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Archive for Dezember 2010

Wegfahrsperre

31. Dezember 2010 4 Kommentare
Leben 667 – Silvester, Freitag, 31.12.10

Die Dinge sind immer zu etwas gut. Selbst wenn sie vermeintlich zu nichts gut sind. Meinte der Bodo, nachdem er mir seine Geschichte erzählt hatte. Neugierig gemacht hatte er mich mit der Frage: „Weißt Du, wozu Wegfahrsperren gut sind?“

„Na ja, damit niemand mein oder Dein Auto klaut, oder?“

Ein verschmitztes Lächeln flog auf Bodos Gesicht.

„Dann hör mal zu! Also, ich habe ja gerade Urlaub, und mein Nachbar, dessen Auto ist nicht angesprungen gestern. Weil, der fährt es auch viel zu wenig, und dann war es ja so kalt die Tage, kurz und gut, der hat bei mir geklingelt, ob ich ihm nicht Starthilfe geben könne.

Und weißt Du was, Starthilfe, das ist ja was für uns Männer, den bösen Mächten trotzen, Wind und Wetter, und überhaupt. Ich hole also meinen Kabelset, fahre mein Auto an seins heran, verbinde sorgfältig in der richtigen Reihenfolge die beiden Batterien, und schwuppdiwupp, das Auto von meinem Nachbarn läuft wieder! Er hat dann noch eine kleine Ausfahrt durch den Ort gemacht und gut war’s.“

Was das denn jetzt mit einer Wegfahrsperre zu tun habe, will ich von Bodo wissen.

„Warte ab. Er erzählte mir dann noch, dass er morgen früh, also heute,  in die Nachbarstadt will, und da stellen wir fest, dass ich auch dorthin will, und wir beschließen, gemeinsam zu fahren. Sicherheitshalber in meinem Auto.“

„Und?“ will ich wissen.

„Wir treffen uns vor dem Haus und ich frage ihn, ob wir, ja wir Männer, nich doch mit seinem Auto fahren wollen, denn wenn die Batterie heute gleich und sofort anspringt, dann springt sie auch später wieder an. Gesagt, getan, ein Startversuch, und seine Batterie zeigt sich einsatzfreudig.“

„Jetzt erzähl, was ist nun mit der Wegfahrsperre!“

„Mein Nachbar geht zu seinem Arzttermin und gibt mir seinen Autoschlüssel, damit ich zu meinem Ziel weiterfahren kann. So jetzt kannst Du es schon ahnen. Ich parke den Wagen von meinem Nachbarn, erledige meine Besorgungen, steige ein, und? Genau Batterie leer. Wie gestern. Nur diesmal nicht in unserer Straße, sondern in der Nachbarstadt. Ärgerlich, oder? Ich rufe meinen Nachbarn auf dem Handy an, wir diskutieren kurz, ob wir den ADAC rufen, aber dann mache ich den Vorschlag, mit dem Zug zurückzufahren und mein Auto samt Starthilfekabel zu holen. Schließlich sind wir doch, ja genau, Männer!“

„Du weißt, was ich fragen will, oder?“ werfe ich ein.

„Du pass mal auf, die Geschichte fängt jetzt erst richtig an: Ich habe noch 20 Minuten Wartezeit am Bahnhof, und dann wird mir auf einmal bewusst, dass ich seit Wochen und Monaten damit beschäftigt bin, mir Ziele zu setzen, Projekte zu definieren, mich täglich zu fragen,was ich heute für die Erreichung meiner Ziele getan habe, und dann stehe ich hier am Bahnhof, und mir wird bewusst, dass das alles bloß Teilziele sind, dass das eigentliche Ziel von mir noch nie so richtig angegangen wurde, weil es sich ja zwangsläufig aus den Teilzielen ergeben müsste, dachte ich bisher. Du, das hat sowas von Klick gemacht bei mir.“

„Was willst Du mir sagen?“

„Das war die wichtigste Wartezeit, die ich dieses Jahr verbracht habe. Diese 20 Minuten. Dass ich die Wartezeit genutzt habe, mir endlich über mein Ziel für 2011 noch klarer zu werden als bisher. Dass ich jetzt verstanden habe, dass ich täglich nicht nur über meine Teilziele und Projekte reflektieren muss, sondern ich täglich auch das große Ziel im Auge haben muss, dass ich mir ein Bild machen sollte, von dem was ich erreichen will. Und dieses Bild jeden Tag angucken.“

„Was ist denn Dein Ziel?“ will ich nun wissen.

„Das verrate ich Dir in ein paar Wochen. Aber ich habe beim Warten Fotos geschossen. Diese Fotos werden mich an dieses Ziel erinnern. Und sie werden mir immer wieder diesen Moment des Wartens auf den Zug, der Verinnerlichung des Ziels, zurückbringen. .“

„Okay, ich werde Dich daran erinnern, mir mehr zu erzählen. In ein paar Wochen. Wann auch immer das sein wird. Ach ja, und was hat das jetzt mit einer Wegfahrsperre zu tun?“

„Du hast es ja womöglich schon geahnt. Es war nicht die Batterie. Es war die blöde Wegfahrsperre vom Auto meines Nachbarn. Ich will gerade unsere Batterien miteinander verbinden, da fragt er mich, ob ich denn die Autotür mit dem Schlüssel oder elektronisch geöffnet habe. Und dann gucken wir uns schweigend an, erst betreten und dann lachen wir!“

„Gut dass es Wegfahrsperren gibt!“ sage ich. „Sie hindern uns, mit dem falschen Auto wegzufahren. Und sie öffnen uns manchmal den Blick für das Wesentliche! Auch wenn es über den Umweg vermeintlich unnötiger Wartezeiten ist.“


Ich wünsche auch Dir alles Gute für 20ELF und hoffe, dass Du wie Bodo Deine ganz persönlichen Gelegenheiten für die Gewinnung von Erkenntnissen hast. Es muss ja nicht immer eine Wegfahrsperre sein.

© Ulf Runge, 2010


Heldentat

28. Dezember 2010 2 Kommentare
Leben 666 – Dienstag, 28.12.10 

Er, sein Name soll nicht weiter interessieren, es gibt ja auch noch so etwas wie Privatsphäre, also er war bitterlich enttäuscht. Über 10 Jahre hatte er dazu gehört. Kein Foto, auf dem nicht auch er mit drauf gewesen wäre.

Über 10 Jahre lang war er da. Okay, er hatte nicht wirklich was geleistet in dieser Zeit. War einfach nur da. Bei einer Versicherung ist es doch aber auch nicht anders, oder? Die ist da. Tut nichts. Und wenn man sie braucht, ist sie zur Stelle. Hoffentlich.

Er war in der Tat zur Stelle gewesen. Nach über 10 Jahren war sein Augenblick gekommen. Er war der Held des Tages. Alle lobten ihn wegen seiner Topqualitäten, die er genau im entscheidenden Augenblick gezeigt hatte. Sie machten sogar Fotos von ihm. Exklusiv-Fotos. Ganz nah. Nur er!

Ach wie war er stolz!!! Es gab sogar eine Pressekonferenz und eine Extra-Sendung im Fernsehen. (s.u.)

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Die letzte Seite

28. Dezember 2010 8 Kommentare
Leben 665 – Dienstag, 28.12.10 

Harry las für sein Leben gerne Bücher. Dicke Bücher. Spannende Geschichten. Mit lebhaften Gestalten, deren Eigenleben in Harrys Vorstellungswelt mit fortschreitender Lektüre immer schillernder wurde.

Harry war ein Bücherwurm. Gab man ihm am Freitag Abend ein Buch, so konnte er sich bis zum Montag Morgen darin vergessen, um sich schließlich am ersten Arbeitstag der neuen Woche zu fragen, wo denn das Wochenende geblieben sei. Kurz bevor er seine Bürotür öffnete, legte sich noch einmal kurz ein verklärter Blick in sein Gesicht, um die Phantasien der vergangenen Stunden noch einmal im Zeitraffer revue passieren zu lassen.

Wie viele Dickebücherleser zollte auch Harry dem Letzteseitephänomen Tribut. Wohl wissend, dass er sich damit womöglich um die Spannung der letzten 300 Seiten bringen würde, gab es für ihn einen Moment, in dem es kein Halten gab. Einen Augenblick, in dem er nicht mehr Herr über seine Finger war, die verbotenerweise, schamhaft und schüchtern, ganz hinten in den Wälzer hineinfuhren und den völlig überraschten Harry aufforderten, doch mal eben die letzte Seite, wirklich nur die letzte Seite, nein, nicht zu lesen, nur zu überfliegen, nur mal kurz wissen wollen, wie es ausgeht, um dann auch gleich wieder zu vergessen. Ehrenwort.

Harry wollte das nicht. Aber immer wieder ging es ihm so. Wenn die Gestalten in seinem Kopf so lebhaft wurden wie bei einer Daily Soap, wenn er vom Beobachter zum Mitleider und Mitspieler wurde, dann kam irgendwann der Fasszumüberlaufenbringentropfen, der Reisssackinchinazumumfallenbringenschmetterlingsflügelschlag, der ihn, gleichsam von fremden Kräften geführt, zwanghaft dazu brachte, der Gewissheit der Ungewissheit ein Ende zu setzen.

Martin schrieb für sein Leben gerne Bücher. Dicke Bücher. Spannende Geschichten. Mit lebhaften Gestalten, deren Eigenleben in der Vorstellungswelt der Leser mit fortschreitender Lektüre immer schillernder wurde.

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U1 107

25. Dezember 2010 2 Kommentare
Leben 664 – Samstag, 25.12.10 

Da schicken wir Raumsonden ins All, auf dass unbekannte Planetenbevölkerungen auf uns und unsere Kultur aufmerksam mögen werden.

Und dann sind sie auf einmal unter uns. Programmieren die Geschwindkeitsmessgeräte einfach um. Statt 37 Kaemha zu messen oder 73 Stundenkilometer, lesen wir auf einmal:

U1

107

U2

140

u

55

Lo

Und weiter geht es bei

U1

107

Und so weiter. Und so fort.

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Zugbegleiteraugen

21. Dezember 2010 10 Kommentare
Leben 663 – Dienstag, 21.12.10  

Im Zug. Wir sind zu dritt. Habe eine Gruppenfahrkarte gelöst. Für 5 Personen.

Fahrkartenkontrolle. Ich zeige unsere Gruppenfahrkarte.

Wo denn die anderen 2 seien? Ich sehe in diesem Augenbick wohl ziemlich ratlos aus. Und lasse mich zur zeitgewinnenwollenden Frage „Welche anderen 2?“ hinreißen.

Der Zugbegleiter sieht mich ernst an. Er hat einen 40-Euro-Schwarzfahrererwischthabenderblick.

Ich versuche es mit Lustigsein. Vermutlich war ich selten dermaßen witzig, als ich jetzt meinem Gegenüber mit einem Lach-doch-Grinsen zurufe, wir hätten in der Tat versucht, noch zwei Mitreisende für dieses Ticket zu gewinnen, aber die seien bereits anderen Gruppenfahrkarten zugeteilt gewesen.

Wenn Blicke töten könnten, denke ich mir, dann hätte dieser Kontrolleur mich jetzt auf dem Gewissen.

Doch auf einmal wandelt sich seine Miene. Mit gönnerhaftem Ausdruck murmelt er „noch mal durchgehen lassen“.

„Au ja!“ sage ich erleichtert, „drücken Sie einfach beide Augen zu. Für jede fehlende Person eines!“

Eben noch mit dem Rücken zu Wand stehend bekommt mein Ego auf einmal Oberwasser: „Sie können froh sein, dass wir nicht zu zweit sind!“ sage ich zur zugbegleitenden Autoritätsperson.

Wie er das verstehen solle, will er wissen?!

„Ganz einfach, in diesem Fall müssten Sie ja drei Augen zudrücken!“

Er lächelt und trollt sich davon.

Zurück bleiben drei belustigte Fünfer-Gruppenfahrkarten-Gruppenmitglieder. Die aber doch ein bisschen verunsichert sind und noch einmal einen Blick auf die Fahrkarte werfen. Nein, da steht nichts von „mindestens 5“. Nur „5“.

© Ulf Runge, 2010

Lose Frage

17. Dezember 2010 8 Kommentare
Leben 662 – Samstag, 18.12.10 

Es kam gerade in den Nachrichten. Es sei Bombenalarm ausgelöst worden. Wegen einer herrenlosen Tasche.

Da stelle ich mir die Frage: Was soll ich tun, wenn ich eine damenlose Tasche sehe?

© Ulf Runge, 2010

 

EILMELDUNG: FRANK LAUFENBERG ON AIR – NOCH HEUTE

17. Dezember 2010 4 Kommentare

Aus wohlunterrichteten Kreisen habe ich erfahren, doch mal hier zu klicken:

Und heute ab 19:00 Uhr hier zu hören.

Ob ich das selber heute zeitlich hinbekomme, weiß ich noch nicht.

Ich wünschen allen viel Spaß, die in den Genuss dieser Erstsendung bei coolradio kommen!

© Ulf Runge

Kategorien:Leben

Live-Backen

14. Dezember 2010 20 Kommentare
Leben 661 – Dienstag, 14.12.10

14.12.2010 22:53

Live-Schreiben habe ich ja schon gemacht. Einfach drauf los geschrieben. Ohne Sinn und Ziel. In Abwandlung eines meiner Lieblingssprüche: Der Unsinn ist der Weg. (frei nach „Der Weg ist das Ziel“).

Aber, was passiert hier jetzt beim Live-Backen?

Ich fange an einen Kuchen zu backen. Einen meiner inzwischen berühmt berüchtigten „Käsekuchen“. Warum jetzt und heute? Weil ich den für morgen Abend „versprochen“ habe. Will sagen, morgen Abend gehen die Kuchenstücke gegen eine freiwillige Spende zugunsten von NITYA SEVA an ihre Frau (0 Anmeldungen bisher) und ihren Mann (22 Anmeldungen aktuell). Ich kann nicht glauben, dass der Frauenanteil am Thema liegt (Vom Cloud Computing zur Cloud Company)…

Egal, ich hole jetzt mal das Rezept…

14.12.2010 23:01

Das Rezept ist gefunden, der Handmixer vorbereitet, die Rührschüssel steht auf dem Tisch, die Zutaten sind ebenfalls bereit gelegt:

250g Butter

Zucker, da werde ich gleich 250g abwiegen

3 Bio-Eier

2 Päckchen Vanille-Puddingpulver

Backpulver, da werde ich einen Teelöffel von brauchen

1kg 20%igen Quark

der Saft einer Zitrone

kleingeschnitte Cranberries nach Belieben

14.12.2010 23:14

Ich heize den Backofen auf. 170° Celsius, Umluft.

Butter, Zucker und Eier wandern in die Schüssel.

Ja, natürlich, da hat was noch gefehlt.

Die Kuchenform. Den Boden der selbigen fette ich schon einmal mit dem Butterpapier etwas ein.

Rühren.

14.12.2010 23:23

Puddingpulver. Backpulver.

Rühren.

14.12.2010 23:30

Quark ran.

Rühren.

14.12.2010 23:36

Frisch gepressten Zitronensaft dazu.

Und Cranberries nach Belieben. Klein schneiden!

Rühren.

14.12.2010 23:43

Kuchenform großzügig mit Butter fetten.

Tipp: Finger anschließend nicht abwaschen, sondern das Fett mit einem Küchenkrepp loswerden.

Den Teig noch mal kurz aufrühren.

Und dann ab in die Form.

Und rein in den Ofen!

Wecker gestellt. Auf 45 Minuten.

Und jetzt die Küche geputzt.

Bin zurück in 45 Minuten…

45 Minuten später.

Kuchen kurz rausgenommen.

Tipp: Jetzt Alufolie drüber.

Weitere 5 Minuten bei 170 Umluft backen.

Nach 5 Minuten Ofen ausschalten.

Nach weiteren 5 Minuten Ofentür leicht kippen. Kuchen drin lassen.

Nach weiteren 5 Minuten Kuchen herausnehmen. Alu noch drum rum lassen.

Nach weiteren 5 Minuten Alu weg. Staunen! Begeistert sein!

Ferrrtisch!

© Ulf Runge, 2010

… wo ich gerne lese – 06.12.2010

6. Dezember 2010 Kommentare aus

… wo ich gerne lese: hier

Kategorien:Leben

Eine Antwort

6. Dezember 2010 20 Kommentare

Leben 660 – Montag, 06.12.10


 

Ändere dein Bewusstsein, und


du wirst die Welt verändern


Fritjof Capra


Mit geht es gut. Ich bin dankbar, sehr dankbar, in Friedenszeiten leben zu dürfen und nie wirklich Hunger geschoben zu haben.

Natürlich habe ich auch persönliche Krisen erlebt, und mich immer wieder aufgerappelt. Oft genug mit Hilfe lieber Mitmenschen.

Nicht mehr der Jüngste, lerne ich täglich, wie sehr ich, der die Dinge eigentlich immer hinterfragt hat, selbst heute noch Gefangener bin von Glaubenssätzen, die man mir „gut gemeint“ vermittelt hat. Die aber nicht unbedingt meine eigenen sind.

Ich lerne von Tag zu Tag mehr, dass wir zwar alle die gleichen Sinnes- und Denkorgane haben, aber bei weitem nicht dieselbe Wirklichkeit teilen. Das ist keine wirklich neue Erkenntnis, ich weiß.

Das Spannende allerdings ist, dass auch ich mit meinen Augen und Ohren, mit meiner Nase und Zunge sowie meinen Fingern zwar nur eine einzige Wirklichkeit spüren kann, mit meinem Gefühl und mit meinem Hirn mir aber unterschiedliche Welten daraus bauen kann. Böse Welten, gute Welten. Hässliche und schöne.

Weiterlesen…

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