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Archive for Juli 2012

Lila blass

31. Juli 2012 6 Kommentare

Leben 917 – Dienstag, 31.07.12

Lila blass

Ich bin Tunnelblick-Mann. Sehe den verwelkten Blumenstrauß, der eine Woche lang von mir unbemerkt im Wohnzimmer gestanden hat, das erste Mal, wenn er gleich auf den Biokompost wandert. Angeblich seien alle Männer Tunnelblicker.

Manchmal bin ich aber auch keiner. Dann sehe ich Dinge, die ich eigentlich niemals sehen würde.

Hm, ich wiederhole mich…

Also, ich kann nicht sagen, dass ich auf weibliche Attribute nicht reagiere. Aber welche Kollegin mit welchen Schuhen oder was für einer Handtasche unterwegs ist, könnte ich im Nachhinein nicht unbedingt beschreiben.

So geht es mir auch bei Fingernägeln. Nämlich dass ich selbige in geschmücktem Zustand nicht wirklich wahrnehme.

Heute ist dasmerkwürdigerweise anders.

Als meine Kollegin den Raum betritt, stelle ich sofort fest, dass sie lilafarbene Fingernägel hat. Überhaupt hat sie heute Wichtiges-Meeting-Outfit.

Der Vormittag vergeht, sie arbeitet an ihrem PC, ich an meinem, wir sprechen wenig, müssen beide was Eiliges fertig machen. Und sehen tun wir uns auch nicht, die großen Monitore versperren den Blick. Nur das Klappern auf den Tastaturen gibt uns das Gefühl, dass da noch jemand im Raum ist.

Zeit für einen Tee. Wir gehen in die KaffeeTeeKüche, als ich meinen Augen nicht traue.

„Wo sind denn Deine lila Fingernägel hin? Wann hast Du Dir denn die Farbe runtergemacht?“ frage ich sie.

Sie grinst mich an. Erfreut sich an meiner Irritation.

„Du hast gesehen, dass ich lila Fingernägel hatte? Wow! Und jetzt siehst Du kein Lila mehr?“ Ihr Vergnügen wächst sekündlich.

„Ich verrrate Dir was!“ fährt sie fort, „ich war im Nagelstudio und wir haben überlegt, was es diesmal sein könnte und da hat meine Beraterin verschmitzt gelächelt und gesagt, sie habe da was Neues.“

Sie nimmt Wasserkocher mit dem kochenden Wasser aus der Halterung und schenkt uns Wasser in unsere Teetassen ein.

„Und?“ frage ich.

Sie umfasst vorsichtig ihre heiße Teetasse, lässt sie aber noch stehen, damit sie sich nicht verbrüht. Ich traue meinen Augen ein weiteres Mal nicht.

„Thermolack!“ sagt sie. „Je nach Körpertemperatur verfärben sich die Fingernägel unterschiedlich!“

Wir lachen.

© Ulf Runge, 2012

Schon so spät?

29. Juli 2012 6 Kommentare

Leben 916 – Sonntag, 29.07.12

Schon so spät?

Sonntag, irgendwann zwischen Mittag und Abend. Mein Blick fällt auf die Uhr. Und ich frage mich: „Ist es wirklich schon so spät?“

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Vier Vier Acht Acht

27. Juli 2012 8 Kommentare

Leben 915 – Freitag, 27.07.12

Vier Vier Acht Acht

Ich bin Tunnelblick-Mann. Sehe den verwelkten Blumenstrauß, der eine Woche lang von mir unbemerkt im Wohnzimmer gestanden hat, das erste Mal, wenn er gleich auf den Biokompost wandert. Angeblich seien alle Männer Tunnelblicker.

Manchmal bin ich aber auch keiner. Dann sehe ich Dinge, die ich eigentlich niemals sehen würde.

Ich gehe mit dem Hund spazieren. Mein Blick fällt auf einen Zigarettenautomaten. Was sollte mich ein Zigarettenautomat interessieren? Genau. Gar nicht. Ich entdecke im Scheckkartenschlitz was? Genau. Eine Scheckkarte. Nehme sie heraus. Und nehme mir vor, sie dem Besitzer noch heute Abend zukommen zu lassen. Wenn möglich.

Immerhin ist die Karte von einer lokalen Bank. Da besteht Hoffnung.

Zu Hause. Telefonbuch (aus Papier, ja sowas gibt es noch). Werde nur für den Nachnamen fündig, aber nicht für den Vornamen.

Internet. Mein Suchergebnis wird nicht besser. Eine Person mit diesem Namen gibt es zwar im Netz, aber so wie ich das einschätze, weit in der Fremde. Und sogar als Olympiateilnehmer. Lach.

Ich rufe den einzigen Eintrag an, der in meinem Ort zum Nachnamen passt.

Eine weibliche Stimme in reifem Alter meldet sich, ich frage sie, ob sie eine Person kennt, die den gleichen Nachnamen hat wie sie, aber eben den von mir gesuchten Vornamen. Das Schweigen in der Telefonleitung will mir pure Irritation mitteilen. Ich erkläre, das ich etwas gefunden habe, was dieser Person gehört, aber keine Details mitteilen möchte, um sicherzustellen, dass der rechtmäßige Besitzer gefunden wird.

Ja, doch, den Namen kennt sie, das sei ihr Kind, und sie werde versuchen, es umgehend zu erreichen.

5 Minuten später klingelt bei mir das Telefon.

Am anderen Ende eine Person, die sich als die gesuchte ausgibt.

„Sie haben etwas gefunden, was mir fehlen soll! Ich vermisse nichts. Schlüssel, Ausweis, Scheckkarten, Portemonnaie. Alles da.“

Ich mache meinem Gesprächspartner klar, dass er mir schon beschreiben sollte, was ihm fehlt, und dass das natürlich schwierig ist, wenn nichts vermisst wird.

„Sie haben mir eben gesagt, was sie alles haben. Wollen Sie das nicht noch mal kritisch prüfen.“

Die nichts vermissende Person raschelt, durchsucht ihre wichtigen Utensilien, als sie auf einmal sagt: „Ne, oder? 4488! Die letzten vier Ziffern sind 4488! Das ist die Scheckkarte für das Taschengeldkonto meiner Tochter. Die haben Sie gefunden?“

Ich lächle, bestätige, dass diese Vermutung voll zutrifft, kurz darauf ist die Person bei mir, holt die Scheckkarte ihrer Tochter ab, bedankt sich ganz herzlich und meint dann noch kurz: „Jetzt will ich doch mal sehen, welche Erklärung ich zum Fundort Zigarettenautomat bekomme…“

Wir lächeln.

Später guck ich noch mal im Netz. Werde jetzt doch fündig. Das war jetzt in der Tat ein mehrfacher Deutscher Meister. Und Olympiateilnehmer. Wow.

© Ulf Runge, 2012

Taxiteilung

26. Juli 2012 4 Kommentare

Leben 914 – Donnerstag, 26.0712

Taxiteilung

Was für ein Abend. Eine weitere Vorlesung in Sache Murphylogie durch wen? Ja, genau, die Bahn. Frei nach dem Motto „… und es kam schlimmer.“

Nicht drängeln, bitte, schön der Reihe nach.

Ich bleib ein paar Minuten länger im Büro, nehme in Kauf, dass ich die nicht-klimatisierte 1806 Regionalbahn nicht mehr erreiche, sondern den späteren, ein bisschen klimatisierten Intercity um 1820, mit dem ich später auf den 1806 umsteigen kann.

Als ich auf dem Gleis ankommen, bemerke ich, dass der Zug zwei Loks hat. Vermutlich eine, die tut, und eine, die schon nicht mehr tut. Auf der Hinweistafel: „Heute ohne Wagen 11“.

Bedeutend mehr Fahrgäste als gestern Abend, nehme ich schon mal wahr, beeile mich, einen Sitzplatz zu bekommen, habe Erfolg, komme neben einer sehr freundlichen jungen Dame zu sitzen.

Wir beide hören eine leicht entnervte Zugbegleiterin, noch vor Abfahrt des Zuges, die darauf hinweist, dass Wagen 12 wegen ausgefallener Klimanlage nicht genutzt werden kann. Egal, ob 11 oder 12, es gibt leichtes Gängegedränge, die Fahrgäste tun selbstständig das, worauf sie nun per Lautsprecher hingewiesen werden. Sie sollen sich auf die anderen Waggons verteilen. Super-Tipp. Meine Nachbarin und ich schauen uns an.

Sie will nach Lindau, ist auf diesen Zug ausgewichen, weil ihr ICE 70 Minuten Verspätung hat. Und unser erscheine ihr die sichere Variante als auf den schnelleren Zug zu warten, von dem man jetzt noch gar nicht wissen können, wieviel Verspätung der dann wirklich haben werde.

Das Gängegedränge nimmt zu, ich ahne, was kommt, und es kommt. Durchsage: „Mit so vielen Fahrgästen in den Gängen dürfen wir aus Sicherheitsgründen nicht starten.“ Wer keinen Sitzplatz hat, solle auf den Regionalverkehr oder spätere Züge ausweichen.

Ich bin froh, dass Handy, mp3-Player und Laptop geladen sind, meinetwegen soll die Fahrt dauern, so lange, wie sie will, wegen der Verzögerung ist mir klar, dass mein 1806 Anschluss futsch sein wird.

Egal.

Wir fahren mit gut 10 Minuten Verspätung los. Halten nach 1 Minute. Und werden gebeten, „die Türen geschlossen zu halten“. Gerne. Tun wir.

Wenig später erfahren wir, dass wir Verspätung haben. Wegen hohen Fahrgastaufkommens. Der ganze Waggon gröhlt laut auf.

Bei der Einfahrt nach Darmstadt werden wir auf zwei Anschlüsse hingewiesen, die (fast) niemand braucht: Die S-Bahn zurück nach Frankfurt und die Regionalbahn nach Wiesbaden. Ob die, die solche Durchsagen vorbereiten, selber mit der Bahn fahren?

Ich mach es kurz. In Bensheim ist mein Anschluss futsch, und ein weiterer Waggon wird geschlossen wegen ausgefallener Klima-Anlage. Arbeit für Sie, Herr Ramsauer, sage ich mal. Das dauert geschlagene 10 Minuten, bis der nächste Waggon geräumt ist.

Ich nehme einen Regionalexpress, der mich noch eine Station weiterbringt, bis ungefähr 45 Fußminuten von meinem eigentlichen Ziel entfernt.

Das ist eine blöde Geschichte, oder? So eine habe ich schon mal erzählt, oder so ähnlich. Denkst Du Dir.

Ich sage Dir was, JETZT fängt diese Geschichte erst an.

Ich verlasse den Bahnhof in Vettelheim und suche mir ein Wollen-wir-gemeinsam-ein-Taxi-nehmen?-Opfer.

Ich spreche einen freundlich dreinschauenden Herrn an, der auf dem Weg zum Taxi-Stand ist. Ob er auch wie ich hier gestrandet sei und jetzt nach L. wolle. Er stutzt, zögert, dann nickt er, ja, er wolle auch nach L.

Was ich denn mit „gestrandet“ meine. Da er von Anfang den Regionalexpress benutzt hat, kennt er „meine Geschichte“ nicht, die ich ihm zeitrafferartig erzähle.

Ob er jetzt auch mit dem Taxi nach L. fahren wolle.

Hm, er sei mit seinem Auto hier.

„Schade, sonst hätten wir uns das Taxi teilen können.“ Ich verabschiede mich von ihm, worauf er entgegnet: „Sie können gerne bei mir mitfahren.“

Warum brauchen Happyends eigentlich immer einen so langen Anlauf?

© Ulf Runge, 2012

Sommerstimmig

25. Juli 2012 10 Kommentare

Leben 913 – Mittwoch, 25.07.12

Sommerstimmig

Prolog. Ich bin ein möglichst pünktlicher Mensch. Was mich (leider zu oft) vom rechtzeitigen Aufbrechen abhält, sind die vielen Dinge, die es auch noch zu tun gäbe. Wodurch ich bisweilen auch schon jene Viertelstunde Unpünktlichkeit anknabbere, die man akademisch nennt. Aber auch das Akademischsein hilft nicht dabei, wenn ein Konzert pünktlich anfängt. Alle guten Erklärungen nützen nichts, wenn man etwas von dem versäumt, was unwiederbringlich entgangen ist. Ende Prolog.

Jetzt aber zu dem wunderbaren „sommerstimmigen“ Konzert der Swinging Voices aus und in Guntersblum, das ich am 29. Juni erleben durfte. Was ist anders bei diesem Chor als bei anderen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, dafür kenne ich zu wenige Chöre. Das ist sozusagen so, als wenn man immer nur das Spiel des FSV Mainz 05 guckt und das Spiel selbst der jeweilig gegnerischen Mannschaft eigentlich total egal ist. (Ist ja auch, oder, wenn die Meenzer spielen?!)

Auch wenn ich keine Vergleichsmöglichkeit habe, so ist für mich doch besonders auffällig: Das Leuchten in den Augen, das Lächeln in den Gesichtern, die hohe Konzentration und die empathische Gestik. Ach ja, und richtig richtig gut klingt es auch…

Die Musik ist ganz nach meinem Geschmack, aus ganz vielen Stilrichtungen echte Sahnehäubchen. Unterhaltsam und kurzweilig, ein Konzert zum Sichvergessen.

Versäumt habe ich leider (siehe Prolog) die folgenden Songs, und ich könnte mich in den Hintern beißen, da hier insbesondere ein ehemaliger Arbeitskollege von mir sein Solo hatte. Er wird es mir (aber nur dieses Mal) verzeihen, hoffe ich.

Gerne gehört hätte ich „You are the sunshine of my life“ von Stevie Wonder, von dem ich immer wieder verzaubert bin. (Und Du darfst „dem“ gerne auf diesen Song als auch auf Stevie beziehen.)

Gerne gehört hätte ich auch das wundervoll verträumte „Close to you“ der Carpenters.

Hm, es geht so weiter. Auch die ohrwurmige Titelmusik zum Film „Black Orpheus“ (Manha de Carnaval, hier vom Ron Carter Sextett) blieb von meinen Ohren ungehört…

Ich schließe meinen Reigen des Bedauerns mit dem fetzigen „Twist and shout“ von den Beatles.

Und dann war ich dann doch irgendwann da, und seltsame, für mich neue Klänge begrüßten mich zum Sommerkonzert. Ein afrikanisches Lied, wow, toll: Shosholoza.

Ebenso neu für meine Ohren war „His banner over me“ von Lori Freedman. Chormusik, bei der die geballte Energie des „Klangkörpers“ die Umgebung einfach nur ansteckt und anzündet.

Dank der mir zur Verfügung gestellten Setlist weiß ich, dass der nächste Titel „Kids“ hieß. Es ist meinem Aufenthalt am Getränkestand geschuldet, dass ich nicht mehr zusammen bekomme, welcher der real existierenden Kids-Songs es denn nun war. Erika wird es mir bestimmt noch mitteilen…

Ein Song, der den Swinging Voices geradezu auf den Leib geschneidert ist, ist Bill Withers‘ „Lean on me“, weil hier wunderbar die Vielstimmigkeit des Chores erlebt wird. Schwelg.

Und dann freue ich mich diebisch, dass ich an diesem Abend doch noch einen Stevie Wonder Song erleben darf: “Sir Duke“ (Dieses Video ist ein Leckerbissen!).

Und als Ansporn für die Swinging Voices, doch auch mal in Youtube präsent zu sein (ich weiß, da gibt es Copyright-Fragen, auf die andere möglicherweise lockere Antworten haben…), hier eine Chorversion des nächsten Songs: „Scat Calypso“.

Achtung, wir wechseln die Sprache, ab jetzt ertönen zu den hörenswerten Melodien auch noch lauschenswerte, deutschsprachige Texte. „Drück die 1“ von Annett Louisan macht den Anfang. Beim babbab babbab bab dada bab grinst und lächelt der ganze Chor auf allen Gesichtern.

Und ewig das Gestöhne, wann es endlich wieder Sommer wird. Nein, nicht die Frage von Rudi Carrell steht auf dem Notenblatt, sondern die Antwort, die die Wise Guys hierauf geben: Jetzt ist Sommer.

Pause. Die Zeit ist höchst unterhaltsam verflogen, ich freue mich, dass ich hier sein darf, freue mich auf die noch kommenden Lieder.

Ich nutze die Zeit, Erika und meinen ehemaligen Arbeitskollegen zu begrüßen und ein paar liebe Worte zu wechseln.

Danach bin ich etwas überrascht, dass es wohl Uneinigkeit bei den Chormitgliedern gibt, wer denn jetzt wo und als Erster auf die Bühne gehen soll. Und so bleiben sie alle vor der Bühne stehen, wie in einer riesigen Supermarktwarteschlange. Dass sie eigentlich den Rhein von Worms bis Bingen darstellen, wird mir erst am Ende ihres Rheinhessen-Stop klar, in dem lauter rheinhessische Städtenamen runter gerappt werden…
Ich meine, so etwas von Fanta4 oder den Rodgau Monotones in ähnlicher Weise auch schon mal gehört zu haben…

Die Deutschtextabteilung wird geschlossen mit einem wunderschönen Lied, das uns Xavier Naidoo geschenkt hat: „Und wenn ein Lied“ . Der inoffizielle Song zur Fußball-WM 2006.

Wir werden wieder internationaler und gehen auch auf der Zeitachse weiter zurück. Eines der schönsten Geschenke, die Ray Charles uns gemacht hat, wird mit eiskaltem Rückenschauerfeeling von den Swinging Voices vorgetragen. Als wären sie ein Gospelchor aus Harlem. „Georgia on my mind“.

Bei der Anmoderation zum nächsten Titel treffen sich Erikas und mein Blick und wir müssen (leise) lachen. Nein, nicht der 2 Uhr Bus steht jetzt auf der Titelliste, sondern „Just the two of us“, erneut Bill Withers. Warum Erika und ich lachen mussten? Hier…

Something stupid von Nancy und Frank Sinatra steht als nächstes auf dem Programm, Erinnerungen an die 60er und 70er Jahre kommen hoch. Und einige Paare aus dem Chor verlassen die Bühne und tanzen durch das Publikum. Schöne Idee. Bezaubernde Umsetzung.

Und dann wird ein Titel, den ich sehr mag, im Original seinerzeit gesungen von jungen Künstlern, deren Megakarriere damals noch niemand so richtig ahnen konnte, die singende Familie Jackson, bekannt unter dem Namen Jackson 5: „I’ll be there“. Die Swinging Voices schaffen es ein weiteres Mal, Rückenschau(d)er(n) zu verursachen.

Dibadada! So müsste dieser Song eigentlich heißen. Statt dessen kommt mir der Titel spanisch vor: „Aqua de beber“, hier mit Astrud Gilberto.

Es gibt einen Ohrwurm aus den Carmina Burana. Die ja höchstanspruchsvolle Klassikkunst darstellen. Um dann doch eines Tages in der Werbung für Schokolade oder Kaffee zu landen. Schockiert war ich damals allerdings, als ich im Radio hörte habe, dass man jetzt diese Carmina Burana auf CD kaufen könne, „bekannt aus der SchokoladeKaffeeWasauchimmer Werbung“!

Ich hoffe, Du kennst das nachstehende Lied nicht aus der Opel-Werbung. Sondern weißt, dass das Original von dem überragenden Satchmo Louis Armstrong gesungen wurde: „What a wonderful world“.

Ein Swing-Klassiker, der bei den Swinging Voices nicht fehlen darf, ist „Route 66“, hier von Nat King Cole. Da steppt der Bär auf der Bühne, klasse interpretiert von den S.V.

Wer musiziert, kann sich bei seinem Publikum mit keinem schöneren Song bedanken, als es seinerzeit ABBA taten und heute Abend die Swinging Voices: “Thank you for the music”.

Tuxedo Junction. Glenn Miller. Swing. Instrumental. Es geht aber auch anders. Duuba duuba duba dabb. Wenn ich die Duba-Bank gründen würde, dann wär das MEIN WERBESONG. Die Swinging Voices haben das klasse interpretiert, so kurz vorm Ende noch mal richtig Adrenalin pur. Hier bekommst Du einen annäherungsweisen Eindruck, wie sich dieser Song gesungen anfühlt: Tuxedo Junction von Adira Hanna & HHW Vocal Arts Ensemble.

Thank you, merci und danke, liebe Swinging Voices, bis zum nächsten Mal. Nach dem Konzert ist vor dem Konzert.

Hm, das wärs dann gewesen.

Wenn ich nicht auch noch persönlich Bekanntschaft gemacht hätte mit der Rheinhessischen Weinkönigin Helgard Frey.
Hinweis: Hoffest am 03.08.12 in Guntersblum. Da kann man sie persönlich kennen lernen.

Was für ein Abend…

© Ulf Runge, 2012

Provençalische Splitter – Le oiseau-lièvre ou le lièvre-oiseau?

22. Juli 2012 4 Kommentare

 Leben 912 – Mittwoch, 18.07.12

Provençalische Splitter – Le oiseau-lièvre ou le lièvre-oiseau?

 

Vogel-Hase oder Hasen-Vogel? Das ist hier die Frage.

Jede Region hat ihre Besonderheiten. In Oberbayern machen die „sagenhaften“ Wolpertinger von sich reden. Und teilen die Bevölkerung in zwei Gruppen: Eine, die selbige Wesen schon leibhaftig gesehen haben will. Und die ewigen Miesepeter, die die Existenz der Wolpertinger natürlich abstreiten und insgeheim hoffen, sie doch mal persönlich kennen zu lernen.

Aber egal.

Dann gibt es die Ilwedritsche. Deren Schreibweise noch nicht mal gesichert ist. In der Palz (ohne „f“) sind die zu Hause.

Auch egal.

Und dann gibt es in der Provençe ein Wesen, dessen Name mir total unbekannt ist, das ich auch noch kein Mal persönlich gesehen habe, vor dem aber intensivst gewarnt wird. Sehr ungewöhnlich, aber vermutich angemessen, steht dieses Warnschild nicht am Straßenrand, sondern hängt in einem Baum, an den ich mich anzunähern bei Tageslicht gewagt habe.

 

Jetzt Du!

© Ulf Runge, 2012

Provençalische Splitter – Monsieur Bankräuber, aben Sie reserviert?

19. Juli 2012 1 Kommentar

Leben 911 – Mittwoch, 18.07.12

Provençalische Splitter – Monsieur Bankräuber, aben Sie reserviert?

 

Ich stelle mir einige Fragen, als ich in Avignon von einem besonderen Gebäude stehe.

Frage 1: Hat die provençalische Polizei besonders viel Humor?

Oder Frage 2: Hält man es für möglich, dass provençalische Polizisten, die in der Fremde übernachten, auf einmal einen Drang spüren „auszubrechen“?

Hier ein Foto vom Polizei-„Hotel“ in Avignon:

 

© Ulf Runge, 2012

Provençalische Splitter – Die Konkurrenz schläft nicht

Leben 910 – Mittwoch, 18.07.12

Provençalische Splitter – Die Konkurrenz schläft nicht

Wir berichteten jüngst über den genialen Werbetrick der provençalischen Winzer, die „Einfahrt verboten“ Schilder mit einem Hinweis auf den „Riverains“ ergänzen zu lassen, auf Deutsch etwa „Sauf Riverains“.

Der Bericht hier muss die Erzeuger eines ebenfalls aus der Provençe stammenden, süßlich schmeckenden Likörst, auf den Plan gerufen haben. So sind jetzt auch die Schilder mit „Absolutem Halteverbot“ neuerdings mit Werbung versehen. Für ebendieses köstliche, berauschende Getränk mit dem lieblichen Namen „Mairie“:

 

© Ulf Runge, 2012

 

Provençalische Splitter – Mistral

18. Juli 2012 2 Kommentare

Leben 909 – Mittwoch, 18.07.12

Provençalische Splitter – Mistral

In Oberbayern, ich glaube ich habe das schon mal hier oder anderswo geschrieben, gibt es drei verschiedene „Typen“ von Menschen.

Zum einen die Spezies, die heftig unter dem von Italien kommenden und auf der Alpennordseite fallenden Wind, dem Föhn, leiden. Das sind die Föhner.

Dann gibt es diejenigen, die schon lange vorher ahnen oder sogar wissen, dass der Föhn im Anmarsch ist, und denen es absolut nicht gut geht, bis er endlich da ist, der Föhn. Das sind die Vorföhner.

Zuguterletzt seien noch die Menschen erwähnt, die erst Beschwerden bekommen, wenn der Föhn weg ist. Das sind die Nachföhner.

Der Übergang zwischen Nachföhnern und Vorföhnern kann gleitend sein.

Was den Oberbayern ihr (warmer) Föhn, ist den Provençalesen der Mistral. Ein kalter, aus den Alpen stammender, das Rhonetal hinabströmender Wind, der insbesondere bei Temperaturen über 30° Grad Celsius vergessen lässt, dass man eigentlich Sonnenschutz braucht. Ein Wind, der einen vergessen lässt, dass man gar nicht auf einem Segelschiff durch das Mittelmeer schippert.

Mistral gibt es auf drei verschiedene Weisen: 1tägig, 3tägig und 9tägig.

Wer etwas anderes behauptet ist total im Unrecht.

Wenn der Mistral etwa 4 Tage dauert, dann ist direkt nach dem 1tägigen eine 3tägiger tätig gewesen. Vielleicht aber auch nach dem 3tägigen ein 1tägiger. 4tägigen Mistral gibt es nicht. Okay?

Es soll auch schon Urlauber gegeben haben, die wegen des Mistrals wieder nach Hause gefahren sein sollen. Was ich bei den hier vorherrschenden, hohen Sommertemperaturen nicht nachvollziehen kann. (Die Provençe ist zunächst mal nicht an allererster Stelle eine Badeurlaubgegend, sondern Erholungslandschaft.)

Den Landwirten dagegen ist der Mistral ein Feind, weht er doch den fruchtbaren Boden Richtung Nachbargrundstück und dann irgendwann Richtung Mittelmeer. Ich habe aber noch von keinem Provençe-Bauern gehört, der wegen des Mistral „abgereist“ wäre…

© Ulf Runge, 2012

Provençalische Splitter – Cigale

18. Juli 2012 2 Kommentare

Leben 908 – Mittwoch, 18.07.12

Provençalische Splitter – Cigale

Wer aus der Stadt flieht, um seine Ruhe zu haben, der ist in der Provençe falsch. Weil hier – gefühlt  rund um die Uhr – Krach angesagt ist. Krächzender Krach. Frenetisch ansteigender Krach. Krach, gegen den auch die Behörden nichts tun. Können. Und wollen.

Die Rede ist von dem nichtendenwollenden Gesumme und Gebrumme der Abermilliarden von Grillen, die ihren Gesang einzeln, lieber aber im Chor, meist vielstimmig, gerne aber auch unisono, anschwellen lassen, um dann plötzlich zu verstummen, worauf sich ein taubes Gefühl im Ohr einstellt und man sich fragt und sagt: Da fehlt doch was?! Aber nicht lange, und schon geht es weiter.

Es soll Menschen geben, die diese Tiere auch schon gesehen haben. Mein letztes Grillenfoto stammt aus dem Jahr 1994 und ich muss zugeben, ich wüsste jetzt nicht, wo ich es verwahrt habe.

Grillen, die hier “La Cigale” heißen, haben eine weitere nette Eigenschaft: Sie dienen als Blumenvasensouvenir, wie dieses Bild hier zeigt:

Dass Urlauber wegen des Grillenkrachs schon abgereist sein sollen, verweise ich in das Reich der Phantasie. Eher umgekehrt vermute ich, dass Grillengesang Fernweh auslöst…

© Ulf Runge, 2012

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