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Archive for the ‘Mein Schreibetagebuch: “Leben”’ Category

Nörgelfalle

11. Juli 2014 2 Kommentare

Leben 1133 – Freitag,, 11.07.14

Nörgelfalle

 

Der geschäftliche Teil unseres Telefonates ist erledigt. Jetzt machen wir, was man nach den Regeln der Kommunikationskunst zu Beginn eines Gespräches tut: Small talk. Und über was reden die und der Deutsche wenige Stunden vor DEM Endspiel?

Genau. Über Fußball. Nein, nicht über die Aufstellung. Aber wie die Stimmung ist in Deutschland. Irgendwie so ähnlich wie 2006, als wir beinahe im eigenen Land Champion geworden wären.

Wir beteuern einander, dass die Menschen, denen wir begegnen, derzeit irgendwie besonders positiv gestimmt sind. Zuversichtlich. Fröhlich.

Ich bemerke: „Ja, es ist schön zu erleben, dass die ewigen Nörgler endlich mal Ruhe haben und Ruhe geben. Dieses hässliche Rumhacken auf anderen hat aktuell so richtig Pause!“

Wir schweigen uns an. Ich ergreife die Flucht nach vorne. „Jetzt habe ich doch gerade tatsächlich über Nörgler genörgelt und bin in die Nörgelfalle getappt!“

© Ulf Runge, 2014

Me and You and die Statu(e)

10. Juli 2014 2 Kommentare

Leben 1132 – Freitag, 11.07.14

Me and You and die Statu(e)

 

Ich bin unterwegs. In der Stadt. Habe eine große Liste von Erledigungen, die ich nachher abgehakt haben möchte. Haste und eile mit Tunnelblick durch die City.

Über einen großen Platz. Mit einer großen Statue. Goethe. Schiller. Wer auch immer. Bedeutend.

Jäh halte ich inne. Bereue, dass ich meinen Fotoapparat nicht dabei habe. Nur mein Handy. Schalte den Foto von meinem Handy ein. Mache dieses Foto hier.

 

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Du fragst Dich vermutlich, warum ich denn diesen Schnappschuss gemacht habe. Die beiden jungen Leute von hinten, was ist denn da Besonderes dran?

Ich sage mal. Keine sechs Monate mehr bis Weihnachten. Und wenn Du ein geniales und originelles Weihnachtsgeschenk suchst, was die Welt noch nicht gesehen hat, oder zumindest ich, der Ulf, dann hilft Dir die nachstehende Ausschnittsvergrößerung vielleicht weiter.

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Machen die also ein Selfie zu dritt. Statt Me and You and a Dog named Boo also Ich und Du und die Statu(e) schaut zu.

Wobei. Mal ganz ehrlich. Dies ist so ein hammermäßiges Teil, Du wirst nicht riskieren, es als Präsent eingepackt im Schrank liegen zu lassen, damit Dir andere beim Schenken zuvor kommen können. Nein, Du wirst jetzt gleich und sofort im Netz auf Suche gehen, da bin ich sicher. Und auch schnellstmöglich die WeihnachtsmännIn spielen.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Ich habe die beiden angesprochen. Zunächst auf Deutsch. Dann auf Englisch. Habe sie gefragt, ob sie das selber gebastelt haben. Oder gekauft. Ne ne, das sei gekauft. Lächeln mich an.

Fällt mir noch ein, dass ich den beiden sage, dass sie damit all die Handy- und Fotoapparat-Klauer „arbeitslos“ machen, die so „gerne“ behilflich sind, wenn man in der fremden Stadt ein gemeinsames Foto von sich haben möchte.

In der Tat frage ich mich. Was machen die zukünftig? Die müssen ja alle umgeschult werden.

© Ulf Runge, 2014

Haariges Hintergrundwissen

Leben 1131 – Sonntag, 06.07.14

Haariges Hintergrundwissen

 

Über Fußballreporter könnte man so viel schreiben. Ich verkneif mir jetzt aber das meiste, sonst erhält dieser Beitrag das Attribut „Überlänge“. Also keine Angst, ich mach’s kurz.

Die, die im Radio unterwegs sind, versuchen zu beschreiben, was wir nicht sehen. Wer gerade kickt, ob es regnet, und wenn jemand verletzt am Boden liegt, dann vielleicht etwas aus der Gerüchteküche. Man hat sich ja schließlich vorbereitet und das muss dann auch raus. Rein ins Mikro. In die Ohren der Lauscher.

Die, die fürs Fernsehen berichten, haben ein Problem. Die Zuschauer sehen, was passiert. Schweigen geht auch nicht. Sonst hätte der Reporter ja keine Existenzberechtigung. Also sagt er uns andauernd, wie der heißt, der den Ball spielt. Oder dass das Foul, das wir gerade gesehen haben, doch keins ist.

Auch TV-Reporter sind gut vorbereitet.

Sehr gut vorbereitet ist in der Regel Béla Réthy. Wer das ist? Das ist der eine vom ZDF, dessen Art zu kommentieren jüngst so beschrieben wurde: „Wie einer, der auf der falschen Seite des Zaunes steht, sich mit den Armen hochzieht, damit er gerade über den Zaun gucken kann und dann in dieser angestrengten Körperhaltung versucht, Sprache zu artikulieren.“

Immer unterwegs im anäroben Bereich.

Béla Réthy kommentiert also, das Bild vom Zaun will mir nicht aus dem Kopf gehen, als er in einer grottenlangweiligen Situation endlich sein unerschöpflich großes Hintergrundwissen anzapft und es uns gierig hierauf wartenden Zuschauern zur Verfügung stellt. Denen von uns, die gerade nicht aufs Klo sind oder Erdnüsse holen. Beides tat ich nicht, sodass ich mich an folgendem Ohrenschmaus ergötzen darf.

Zu sehen ist ein Spieler in Großeinstellung. „Man kannte ihn früher mit langen Haaren.“ Hurra, da ist es, das unnütze Wissen, auf das wir so sehnsüchtig gewartet haben.

Die Kamera zoomt zurück in die Totale. „Eine andere Haarmode hat eingesetzt bei Argentinien.“

Schwenk auf den ballführenden Spieler. Er hat eine Halbglatze. „Wenn das Haar noch wächst.“

P.S.: Bei der Recherche nach der richtig akzentuierten Schreibweise von Herrn R. habe ich diesen Artikel gefunden. Ich war nicht allein beim Spielgucken, der Herr vom Tagesspiegel hat auch geguckt. Nur hat den dritten von mir zitierten Satz womöglich nicht mitbekommen. Erdnussholenderweise bedingt?

© Ulf Runge, 2014

Frankreich, wir kommen!

Leben 1130 – Freitag, 04.07.14

Frankreich, wir kommen!

Deutschland atmet auf. Beinahe wäre die Weltmeisterschaft ohne die Deutsche Nationalmannschaft weitergegangen. Was die wenigsten wissen: Es hat ein Trainer- und Spielerstreik gedroht, der jetzt zum Glück abgewendet ist. Doch die Bundesregierung hat sich nicht von Lobbyisten einschüchtern lassen. Anders als die Zeitungsausträger wurden die Fußballprofis NICHT von der Mindestlohnregelung ausgenommen, so dass meine Zeitung (s.u. Quelle) heute titeln konnte:

 

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Somit ist alles klar für das heutige Spiel gegen Frankreich. Die nun auch monetär höchst motivierte Nationalmannschaft sollte heute frei von Lahmerscheinungen den Weg Richtung Endspiel fortsetzen.

 

P.S.: Einziger Wermuttropfen: Nur die reine Spielzeit auf dem Rasen soll unter die Mindestlohnregelung fallen. Reservebankzeiten und Training bleiben vorerst ungeregelt. Aber die Große Koalition kann jetzt auch nicht alles auf einmal lösen.

© Ulf Runge, 2014

Quelle: Bergsträßer Anzeiger vom 04.07.14

Die Hinsetzebank

Leben 1128 – Mittwoch, 02.07.14

Die Hinsetzebank

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Ich gehe möglichst täglich über den Weinberg. Gemeinsam mit meinem Hund. Auf dass unsere Knochen, Muskeln und Gelenke nicht einrosten.

Sehr oft gehen wir „unseren“ Weg. Hoch und hinunter. An zwei Wasserstellen vorbei, kühles und naturreines Nass spendend. An bewirtschafteten Weinbergen vorbei, an verwilderten Brombeer-überwucherten Hängen entlang, und natürlich Eichhörnchen- und Singvogelgezwitscher-begleitet an der Streuobst- und Sinnspruch-Wiese „meines“ Weinbergmannes.

Heute bin ich mal einen anderen Weg gegangen. Auch wunderschön. Zum Verweilen einladend. Und da habe ich mir vorgestellt, wie wohltuend es wäre, stünde da jetzt eine Bank. Eine Hinsetzebank. Ich würde jetzt Platz nehmen und würde es Astrid Lindgren gleich tun wollen, der dieser schöne Satz nachgesagt wird: „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“

Natürlich könnte ich mich auf den Hosenboden setzen. Aber eine Bank, die hätte was.

Allerdings. Es würde sich herumsprechen, dass hier eine Hinsetzebank steht. So wie jede Straße Autos anzieht, würde die Bank Hinsetzetouris anziehen. Das wär gar nicht so gut. Dann wäre hier viel zu viel los auf dem beschaulichen Trampelpfad.

Und die Hinsetzebank wäre vermutlich in den Haupttrampelzeiten genau dann besetzt sein, wenn ich vorbei komme. Was hätte ich dann davon?

Nee, nein danke. Ich will dann doch besser keine Hinsetzebank.

Nur ein bisschen träumen von ihr.

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© Ulf Runge, 2014

Wenn Die Tante semantisch wird

2. Juli 2014 2 Kommentare

Leben 1127 – Mittwoch, 02.07.14

Wenn Die Tante semantisch wird

 

Man muss nicht zu alle seinen Senf beitragen. Etwa zur Fußball-WM. Hier und jetzt und heute breche ich mein Schweigen. Es muss einfach raus…

Aus zwei Gründen. Ich muss einen Kalauer loswerden, der mich seit Tagen verfolgt. So wie ein Ohrwurm nicht mehr raus will aus Amboss, Schnecke und wie sie alle heißen.

Und zweitens möchte ich huldigen. Dem hohen sprachlichen Niveau der TV-Reporter-Berichterstattung.

Eins nach dem anderen. Also erst „Eins“.

Da spielen also „Die Tante“, „Die Maria“ und „Susi“. Und ich dachte, es ist Herren-WM.

Nun „Zwei“.

Zwei. Die erste. Es geht um einen Torwart. Spricht der Reporter: „4 Gegentore bisher, aber keines konnte er halten.“

Danke, lieber Sportreporter! Ich ernenne Dich zum Tautologen, ehrenhalber.

Zwei. Die zweite. Es geht um einen Stürmer. Spricht der Reporter: „Überragendes Spiel, nach seiner Einwechslung.“

Danke, lieber Sportreporter! So widerspruchsfrei, so semantisch!

© Ulf Runge, 2014

P.S.: Fußball und Sprache. Geht das? Ja! Was geht, sagt uns die Maus!

Strandgut

28. Juni 2014 2 Kommentare

Leben 1126 – Samstag, 28.06.14

Strandgut

 

Manchmal kann man nicht anders. Bzw. manchmal kann ich nicht anders.

Da lese ich auf einer Social Media Plattform „So bekommen Sie eine Strandfigur“.

Das macht neugierig. Auch mich.

Ich lese weiter: „1. Eine Figur haben“ und „2. Zum Strand gehen“.

Stimmt, denke ich mir.

 

Aber ich kann es nicht verhindern, dass ich ergänzend poste: „So bekommen Sie einen Strandkorb“.

Und schreibe: „Gehen Sie zum Strand“ und „Warten Sie, bis keine der Damen Sie auswählt“

Manchmal halt.

 

© Ulf Runge, 2014

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