Klopfen
Leben 895 – Sonntag, 10.09.12
Klopfen
Bei vielen Veranstaltungen bekommt man einen Stempel auf die Haut gedrückt. Damit man immer wieder raus und rein kann, was etwa für Raucher und Vieltelefonierer ganz praktisch ist
Das einfach mal so.
Ich gehe ungerne bei Veranstaltungen aufs Klo. So auch heute. Während des Konzertes. Aber mein Darm ist unruhig. Und so setze ich mich auf die vor der Pause noch sehr saubere Brille der einzigen Herrentoilette.
Es klopft. Man, denke ich, ich bin noch keine 20 Sekunden hier und schon klopft es.
Ich will gerade zum Ende kommen, bin bestimmt noch keine 2 Minuten hier und schon wieder klopft es. Es ist ein merkwürdiges Klopfen, weil, es klopft nicht wirklich an meiner Tür, oder doch?
Ich bin wieder angezogen, das Klo ist übergabesauber, ich entriegle die Tür und niemand steht vor mir. Hm, denke ich.
Gehe um die Ecke zum Waschbecken, an dem sich gerade ein anderer Herr die Finger wäscht. Bevor ich ihn fragen kann, ob er geklopft habe, klopft es erneut. Wir beide schauen uns irritiert an, sein Gesicht sagt mir, dass er sich auch schon Gedanken gemacht hat über die mehrfachen Klopfereien.
„Das kommt, glaube ich, von der Tür da drüben!“ sagt er. Und ich entdecke, dass aus der Herrentoilette eine Notausgangstür herausführt. Wohin auch immer. Vermutlich ins Land der Klopfer.
Ich fasse die Klinke dieser Tür, drücke sie vorsichtig herunter und vor mir steht ein dankbares Gesicht, das mir erklärt, das er nur habe telefonieren wollen, und dann sei die Tür ins Schloss gefallen. Und dieser Notausgang hat in der Tat etwas von Hinterhof, in dem sich der Handymensch eingesperrt gefühlt hat.
Er will schon voll dankbarem Blick an mir vorbei zurück in den Veranstaltungsraum als ich ihm bedeute: „Das kann ja jeder sagen! Zeigen Sie mal Ihren Stempel!“
Er hebt seinen Arm, zeigt mir lächelnd seinen Stempel, worauf er, der Waschbeckenmann und ich unisono zu Lachen anfangen.
© Ulf Runge, 2012


Lieber Ulf,
danke für Deinen wieder sehr erheiternden Beitrag *schunzel*
Da bist Du sehr wahrscheinlich einem AA begegnet……..
“Vermutlich ins Land der Klopfer.” Da Du ja mit Jugendlichen vertraut bist, weißt Du sicherlich auch, was es mit den “Klopfern” auf sich hat ???
Einen schönen Sonntag auf die andere Rheinseite
liebe Grüße
Erika
Lieber Ulf,
sehr erheiternd…..wenn der Hinterhofmann keinen Stempel vorzuweisen gehabt hätte, hättest Du ihn dann überwältigt und wieder in den Hinterhof verbannt?
Ohne Stempel geht ja schliesslich gar nichts
(da Du die Sauberkeit der Toilette erwähnt hast…ich hab immer ein Desinfektionstuch in der Tasche, für alle Fälle)
Fröhliche Grüße
Maria
Liebe Erika,
Du siehst mich hier ratlos: AA? Und Klopfer kenne ich auch nur aus Bambi. Das ist nicht die Alterskategorie, die Du gemeint hast, oder?
Schunzelnde Grüße,
Ulf
Liebe Maria,
ich hätte die Notbremse gezogen, wenn er keinen Stempel gehabt hätte.
Mal ehrlich, was nützt mir Dein Desinfektionstuch, wenn ich auf die Herrentoilette gehe.
Ebenso fröhliche Grüße,
Ulf
Lieber Ulf,
“Klopfer” sind so niedliche kleine Likörfläschen, die vor dem Trinken auf die Tische geklopft werden , bei Jugendlichen sehr beliebt auf Partys, manche setzen sich den Verschluss dann noch auf die Nase…. Das Zeugs hat es in sich , gibt es in allen Varianten, mit Wodka, Feigling….
liebe Grüße
ups, hoffentlich hab ich nicht zu viel verraten
Erika
*schunzel*
Oh, liebe Erika, so einen Klopfer habe ich noch nicht in der Hand gehalten, aber ja, in der Werbung habe ich das schon mal wahrgenommen.
Verschluss auf die Nase? Das hört sich nach Akrobatik an…
Likör ist gefährlich. Früher war Apfelkorn sehr populär. Der trank sich einfach so weg. Und dann war man nur noch beschränkt “aufnahmefähig”…
Rückschunzel