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Tunnelklänge
| Leben 761 – Sonntag, 09.10.11
Tunnelklänge Frankfurt-West, 04.10.2011, der Morgen hat schon gegraut, ein unwirtlicher Fußgängertunnel, Pendler strömen zu den Ausgängen, eilen in ihr Büro. Vertraute Klänge hallen in mein Ohr. Klänge meiner Jugend. Ein Barde, Mitte Ende Dreißig. Die Klampfe in der Hand, singt er mit tunnelechounterstützter Stimme: You’ve got to hide your love away. Was für eine Erinnerung, was für eine Botschaft. Frankfurt-West, 05.10.2011, ich laufe die Stufen zum Tunnel hinunter, der gestrige Beatles-Song will gerade aus der Erinnerung heraus in mein Ohr dringen, als ich „will you still need me, will you still feed me“ höre. Ich greife in mein Portemonnaie, entnehme eine Münze und freue mich, diesem Beatels-Interpreten für zweimal Freudebereiten einen Energieausgleich zukommen lassen zu dürfen. Frankfurt-West, 06.10.2011. Ob er heute wieder da ist? Was er heute wohl spielt? Wieder etwas von den Beatles? Ja, ja, ja! Er ist da! Vermutlich spielt er jeden Tag das Gleiche. Und es ist ausschließlich meinen unterschiedlichen Passierzeiten geschuldet, dass ich immer wieder einen anderen Song hören darf. Heute, fast schon als Bitte an das eingebrochenen herbstliche Wetter gedacht, besingt mein Troubadour die Sonne: Here comes the sun. Frankfurt-West, 07.10.2011. Länger als diese Woche wird er wohl nicht da sein. Wenn er überhaupt noch da ist. Ich habe bereits eine Münze in der Hand, um ihn ein letztes Mal zu entlohnen. Da geht mir das Herz auf. So ziemlich das Lieblingslied meiner Jugend weil so gefühlvoll gesungen, Michelle, dringt in meine Ohren ein. © Ulf Runge, 2011 |


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