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Provençalische Splitter – Mistral
Leben 909 – Mittwoch, 18.07.12
Provençalische Splitter – Mistral
In Oberbayern, ich glaube ich habe das schon mal hier oder anderswo geschrieben, gibt es drei verschiedene „Typen“ von Menschen.
Zum einen die Spezies, die heftig unter dem von Italien kommenden und auf der Alpennordseite fallenden Wind, dem Föhn, leiden. Das sind die Föhner.
Dann gibt es diejenigen, die schon lange vorher ahnen oder sogar wissen, dass der Föhn im Anmarsch ist, und denen es absolut nicht gut geht, bis er endlich da ist, der Föhn. Das sind die Vorföhner.
Zuguterletzt seien noch die Menschen erwähnt, die erst Beschwerden bekommen, wenn der Föhn weg ist. Das sind die Nachföhner.
Der Übergang zwischen Nachföhnern und Vorföhnern kann gleitend sein.
Was den Oberbayern ihr (warmer) Föhn, ist den Provençalesen der Mistral. Ein kalter, aus den Alpen stammender, das Rhonetal hinabströmender Wind, der insbesondere bei Temperaturen über 30° Grad Celsius vergessen lässt, dass man eigentlich Sonnenschutz braucht. Ein Wind, der einen vergessen lässt, dass man gar nicht auf einem Segelschiff durch das Mittelmeer schippert.
Mistral gibt es auf drei verschiedene Weisen: 1tägig, 3tägig und 9tägig.
Wer etwas anderes behauptet ist total im Unrecht.
Wenn der Mistral etwa 4 Tage dauert, dann ist direkt nach dem 1tägigen eine 3tägiger tätig gewesen. Vielleicht aber auch nach dem 3tägigen ein 1tägiger. 4tägigen Mistral gibt es nicht. Okay?
Es soll auch schon Urlauber gegeben haben, die wegen des Mistrals wieder nach Hause gefahren sein sollen. Was ich bei den hier vorherrschenden, hohen Sommertemperaturen nicht nachvollziehen kann. (Die Provençe ist zunächst mal nicht an allererster Stelle eine Badeurlaubgegend, sondern Erholungslandschaft.)
Den Landwirten dagegen ist der Mistral ein Feind, weht er doch den fruchtbaren Boden Richtung Nachbargrundstück und dann irgendwann Richtung Mittelmeer. Ich habe aber noch von keinem Provençe-Bauern gehört, der wegen des Mistral „abgereist“ wäre…
© Ulf Runge, 2012
Provençalische Splitter – Cigale
Leben 908 – Mittwoch, 18.07.12
Provençalische Splitter – Cigale
Wer aus der Stadt flieht, um seine Ruhe zu haben, der ist in der Provençe falsch. Weil hier – gefühlt rund um die Uhr – Krach angesagt ist. Krächzender Krach. Frenetisch ansteigender Krach. Krach, gegen den auch die Behörden nichts tun. Können. Und wollen.
Die Rede ist von dem nichtendenwollenden Gesumme und Gebrumme der Abermilliarden von Grillen, die ihren Gesang einzeln, lieber aber im Chor, meist vielstimmig, gerne aber auch unisono, anschwellen lassen, um dann plötzlich zu verstummen, worauf sich ein taubes Gefühl im Ohr einstellt und man sich fragt und sagt: Da fehlt doch was?! Aber nicht lange, und schon geht es weiter.
Es soll Menschen geben, die diese Tiere auch schon gesehen haben. Mein letztes Grillenfoto stammt aus dem Jahr 1994 und ich muss zugeben, ich wüsste jetzt nicht, wo ich es verwahrt habe.
Grillen, die hier “La Cigale” heißen, haben eine weitere nette Eigenschaft: Sie dienen als Blumenvasensouvenir, wie dieses Bild hier zeigt:
Dass Urlauber wegen des Grillenkrachs schon abgereist sein sollen, verweise ich in das Reich der Phantasie. Eher umgekehrt vermute ich, dass Grillengesang Fernweh auslöst…
© Ulf Runge, 2012



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