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Archiv für die Kategorie ‘Kurzgeschichten’

Paprika!

1. Mai 2013 11 Kommentare

Leben 1003 – Donnerstag, 02.05.13

Paprika!

 

Was man so aneinander hat,
das merkt man meistens oft zu spat.

Ich will nicht lange drüber schwätzen,
beizeiten sollte man sich schätzen.

Entdeckt man schmerzhaft den Verlust,
ist man tieftraurig, voller Frust.

Verloren sind jetzt Malz und Hopfen,
wo bist Du nur, mein Spülenpfropfen?

Ich will doch das Geschirr jetzt spülen,
und tu nach Dir im Abfall wühlen.

Ich such Dich hier, ich such Dich da,
auf einmal denk ich: „Paprika!“

Die Reste von dem Schotenputzen,
tu ich als Pfropfersatz jetzt nutzen.

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Hurtig spül ich und geschwind,
auf einmal ich den Pfropfen find.

IMAG0887

Wo kommt der her, der war doch weg?
Hat meine Optik ’nen Defekt?

Dass ich mich täuschte, kann nicht sein,
es muss was Größ’res Ursach‘ sein.

In parallelen, andren Welten,
ich hoffe, dass man das lässt gelten,

da war wohl kurz mal grad mein Pfropfen,
’nen andren Ablauf dort zu stopfen.

© Ulf Runge, 2013

Roussillon-Splitter: Das Urteil

21. April 2013 10 Kommentare

Leben 1001 – Sonntag, 21.04.13

Das Urteil

Wie gesagt, der Bruno war im Urlaub. Und hat mir auch die nachfolgende Geschichte mitgebracht:

«Du weißt ja, dass ich ein Fernsehmuffel bin. Setz‘ mich vor die Glotze, und ich schlaf‘ ein.

Also, ich bin beim Packen und richte mir auch ein paar Musik-CDs für die Fahrt, Phil Collins, Kenny G. und Fats Domino. Da fällt mir diese DVD in die Hand, dir mir vor vielen Jahren mal ein Kollege geschenkt hat, „einfach so“… „Bruno!“, hat er gesagt, „Bruno, die wird Dir gefallen!“. Ich habe mich damals höflich bedankt, aber nie den Drive gehabt, mir die DVD auch mal anzusehen. Mein Kollege hatte auf die (Sicherheits…) Kopie mit blauem Filzschreiber „Das Urteil“ geschrieben. Jahrelang hatte die DVD nun ihr Dasein gefristet, ohne jemals angeguckt worden zu sein.

Denk‘ ich mir, „Diesen Urlaub muss es sein, ich schau sie mir an!“.

An einem der Urlaubsabende ist es also so weit. Ich packe meinen Laptop aus, lege die DVD ein und ein total spannender Film läuft da ab! Da treffen sich zwei Männer zufällig auf dem Flughafen, der eine bekommt eine Nachricht, er möge doch bitte erst einen Flieger später weiterreisen, er bekäme zum Dank auch ein seltenes Buch. Interessanterweise lässt sich dieser auf den Deal ein. Der ganze Film fokussiert sich auf diese beiden Männer und deren Gespräch, dessen Verlauf dem Zuschauer immer klarer macht, dass hier nicht nur Zufall am Werk ist, sondern dass hier jemand bezweckt, den Hauptzeugen in einem Mordprozess zu beeinflussen oder vielleicht sogar „unschädlich“ zu machen.

Spannung pur. Von Einschlafen auf dem Sofa kann bei mir keine Rede sein. Ich bin total gefesselt von diesem Thriller, der äußerlich als Kammerspiel daher kommt, der aber knistert aufgrund der hervorragend gespielten Dialoge. Ich stehe noch nicht mal auf, um mir was zum Trinken zu holen.

Also pass auf, der Film ist bei ungefähr Minute 58 von 90, ich kann es kaum abwarten zu erfahren, wie sich die Handlung weiterentwickelt, als mein PC mir mitteilt, dass die DVD nicht lesbar sei. „Ist nicht wahr?!“ denke ich. Ich nehme die DVD aus dem Laptop-Schacht, ich sehe keine Kratzer oder so, hauche die Scheibe an, fahre mit einem weichen Tuch über die Oberfläche, lege die widerspenstige Scheibe wieder ein, positioniere auf Minute 56, und? Nix und! Das gleiche.

„Was tun, sprach Zeus?“, denke ich mir. Nun hatten die Vermieter auch einen Fernseher mit DVD-Recorder, das könnte meine Rettung sein. Fernseher eingeschaltet, DVD eingelegt, auf die Taste mit dem Dreieckssymbol gedrückt, worauf die DVD gleich wieder ausgeworfen wurde. Nochmal versucht. Ein kurzer Blick auf die gesamte Anlage machte mir klar, dass ich gerade dabei war, dem CD-Spieler eine DVD unterzujubeln.

Also: DVD in DVD-Recorder eingelegt. Der fing auch gleich an, die DVD abzuspielen. Ohne es mir zu zeigen. Das Drücken sämtlicher Tasten sämtlicher Fernbedienungen brachte gar nichts. Nur ab und zu einen anderen französischen Sender auf das TV-Gerät.

Plötzlich ist der Fernseher wieder dunkel, statt dessen leckt mich die warme Zunge meines Hundes, dessen linke Vorderpfote auf der Fernbedienung steht.

Okay, nächster Versuch.

Kabel! Ich überprüfe die Kabel. Und natürlich ist die Verbindung zwischen DVD-Recorder und TV unterbrochen, das Scart-Kabel war vermutlich beim letzten Wohnungsputz entstöpselt worden.

Ja, ja, ja! „Das Urteil“ ist jetzt auch auf dem TV zu sehen. Ich näherte mich Minute 58. (Seit einer Stunde warte ich auf Minute 59).

Ja, ja, ja! Ich bin Minute 60 angelangt, der Film läuft weiter, mein Laptop ist einfach zu alt.

Bei Minute 64 verschwindet der Ton, bei Minute 66 wird aus einem 25 Bilder pro Sekunde Film eine Diashow, ca. 1 Bild alle 25 Sekunden.

Ich sage mal so: Die Spannung hält bis heute an, weil ich das Ende vom Film immer noch nicht kenne. Ich weiß nur das eine: Der Film ist GUUUUUUT!

Ich habe folgendes gelernt daraus:

Pralinenschachteln sollte man bald öffnen. Sonst schmeckt ihr Inhalt irgendwann ranzig. Und man kann sich zeitnah nicht nur für das Geschenk, sondern auch für den Genuss bedanken.

Originale sind Originale. Sicherheitskopien nicht…»

© Ulf Runge, 2013

Winterhund

15. April 2013 7 Kommentare

Leben 999 – Dienstag, 16.04.13

Winterhund

 

Ich möchte kein Winterhund sein. Du willst jetzt wissen, warum ich das nicht sein möchte. Und was ein Winterhund ist. Zu letzterem: Er ist ein armes „Schwein“ mit Riesenblase…

Du bist jetzt bestimmt irritiert. Ich wäre das auch beim Lesen dieser Zeilen. Smile…

Kam heute im Radio. Generationenkonfliktsbedingt war ich zugegenermaßen auf SWR3 unterwegs. Und es lief ein Spot mir frühlingsbegeisterten Hörerstimmen.

Original-Ton: Endlich wieder Gassi gehen, mit meinem Hund.

Wie gesagt. Er muss ein armes „Schwein“ sein, der Hund, wenn er so viele Monate nicht „draußen“ war… Oktober, November, Dezember, Januar, Februar, März, April, Riesenblase… Ich will es mir gar nicht vorstellen…

© Ulf Runge, 2013

 

Roussillon-Splitter: Das Einhorn und die Flasche

7. April 2013 2 Kommentare

Leben 996 – Sonntag, 07.04.13

Roussillon-Splitter: Die Flasche und das Einhorn

Leben 996 – Sonntag, 07.04.13

 

Der Bruno war jetzt ein paar Tage im Urlaub und ist gerade mal zurück. Er hat eine ganze Menge zu erzählen. Unter anderem hat er mir folgendes erzählt:

«Du glaubst es nicht, wir hatten eine sehr schöne Ferienwohnung, alles war wunderbar. Und dann auf einmal, nach ein paar Tagen, da fängt das Klo an zu spinnen. Genau genommen: Es ist immer schlechter abgelaufen. Ich erspare Dir Details, nur so viel: Zuletzt hat es eine geschlagene Stunde gedauert, bis der Schüsselinhalt abgelaufen war.

Was tun, es war Ostersonntag, der nächste Supermarkt 12 Kilometer entfernt und vermutlich geschlossen. Du glaubst es nicht, ich hatte Glück. Im Waschmaschinenraum fand ich eine Flasche auf der ein Abfluss abgebildet war, der Text natürlich total in Französisch.

Ich kippe das Zeugs also rein, erst in kleinen Dosen, dann in größeren, 30 Minuten warten, abdrücken und gucken, was passiert. Nichts, leider. Die Entleerungszeit blieb bei, vermutlich physikalischen Gesetzen gehorchend, unverändert einer Stunde.

Auch das Schicken von positiver Energie half nichts.

Da habe ich in meiner Verzweiflung den Spruch aller digital Ratsuchenden ausgestoßen: Google hilf!

Ich habe also „Klo verstopft“ eingegeben und wurde fündig. Es muss vor mir schon ebenso verzweifelte Kreaturen gegeben haben. Unter „Yahoo! Clever“ berichten „Renate M“ und „monalisa“ über ihre Erfahrungen. Die willst Du gar nicht wissen, nehme ich an. Und wirklich weitergeholfen hat es mir auch nicht.

Also klicke ich „Weitere 13 Antworten“ an.

Unglaublich, was sich „Icke“, „Ede“, Ullio61“, „Inge B“ und „volup11“ dort zu sagen haben.

Ich lese weiter, was „chrissi_259“ und „Einsatzleiter“ berichten. Ja, ich fühle mich jetzt auch gerade wie ein Einsatzleiter. Aber die Ausführungen sind alle noch nicht so dolle, wo soll ich jetzt etwa so eine Klo-Spirale herbekommen?

Obwohl ich sozusagen wortwörtlich tief in der Schei.. sitze, bemerke ich, wie mir beim Weiterlesen ein Lächeln über das Gesicht fährt. „Daumen RAUF“ weiß was, „Snuffi“ hat sich hier verewigt, und „Wissensdurst“ ist ebenfalls mitteilungshungrig.

Nachdem auch „akdeniz“ mir nicht helfen kann, lese ich ungläubig den Tipp von „lastunicorn“.

Ein leere Cola-Flasche, aus Plastik natürlich, 1,5 Liter Volumen, mit Schmackes in den verstopften Ablauf drücken. „lastunicorn“ empfiehlt vorsorglich, dass man sich vorher gegen zu erwartendes Spritzwasser schützt.

Nein, ich habe keine entsprechende Cola-Flasche zur Hand, aber eine leere Wasserflasche mit vergleichbaren Ausmaßen. Du glaubst es nicht, ich fasse mir ein Herz, stecke das Stück vorsichtig in den verstopften Ablauf, ich drücke langsam, dann ein kräftiger Ruck, ich ziehe die Flasche wieder raus und mit einem lauten Gurgeln fließt das Wasser ab, ein Gurgeln, das sich anhört wie „Gib mir mehr“. Mache ich. Ich drücke auf die Spülungstaste, das Wasser drängelt sich durch den Abfluss, wieder dieses Gurgeln. Juchuuu!

Allerdings habe ich jetzt seither ein Problem!»

Weiterlesen…

Mitesser gesucht

24. Februar 2013 6 Kommentare

Leben 987 – Sonntag, 24.02.13

Mitesser gesucht

 

Nein, keine Pickel.

Ich suche Mitesser. Genau genommen neun Mittesser.

Wir könnten lecker und vor allem preisgünstig essen gehen.

Wann? Nächste Woche.

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Von allem ein Drittel

20. Februar 2013 6 Kommentare

Leben 986 – Mittwoch, 20.02.13

Von allem ein Drittel

Ich habe A. am Hörer. Er sei heute bei seinem Metzger gewesen. Als er dran gewesen sei, habe er gesagt: „1 Kilo Hackfleisch, von allem ein Drittel!“ „Und““, frage ich, „was hat er geantwortet?“ „Na, nichts!“ „Wie? Nichts?!“ „Na, der hat’s nicht kapiert!“ „Was denn bitte?“ Schweigen. „Sag mal, liest Du keine Zeitung?“ „Ohhhhhhhhhh!“, entfährt es mir, „der Pferdefleischskandal!“

Wir lachen.

„Du, jetzt erzähl ich Dir, was gestern im Radio kam!“ „Sprich!“ „Pferdefleisch und kein Ende, sag ich Dir. Bei Discountern ist jetzt Fischsuppe mit Seepferdchen entdeckt worden!“

Wir schniefen.

„Gut, dass nicht überall drin ist, was drauf steht!“ „Wie Du meinen?“

„Überleg mal: BAUERNbratwurst. Oder SCHÜLERdöner.“ „JÄGERschnitzel!“ fällt mir ein.

„Oder IMKERhonig!“

Wir gröhlen.

 

© Ulf Runge, 2013

WEGE

14. Februar 2013 2 Kommentare

Leben 985 – Donnerstag, 14.02.13

WEGE

„Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie mir nun schon über so viele Jahre sozusagen ‚die Treue halten‘. Auch dieses Mal habe ich mich riesig über Ihren großformatigen WEGE-Kalender gefreut, der mich Monat für Monat mit einem beeindruckenden Motiv erfreut. Pfade, Straßen, Alleen, immer wieder imposante WEGE, die mir regelmäßig den Impuls geben, dass ich nicht stehen bleiben sollte, sondern aufbrechen, weitergehen, meine Ziele unablässig verfolgend.

Heute ist mein Dank mit einer Bitte verbunden. Ich werde zukünftig in anderem beruflichen Umfeld unterwegs sein und bitte Sie, mir auch zukünftig Ihren edlen Kalender an meine im Briefkopf genannte Adresse  zuzuschicken.

Nachdem Sie in den vergangenen Jahren, ich glaube acht sind es inzwischen, keinen Umsatz mit mir gemacht haben, so wird sich daran vermutlich in Zukunft noch weniger dran ändern…“

Zeigt der Bruno mir also diesen Briefentwurf, fragt mich, ob er das so schreiben könne, ob ich überhaupt die ganze Geschichte kennen würde, will er wissen.

Hm, ich überlege, vermutlich hat er sie mir schon mal erzählt, aber ich krieg es nicht mehr zusammen.

„Also, das geht so! Wir haben doch immer mit der XYZ-Beratung zusammengearbeitet. Das war immer okay so, wenn wir was zu vergeben hatten, haben wir eine Ausschreibung gemacht, und XYZ hat häufiger den Zuschlag bekommen. Die haben aber auch immer wieder gute Leute gehabt!“

„Was hat das mit dem Kalender zu tun?“

„Also, eines Tages haben sie bei XYZ gemeint, sie müssten einen Vollblutvertriebler einstellen. Man, der ging uns ja auf die Pelle. Anrufe, E-Mails, manchmal stand er sogar unangemeldet in der Tür, so rein zufällig, Du weißt schon!“

„Und?“

„Also, der war kein halbes Jahr bei XYZ, ob der nun freiwillig ging, weiß ich nicht, ist aber auch egal.“

„Der Kalender, was ist mit dem Kalender?“

„Also, eines Tages hatte ich so einen WEGE-Kalender in der Weihnachtspost, von einer mir völlig unbekannten Firma, und was meinst Du, wer die Weihnachtsgrüße unterschrieben hat? GENAU, jener Herr, mit dem XYZ den Vertrieb pushen wollte, grins. Der hat mich dann auch noch einmal angerufen, aber mehr als Telefonat kam da nicht zustande.“

„Aber irgendwie muss es doch weitergegangen sein.“

„Nun, Ich habe den Kalender nicht aufgehängt, ich weiß, das war ziemlich doof von mir. Aber als dann nächstes Jahr wieder so ein toller Kalender kam, habe ich ihn aufgehängt. Und mich seither über viele Jahre von der Kraft dieser Bilder inspirieren lassen.“

„Und willst Du denen, die Dir jedes Jahr den Kalender zuschicken, diesen Teil der Geschichte auch erzählen?“

„Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Allerdings. Wer so schöne Kalender verschenkt, der mag auch Geschichten, die das Leben schreibt, oder?“

Ulf Runge, © 2013

Vom Jagen

10. Februar 2013 1 Kommentar

Leben 984 – Sonntag, 10.02.13

Vom Jagen

Der Schnee liegt kalt und erbarmungslos auf den gefrorenen Feldern, die Nahrungssuche gestaltet sich für das Wild gelinde gesagt schwierig.

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Ich stapfe durch den Schnee, treffe immer wieder auf Tierspuren, als ich plötzlich IHN vor mir sehe. Schwer bewaffnet, bereit zum Schuss. Ich grüße ihn freundlich, frage ihn, was er denn so schießen wolle, er grüßt zurück, er überlegt, um mir dann zu entgegen, er sei da noch offen, er werde nehmen, was denn komme. Ich wünsche ihm viel Erfolg, wobei ich mir denke, dass das nichts für mich wäre, angeln oder auf die Jagd gehen, warten, bis irgendwann mal was passiert…

Auf dem Rückweg sehe ich ihn wieder. Ob er denn erfolgreich gewesen sei. Ja, er sei zweimal erfolgreich gewesen, er sei zufrieden. Ich wünsche ihm noch einen schönen Tag. Gehe weiter.

Und denke mir plötzlich, ich könnte ja mal den Spieß umdrehen. Und IHN schießen. Gesagt, getan:

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Äh, moment bitte, kleiner Rechtsschwenk…

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… und noch ein kleiner Rechtsschwenk …

 

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Immer wieder zieht es bahnverliebte Fotografen auf diese Brücke…
Und gegen dieses Foto wird er keine Einwände wegen Persönlichkeitsverletzung haben…

© Ulf Runge, 2013

gesungen von

9. Februar 2013 4 Kommentare

Leben 983 – Samstag, 09.02.13

gesungen von

 

Es ist Herbst. Herbst 2013. Aus den Radios in Rheinland-Pfalz ertönt wie jedes Jahr Ende Oktober die Hitparade der beliebtesten 1000 Hörerhits. 5 Tage non-stop. Und am Ende stellt sich – wie jedes Jahr – die Frage, ob nun Bohemian Rhapsody oder Stairway to heaven am höchsten in der Hörergunst steht.

Doch dieses Jahr ist alles anders. Die Moderatoren und Musikchef Werner Köhler sitzen versteinert an den Mikros, die Freude ist irgendwie weg nach 990 Titeln, jetzt wo endlich die Top Ten gespielt werden können. Was anders ist, willst Du wissen?

Ganz einfach.

Hier sind die Top Ten, alle gesungen von dem Shooting Star des Jahres 2013, der sich bereits alle anderen 990 Plätze gesichert hatte:

Platz 10: The rose – gesungen von Heino

Platz 9: Nothing else matters – gesungen von Heino

Platz 8: Brothers in arms – gesungen von Heino

Platz 7: Wish you were here – gesungen von Heino

Platz 6: Hotel California – gesungen von Heino

Platz 5: Tage wie diese – gesungen von Heino

Platz 4: Child in time – gesungen von Heino

Platz 3: Music – gesungen von Heino

Platz 2: Stairway to heaven – gesungen von Heino

Platz 1: Bohemian rhapsody – gesungen von Heino

 

Als der letzte Ton verklungen ist, verlesen die erschöpften Moderatorinnen noch einen Hinweis der Sendeleitung. „… weisen wir darauf hin, dass an Bord des SWR1 RP Hitparaden-Abschlussparty-Schiffes Sonnenbrillenzwang herrscht…“

 

© Ulf Runge, 2013

Wirkung

Leben 982 – Donnerstag, 07.02.13

Wirkung

Der Abendzug nach Karlsruhe verlässt den Bahnhof, die üblichen Durchsagen sind gemacht: Etwa, dass die Einzelfahrkarten des Verkehrsverbundes in diesem keine Gültigkeit und man solle doch dann die S-Bahn…. Und dann: „… begrüßen wir Sie an Bord des IC 2373 auf dem Weg nach …“ Schlussendlich das Ganze, etwas knapper gehalten auf Englisch, aber heute mit wirklich total gepflegtem Englisch, ohne das häufig vernehmbare hähässliche, bei der Bahahn tohotal deplazierte Luhufthansagenuschel.

Ich sitze an einem Vierertisch im Großraumwagen, eine freundliche Dame gegenüber, sie liest, hält einen dicken Wälzer in den Händen, wir wechseln ein paar Worte, sie liest weiter, ich fange an, meinen Zugapfel zu essen.

Wie gesagt, die Durchsagen sind gemacht, als der Zugchef mit der sympathischen Stimme ein weiteres Mal hörbar wird: „Verehrte Fahrgäste, wie wäre es, den Abend bei einem gemütlichen Beck’s oder einem kühlen Franziskaner Weißbier ausklingen zu lassen? … heißen wir Sie herzlich in unserem BordBistro willkommen!“

Die Dame mit dem Buch und ich, wir lächeln uns an. Sie meint: „Das hat er überzeugend gesagt!“

Ich frage, nicht im Ernst, ob wir das Angebot annehmen wollen. Erheiterung links und rechts von uns.

„Jetzt bitte auch noch auf Englisch!“ rufe ich übermütig aus. Ringsum Schmunzeln.

Die Durchsage fast noch in den Ohren, nehmen wir eine eilige Dame wahr, die schnellen Schrittes, den Geldbeutel deutlich sichtbar in der Hand haltend, an uns vorbei geht.

„Es hat seine Wirkung gezeigt!“ sagt mein Gegenüber. Worauf ich die Dame vis á vis zunächst um Entschuldigung bitte, weil, ich müsse ihr da widersprechen, wir würden uns bitteschön im letzten Waggon des Zuges befinden, und die Portemonnaieträgerin sei gerade auf dem Weg zu dessen hinterem Ende. Da würde ich jetzt nur mal das WC vermuten. Ringsum breites Grinsen.

Wir beginnen zu mutmaßen, ob die Toiletten bei der Bahn mittlerweile wohl gebührenflüchtig, äh, gebührenpflichtig seien. „Am besten mit einem 50Cent-Stück, das man natürlich gerade nicht in der Tasche hat!“ Wir lachen.

Wenig später passiert uns die Dame erneut, diesmal in entgegengesetzter Richtung. Ich höre mich sagen: „Das kann ja alles in allem auch die Vorbereitung für ein kühles Bier gewesen sein!“ Ringsum Lächeln.

Ich habe mir lange überlegt, ob ich noch erwähnen soll, dass ich beim Aussteigenvorbereitenwollen selbige Portemonnaieträgerin auf dem Sitz schräg hinter mir entdeckt habe. Ich habe dann beschlossen: Nein. Tue ich nicht. Das lass ich weg.

© 2013, Ulf Runge

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