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Dann hast Du den Advent verpennt…
Leben 1017 – Dienstag, 18.06.13
Dann hast Du den Advent verpennt…
Der Zug ist ein paar Minuten verspätet, aber er scheint diese Verspätung bereits an diesem, meinem, Bahnhof aufholen zu wollen, indem er fast volle Pulle durchfährt und dann noch im letzten Augenblick eine Nahezu-Vollbremsung hinlegt, bis die Bremsen nur so qualmen und stinken.
Die Fahrt verläuft ohne Besonderheiten, ich merke gar nicht, dass ich befördert werde, bin mit mir selber beschäftigt.
Bei der Einfahrt in einen der nächsten Bahnhöfe sehe ich aus dem Augenwinkel, dass da eine Traube steht, eine etwas größere Schülertraube, die sich gleich in den Zug ergießen wird.
Ich bin augenblicklich hellwach und Teil einer lächelnden Fahrgäste-Community, nachdem die Lautsprecher diese Ansage zum Besten geben: „An die Schulklasse da draußen. Dieser Zug ist kein Adventskalender. Sie dürfen alle Türen öffnen!“
Ich habe einen Waggon selten so kichern hören.
Wenig später werden wir aufs Abstellgleis gestellt. Eine fahrplanmäßige Überholung durch einen Intercity steht an. Jetzt hat der auch Verspätung. Wir könnten jetzt früher losfahren, weil die Strecke frei ist. Aber dann sind wir zu früh im nächsten Bahnhof. So werden wir vom unpünktlichen IC überholt und sind sozusagen das letzte Glied in der Fahrgäste-Verwahrungskette.
Heute werden wir aber mit einem akustischen Bonustrack belohnt:
„Verehrte Fahrgäste, unser Zug hat mittlerweile soundsoviel Minuten Verspätung, u.a. wegen einer völlig unsinnigen Überholung durch den Fernverkehr.“
Ich sag mal so, über die Verspätung hat sich heute niemand aufgeregt, angesichts so unterhaltsamer Fahrtverlaufskommunikation…
© Ulf Runge, 2013
Vorsicht Nebenwirkungen: Worauf ich keine Lust habe…
Leben 1016 – Dienstag, 11.06.13
Vorsicht Nebenwirkungen: Worauf ich keine Lust habe…
Es ist Dienstag Abend. Noch zwei Tage, dann ist Donnerstag. Da habe ich einen Augenarzt-Termin, von dem ich weiß, dass ich dann anschließend für eine gewisse Zeit fahruntüchtig sein werde.
Es ist Dienstag Abend. Wir vergleichen unsere Terminkalender und stellen fest, dass das gar nicht so reinpasst, wenn ich am Donnerstag ausfalle. Wie lange ich denn nicht fahren könne, werde ich gefragt.
Das werde ich morgen telefonisch herausfinden.
Aber wozu gibt es das Jetzt-und-Hier-und-Sofort-Netz? Ich gugel mit den Begriffen „Augenuntersuchung“ und „Fahrtüchtigkeit“. Und werde fündig.
Allerdings läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken, als ich von zwei noch recht unbekannten Krankheiten lese, die ich mir durch die Untersuchung einfangen kann. Unter dem Stichwort „Augenmittel“ finde ich dort die Warnung:
„Sowohl Anticholinergika zur Pillenerweiterung, als auch Cholinergika zur Pillenverengung können Sehleistung und Reaktionsvermögen beeinflussen.“
Ich glaube, ich sage den Termin ab. Hab keine Lust auf Pillenerweiterung.
Gefunden hier:
http://www.gridcrasher.com/tipps/gesundheit/medikamente-am-steuer/
© Ulf Runge, 2013
Ersatzersatz
Leben 1015 – Dienstag, 11.06.13
Ersatzersatz
Wir haben alle unterschiedliche Rollen, wir sind Nörgler oder Spaßvogel, Pedant oder Engel, Besserwisser oder Freund. Um nur mal einige zu nennen.
Manche Haushalte haben darüber hinaus auch sprechende Rollen, Klopapierrollen, die z.B. senkrecht auf dem Fenstersims stehen und sagen: Ich bin alle und die Ersatzrolle hat es noch nicht hierher geschafft. Diese Leerrollen mit höchstem Informationswert geben Dir die Wahl für unterschiedliche Rollen.
Du kannst jetzt der Erzieher sein und die gesamte Mitwohngemeinschaft zusammentrommeln und ein bösartiges Gesicht aufziehen und mit erhobener Stimme darauf hinweisen, dass das nicht der Stil ist, wie man miteinander umgeht, dass es doch die stillschweigende Vereinbarung gebe, dass, wer das letzte Blatt benutzt, doch bitteschön eine Ersatzrolle holt.
Oder Du bist der Dankbare, der sich freut, dass eine womöglich unbedachte Hand diesen Wink auf dringenst erforderliche Ersatzbeschaffung nicht einfach entsorgt hat. Nicht auszudenken, in welcher unpässlichen Situation Du anderenfalls gelandet wärest.
Bevor Du denkst, es geht doch etwas stressfreier, indem man immer schon sowieso eine Ersatzrolle vor Ort hat, sage ich Dir, natürlich haben wir eine Ersatzrolle vor Ort.
Deshalb war die von mir geschilderte Situation in der Tat auch nicht so ganz kritisch.
Es handelte sich als nur um den Tatbestand der unterlassenen Ersatzersatzrollenbeschaffung.
Aber mal ehrlich. Wer den Nichtersatz von Ersatzersatz duldet, der sollte heutzutage auch beser gleich sein Handy mit aufs stille Örtchen nehmen, um die jederzeit empfangsbereite Community via SMS oder Facebook-Message um konkrete Unterstützung im Notfall zu bitten. Ersatzweise ginge natürlich auch ein Klorollenfoto per MMS geschickt oder an die Pinwand geheftet, um die Wartezeit zu überbrücken…
Oder ein Link auf diesen Artikel…
© Ulf Runge, 2013
Nichts gedacht
Leben 1014 – Dienstag, 04.06.13
Nichts gedacht
Gestern waren es 23 Minuten, meistens sind es 25. Meine „Kleine Sonntagsrunde“, ein Begriff, der aus ersten sonntäglichen Spaziergängen mit dem Hund entstanden ist. Ich jogge sie aktuell jeden Tag, sie ist für mich die Minimal-Distanz, um etwas für meine Fitness zu tun.
Aktuell bemerke ich, dass mir zunehmend immer mehr Gedanken kommen beim Laufen. Wo ich doch eigentlich abschalten will. An nichts denken.
Nichts! Das ist es. Wann immer mir heute ein Gedanke kommen wird, werde ich „Nichts!“ rufen. Um mich zu mäßigen, an nichts zu denken.
Ich grüble, ob „Nichts!“ bereits auch ein Gedanke ist. Wenn nicht, dann ist der Wunsch, an „Nichts“ zu denken, eben ein Gedanke. Ich frage mich gerade, was ich hier denke, das ist doch gequirlte Gedankensch… Ich denke (!) jetzt ein kräftiges: „NICHTS!“
Ich bemerke, dass es mir gelingt, keine neuen Gedanken hochkommen zu lassen. Außer dem Gedanken, der das bemerkt. Aber das ist jetzt mal okay.
20:42 stand auf der Anzeige meines Handys als ich loslief. Nach 13 Minuten überquere ich die hessisch-badische Grenze. Um nach weiteren Minuten 12 Minuten zu Hause anzukommen. Die Startzeit, heute also 20:42, und die Zwischenzeit merke ich mir in der Regel, ich könnte auch die Stoppuhrfunktion nutzen, aber ich muss mir doch so etwas Triviales, wie die Startzeit und die Zwischenzeit auch ohne technische Hilfsmittel merken können! Wobei ich diese beiden Gedanken den Lauf über wohl nicht loswerde… „NICHTS!“ „NICHTS!“
Okay, ich höre ja schon auf zu denken.
Laufe. Denke nichts.
Laufe. Denke nichts.
Ich könnte heute ja auf die Zwischenzeit verzichten. Das wäre ein Merkgedanke weniger. Ich muss lächeln, bin stolz, diesen Gedanken einsparen zu wollen. Und merke, dass ich schon wieder nicht an nichts denke. „NICHTS!“ „NICHTS!“
Ich passiere die Grenze, verzichte auf das Nehmen der Zwischenzeit. Einen Gedanken gespart…
Dinge, die man nicht tut, kann man nicht nachträglich doch noch tun. Wenn es sich etwa um eine Zwischenzeit handelt. Die ist dann weg. Denke ich mir so. „NICHTS!“ „NICHTS“
Ich blicke auf den Asphalt, um an nichts zu denken.
Diese vielen unterschiedlichen Gesichter, die der Teerbelag meiner Strecke hat, sehe ich die wirklich, nimmt mein Unterbewusstsein sie wahr, oder ist das Wissen um ihr Aussehen „weg“, wenn ich weitergelaufen bin?
Ich nähere mich dem Bahnhof. Sehe auf dem Display die aktuelle Uhrzeit. Wenn ich am Bahnhof immer eine zweite Zwischenzeit nehmen würde, oh je… „NICHTS!!!“
Ich laufe die letzten Meter meines Nichts-Versuchs, sehe einen Pizza-Auslieferungswagen an mir vorbeifahren, in einiger Entfernung halten, an der Haustür klingeln. In seinen Händen hält er „NICHTS“.
Epilog.
Es waren 26 Minuten heute. Beim nächsten Nichts-Versuch verzichte ich auf die Startzeit. Ohne sie sind auch Zwischenzeiten und Endzeit einfach nur „NICHTS“.
Epiepilog.
Beim nächsten Nichts-Versuch werde ich auch nicht daran denken, was ich als nächstes Bloggen werde.
© Ulf Runge, 2013
Herzenssache
Leben 1012 – Freitag, 31.05.13
Herzenssache
Mein heutiger Blog-Beitrag ist anders als sonst.
Ich bitte Dich um Hilfe für eine befreundete Familie, die wegen Umzugs in ein kleineres Haus ihr bisheriges Haus verkaufen möchte und muss, wobei sich das Finden eines Käufers mehr in die Länge zieht als erwartet.
Ich habe zwei Wünsche an Dich, wie Du helfen kannst.
Überweise bitte einen einstelligen Geldbetrag auf das Konto der Familie. Das hilft schon ein bisschen.
Viel wichtiger aber ist: Berichte Deiner Familie, Deinen Freunden und Bekannten, dass Du das getan hast. Und dass Du Dich freust, wenn diese Deine Mitmenschen ebenfalls mitmachen.
Das Visionäre bei diesem Projekt: Die Familie wird das Geld nicht lange benötigen. Nur bis zum Verkauf ihres bisherigen Hauses. Danach gibt sie das Geld zurück. Aber nicht an uns, sondern das Geld wandert weiter zu Menschen, die in vergleichbarer Notlage sind.
Was wir damit schaffen, ist eine Kette des Vertrauens und der Zuversicht.
Ich bin dabei. Ich habe gestern einen zweistelligen (das geht auch, lächel) Betrag überwiesen.
Und ich schreibe jetzt hier darüber.
Und ich werde die E-Mail, die ich von meinen Freunden erhalten habe, in den kommenden Tagen an mein Netzwerk weiterleiten.
Ach, und noch etwas. Ich habe zwei Wochen gezögert, wie ich mit dem Hilferuf umgehen soll. Ich würde mich etwas wohler fühlen, wenn ich zeitnaher reagiert hätte. Vielleicht bist Du ja schneller als ich.
Mehr Informationen über meine Freunde und Ihre Kontonummer findest Du hier.
Ich danke Dir!
Herzlichst, Ulf
© Ulf Runge, 2013
Unsäglicher Blog-Artikel
Leben 1011 – Mittwoch,29.05.13
Unsäglicher Blog-Artikel
„Im Namen des Volkes, Herr Runge, Herr Lebewesen, bitte erheben Sie sich, ergeht folgendes Urteil: Herr Runge wird zu 30 Tagen SWR1 RP Verzicht verurteilt, auf Bewährung; Herr Lebewesen wird auf 30 Tage Stille ohne jede Rockmusik verurteilt, ebenfalls auf Bewährung!
Setzen Sie sich, meine Herren!
Herr Runge, diesen Artikel hätten Sie nie schreiben dürfen. Sie haben damit Vorschub geleistet zur Tat des 82jährigen Herrn Lebewesen, mittellosem, aber vollblutigem Rockfan, dessen Handlung wir nachvollziehen, aber keinstenfalls billigen können. Mit 30 Tagen Michael Lueg-, Hanns Lohmann- und Birgit Steinbusch-Entzug, wir können hier nicht alle Ihre LieblingsmoderatorInnen nennen, wird Ihr Leben für ein paar Tage wie im Kloster sein. Und das ist gut so.
Herr Lebewesen, die Attacke auf die Postbedienstete, für die Sie sich ja inzwischen intensiv entschuldigt haben, kann so nicht durchgehen. Weder Ihr Alter noch Ihre Lebensumstände rechtfertigen den Versuch, die Festival-Tickets für Herrn Runge der Postzustellerin zu entreißen. Mit 30 Tagen Rockmusik-Entzug wird es Ihnen ähnlich gehen, wie Herrn Runge: Sie werden lernen, dass Rock-Musik nicht alles ist.
Für das Gerichts-Archiv hier noch der unsägliche Blog-Artikel von Herrn Runge.“
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Es ist Montag, der 27.05.13.
Ich glaube, es war Frank Jentschar, der in der Vormittagssendung ankündigte, in der Nachmittagssendung mit Birgit Steinbusch würden Karten für ein HAI Festival verlost. Als das Wort Loreley fiel, geriet ich ins Träumen.
Es war der 1. September 2012, mein erster Konzertbesuch in der Freilichtbühne auf der Loreley. BAP!!! Was für ein wunderbares Ereignis. Und heute Nachmittag gibt es Freikarten für ein Rockkonzert auf der Loreley. Ich google. Streiche HAI. Setze High. High Rock Festival. Lauter Gruppen, von denen ich nur deren größte Hits kenne. Aber eine Musikgeneration, die ich ein bisschen verpasst habe. Leider.
Es ist Nachmittag. Birgit Steinbusch sagt relativ früh in der Sendung, dass, wenn, also sobald ein Titel ertönt von einer der Gruppen, die am Wochenende spielen, dann anrufen, dann gewinnen.
Nein, nicht dass Du denkst ich sitze den ganzen Tag vorm Telefon und höre SWR1 RP. Oder umgekehrt. Aber ich habe Vorsorge getroffen. Die gesamte Wohnung ist in allen Räumen im SWR1 RP Raumklang.
Das hindert mich nicht daran, mein Tagewerk zu werken. Und in Gedanken zu sein. Jenseits des allpräsenten Senders.
Orgelklang. Trompetensound aus dem Synthesizer. Kommt mir BEKANNT vor. Hallo. Das ist Europe! Ich rufe an. Besetzt. Wiederwahltaste. Oh, ich bekomme ein Freizeichen. Schließe die Augen, sehe mich wieder vor der Loreley-Bühne sitzen. „Hanns Lohmann hier, guten Tag!“ „Wow, Herr Lohmann, ich rufe an, weil, ich höre THE FINAL COUNTDOWN von EUROPE.“ „Gratulation, Herr Runge, Sie haben zwei Karten fürs Wochenende gewonnen!“
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Okay, ich hätte nie schreiben dürfen, dass die Karten noch nicht da sind.
Und dass sie feiertagsbedingt wohl in der Freitagspost sein werden.
Das muss den Herrn Lebewesen auf den Plan gerufen haben…
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Du denkst jetzt bestimmt, dass ich ein Glückspilz bin.
Ich sag Dir was, Freikarten sind TEUER.
Ich habe von keiner der tollen Bands eine CD. Kenne nur deren Top Titel. Heute Abend in den Ich-bin-doch-nicht-Markt gegangen und für einige Euros „Best of“ CDs von Europe, Heat, Whitesnake und Journey gekauft.
Wow, was für eine Musik, die ich gerade hören darf …
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Es gibt auch Opfer. Nicht nur die fiktiv überfallene Postzustellerin. Während ich nur für wenige Stunden auf das Festival gehe, so muss meine Umgebung in den nächsten, ich sage mal 72 Stunden ertragen, dass ich die Titel der Festival-Bands non-stop spiele. Sogar SWR1 RP hat solange Pause…
© Ulf Runge, 2013
Wann bitteschön geht’s hier weiter?
Leben 1010 – Mittwoch 29.05.13
Wann bitteschön geht’s hier weiter?
Hunde haben Angst vor Staubsaugern.
Auch meiner. Als er klein war.
Beim Staubsaugen brauchst Du nur die Hände. Die linke Hand. Und die rechte.
Und die Füße?
Die könnten doch was tun.
Z.B. Fußball spielen. Mit dem Ball vom Hund. Mit dem Ball vom Hund mit dem Hund.
Und schwuppdiwupps hat der kleine Hund keine Angst mehr vorm Staubsauger.
Und das bleibt bis ins hohe Alter.
Da heißt es nur: Wann bitteschön geht es weiter? Mit Staubsaugen!!!
© Ulf Runge, 2013
Ungewollt
Leben 1009 – Montag, 27.05.13
Ungewollt
Die Müllabfuhr war noch nicht da, so kann ich den Papierkorb noch in die fast volle Tonne hineinstopfen, ich klappe den Deckel wieder zu und will mich schon Richtung Haus bewegen. Als ich SIE da sitzen sehe. Total süß! Eine winzig-kleine Schnecke mit einem schnuckeligen Häuschen.
Die wird gleich im Schlund des Müllwagens landen. Denke ich mir. Wenn ich nicht…
Andererseits: Schnecken fressen alles, was nicht weglaufen kann. Wir brauchen nicht noch mehr Schnecken…
Sie ist so jung. Außer sie ist eine Zwergschnecke, die nicht größer wird. Egal, ob jung oder nicht. Sie muss nicht im Müll enden.
Und so greife ich sie am Häuschen und …
Ja, und da ist es passiert. Ihr Häuschen sieht stabiler aus als meine grobschlächtigen Büroarbeitsfinger vermutet hätten. Es knackt, ihr Häuslein ist leicht defekt.
Nein, eine Zwergschneckenauffangstation mache ich jetzt nicht auf. Ich bringe die hilflose Kreatur in ein Terrain, wo sie überleben kann. Oder ihren Fraßfeinden zum Opfer fallen wird.
Und warum mir das „passiert“ ist? Warum ich das hier schreibe?
Weil ich daraus mitnehme, dass Hilfe wohlüberlegt sein darf. Behutsam und rücksichtsvoll. Sonst ist das Ergebnis irgendwie ungewollt.
© Ulf Runge, 2013
Wenn…
Leben 1008 – Freitag, 17.05.13
Wenn…
… meine Eltern sich nicht geliebt hätten,
… Fräulein P. nicht die Empfehlung fürs Gymnasium gegeben hätte,
… Herr Dr L. nicht gesagt hätte, „Runge, Du studierst Informatik“,
… ich nicht schon Skiurlaub in St. Jakob in Osttirol gemacht hätte,
… Mike und Karl-Otto mir nicht bei der Jobsuche geholfen hätten,
… ich nicht an einem wunderbaren Wok-Abend teilgenommen hätte,
… wenn die Dame im E-Krankenhaus in D-Stadt mich nicht gefragt hätte, ob sie meine Bewerbungsunterlagen an ihren Mann bei der T-Gesellschaft weitergeben darf,
… Manfred nicht gesagt hätte, „Ey, Ulf, Du kündigst doch sowieso bald, ich hätte da was für Dich, die suchen einen Querdenker“,
… Herr W. nicht große Stücke auf mich gehalten hätte, und Herrn P. gefragt hätte,“Das da ist der Herr Runge, das hier sind seine Unterlagen, sie können ihn jetzt gerne ausfragen, und dann müssen wir zeitnah entscheiden, ob…“ und Herr P. dann nicht „Ja“ gesagt hätte,
… wenn ich aus Weihnachtsgeschenkeinfalllosigkeit nicht zum Schreiben, Slammen und Bloggen gekommen wäre,
… wenn Andreas und Christiane nicht gezeigt hätten, wie wertschätzende Mitarbeiterführung in noch so bedeutsamer Situation funktioniert,
… wenn Du, ja ich meine Dich (sorry, falls wir per „Sie“ sind, das gilt auch für uns beide), meinen Weg nicht so wunderbar bereichernd gekreuzt hättest,
ob wir uns dann kennen würden?
ob wir uns dann nicht gerne zu gemeinsamen Augenblicken zurücksehnen würden?
ob wir uns dann nicht auch gerne weiterhin begleiten wollen würden?
Es gibt noch so viele andere Wenns und „Zufälle“, die ich hier nicht aufzuschreiben vermag.
Ich danke Dir für Deine bisherige Wegbegleitung.
Ich freue mich darauf, dass dieser Weg irgendwie immer wieder einander gebend weitergeht.
Frohe Pfingstfeiertage für Dich und Deine Lieben!
© Ulf Runge, 2013
Aktiver und passiver Journalismus – oder: Mann, hat der Sorgen
Leben 1007 – Donnerstag, 16.05.13
Aktiver und passiver Journalismus – oder: Mann, hat der Sorgen
Mittwoch, 15.05.13. 13:00 Uhr. SWR1 RP. Die Nachrichten. Eine Meldung lässt mich aufhorchen. Die Zafira-Produktion werde nach Rüsselsheim verlegt. Weil das Bochumer Opelwerk dann und dann schließe.
Hallo? Habe ich das richtig gehört. Da geht so ein Werk einfach daher und schließt. Einfach so. Sozusagen ein AKTIVES Opelwerk.
Ich fühle mich unwohl, denke, ich sollte eine E-Mail ins Studio schreiben.
Und dann beschließe ich, darauf zu vertrauen, dass die Journalisten in der Redaktion AKTIV genug sind, laufend ihre eigene Arbeit zu hinterfragen, die Meldungen besser machen zu wollen.
Mittwoch, 15.05.13, 14:00 Uhr. SWR1 RP. Die Nachrichten. Ich lausche gespannt. Die bringen diese tatsachenverdrehende Formulierung bestimmt gleich wieder. Und dann schreibe ich `ne E-Mail. Vielleicht.
Und dann dürfen meine ungläubigen, freudig überraschten Ohren hören, dass die Zafira-Produktion nach Rüsselsheim verlagert wird, weil das Opelwerk in Bochum geschlossen wird.
Danke, liebe AKTIVE Nachrichtenredaktion für diesen so wichtigen PASSIV.
© Ulf Runge, 2013






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