Mannheimer Oper respektlos sein. Hut tragen. Sonnenbrille. Mitklatschen. Und mitsingen.

Mehr hierzu weiter unten.

Ich drehe die Uhr einige Jahre zurück.

“Ulf, Du kennst die Blues Brothers nicht?”

Mein Kollege blickt mich ungläubig (oder gar fassungslos?) an. Er kennt meinen Musikgeschmack. Und erst recht meine Freude an Komik, Witz und Surrealismus.

Wenige Tage später überreicht er mir leihweise seine DVD mit dem Blues Brothers Film.

Kaputt geömmelt habe ich mich über diesen urkomischen Film. Auch wenn diern Handlung prinzipiell in 60 Sekunden erzählt ist, so faszinieren mich immer wieder die Schauspiel- und Tanzkunst sowie die tiefgehenden Soul- und Blues-Balladen, von den Ohrwürmern ganz zu schweigen, die den Rhythm bei R&B ausmachen.

Ich kenne auch Menschen, die finden den Film nicht lustig. Verstehen nicht, dass ich an immer wieder der gleichen Stelle lachen kann. Ich kenne Menschen, die mögen lieber andere Musik hören.

Egal. Die Blues Brothers. Das ist MEIN Film.

Jahre später.

Ich studiere das Programm des NTM. Nationaltheater Mannheim. Ich lese da etwas, traue meinen Augen nicht, lese es laut: Blues Brothers! In der Oper!

Das will ich sehen!

Tage später.

Ich sitze in der Oper und frage mich, wie die Verfolgungsjagden mit den Polizeiwagen darstellen wollen. Das Demolieren eines kompletten Einkaufszentrums.

Ferngesteuerte Miniaturpolizeiwagen fahren auf der Bühne rum. Genial. Kopfkino. Die beiden Jungs da vorne spielen das so gut, dass die Szene mit der Hebebrücke ganz deutlich vor meinem Auge entsteht: Ich schwebe mit den beiden durch die Luft schwebe und lande unsaft auf der anderen Brückenseite.

Die Schauspieler sind ausnahmslose so genial, dass ich stimmlich und schauspielerisch John Belushi und Dan Aykroyd vor mir sehe. Und James Brown, Aretha Franklin, und und …

Die Inszenierung ist witzig. Man sollte den Film vorher allerdings mindestens einmal gesehen haben, um so richtig Spaß an der Inszenierung zu haben und Und gleichzeitig macht sie Lust, den Film noch einmal zu sehen.

Die Sänger, Tänzer, Schauspieler sind hin- und mitreißend. Und die Band? Sie intoniert diesen Sound, als hätte sie ihn selber erfunden. Frisch, fetzig, swingend, einfühlsam. Den ganzen Raum füllend.

Ich habe noch nie im NTM erlebt, dass es Standing Ovations gab, dass das Ensemble zwei Zugaben geben musste durfte. Das sind Augenblicke und Emotionen, die man festhalten, nicht mehr loslassen möchte. Vakuumverpackt einschweißen, um sie bei Bedarf wieder rausholen zu können, um sich in diesen tiefgehenden Blues Brothers mood zu bringen.

Wenn Du das Glück hast, noch Karten für die verbleibenden Vorstellungen in dieser Saison zu bekommen, und wenn Blues Brothers auch Dein Film ist, dann mach Dir einen unvergesslichen Abend in Mannheim. Und hinterlasse hier doch bitteschön, ob es Dir auch so gut gefallen hat.

Wenn ich ein zweites Mal hingehe, überlege ich mir, ob ich nicht aus schwarz gekleidet sein sollte. Und auf dem Kopf einen Hut, schwarz. In der Hosentasche ein …

© Ulf Runge, 2014

Besentraum

13. Juni 2014 3 Kommentare

Leben 1124 – Freitag, 13.06.14

Besentraum

 

Es war einmal ein kleiner Besen.

Blödsinn!

Besen sind nicht klein. Also nochmal.

Es war einmal ein Besen. Und wenn er nicht gestorben ist…

Nein, diese Geschichte geht anders.

Unser (nicht kleiner) Besen tat jedesmal, wenn es angesagt war, treu seinen Dienst. Nahm sein Besitzer ihn in die Hände, so kehrten die Borsten der ersten Reihe brav alles, was ihnen entgegen kam, zurück. Oder zur Seite. Worauf die Borsten der zweiten Reihe ins Spiel kamen. Auch sie sagten: „Zurück oder auf Seite!“ Unser Besen hatte ganz viel Borstenreihen. So dass die Staubkörner, Erdklumpen, Blätter, Plastikabfälle, die sich ihm entgegenstellten schon beim ersten Mal fast keine Chance hatten. Unser Besen war ein guter Besen.

Ein treuer Besen.

Er steht in der Garage. Wenn das Tor offen ist, spinxt er hinaus und sieht den Fußgängern, Fahrrädern und Autos nach, die von links nach rechts oder rechts nach links vorbeihuschen. Die haben ein schönes Leben, denkt der Besen so bei sich. Die dürfen unterwegs sein. Während er die Grundstücksgrenze nie verlassen darf. Und so bleibt es für ihn ein ungeträumter Traum, in die große weite Welt zu gehen und auch was zu erleben.

So ist unser Besen ein lieber, braver Besen, der auch seine Träume hat. Aber nicht wirklich unzufrieden ist.

Das änderte sich allerdings, als eines Tages zwei weitere Besen in der Garage stehen.

Wozu denn bitte das denn? Fragt sich unser Besen. Er hatte bisher keine Kapazitäts- oder Performance-Probleme offenkundig werden lassen. Und im Gegensatz zu den Menschen fühlt er sich als alter Besen noch ganz rüstig. Die Menschen sagen ja auch „Alte Besen kehren gut!“ (Oder geht der Spruch anders herum?)

Da stehen sie also, die neuen Besen, die angeblich gut kehren.

Aber wie erschrickt unser Besen, als Kurti, ja wir nennen ihn Kurti, an nächsten Tag mit der Sprühspraydose in die Garage kommt und jeden Besen in einer anderen Farbe ansprüht. Auch unseren Besen.

Das ist ein interessantes Gefühl, denkt sich unser Besen. Und trocknet überrascht vom Leben so für sich hin

Am darauffolgenden Tag betritt der Besenbesitzer die Garage mit einem Mordwerkzeug. Einer Kettensäge. Unser Besen kommt zuletzt dran. Zuvor darfmuss er mit ansehen, wie seine beiden jungen Konkurrenten geköpft werden. Oder besser gefußt?

Unser Besen hat mächtig Angst, bis er an der Reihe ist, dann beschließt er, gemäß seines Lebensmottos, dass er auch hieraus das Beste machen will. Und sagt sich: Alles wird gut. Und vielleicht komme ich ja jetzt hinaus in die große weite Welt.

Ich verrate es Dir: Er ist dort unterwegs. Jetzt. Genau jetzt…

Jelb

 

Rudjelb

 

 

schwatt-rud-jelb

P.S. Diese Begebenheit habe ich frei erfunden. Und nachempfunden der wunderbaren Geschichte über den Fernweh-Gartenzaun, die uns Franz Hohler geschenkt hat.

P.S.: Ja, das sind keine Besen, sondern Malerpinsel. Aber mit Besen geht das auch…

© Ulf Runge, 2014

Gehen, strecken und auch lenken – alles geht dank den Gelenken

Leben 1123 – Samstag, 31.05.14

Gehen, strecken und auch lenken – alles geht dank den Gelenken

“Ob ich denn am Mittwoch auch dabei sein würde?!” „Am Mittwoch?“ frage ich. „Ja, da findet hier ein Vortrag über Gelenke statt.“ Da ich weiß, dass meine Tierärztin ihren Beruf aus Überzeugung ausübt, sage ich zu. Mein Hund ist nicht der jüngste. Vielleicht kann ich noch etwas dazu lernen, um ihm noch mehr Wohlbefinden im Alter zu ermöglichen. Klingt kitschig, ist aber so.

Ach ja: Und etwas mehr über Gelenke was zu wissen, kann auch mir nicht schaden.

Heppenheim, 19 Uhr 30, es ist Ende April. Der zum gemütlichen Kinosaal umfunktionierte Warteraum ist gut gefüllt. Gut zwanzig Frauchen und Herrchen aus der Rhein-Neckar- und Odenwald-Region sind erschienen, um den ersten Vortragsabend in den neuen Praxisräumen zu erleben.

Frau Dr. med. vet. Barbara Rabeling gibt einen Überblick über den Abend. Sie wird zunächst das Wichtigste über Gelenke erklären. Und verspricht, dass wir ein hochinteressantes Video sehen werden. Ihre Folien sind exzellent. (Wie ihr Internet-Auftritt übrigens auch.)

Anhand leicht verständlicher Schemazeichnungen erfahren wir mehr über den Aufbau und die Funktion von Gelenken und Knorpeln. Für mich neu ist etwa, dass es nicht nur Bewegungsgelenke gibt, sondern auch „Haltegelenke“, die etwa am Zahnfleisch dafür sorgen, dass unsere Zähne so richtig schön in den Zahntaschen festgehalten werden. Meine Aufmerksamkeit wird zu Betroffenheit, als Frau Dr. Rabeling auf etwas eigentlich Bekanntes hinweist. Nämlich, wie wichtig Zahnpflege ist. Und dass mangelnde Zahnhygiene Wegbereiter für Bakterien sein kann, auf dass diese sich bei Gelenken oder gar am Herzen einnisten.

Hatte ich jetzt erwartet, dass es beim Thema „Gelenke“ um Schritt, Trab und Galopp geht, zeigt Frau Dr. Rabeling zunächst einmal wunderschöne Zeichnungen von Hunden, wie diese sich recken und strecken, am Ohr kratzen, sich putzen oder wohlig auf dem Rücken liegend räkeln. Auch das sei Hundebewegung. Auch das habe etwas mit den Gelenken zu tun. Ein Hund, der diese selbstverständlichen Bewegungen vermeidet, gebe einem damit wertvolle Hinweise für die Diagnose von Gelenkkrankheiten. (Ich frage mich, welche selbstverständlichen Bewegungen wir Menschen nach und nach einstellen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.)

Und dann kommt der Höhepunkt des Abends.

Sie zeigt das Video eines Forschers aus Jena, Professor Dr. Martin S. Fischer. Inhalt: Die weltweit erste Studie, die umfänglich über den Bewegungsablauf gesunder (!) Hunde berichtet. Ein sympathischer und videogener Professor berichtet darüber, dass die Forschungsergebnisse prinzipiell für alle Rassen gleichermaßen gelten, egal ob Dackel oder Dobermann. Und dass es sowohl an den Vorderläufen als auch an den Hinterläufen immer jeweils zwei Knochen gibt, deren Winkelstellung nahezu identisch zueinander bleibt, während sich der Hund bewegt. Das hört sich erst einmal nicht spannend an. Die Erkenntnis aus diesem Ergebnis ist allerdings in der Tat sehr hilfreich für die Diagnostik. Beobachte ich die Stellung des ersten Knochens, so muss der entsprechende zweite Knochen einen nahezu identischen Winkel aufweisen. Wenn ja, dann ist gut. Wenn nein, dann setzt man hier an mit der Diagnose von Gelenkerkrankungen.

Eine weitere praktische Botschaft aus diesem Video ist u.a.: Beim Spielen ist es günstig, wenn der Hund zuerst auf den Vorderläufen landet statt auf dem hinteren Bewegungsapparat. Beispiel: Mein Hund wartet in einiger Entfernung, dass ich ihm ein Stöckchen, einen Ball oder eine Frisby-Scheibe zuwerfe. Er wird hochspringen und vermutlich auf den Hinterläufen landen. Schlecht. Bewege ich mich mit ihm aber gemeinsam in die gleiche Richtung und werfe einen Gegenstand vor uns hin, dann hat mein Hund die Möglichkeit, seine Bremsbewegung ganz natürlich auf den vorderen Gliedmaßen abzufedern. Gut so.

Nach dem beeindruckenden Film legte Frau Dr. Rabeling uns noch einige Botschaften ans Herz, die eine Bestätigung des Lebensstils sind, den ich für meinen Hund und mich täglich neu anstrebe.

Erstens. Sich für sich (und seinen Hund) verantwortlich fühlen. Vorsorge betreiben. Bei sich selber anfangen. Bevor man zum Arzt geht.

Zweitens. Sich gesund ernähren. Nur ein voller Magen kann abnehmen. Man kann Fertigfutter sukzessive immer mehr durch z.B. Karotten ersetzen. Ich behaupte mal, dass dieser Satz uneingeschränkt auch für Menschen gilt. Nach meiner Erfahrung dürfen beim Hund gerne auch gegarte Tomaten, rote Paprika, Zucchini und Sellerie hinzukommen.

Drittens. Sich bewegen. Das bringt den Stoffwechsel im Bindegewebe und in den Knorpeln in Gang. Weder der Hund, der im Galopp neben dem Fahrrad herlaufen muss noch sein Verwandter, der jeden Tag auf dem Bürgersteig um den Wohnblock lauft, haben das volle Programm. Wichtig ist Abwechslung. Und für Herrchen und Frauchen gilt: Zeige mir Deinen Hund und ich sage Dir, wie es Dir geht.

Und viertens gerne auch mal zum Tierarzt gehen, BEVOR es dem vierbeinigen Liebling schlecht geht. Wie beim Menschen kann man sich anbahnenden Krankheiten durch Abhören, Abtasten und die Analyse von Körpersekreten vorbeugen.

Ich danke für diesen informativen und unterhaltsamen Abend. Mit einem guten Gefühl („Der Weg stimmt“) und wertvollen Impulsen („Zahnpflege“, „Aufmerksame Beobachtung der Bewegungsabläufe“) gehe ich nach Hause.

 

© Ulf Runge, 2014

 

P.S.: Wer mehr hierzu erfahren möchte: http://www.uni-jena.de/Mitteilungen/PM110527_Hundestudie.html

Und wenn Du mehr über meine Erfahrungen mit der Kleintierpraxis Rabeling wissen möchtest, dann gerne hier.

 

Wortschatzerweiterung

15. Mai 2014 5 Kommentare

Leben 1122 – Donnerstag, 15.05.14

Wortschatzerweiterung

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Eine junge Dame kommt aus einem Friseursalon und steigt in ihr Auto. Das just dort steht, wo ich gleich einparken möchte. Ich stelle meinen Wagen hinter ihren, kann da aber nicht stehen bleiben, weil dort eine Grundstückseinfahrt ist. Die frisch gestylte Autofahrerin vor mir wird bestimmt gleich ausparken. Und gut ist.

Wie gesagt, ich sitze im Auto, das Auto steht hinter ihrem Auto. Und ich warte. Einige Sekunden. Viele Sekunden. Nach einer Minute sage ich zur Jugend neben mir: „Die könnte jetzt aber losfahren, oder?“

„Ich glaube, Du brauchst noch etwas Geduld, die macht erst noch einen Selfie. Was sage ich? Einen? Viele!“

Was ist das denn?“

„Die schießt ein Foto von sich selber!“

„Ich verstehe! Frisch vom Friseur gleich rein nach Facebook.“

In der Tat, vermutlich als ihr Facebook voll ist, fährt sie doch schon los.

Ich war mir nicht sicher, ob diesen Artikel jemals schreiben würde.

Aber seit Tagen verfolgt mich diese doch bedeutsame Erweiterung meines aktiven Wortschatzes. Selfie hier, Selfie da.

Und ich danke meinem Bloggerfreund Emil, dass er jetzt auch einen Selfie-Beitrag eingestellt hat.

Da lass ich mich doch nicht lumpen…

© Ulf Runge, 2014

One way ticket

7. Mai 2014 2 Kommentare

 

Leben 1121 – Mittwoch, 07.05.14

One way ticket

 

 

Vor kurzem ist ja eine “zweite Erde” entdeckt worden. Das ist auch gut, weil wir unseren Planeten schlecht behandeln. Irgendwann werden wir „hier“ weg müssen. Vielleicht passiert das ja schon, indem unsere Seelen sich für die nächste Inkarnation Erde 2.0 aussuchen. Dann wäre ja auch das für uns unvorstellbare „Transportproblem“ über Aberviele Lichtjahre gelöst.

Dies war der philosophische Teil dieses Artikels. Der nachfolgende greift das Thema auf naturkundliche Art und Weise auf. Die Fotos sind nichts für schwache Nerven. Oder Menschen, die sowieso schlecht schlafen. Aber das war ich heute gesehen habe, das habe ich noch nie und nirgendwo gesehen. Wenn Du stark bist, nicht nur Fischers Freunde, sondern auch für die nachfolgenden Fotos, dann klicke einfach, damit Du „weiter“ kommst.

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Weiterlesen…

Meisenklinik

6. Mai 2014 2 Kommentare

Leben 1120 – Dienstag, 06.05.14

Meisenklinik

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Wo sonst Schmetterlinge kurz verweilen, eine Verschnaufpause machen. Dort saß sie.

Wo bei feuchtem Wetter Schneckenhausschnecken Gefahr laufen, mit unachtsamem Tritt ein qualvolles Ende zu erleben, genau dort saß sie.

Auf dem Weinbergweg.

Sie war jung. Und ließ die Flügel hängen. Genau gesagt den rechten.

Ich bedeutete meinem Hund, er möge warten und auf wiesigem Gelände verweilen. Als auf einmal Motorradgeknatter ertönt. Ich traue meinen Augen nicht. Rollt da wirklich eine großkalibrige Maschine den schmalen Weg hinunter. Die Dame am Lenker bremst ab, als ich ihr Zeichen gebe. Sie wundert sich, weil da nichts zu sehen ist, was sie aufhalten könnte.

Ich gehe zu „meiner“ soeben entdeckten, flügellahmen Meise, die vor lauter Schreck doch von der Stelle kommt. Und ungelenk neben dem Weg landet.

Die Bikerin guckt mich etwas verständnislos an, sie hat das kleine Geschöpf wohl nicht wahrgenommen.

Was macht man jetzt mit so einem Tier, das zu früh aus dem Nest gefallen ist, einen Flugunfall hatte oder vielleicht sogar leicht gebissen wurde? In Gedanken gründe ich gerade Ulfs Meisenklinik. Ist natürlich Blödsinn.

Nachdem es mir ja schon einmal gelungen ist, ein Wintergoldhähnchen dazu zu bewegen, auf meinen Finger zu krabbeln, versuche ich Ähnliches mit diesem Geschöpf hier. Ich schnappe mir ein Stöckchen und in der Tat, die Meise klettert langsam drauf. Mit sanfter Bewegung hebe ich meine Hand samt Stöckchen und Vogel immer höher. Bis die Meise losfliegt und aufgrund des Abstandes zum Boden in einem recht lang andauernden Sinkflug an einem Rebstock landet und sich dort in ca. 40 cm Höhe festkrallt.

Ich schließe meine Meisenklinik und vertraue darauf, dass die Natur es schon richten wird.

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© Ulf Runge, 2014

Ich bin Experte

1. Mai 2014 2 Kommentare

Leben 1119 – 01.05.14, Maifeiertag

Ich bin Experte

 

Oliver Kahn ist einer. Ich bin es jetzt auch. Experte. Ich bin Experte! Wenn Du mal einen brauchst, frag einfach mich.

Sehr wohl sehe ich die Fragezeichen in Deinem Kopf.

Also der Reihe nach. Angefangen hat es damit, dass ich als Domstädter aufgewachsen bin. Und mein Vater mich in jugendlichem Alter ab und zu mitgenommen hat zum FC (gesproche EFF ZEH). Ich habe damals gelernt, dass es weltweit nur einen FC gibt. Nämlich den ersten Fußballbundesligameister 1962 und dann gerne auch 1964 aus Köln. Die Geißbockelf.

Einmal waren wir sogar zu einem internationalen Spiel. „Irgendein“ Verein aus Barcelona war zu Gast im Müngersdorfer Stadion, und da die ja auch wussten, dass es nur einen FC geben kann, haben die ihren Verein dann logischerweise auch CF genannt. Bis heute.

Als die Alemannia aus Aachen eine Stippvisite ins Fußball-Oberhaus gemacht hat, sind wir sogar mal auf den Tivoli nach Aachen gefahren. Ein reines Fußballstadion ohne 400-Meter-Bahn und Leichtathletik-Geraffel. Fußball zum Anfassen. Das war einfach nur hammer.

So viel Fußballkompetenz hättest Du nicht bei mir vermutet, oder?

Später dann, als meine Eltern nach Oberbayern umgezogen waren, bin ich sogar mal zu einem FC Bayern Spiel ins Olympiastadion. Es war ein Freundschaftsspiel zur Verabschiedung von Helmut Haller, dem ersten prominenten Auslandsfußballer, den Fußballwestdeutschland hervorgebracht hat. Ein unterhaltsamer Kick in sommerlauer Abendstimmung. Kurz bevor „wir“ zum zweiten Mal Weltmeister wurden. (Waldi aufgepasst! Im eigenen Land!)

Und seitdem war ich nie wieder im Stadion. Höre samstags die Bundesligakonferenz und freue mich, wenn Sabine Töpperwien „Tor auf Schalke“ ruft. (Am liebsten, wenn die Gäste jubeln.)

Seit meiner Mainzer Zeit Ende des letzten Jahrtausends liebe ich den Karnevalsverein aus der anderen Domstadt. Insbesondere seitdem der Sympathieträger Kloppo den Verein in die erste Liga geführt hat. Auch wenn Jürgen Klopp noch viel dazu lernen darf, seine Emotionen angemessen zu kanalisieren, er ist einfach nur ein ganz Großer, der trotz allem ganz bodenständig geblieben ist.

Und Thomas Tuchel, sein Nachfolger, ist einfach nur obersympathisch. Nie auf Schmusekurs, und doch immer wertschätzend und bescheiden. Praktiziert mit seinem Team möglichst bei jedem Auftritt modernen Angriffsfußball und hat das Abstiegsgespenst aus Rheinhessen verjagt.

Mit leicht verspätetem Start spiele ich seit dieser Saison auch Fußball. 1. und 2. Liga. Als Tipper. Bei SWR1 RP. (Dass ich SWR1 RP intravenös höre, weißt Du ja aus älteren Artikeln von mir.) Ich bin eine ziemlich Tipper-Niete. Weil die Vereine trotz meiner hohen Exptertise einfach spielen, was sie wollen. Interessanterweise habe ich vergangenes Wochenende so verrückt getippt, dass die Liga entschieden hat: „Ulf, Du darfst diesmal gewinnen.“ Und das habe ich also.

Ich sage ein dickes Danke. Und freue mich riesig.

Coface-Arena, ich komme. Apropos, da war doch was… Mit der Kurpfalz-Arena.

© Ulf Runge, 2014

Schöne Überraschung

26. April 2014 2 Kommentare

Leben 1118 – Samstag, 26.04.2014

Schöne Überraschung

 

Fortschritt ist mitunter eine feine Sache.

Es gab mal eine Zeit, in der hat das Telefon geklingelt. Und wenn Du nicht schnell genug warst, dann hast Du noch nicht einmal erfahren, wer Dich – vergeblich – angerufen hat.

Also hat man den Anrufbeantworter erfunden. Damit die Person am anderen Ende vielleicht eine Nachricht hinterlässt. Vielen Menschen war das aber zu unpersönlich. Im Gegensatz zu heute, wo es trendy ist, per SMS Schluss zu machen, hat der Anrufbeantworter oft genug nur Schweigen oder tiefes Atmen aufgenommen, bevor am anderen Ende jemand frustriert aufgelegt hat.

Also musste man ISDN und CLIP erfinden. ISDN, die digitale Telefontechnik, und CLIP als das Leistungsmerkmal, damit ich auf dem Display sehen kann, welche Rufnummer versucht (hat), mit mir Kontakt aufzunehmen.

Ein weiterer schöner Fortschritt ist der Umstand, dass man auf seinem Smartphone ein Adressbuch mit Kontaktdaten und Foto speichern kann. Ruft Dich jemand an, dann siehst Du, sofern Du vorher ein Foto zugeordnet hattest, das Bildchen der kontaktsuchenden Person im Display.

„Hallo Frau C., das ist aber eine schöne Überraschung, dass Sie mich anrufen!“ entfährt es dem Bruno freudig, als das Konterfei einer Geschäftspartnerin auf seinem Smartphone aufleuchtet, mit der er bestimmt schon seit einem Jahr nichts mehr zu tun hatte.

Die dem Bruno ebenfalls bekannte Männerstimme am anderen Ende der Leitung gibt dem Bruno zu bedenken, dass jene Dame nicht mehr in der Firma sei und er jetzt ihre Telefonnummer übernommen habe. Und rät schmunzelnd dazu, das Adressbuch zu aktualisieren.

Fortschritt…

© Ulf Runge, 2014

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