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Generalprobe
Leben 952 – Montag, 22.10.12
Generalprobe
Sonntag, 21.10.12, 17:38 Uhr. Heute in einer Woche ist schon alles vorbei. Marathon in Frankfurt. Wobei ich keinen ganzen laufe, diesmal. Diesmal laufe ich mit zwei Kolleginnen und einem Kollegen den Staffelmarathon. Mein Part sind 12 Kilometer, als Startläufer.
Statt durch die herbstliche Bergstraßenlandschaft zu laufen, von der ich Dir hier ein paar Bilder hineinstelle, habe ich vor, heute 30 Runden zu laufen, auf dem Sportplatz. 30 mal 400 Meter.
Da ich mein Handy seinen Geist aufgegeben hat und meine Pulsuhr, die ich schon ewig nicht mehr benutzt habe, nicht auf der Stelle gefunden werden wollte, soll mir die Uhr auf dem mp3-Player für heute reichen. Alle 5 Runden, sprich alle 2 Kilometer, will ich einen Blick auf die Uhr werfen, in der Hoffnung, dass nicht mehr als 12 Minuten vergangen sind, was einen für meine Verhältnisse ordentlichen Schnitt von 10km/h bedeuten würde.
SWR1 RP „Aktuell um 5“ – mit Armin Hering – im Ohr, gehe ich auf die Piste und der Schweinehund läuft mit, bedeutet mir nach 200 Metern, dass ich bitteschön doch Schmerzen im Knie und in den Fußgelenken habe. Ich spüre mich hinein, beschließe jetzt nicht mehr fühlen und denken zu wollen, nur noch vom Radio berieseln und laufen.
In der ersten Runde ist meine rechte Hand noch geballt, in der zweiten strecke ich meinen Daumen in die Höhe, in der nächsten den Zeigefinger dazu, bis ich schließlich in der fünften Runde mit vier ausgestreckten Fingern laufe.
Dann ist Zeitkontrolle.
17:49 Uhr. Wow! Ich freue mich, fange an mit mir zu diskutieren, dass ich das nicht durchhalte, dass ich meine Kräfte schonen sollte, sonst schaffe ich die 30 Runden nicht…
Ich stoppe die blöden Gedanken, achte auch gleichmäßigen Lauf, und fange ab der 7. Runde wieder an, einen Finger nach dem anderen in der rechten Hand auszustrecken.
Ich merke, wie ich zwar noch die Radiosendung wahrnehme, aber eigentlich immer mehr in Richtung totale Entspannung gehe. Die Lage der Blätter am Boden von Runde zu Runde immer mehr auswendig lerne.
Zeitkontrolle.
18:01 Uhr. Nochmal wow! Wann kommt der Einbruch, will ich schon wieder anfangen, unnötige Dialoge zu führen, beschließe, den Nachrichten zu lauschen.
Ute Schneider moderiert „Guten Abend Rheinland-Pfalz“. Spielt gute Musik. Ich passe meinen Laufrhythmus den Songs an, mache mal schnellere, kurze Schritte, dann wieder langsamere, lange Schritte…
Bei der nächsten Zeitkontrolle werde ich die Hälfte geschafft haben…
18:13 Uhr!!! Hammer, alleine auf der Piste und das Tempo bleibt trotzdem fast unverändert über jeweils fünf Runden hinweg.
Also weiter.
18:25 Uhr. Hurra! Zwei Drittel im Kasten. Es läuft, ich laufe wie am Schnürchen…
Ich habe vergessen zu erwähnen, dass ich mit T-Shirt und kurzer Hose laufe. Ich schwitze auch mächtig gut, aber nun wird die Luft doch etwas frischer, ich bin froh wenn die verbleibenden 10 Runden geschafft sind.
Zeitkontrolle.
18:37 Uhr. Ich kann es kaum glauben. Jetzt will ich das nur noch durchziehen hier. Durch Landschaft oder Häuserschluchten ist allemal schöner als einsam Runden drehen. Und fingerstreckenderweise versuchen, sich beim Rundenzählen nicht zu verzählen…
Ich merke wie die Beine müder werden. Die Schritte kürzer und langsamer. Don’t answer me von Alan Parsons Project ertönt. Das ist genau das Doping was ich brauche. Die Schritte werden wieder schneller, kräftiger, ich genieße diesen Energieschub.
Abendnebel umgibt den Sportplatz, die Dunkelheit frißt gerade die Dämmerung auf, 30 Runden sind vollbracht, ich schaue auf das Display meines mp3-Players:
18:49 Uhr!!!
Generalprobe erfolgreich geglückt…
© Ulf Runge, 2012
Starke Worte
| Leben 712 – Samstag, 21.05.11
Starke Worte Nach mehreren herrlichen Abenden mit Weinbergläufen in Sonnenuntergang und Dämmerung hinein, bietet sich am heutigen Samstag bereits am Vormittag die Chance, dieses wunderschöne Gefühl zu genießen, nach dem Bezwingen der Hügel und Anhöhen auf die Weite der Landschaft zu gucken. Winzige Autos huschen über die Autobahn und auf der Modelleisenbahn vor uns huscht ein Intercity gen Norden. Ich fühle mich bemüßigt, etwas Kluges zu sagen. Von meiner ach so Lebenserfahrung teilhaben zu lassen. „Abends hoch zu laufen, ist schon ein riesiges Gefühl. Zu wissen, dass man wieder einmal den inneren Schweinehund überwunden hat. Das tut einfach nur gut. Aber den Berg als allererste Heldentag des Tages bezwungen zu haben, das gibt Dir Kraft. Für den ganzen Tag. Da kann dann jemand in einer Besprechung sitzen und Dich rund machen wollen. Das funktioniert nicht, weil Du weißt, Du hast es heute schon geschafft. Du warst ganz oben. Da kann der Tag nur noch Gutes bieten. Und dieser Jemand aus der Besprechung, den lächelst Du einfach nur an, und gut ist. Nix mit rund machen. Das schafft er nicht.“ Ich bin stolz auf mich, dass ich so starke Worte gefunden habe. Ich verdiene jetzt eigentlich einen anerkennenden Blick. |
Zweite Annäherung an den 03.10.10 – Lateinisch
| Leben 630 – Freitag, 26.09.10
Eins zwei drei vier fünf sechs sieben acht neun zehn elf zwölf dreizehn vierzehn fünfzehn sechzehn wenn du bis hierher gelesen hast wirst Du daran zweifeln dass ich wirklich durchzähle siebzehn achtzehn neunzehn zwanzig ich könnte jetzt pünktchen machen … aber ein marathon wird nicht durch das schreiben von pünktchen gelaufen einundzwanzig zweiundzwanzig dreiundzwanzig vierundzwanzig du findest das langweilig ? fünfundzwanzwig sechsundzwanzig siebenundzwanzig achtundzwanzig nein ist nicht langweilig neunundzwanzig dreißig einunddreißig zweiunddreißig wer einen marathon läuft hat viel zu erzählen dreiunddreißig vierunddreißig fünfunddreißig du willst wissen warum er es nicht einfach erzählt statt hier auf die folter zu spannen sechsunddreißig siebenunddreißig vielleicht achtunddreißig weil er dir das gefühl neununddreißig von diesem ganz langen vierzig lauf nahe bringen einundvierzig will zweiundvierzig und dann sind es noch ganz lange einhundertfünfundneunzig meter © Ulf Runge, 2010 |
Er habe an mich gedacht
| Leben 628 – Samstag, 02.10.10
Brötchenmänner müssen gut informiert sein, ähnlich wie Taxifahrer und FriseurInnen. Habe ich ihm also erzählt, dass ich am Wochenende einen größeren Lauf plane. Und dass dies nicht mein erster sei. Erzähle ich ihm von meinem ersten Marathon. Links von mir ist noch ein anderer Läufer unterwegs. Als eine Dame an der Strecke ohrenbetäubend ruft: „Peter, lauf, Peter, Du schaffst das!“ Worauf er fassungslos entgegnet: „Woher weißt Du meinen Namen?“ Sie: „Das steht doch auf Deiner Startnummer drauf!“ Erzähle ich ihm, meinem Brötchenmann, von einem Halbmarathon, bei dem eine mir damals und auch heute noch unbekannte Dame verzückt rüberbrüllt: „Ulf, ich will ein Kind von Dir!“ Oder hatte sie „Peter“ gerufen? Letzter Arbeitstag vorm großen Ereignis. Will ich mein Brot kaufen beim Brötchenmann. Grinst er verschmitzt. Er habe an mich gedacht, erzählt er, und er häbe es blöd gefunden, ich müsse das bitte entschuldigen, er hätte es blöd gefunden, wenn er dabei meinen Nachnamen verwendet hätte. Und so halte ich wenig später, total überrascht, verzückt und freudestrahlend mein Frühstücksbrot, eingepackt in eine Motivationstüte in der Hand. Und als Bonus-Track sozusagen Proviant für die letzten Meter. Wow . Jetzt brauch ich das Ding nur noch zu laufen. © Ulf Runge, 2010 |
Was kochst Du am Wochenende? Wo wirst Du einkaufen?
| Leben 619 – Samstag, 11.09.10
Wie wäre es mit einem Salat? Einem gemischten Salat? Einem Radieschen-Salat? Gurken-Salat? Oder einem Mozzarella-Salat? Hm, ich sehe schon, Du bekommst gerade etwas Appetit. Appetit möchte ich Dir machen, allerdings mal auf etwas völlig Anderes, etwas total Einfaches, und etwas auf jeden Fall völlig Basisches. Ulfs „Wurzelsalat“, wie er von der weniger hartgesottenen Bevölkerung schon getauft wurde. Weil ich hierzu am Samstag wieder ganz frisch die folgenden Zutaten bei meiner Marktfrau kaufen und mengenmäßig nach Belieben in meinen „Wurzelsalat“ hineinschnippeln werde: Etwas Schlangengurke, zwei oder drei Stängel Staudensellerie, eine Karotte, einen Paprika (rot, gelb, orange oder grün), ein paar Pilze (Austernpilze, Egerlinge, Champignons, oder auch gerne Pfifferlinge), etwas Fenchel, eine halbe Aubergine, eine halbe Zucchini, eine Wurzelpetersilie, ein paar Tomaten (Cherrytomaten, Strauchtomaten), ein oder zwei Frühlingszwiebeln, eine rote Zwiebel. Und nach Möglichkeit Tofu geräuchert. Der schmeckt riesig, vor allem in meinem Salat. Ansonsten kann ich Tofu geschmacklich nichts abgewinnen. Aber wenn man vegetarisch, oder gar vegan unterwegs ist, dann ist Tofu schon ein hilfreicher Eiweißspender. So wie hier etwa: Das reicht für drei bis vier Personen. Oder eine Person drei bis vier Tage. Erst kurz vorm Essen kommt der Saft einer Zitrone hinzu. Statt Essig. Obwohl Zitronensaft Zitronensäure enthält, wirkt er bei der Verdauung basisch. Hallo! Und natürlich darf auch ein wertvolles Pflanzenöl nicht fehlen, am liebsten einen Schuss Olivenöl und noch wichtiger, einen Schuss Rapsöl. Ich kann diesen Salat nur weiterempfehlen. Ich sehe zu, dass ich jeden Tag eine Portion hiervon esse. Die Zutaten können je nach Jahreszeiten varieert werden. Ich nehme gerne auch etwas Rucola hinzu, oder Radieschen oder Rettich. Jetzt interessiert es mich, ob Dein nächster Einkaufszettel auch etwas hiervon haben wird, anders als sonst. Jetzt interessiert es mich, ob Dein Weg beim nächsten Einkauf mal wieder bei einem Marktstand vorbeiführt. Bon appetit! © Ulf Runge, 2010 |
spätsommerabendjog
| Leben 616 – Sonntag, 05.09.10
den kopf geleert von bösen gedanken, © Ulf Runge, 2010 |
Achtel und Sechzehntel
| Leben 581 – Donnerstag, 13.05.10
„Geht’s noch?“ Fragte sie ihn, den Älteren, dessen Gesicht sich heftig gerötet hatte. Dessen Atem im Rhythmus ihrer beiden Körper schnaufte. Er nickte. „Alles okay!“ rief er zurück. Sie lächelten einander zu und behielten ihr Tempo bei. Zwei Achtel. Dachte er bei sich. An der Kurve da vorne würden sie zwei Achtel der Strecke gelaufen sein. Wenn es heute bei nur einer Runde bliebe. Bei zwei Runden hätten sie jetzt zwei Sechzehntel hinter sich. Und drei Runden, das würden sie heute noch nicht schaffen. Zwei würden genug sein. Er genoss, wenn sie so wie jetzt gerade im Gleichklang liefen, wenn es sich anhörte, als würde nur eine Person laufen. Wann immer sie gleichzeitig ihre Füße auf dem Boden aufsetzten, verspürte er, dass er beim Laufen nicht nur Kraft verlor, sondern dass da eine Energie in ihn zurückfloss, die ihm vom Alleinelaufen her unbekannt war. Sie passierten eine junge, langhaarige Spaziergängerin, die ebenfalls noch in der Dämmerung hier unterwegs war. Schritte. Nur ihre Schritte waren zu hören. Wenn sich nicht gerade ein paar Gänse oder Enten gestört fühlten und mit schimpfendem Geschnatter aufflogen. Nur noch ein einziges Auto stand am Parkplatz. Fremdes Kennzeichen. Es gehörte wohl zu dem bedrohlich aussehenden Mann, der sein Gesicht von ihnen abwandte, als sie auf seiner Höhe waren. Er drückte sein Zigarette mit kreisförmigen Schuhbewegungen auf dem lehmigen Untergrund. Vielleicht tat er ihm recht. Wem sieht man denn schon an, ob er gut ist oder böse? Verbrecher oder Wohltäter? Und ist da nicht in uns allen das Potenzial, von einer Sekunde auf die andere zur eigenen Überraschung der zu werden, von dem man ahnte, dass er auch in uns steckt? Und immer sicher war, es nie zu sein? Sie verloren den Merk-Würdigen aus dem Blick. Und er verlor den Merk-Würdigen aus seinen Gedanken. Die erste Runde näherte sich ihrem Ende und gleich würden sie sich verständigen müssen, ob sie noch eine zweite ranhängen wollten. Die Spaziergängerin würde dann auf Höhe des Parkplatzes sein, in der Nähe des Merk-Würdigen sein, wenn sie weitermachten… „Machen wir noch eine Runde?“ fragte sie, worauf er prompt „Gerne!“ antwortete. Was würde sie erwarten am Parkplatz? Würde der Merk-Würdige seinem Fremdsein Taten folgen haben lassen? Würde die beiden Hand in Hand spazierren gehen, weil sie sich hier verabredet hatten? Eine Mischung aus Beklemmtheit, Tapferkeit und Hoffnung trieb ihn an, die zweite Runde etwas schneller anzugehen. Zehn Sechzehntel hatten sie hinter sich. An der Kurve da vorne würden sie zehn Sechzehntel der Strecke gelaufen sein. Wenn es heute bei zwei Runden bliebe. Bei drei Runden hätten sie jetzt zehn Vierundzwanzigstel hinter sich. Aber drei Runden? Sie überholten erneut die Spaziergängerin, die aber noch nicht viel weiter gekommen war, weil sie bis jetzt wohl auf einer Parkbank verweilt hatte, das Handy am Ohr, mit sich und ihrem Gesprächspartner beschäftigt. Die Dämmerung schritt voran und die spärliche Wegbeleuchtung war inzwischen angegangen, als sie zum zweiten Mal am Parkplatz vorbeikamen. Wo immer noch das fremde Auto stand. Wo immer noch der Merk-Würdige abseits des Weges stand, den Kopf umhüllt von blauen Qualm, und der es vermied, ihnen sein Gesicht zu zeigen. Sie genossen es, mit flottem Tempo und ruhigem Rhythmus ans Ende Ihres Laufes zu kommen. Er wusste, dass er heute Abend darüber schreiben würde. Zu gerne hätte er nur gewusst, was aus der Spaziergängerin und dem Merk-Würdigen geworden ist. Aber drei Runden würden zu viel sein heute, da war er sich sicher. Er würde schon einen Schluss erfinden… „Machen wir noch eine Runde?“ Er glaubt, seinen Ohren nicht trauen zu können, fragt nach, ob sie das ernst meine, ob das nicht zuviel sei für sie. Nein, sie sei noch fit und sie würden das bestimmt schaffen. Außer es sei ihm zuviel, wobei sie ein freches Lächeln aufsetzte. Sie waren noch nie drei Runden gelaufen. Allein der Gedanke, heute sozusagen den eigenen Rekord zu brechen, beflügelte sie beide, machte sie schneller als bei den ersten beiden Durchgängen. Achtzehn Vierundzwanzigstel. Dunkel war es geworden. Hinter der Kurve öffnete sich der Blick auf die Parkbank. Sie war verlassen. Der Weg vor Ihnen war leer, niemand zu sehen. Im Gleichschritt eilten Sie durch den späten Abend, die Wasservögel hatten ihr Abendkonzert beendet, nur noch das Knirschen der Laufschuhe war zu hören. Auch der Parkplatz war nun leer, der Merk-Würdige entschwunden, es würde nichts mehr zu berichten geben, da war er sich sicher. Er war sich nicht sicher, ob er seinen Leserinnen und Lesern verraten sollte, dass er die Spaziergängerin nur erfunden hatte. Es tat ihm leid, dass er den Merk-Würdigen instrumentalisiert hatte als Inkarnation des potenziell Bösen. Aber wie bitteschön soll man denn Geschichten schreiben, wenn man den Menschen nicht Rollen zuweisen darf? Ach ja, um das nicht zu vergessen: Zwei Dinge freuten ihn, nämlich dass sie waren zum erstem Mal drei Runden gelaufen waren. Und dass er endlich wieder eine Geschichte im Kasten hatte. © Ulf Runge, 2010 |
Regel Nummer 3
| Leben 478 – Mittwoch, 26.08.09
Die Jugend zu ermahnen und zu belehren, ist für selbige ätzend. Nun wollte ich also mal wieder etwas Gutes tun, ohne sogleich einen erhobenen oder belehrenden Zeigefinger einzusetzen. Das mal vorab. Wenn Du joggen gehst, dann macht das umso mehr Spaß, wenn Du eine freie Nase hast. Am besten, Du putzt Dir die Nase noch einmal, bevor Du aus dem Haus gehst. Wenn Du joggst, ohne dass Du Dir noch mal die Nase geputzt hast, dann kann es schon mal sein, dass es etwas enger wird mit der Luft beim Atmen, weil durch die Nase nichts durchgeht. Wenn Du dann unterwegs ist, was beim Joggen ja absolut normal ist, dann bleiben Dir in Ermangelung Knigge-konformer Werkzeuge (sprich eines Taschentuchs) nur wenige, eigentlich keine appetitlichen Möglichkeiten, die Nase wieder frei zu bekommen. Ich will das hier nicht ausführen. Allein die Tatsache, dass ich das hier nicht weiter ausführen will, hat schon genügend in der Phantasie meiner Leserinnen und Leser angeregt… Nun ergab es sich, dass auch die Interesse am Joggen fand und so liefen wir gemeinsam. Und es musste kommen, wie es kommen muss. Die Jugendnase war nicht frei. „Regel Nummer 3!“ fuhr es mir laufenderweise heraus. „Regel Nummer 3? Was ist das denn?“ „Vor dem Joggen Nase putzen!“ „Aha.“ Wir liefen weiter. Die Jugend hatte das akute Problem erst einmal auf ihre Art gelöst. Wie gesagt, das soll jetzt hier nicht weiter Gegenstand sein. „Und Regel Nummer 1? Und 2?“ „Gibt es nicht!“ „Wie, die gibt es nicht?“ „Regel Nummer 3 habe ich soeben erfunden. Hört sich doch besser an als ‚Musst Dir halt Deine Nase vorher putzen!‘ Oder?“ Nun, dieser Lauf sollte nicht unser letzter bleiben. Wann immer wir aufbrachen, vernahm ich nun vor dem Start aus jugendlichem Munde: „Regel Nummer 3!“… Warum ich diese Begebenheit gerade heute schildere? Nun. Ich bin mal wieder gejoggt gestern Abend. Tja, und leider hat niemand „Regel Nummer 3!“ zu mir gesagt. Der Rest ist Schweigen… © Ulf Runge, 2009 |
Robert
| Leben 463 – Freitag, 10.07.09
Bei Kilometer 11 war ich mir sicher, dass es auch sein erster Marathon war. Meiner war es definitiv. Ich hatte keine Ahnung, ob ich ankommen würde. Nach 6 Stunden würden sie die Strecke schließen, dann, wenn der „Besenwagen“ die Strecke abgefahren hätte. Ankommen, gesund ankommen, und zwar möglichst unter 6 Stunden, das war mein Ziel. Bei Kilometer 4 sah ich ihn das erste Mal. Wir sprachen nicht miteinander, schauten einander auch nicht an, wir liefen nur nebeneinander, das gleiche Tempo, aber mit unruhigem Schritt. Bis wir dann schon bald im gleichen Rhythmus unterwegs waren. Unglaublich, aber statt schwindender Kräfte verspürte ich auf einmal, wie ich eine unerwartete Energie aufsog. Ihm musste es wohl ähnlich gehen, denn plötzlich schaute er mich von der Seite an. Wie lächelten einander zu. Ahnten, dass uns der Gleichklang der Füße eine unvermutete Kraftquelle eröffnete. Nach meinen – total theoretischen Vorherberechnungen – war ich viel zu schnell unterwegs. Dieses Tempo würde ich niemals durchhalten. Doch die vielen Läufer um einen rum, das schob einen förmlich in einen Temporausch. Die Begeisterung der Zuschauer, die Trommeln und das Klatschen der Hände, all das putschte uns richtiggehend auf. Immer wieder riefen uns die Menschen an der Seite zu, dass wir das schaffen würden, dass es jetzt nur noch 36 Kilometer seien, das wir „super“ oder „spitze“ sein. „Mami, Du bist die Größte“ Plakate säumten die Strecke, aber auch „Lauf, Du fauler Sack“ Comics. Die „11“ war in Sicht, ein Viertel der Strecke fast gelaufen, als das Unglaubliche geschah. „Robert, ich will ein Kind von Dir!“ rief uns eine ausgelassene junge Dame zu. Da ich nicht Robert heiße, konnte sie nur meinen Zufallslaufpartner gemeint haben. Der sich sichtlich belustigt mit kräftigem Zurückwinken bei der Ruferin bedankte. „Sag mal!“ raunte er mir dann zu. „Woher weiß die, wie ich heiße?“ Während ich nach innen vor Lachen fast geplatzt werde, verzog ich keine Miene. Und raunte nur zurück zu ihm: „Weißt Du das nicht mehr? Unter der Startnummer, da steht Dein Vorname!“ © Ulf Runge, 2009 |
Sonne – Wintersonne
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Foto: © mediaflair / PIXELIO
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Leben 175 – Sonntag, 06.01.08 Sonne! Nach Tagen der Trübnis endlich wieder Sonne. Wintersonne. Wärmende Wintersonne. Sonnige, regenfreie Stunden. Eine leichte, kühle Brise. Endlich kommt die Ruhe und Muße auf, die ich mir im Advent oder zu Weihnachten gewünscht hätte. Nein, nicht falsch verstehen. Advent und Weihnachten waren okay, eine intensive Zeit mit vielen positiven Erlebnissen und Erfahrungen. Möchte ich nicht missen. Aber jetzt endlich kommt sie, die Zeit, in der aus Gedankenwolken Strukturen werden. Die Zeit, in der ich Gelegenheit suche und finde, mal wieder ein Buch, eine Zeitung in die Hand zu nehmen. Die Zeit, in der mir anstoßbringendes über den Weg läuft. Viele meiner MitbloggerInnen machen sich wegen des Jahreswechsels bzw. der nun ausklingenden Festtage ähnliche Gedanken. Ohne die anderen jetzt ernsthaft zurücksetzen zu wollen, möchte ich aus aktuellem Anlass auf zwei besonders hinweisen: Sandra hat dankenswerter Weise ihre Präsentation ins Deutsch übersetzt: „Die neue Kunst des Wohlseins“. Und in den nächsten Stunden möchte ich mich noch etwas intensiver mit Berends Text „Glück und Reichtum – Diese 5 Prinzipien Helfen Dir“ beschäftigen, den ich schon mal überflogen habe und bei dem es nur marginal um materielle Dinge geht. Nachdem ich jetzt aus diversen Gründen einige Wochen mit dem Laufen pausieren musste, habe ich es heute intensiv genossen, vom Kopf bis zu den Füßen eine seit langem vermisste Frische zu spüren. Ein Kribbeln, ein Prickeln, ein Durchströmtsein von Leben. Ein weiterer Start ins Neue Jahr ist gelungen. © Ulf Runge, 2008 |
















Angemerktes