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Archive for Februar 2012

Bombenstimmung in Heppenheim

29. Februar 2012 6 Kommentare

Leben 814 – Mittwoch, 29.02.12

 

Bombenstimmung in Heppenheim

 

 

Nein, du hast nichts verpasst. Die Formel 1 ist noch nicht ins neue Jahr gestartet. Sebastian Vettel ist noch nicht unterwegs zu seinem dritten Titel.

 

Trotzdem ist Bombenstimmung in Heppenheim.

 

Und bald vielleicht schon ist Bombenstimmung in ganz Deutschland.

 

Aber der Reihe nach. Eine Methode, Weltkriegsbomben zu finden, ist einfach einen trockenen Herbst zu haben und im Rhein einen Blindgänger nach den anderen zu entdecken. Eine andere ist es, Lärmschutzwände entlang von Eisenbahnstrecken zu bauen. Und dann beim Baggern auf Widerstand zu stoßen, ein Alptraum für Baggerführer. So was ist vermutlich heute in Heppenheim passiert. Wenn man Theorie nicht stimmt, dann wird in der morgigen Zeitung eine bessere Erklärung stehen…

 

So eine Weltkriegsbombe ist heutzutage eine immer noch recht „normale“ Angelegenheit. Sie werden meistens unter glücklichen Umständen entdeckt, sie werden unter Einsatz ihres Lebens – leider nicht immer ohne Blutzoll – von Kampfmittelräumdienstmitarbeitern entschärft, und dann ist gut. Die Vorstellung, dass man jahrelang neben so einer Bombe gespielt oder gewohnt hat oder mit dem Zug entlang gedonnert ist, ist grausig, aber dann doch schnell wieder vergessen.

 

Jetzt also ist Bombenstimmung in Heppenheim, ich vermute, dass der Zugverkehr bis zur Entschärfung gestört bleibt. Unangenehm, aber für ein paar Tage verkraftbar.

 

Warum jetzt bald Bombenstimmung in Deutschland sein wird? Nein, nicht, weil jetzt überall Blindgänger gefunden werden, die meisten liegen ja sowieso nicht mehr im Boden, sondern haben ihre Pöstchen in der Bürokratie gefunden.

 

Die Bombe ist ein andere. Die Bahn hat sie jüngst platzen lassen. Kündigt sie doch kürzlich an, sie wollen zukünftig zwei Stunden vorher ihre Kunden per E-Mail über Verspätungen informieren.

 

Dann hätte die Pendlerin A. (Name von der Redaktion geändert) heute bereits vor der Abfahrt ihrer Regionalbahn umdisponieren können. Statt dessen hat sie erst im Augenblick, als es nicht weiterging, einen Chauffeur aus der Familie aktivieren können, so dass sie über eine Stunde später nach Hause kam als geplant. Ich sag mal, Pendlerin A. hatte womöglich das Pech, erst kurz nach Entdeckung der Bombe unterwegs zu sein. Haken wir das mal unter Pech ab.

 

Pendler U. (wie Ulf) war über eine Stunde später unterwegs, um zu erfahren, dass der abfahrbereite Intercity eine andere Strecke nehmen würde, wegen Polizeieinsatz. Aha, Personenschaden denke ich mir. Steige in den Regionalexpress ein, der mich wenigstens bis Heppenheim bringen wird. Ein Blick ins Internet zerstreut alle Zweifel, warum denn nun dieser Zug schaffen soll, was man dem IC nicht zugetraut hat, nämlich durchzukommen. Im Netz wird mein RE als pünktlich ausgewiesen. Und wie gesagt, in Bahn-Utopia 2013 hätte ich jetzt bereits eine Nachricht von der Pünktlichbahn, dass es aufgrund höherer Gewalt – und dafür kann die Bahn ja wirklich nichts, wenn die Alliierten noch ein Bömbchen bei uns haben rumliegen lassen – eine leichte Verzögerung gibt…

 

Wie gesagt, die Bombenfindung ist mindestens 90 Minuten her, da erhält mein Lokführer einen Anruf von der Einsatzleitung, dass er wegen einer Fliegerbombe nicht weiterfahren dürfe. Eine Station von Heppenheim sei hier und jetzt Schluss. Jede Menge informationsgeschädigte Bahngestrandete finden sich in lauer Frühlingsluft an der Bushaltestelle ein, wo die wenigen Taxifahrer in Goldgräberstimmung sind und der Schienenersatzverkehr noch nicht wirklich organisiert ist. Weil eben KEIN Bus fährt. Außerdem bräuchte ich ja keinen Schienenersatzverkehr, sondern eher Zugersatverkehr…

 

Ich stelle mir gerade vor, dass ich zukünftig keinen Wecker  mehr brauche, sondern mich von der Nachricht „Sie haben Post“ wecken lasse. Da mein 7 Uhr 26 IMMER 5 Minuten Verspätung hat, würde ich von der Bahn täglich um 5 Uhr 26 geweckt werden. Und ich bräuchte auch nicht mehr den Nachweckschalter bedienen, sondern lasse mich unpünktlich um 5:52 wecken, dass der 7:52 zu spät dran. Wobei, der ist meist pünktlich. Dann verschlafe ich womöglich doch noch…

 

Ich stelle mir gerade vor, wieviel Arbeisplätze in Deutschland geschaffen werden, allein durch den Umstand, dass die vielen Verspätungs-E-Mails das Netz verstopfen und dieses noch weiter ausgebaut werden muss.

 

Um Dir eine Vorstellung zu geben:

Sehr beliebt ist bei der Bahn die Asymptotische Annährung an die Abfahrtszeit. Die geht so. 10 Minuten vor Abfahrt ist Dein Zug sagen wir mal 5 Minuten verspätet. Sind also noch 15 Minuten, bis der Zug kommt.

5 Minuten vor fahrplanmäßiger Abfahrt hat die Bahn nun eine bessere Nachrichtenlage und total betrübt mitteilen, dass der Zug 10 Minuten verspätet ist. Sind also noch 15 Minuten, bis der Zug kommt.

Und so weiter. Manchmal vergisst die Bahn diese 5-Minuten-Erhöhung. Und dann ist der Zug plötzlich da…

 

Und jetzt stell Dir vor, für jede dieser Verspätungsaktualisierungen bekommst Du eine E-Mail.

 

Im nächsten Jahr wird es vermutlich den folgenden am meisten erzählten Witz geben: „Du ich habe Dir eine E-Mail geschickt, aber Dein Server hat mir mitgeteilt, dass Dein Postfach voll ist!“ „Das ist schon richtig so, ich fahre mit der Bahn!“

 

© Ulf Runge, 2012

Verdamp lang her

28. Februar 2012 7 Kommentare

Leben 813 – Dienstag, 28.02.12

 

Verdamp lang her

 

 

… dass ich von meiner Kunstgeschichtelehrerin zweimal im Monat durch Kölner Kirchen und Museen geschleust wurde; damals viel zu unreif für diese Themen, bin ich ihr hier und heute grundtief dankbar, durch sie Zugang zu bildender Kunst bekommen zu haben; vor dem originalen Vierfachporträt Marylin Monroes von gestanden zu haben, im Kupferstichkabinett des Walraff-Richards-Museum einen boaring boarer gesehen zu haben …

 

… ich von meinem Mathe- und Physiklehrer die Weisheit mitgenommen habe: „Wer misst, verändert das Messergebnis!“ Eine kürzere Zusammenfassung des Doppelspaltexperiments der Quantenphysik gibt es nicht. Dieser Lehrer, der mir bei der Übergabe des Abschlusszeugnisses empfahl, ich solle Informatik studieren. Womit ich erstmal nichts anfangen konnte. Um dann in München Freude an einem technischen Computerstudium zu finden, und in Stuttgart die „geisteswissenschaftliche“ Variante von Computer Science zu erfahren …

 

… einer von uns aus dem Zeichensaal hoch unterm Dach aus den Fenster „UKW!“ gerufen hat, unseren Englisch-Lehrer meinend, der nicht nur kleinwüchsig war und deshalb den Spitznamen „Unser kleiner Willi“ hatte, sondern der auch in nullkommanix nach dieser Verbalattacke inmitten von uns stand und die Entlarvung des Rufers forderte …

 

… unser Griechischlehrer uns zunächst eine leichte Schamesröte und dann ein pubertäres Lachen ins Gesicht trieb, als er uns die lateinische Weisheit

„Balnea, vinea, vinus corrumpunt corpora nostra, sed vitam faciunt balnea, vina, venus”

(Bäder, Weine und Frauen verderben unsere Körper, aber das Leben ausmachen tun Bäder, Weine und Frauen)

mit seinem goldzahnzeigenden Lachen nahebrachte …

 

… unser Erdkundelehrer angesichts der veränderten Grenzen Nachkriegsdeutschlands uns den frustierten Spruch „Der deutsche Bauer hat keinen Bezug zur Heimatscholle“ zurief, mit dem wir wahrlich nichts anfangen konnten …

 

… unser einer Musiklehrer mit uns klassenweise bis zum Abwinken auf der Blockflöte „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ blasen lies, Kakophonie pur. Und der unser Mitleid und Bedauern hatte, als ein Amokläufer eines seiner Kinder mit einem Feuerwerfer in den Tod riss; und unser anderer Musiklehrer sich unserer vollen Aufmerksamkeit sicher sein konnte, als er mit uns Beatles-LPs hörte …

 

… einer von uns mit seinem Mini Cooper vorfuhr und so viele wie möglich einlud und zum Sportplatz kutschiere. Man, was waren wir stolz …

 

… dass wir auf einmal extrem großes Interesse an der Französisch-AG hatten, waren wir doch alle Knaben an einem Knaben-Lyzeum, das auf einmal so genannten F-Klassen, Förderklassen, einführte, zweiter Bildungsweg, um das Abi zu machen, und das Schöne an den F-Klassen, das waren die Mädels, Mädels Mädels. Ja, so kam ich wenigstens zu einem Jahr Französisch-Unterricht. Aufregende Zeit …

 

… dass ich ein halbes Jahr vorm Abi zum ersten Mal zwei blaue Briefe hatte: einen in Griechisch, verdientermaßen, und einen in Chemie. War da doch so ein junger Spund von der Uni gekommen, und der wollte nun, nachdem wir nie gescheiten Chemie-Unterricht gehabt hatten, der wollte mit uns Atom-Modelle basteln. War uns zu kindisch. ALLE hatten ne 5 im Halbjahreszeugnis. Bei nem Halven Hahn und einem Kölsch „em Goldene Kappes“ haben wir uns ausdiskutiert und zusammengerauft mit ihm und es sollte noch ein gutes halbes Chemie-Jahr werden für uns alle …

 

… dass unser Biolehrer jedem, der zu spät in den Biosaal kam, die Geschichte erzählte, er sei noch nie in seinem Leben zu spät gekommen, nur ein einziges Mal, und das war 1944, Fliegerangriff auf Köln, da habe er sich am Hansaring in einen Luftschutzkeller flüchten müssen. Worauf wir beschlossen, dass die Hälfte der Klasse einer nach dem anderen, tröpfelnderweise den Biosaal betreten wollte, was in der Tat dazu führte, dass wir einer nach dem anderen diese Geschichte zu hören bekamen und einen Strich in seiner Strichliste, aber wir hatten unseren Spaß dabei, diese Schulstunde aktiv mitgestaltet zu haben …

 

… dass wir mit unserem Religionslehrer nicht nur über Gott, sondern auch über Baader Meinhof, Sexualität und überhaupt alles reden konnten …

 

… dass ich meinen Lateinlehrer im Schullandheim auf der Kegelbahn – so ganz anders, fast kumpelhaft – erleben durfte …

 

Verdamp lang her, im Mai sind es genau genommen 40 Jahre, dass ich aus der Schule raus bin. Ich glaube, dass sollte Anlass zum feiern sein…

 

Ich nehm’ da mal Kontakt auf mit meinen Klassenkameraden, denk ich…

 

© Ulf Runge, 2012

Lyrik zu Verdamp lang her, ins Deutsche übersetzt.

Und hier noch eine wunderbare Live-Aufnahme dieses BAP-Klassikers

Messerrungedoppelgänger

27. Februar 2012 2 Kommentare

Leben 812 – Montag, 27.02.12

 

Messerrungedoppelgänger

Da landet ein Pingback zu meinem Blog, das eigentlich von annoo tobac ist, jetzt und heute bei mir. D.h. ein anderer Blog hat auf mich zurückverwiesen. Wobei die Geburtsstunde dieses Rückverweises eben schon lang lang her ist.

Dieses Pingback kommt vom Fastvoice Blog, das von Wolfgang Messer, einem meiner (leider ehemaligen) SWR1-Lieblings-Radiomoderatoren geschrieben wird.

Klick. Klick. Klick. Lande ich bei einem Beitrag, bei sich Wolfgang Messer darüber „beschwert“, man habe seinen Namen möglicherweise nicht rein zufällig einer privatfernsehlichen Drehbuchgestalt gegeben, die aber auch absolut nichts mit ihm zu tun hat.

Schmunzelnd lese ich die Kommentare zu diesem Artikel.

Und gucke selber zurück.

Ich kann nur sagen, heute, 2012, das „habe ich es geschafft“. Will meinen, wenn heute jemand nach „Ulf Runge“ gugelt, dann findet er (fast) nur noch mich. Grins.

Das war 2007 noch anders. Da habe ich „mich“ zum Beispiel hier gefunden.

Gegen Namensdoppelgänger kann man nichts tun. Aber muss es denn auch noch fiktive Doppelgänger geben?

Schunzel schunzel.

© Ulf Runge, 2012

Aus der Gerüchteküche

21. Februar 2012 6 Kommentare

Leben 812- Dienstag, 21.02.12

 

Aus der Gerüchteküche

 

Warum Otto Rehagel den Trainerjob bei Hertha BSC Berlin angenommen hat. Fragen sich derzeit viele Menschen.

 

Aus wohlunterrichteten Kreisen verlautet, der 74jährige habe der drohenden Nominierung zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten entgehen wollen. Und außerdem habe er damit Platz machen wollen für jüngere Kandidaten…

 

© Ulf Runge, 2012

Größe

20. Februar 2012 10 Kommentare

Leben 811 – Montag, 20.02.12

 

Größe

 

Stell Dir vor, Du hast einen anspruchsvollen Beruf gelernt und bist dazu noch ein erfahrener Mensch.

 

Stell Dir vor, Du verkaufst preislich hochwertige und in der Regel erklärungsbedürftige, beratungsintensive Produkte.

 

Stell Dir vor, Du schlägst Dir für Deine Kunden sogar die Nächte um die Ohren. Bist möglichst oft für sie da.

 

Und dann kommt da so einer wie ich, nach Geschäftsschluss, wenn Du also nur noch Notfälle bearbeitest, der hat nen Notizzettel mit ´nem Werbeaufdruck Deiner Konkurrenz in der Hand, da hat er drei Produkte aufgeschrieben, die er bräuchte, jetzt. Und er murmelt Dir zwar kurz zu, warum er diese Artikel benötigt, gibt Dir aber nicht wirklich das Gefühl, dass er Deine Beratung braucht. Möchte.

 

Mal ehrlich, wie würdest Du Dich jetzt fühlen?

 

Gehe ich also zu nächtlicher Stunde zur dienstbereiten Apotheke in der Nachbarstadt. In der Hand besagten Werbeblocknotizzettel einer anderen Apotheke, auf den ich die Namen der – rezeptfreien – Medikamente geschrieben habe, die ich zu kaufen beabsichtige.

 

Ein nachtdiensthabender, älterer, berufs- und lebenserfahrener Apotheker bedient mich. Ich schildere ihm sehr knapp die zu lindernden Krankheitssymptome und drücke ich ihm meinen Wunschzettel in die Hand.

 

Seine Körpersprache spricht Bände. Ich verstehe zunächst einmal: „Wir sind hier nicht beim Discounter.“ Und dann verstehe ich: „Wozu denn gerade diese drei Präparate? Ich gebe Dir mal eines davon, nämlich das, was mir am geeignetesten erscheint.“ Und während ich so interpretiere und der Apotheker kein Wort spricht, befindet sich auf einmal ein Gegenstand in seiner Hand. Das sieht nach der Salbe aus, die aufgeschrieben hatte. Ruckizucki befinden sich auf einmal drei Dinge in seinen Händen, er hält sie fragend in die Luft, ich nicke, er ermittelt den Preis, blickt mich erneut fragend an, ich nicke ein weiteres Mal, worauf mit Ware und Kassenzettel wieder zu mir an die Tür kommt.

 

Ich bedanke mich und sage nur: „Die drei Medikamente haben schon mal geholfen.“

 

Sein erste Miene hellt sich auf, entwickelt sich zu einem strahlenden Lächeln, und nur Menschen mit Größe sind in dieser Situation zu einem Satz wie diesem in der Lage: „Wer heilt, hat recht!“

 

© Ulf Runge, 2012

Es gibt ja keine Achtzehn Siebenundvierzig

19. Februar 2012 14 Kommentare

 Leben 810 – Sonntag, 19.02.12

 

Es gibt ja keine Achtzehn Siebenundvierzig

 

Kann etwas, was es nicht gibt, einen Namen haben? Oder besser, darf das, was es nicht gibt, so heißen, wie es heißen würde, wenn es es gäbe?

 

Ich habe an der S-Bahn-Station in der Nähe meines Arbeitsplatzes einen schlaraffigen 5-Minuten-Takt fast den ganzen (Arbeits-) Tag über. Abends wird es natürlich dünner. Genauer gesagt zum ersten Mal um 18:47 Uhr.

 

Die Züge verkehren um 18:32, 18:37, 18:42, dann erst wieder 18:52 und 18:57 Uhr. Genau um 18:47 ist die erste Lücke im 5-Minuten-Takt.

 

Und immer, wenn ich mich schon gesputet hatte, um diese nicht-existente Achtzehn Siebenundvierzig noch zu bekommen, um dann am Bahnsteig mit hechelnder Zunge zu rekapitulieren, „Es gibt ja keine Achtzehn Siebenundvierzig“, habe ich mir die Frage gestellt, ob ich überhaupt von diesem Phantom so reden dürfe. Darf etwas, was es nicht gibt, einen Namen haben? Präziser: Darf etwas, von dem ich überzeugt bin, dass es ausschließlich eine Ausgeburt der Phantasie ist, aber in keinster Weise zur Materiewerdung eignet, darf so etwas einen Namen haben? Achtzehn Siebenundvierzig heißen?

 

Das ist die Frage.

 

© Ulf Runge, 2012

Wer sich beeilt…

5. Februar 2012 6 Kommentare

Leben 809 – Sonntag, 05.02.12

 

Wer sich beeilt…

Ob ich nicht mitkommen möchte. Zu einem, früher hätte man gesagt „Diaabend“, heute ist es dank Laptop- und Beamer-Technik ein Abend mt einer Foto-Film-Reportage. Patagonien sei das Thema.

Ich sage zu, obwohl ich die Vorstellung nicht sexy finde, in einer Turnhalle auf Saalbestuhlung mich für 1 oder 2 Stunden berieseln zu lassen. Ich sage zu und notiere mir den Termin im Kalender.

Tage später höre ich in meinem Lieblingssender eine hochinteressante Sendung. Worüber? Genau! Patagonien. Reinhören! Faszinierend!

Gestern Abend. Ein Ort im Odenwald. Turnhalle. Holzklappstuhlbestuhlung. Gute zwei Stunden später wird mein Hintern platt gesessen sein. Aber dieses „Opfer“ steht in so was von keinem Verhältnis zu dem sinnlichen und auch spirituellen Genuss, den ich von diesem Abend mitnehme.

Hallo? Der Saal ist voll! Ausverkauft…

Peter Gebhard berichtet von seinen Reisen in das Ende der Welt im Süden Lateinamerikas. Peter Gebhard erzählt allerdings nicht von seinem tollen EGO, sondern lässt uns durch das Auge seiner Kamera blicken auf wunderbare, kraftvolle und gefährliche Natur. Und was ihm ganz besonders gut gelingt: Er öffnet uns die Tür zu Menschen, die dort leben. Zeigt und schildert uns beeindruckende Interviews mit Menschen, die in dieser „menschenleeren“ Region leben.

Als Besucher dieses Vortrages tauche ich ein in Abenteuer-Romantik und Freiheits-Klischees, sehe Menschen, die glücklicher und unbeschwerter leben als ich und deren Alltag ungleich härter ist als der meine.

Da vorne steht jemand, der so spannend und witzig erzählt, dass vermutlich die Hälfte der Anwesenden anschließend in den „Bus nach Patagonien“ einsteigen würde.

Nach dem Vortrag bedanke ich mich persönlich bei Peter Gebhard und nehme sein Schilderungen- und Bilder-Buch zum Vortrag mit seiner persönlichen Signierung mit nach Hause. Wobei er sich dazu hinreißen lässt, diesen tiefsinnigen, spanischen Spruch dazuzuschreiben, mit dem er seinen Vortrag beendet hat:

El que se apure pierde el tiempo – Wer sich beeilt, verliert die Zeit

Peter Gebhard? Sehen- und hörenswert!

Patagonien? Lebens- und liebenswert!

© Ulf Runge, 2012

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