Kennenlernenangst
Leben 675 – Donnerstag, 03.02.11
Die Erfindung der sozialen Netzwerke ist prinzipiell erst einmal ein Segen.
Durch das einfache Austauschen unseres Profilfotos können wir veranlassen, dass alle Welt die Nachricht „.… hat ein neues Profilfoto“ lesen darf. Es ist zwar meistens das bisherige, das einfach nur mal kurz entfernt wurde, um es dann wieder „neu“ einzustellen.
Genervte Zeitgenossen, die diesen ätzenden Neuprofilfotostatusmeldungen wehrlos ausgesetzt sind, formulieren dann auch schon gerne mal „hat KEIN neues Profilfoto“ in ihrer Statusmeldung…
Als Nebenfachmathematiker kann ich beim social networking eigentlich nur zwei Glückszustände identifizieren: Entweder ich kenne niemanden. Oder alle. Alles andere ist die Hölle. Das will ich gerne erläutern.
Es gibt Plattformen, die bieten einem auf rührige Art und Weise die Kontaktaufnahme zu Menschen an, die man noch nicht „kennt“, aber vielleicht kennen könnte, weil man deren Kontakte kennt. Bei einigen Personen trifft das dann wirklich zu, und man nimmt diese Menschen gerne in seine persönliche Kontaktliste auf. Andere kennt man nicht wirklich, nimmt aber nach ein paar Klicks dann doch in die gegenseitigen „Listen“ auf.
Und das ist fatal.
Der Kreis derer, die man mit dem nun vergrößerten Bekanntenkreis kennen könnte, wächst logischerweise. Der „Vorrat“ an Kennenkönnern ist nur beschränkt durch die Anzahl der Mitglieder in einer Community. Und erst wenn Du alle kennst, hast Du Ruhe, okay?
Der Hugo bekam immer wieder das Profil einer gut aussehenen jungen Dame angeboten, die wie er in ihrem Profil hinterlegt hatte, dass sie auf die gleiche Bildungsanstalt wie er gegangen war. Hugo wusste, dass er die Dame absolut nicht kennen könnte, weil ihm weder Gesicht noch Name der Kandidatin geläufig waren und auch der vermutete große Altersunterschied keinen Anlass bot zu vermuten, dass sie schon einmal begegnet waren.
Was den Hugo dann aber nicht davon abhielt, der jungen Dame eine Nachricht zu schicken, auf die er bis heute noch keine Antwort hat, wohl auch nie erhalten wird, obwohl diese Dame ihm immer wohlfeil geboten wird.
Hier ist sie nun, die unbeantwortete Nachricht an die Frau, die im Folgenden „Klickmich“ heißen soll:
| Liebe Frau Klickmich,
seit Monaten schon werden Sie mir hier immer wieder als potienzieller weiterer Kontakt angeboten. Mal ehrlich. Haben Sie auch schon ähnliche Gedanken gehegt, wenn Ihnen immer wieder die selbe Person “angeboten” worden ist? So, jetzt ist es raus. Entweder sind Sie jetzt über die blöde Anmache stinkesauer. Oder Sie liegen bereits johlend und gröhlend unter dem Tisch, nicht mehr in der Lage, bis hierhin weiterzulesen. Herzliche Grüße, |
© Ulf Runge, 2011
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Angemerktes
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Lieber Ulf,
ja, so ist das mit den sozialen Netzwerken… Manchmal ist es spannend, weil sich Kontakte ergeben, die wunderbar sind, obwohl man sich (noch) nicht persönlich kennt, manchmal wird man mit doofen Spielen und Anfragen zugemüllt, bis ich diesen Kontakt wieder lösche
Ob Hugo je Antwort erhalten wird…!?
Schön auf jeden Fall, dass ich DICH kennen darf und wir über diese Netzwerke in Kontakt bleiben
Herzliche Grüße zu dir, Elisabeth
Liebe Elisabeth,
danke für die schönen Zeilen, für lieben Worte.
Hugo? Antwort? Soll Hugo diesen Blogbeitrag als Link an Frau Klickmich schicken? Ich glaube, besser nicht…
Ich finde es total genial und bin ebenfalls sehr froh darüber, dass uns die Elektronik heutzutage diese Form der Vernetzung bietet…
Liebe Grüße,
Ulf
Ich habe zwar kein neues Profilfoto – obwohl ich es mal austauschen sollte, damit ihr seht, wie alt ich wirklich bin.
Aber ich habe seit heute früh eine neue Startseite: http://www.leben-lernen-lieben.de *freu*
Lieber Jürgen,
dann werde ich jetzt mal ganz schnell dorthin klicken.
Das ist ja das reinste Feuerwerk, dass Du seit fünf Wochen nun versprühst.
Super!
Liebe Grüße,
Ulf
Lieber Ulf,
80 % was im Netzwerk so von sich gegeben wird ist dumme Anmache, der zweite Schritt sind dann abgekupferte Gästebucheinträge….und sonst hat man nichts zu sagen….nerv!
Aber man hat ja die Möglichkeit wegzuklicken oder zu ignorieren.
Der Rest kann durchaus interessant und erfreulich sein, z.B. wenn man jemand wiederfindet den man schon Jahre nicht mehr gesehen oder gehört hat.
Und durch das Netzwerk bin ich erst auf Deinen Blog aufmerksam geworden, was eine echte Bereicherung für mich ist.
Fazit: man sollte nichts von vornherein ablehnen (was einige Leute die ich kenne tun..leider) sondern das Beste für sich selbst rausfiltern.
Lesefreudige Grüße
Maria
Liebe Maria,
Du sagst es: Wenn wir uns das rausfiltern, was uns gut tut, dann können wir vom “Netz” richtig profitieren.
Schön, dass Du hierher gefunden hast.
Liebe Grüße,
Ulf