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Archive for Juni 2010

Sommer-Locken

27. Juni 2010 23 Kommentare
Leben 593 – Sonntag, 27.06.10

Andrea hat hier die Idee von Doris aufgegriffen, eine Sommer-Blog-Parade zum Thema Sommerhits zu gestalten. Dazu nun hier mein Beitrag:

Für Hausfrau Hanna, die sich bei Andrea als „schwedensüchtig“ geoutet (aua, Herr Duden, bitte nicht schlagen) hat und für alle anderen Schwedenfans hier zum Mit-Karaoken: Sommartider .

Mein Lieblingssommer-„Hit“ wurde allerdings von George Gershwin geschrieben, hier interpretiert von Charly Parker: .

Und angesichts der Fußball-WM noch eine Hommage an Südafrika und seine Rhythmen: .

Weiterhin fröhliches Sommer-Locken!

© Ulf Runge, 2010



Spaziergang

26. Juni 2010 4 Kommentare
Leben 592 – Samstag, 26.06.10



Einen Tag ungestört in Muße
zu verleben heißt, einen Tag
lang ein Unsterblicher zu sein

Sprichwort aus Asien


Jetzt war ich nur eine Stunde spazieren,
und es ist mir, als wäre ich für sechzig Minuten entrückt gewesen,
entrückt der Zeit, dem Tempo, der Zielgerichtetheit.

Wie wahr! Wie muss sich da erst ein ganzer Tag anfühlen,
an dem das Verweilen im Hier und Jetzt das „Ziel“ ist,
an dem das einzige Vehikel zur Fortbewegung die Gedanken sind.

© Ulf Runge, 2010

Ich bedanke mich beim Bellaprint-Verlag , Hinterbrühl, Österreich, für die freundliche Genehmigung, den Sinnspruch des Original-Leitspruch-Wochenkalenders als Thema für Beiträge in meinem Blog verwenden zu dürfen. Der Original-Leitspruch-Kalender wird in Deutschland vertrieben von der Impuls-Kalender GmbH.

Burgerliches

26. Juni 2010 8 Kommentare
Leben 591 – Samstag, 26.06.10

Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten

"Der Ball ist rund" - Sepp Herberger

1954 wird Ulf Runge geboren. Kurz darauf wird Deutschland…

…Weltmeister!

1974 lernt Ulf Runge auf einer Gitarre zu klampfen. Kurz darauf wird Deutschland…

…Weltmeister!

1990 lernt Ulf Runge auf einer Klarinette (das ist eine Vuvuzela für Beidhänder) Tonleitern zu spielen. Kurz darauf wird Deutschland…

…Weltmeister!

2010 trommelt Ulf Runge zum ersten Mal (mit mehreren hundert Gleichgetakteten) auf einer (afrikanischen!!!) Djembe. Den Rest kannst Du Dir ja vorstellen…

© Ulf Runge, 2010

Ich danke allen seit 1954 gegessenen Burgern für die schöne Inspiration durch die aktuelle McDonalds-Werbung. Und ich danke Mo, doch bitteschön auch mal meine WM-Begeisterung zu outen.

Ruf-Taxi

24. Juni 2010 18 Kommentare
Leben 590 – Donnerstag, 24.06.10


Selten, dass ich um diese Zeit hier unterwegs bin. Noch dazu ohne Auto.

Ein Bus fährt hier nur im Berufsverkehr, ansonsten zu jeder Stunde ein Ruf-Taxi, ein Taxi, das man eine halbe Stunde vorher bestellen muss und bei dem man nur den Bus-Tarif bezahlt.

An der Haltestelle hängt die Nummer vom Taxi-Unternehmen aus, ich wähle sie mit meinem Handy, die Dame am anderen Ende notiert und bestätigt meinen Beförderungswunsch und dann will sie noch wissen, ob ich denn auch zahle. Hätte mich schon interessiert, wenn ich da mit „Nein“ geantwortet hätte.

Ich habe noch eine Dreiviertelstunde Zeit, setze mich hin, beobachte die Menschen, die kommen und gehen, die das Gebäude auf einen Spaziergang durch das einladenden Grün verlassen, und die Raucher, die eine qualmende Luftwand vor dem Eingang produzieren.

Ob das Ruf-Taxi wohl von hier losfährt? Ich bemerke, dass ein Wagen des Taxi-Unternehmens direkt neben der Haltestelle geparkt ist. Kurz darauf schließt eine Dame den Wagen auf, lässt einen Herrn auf der Beifahrerseite einsteigen und dann will sie auch schon losfahren, was ich hände- und armegestikulierend gerade noch verhindern kann.

Nein, sie sei nicht das Ruf-Taxi, sie sei ein Krankentransport.

Aha. Denke ich. Aber besser einmal zu viel fragen, als einmal zu wenig.

Fünf Minuten über der erwarteten Zeit drücke ich die Wiederwahltaste, will meinen Beförderungswunsch reklamieren. Als ein Taxi um die Ecke biegt, mein Taxi?

„Sind Sie das Ruf-Taxi?“ frage ich erneut, diesmal ist ein Herr am Lenker.

Nein, er sei nicht das Ruf-Taxi! Er sei der Fahrer des Ruf-Taxis. Dabei grinst er fettfrech nach innen, während ich in sein freundlich-ernstes Antlitz schaue.

„Das mir!“ sage ich zu ihm, „wo ich doch selber sehr viel Wert auf sprachliche Präzision lege!“

Das passiere ihm fast täglich und es ärgere ihn auch ein wenig und so habe er sich angewöhnt, erst einmal mit seiner verneinenden Antwort für das Einsetzen eines hilfreichen Denkprozesses bei seinen Fahrgästen zu sorgen.

Wir lachen, unterhalten uns noch prächtig übers Schreiben und stellen fest, dass wir über noch mehr Themen wahrscheinlich stundenlang hätten reden können. Und wir bedauern, dass die kurzweilige Fahrt nun doch sehr schnell zu Ende sei.

Ich grüße alle Taxi-Chauffeure dieser Welt, die immer wieder gefragt werden, ob sie das Taxi respective das Ruf-Taxi seien. Und ich grüße alle Restaurant-Kunden dieser Welt, die immer wieder gerne sagen: „Ja, das Schnitzel, das bin ich!“

© Ulf Runge, 2010

Wiedergeboren

24. Juni 2010 6 Kommentare
Leben 589 – Donnerstag, 24.06.10

All-erster Blick und erster Gedanke,
erstes Gefühl, und das heißet „Danke!“
Der erste bewusste Einatmenzug,
das wär‘ mir zum Leben fast schon genug.

Wiedergeboren und wiedererwacht,
aus ganz tiefem Schlaf, und nach sehr langer Nacht,
erhofft, nicht gewusst, und dann doch eingetreten,
manchmal hilft nichts, und bisweilen hilft beten.

Dein erstes Lächeln verzaubert die Welt,
beim Wiederdasein denkst Du nicht erst ans Geld,
Du spürest das Leben tief in Dir drin,
einfach nach Sein nur ist Dir’s grad im Sinn.

Doch dann kommt zurück das Gestern und Morgen,
die Fehler, der Alltag, das Leid und die Sorgen,

Und schnell, viel zu schnell, ist verflogen der Zauber,
Der Tag, eben jung noch und rein nur und sauber,
der welket dahin, will erledigt nur sein,
was eben noch groß schien, wird hässlich und klein,

und Du hoffst nun auf Morgen, auf ein nächstes Erwachen,
auf noch ´ne Geburt, um’s anders zu machen.
Man möge Dir nochmal ein Morgen geben!
Warum denn ein Morgen? JETZT ist Dein Leben!

© Ulf Runge, 2010

The good, the bad and the ugly

14. Juni 2010 7 Kommentare
Leben 588 – Montag, 15.06.10

Hugo schreibt wieder. Zuerst möchte er auf einen Kommentar eingehen, dessen Veröffentlichung Hugo nicht zulassen wird. Eigentlich auf zwei. Die er nicht zulassen wird. Und Hugo hat absolut keine Ahnung, ob der zweite unveröffentlichte etwas mit dem ersten zu tun hat.

Aber langsam.

Es gibt ja jede Menge Spam. Spam, der alleine aufgrund seiner äußeren Form, etwa http://www.cbvwzt2hhg.com als solcher erkannt wird. Wie, ist für Hugo schleierhaft, aber auch egal.

Dann wiederum ereilt den Hugo ein Kommentar, der ihn mächtig bauchpinselt: „Klasse, regt wirklich zum Nachdenken an.“ Den Hugo allerdings auch nicht akzeptiert, als er merkt, dass der Link, den der Kommentator hinterlässt, ein kommerzieller ist.

Hugo entscheidet sich – bis heute – erst einmal nicht gegen diesen Kommentar. Aber auch nicht für ihn. So bleibt selbiger bis auf weiteres „unerledigt“. Hugo meint, dass, wer keinen privaten Internetauftritt hat, der muss doch nicht seine kommerzielle Seite hier verlinken, oder? Wobei der Hugo sich natürlich ein weiteres Mal gebauchpinselt fühlt, wenn jemand meint, er könne mit Werbung auf Hugos Blog seinen Umsatz erhöhen.

Dann aber kommt es dicke. Nein, dicker! Schreibt da doch jemand, eine Frau oder ein Herr aus dem Ruhrgebiet vermutlich, Alpinski mit Namen, wörtlich – ich zitiere unzensiert: „nach welchen Kriterien werden Kommentare veröffentlicht? Werden alle Kommentare veröffentlicht oder gibt es eine Zensur???“

Lach. Ja natürlich. Es gibt eine Zensur. Spams fliegen raus. Und Unflätiges auch.

Alles andere kommt zu Wort.

Und dann frage ich mich: Hätte ich überhaupt hierüber schreiben sollen? Oder schweigen? Verschweigen.

Nein, sagt sich Hugo. Manchmal ist sogar der Umstand, dass man wehrhaft dem Bösen gegenübertritt, eine gute Botschaft, ein guter Gedanke. Das Böse kann man nicht wegbomben, wegdiskutieren, wegschweigen. Das Böse will „behandelt“ werden, dazu ist da. Es hat seinen Sinn, das Böse. Es will uns sicherer machen für das Gute, das Richtige, das Wichtige.

© Ulf Runge, 2010

Militaria 2

4. Juni 2010 2 Kommentare
Leben 587 – Freitag, 04.06.10

Wer Militaria 1 schreibt, der muss auch 2 schreiben, oder? Hier also das nächste Stück aus einer Serie, die eigentlich keiner will, oder?

Hugo hat einen Brief zu verschicken. Hugo braucht deshalb eine Briefmarke. Hat aber keine mehr. Hugo geht zur Post gegenüber. Hugo schickt immer Sonderbriefmarken, weil die schöner sind. Mittelrheintal. Vier Jahreszeiten. Kosten nichts extra, diese Sonderbriefmarken und sind einfach nur schön.

„Wollen Sie Selbstklebende?“ fragt der Mann am Postschalter, der heute immer noch fragt, ob man nicht ein Konto bei ihm eröffnen möchte, wobei Hugo dann immer sagt, er arbeite selber bei einer Bank. Manchmal hat der Mann am Postschalter auch gefragt, ob man sich denn nicht mal versicherungstechnisch beraten lassen möchte. Glücksspiel hat man ihm schon lange nicht mehr angeboten, erinnert sich Hugo, da habe er immer geantwortet, mit Glück spiele man nicht. Und fett gegrinst.

„Hallo, wollen Sie Selbstklebende?“ wiederholt der Mann am Schalter seine Frage an den vor sich hin träumenden Hugo. „Ja, Selbstklebende! Die finde ich ganz praktisch. Was haben Sie denn für ein Motiv?“ „Hermann, der Cherusker, ist drau abgebildet. Und sein Denkmal, das Herrmannsdenkal im Teutoburger Wald!“ Hugo betrachtet die patinagrüne Briefmarke und findet Gefallen an ihr. Kauft den 20er-Block.

Hugo entnimmt eine Marke dem soeben erworbenen Selbstklebende-Sondermarken-Heft, klebt sie auf den Brief und wirft selbigen in den Briefkasten, der noch heutige Leerung verspricht.

Als Hugo die restlichen 19 Briefmarken im Schreibtisch versorgen will, betrachtet er die Marken der kommenden Tage, Wochen, Monate, weil, soviel Briefe schreibt der Hugo nicht wirklich, ja vielleicht Jahre, liest die Schrift auf der Marke: „2000 Jahre Varusschlacht“.

Schlacht. Schlachtplatte. Abschlachten. Schlachtvieh. Schlächter haben wir früher zu dem gesagt, den wir heute Metzger nennen. Schlachthaus.

Varusschlacht. 333 bei Issos Keilerei. Völkerschlacht. Stalingrad. Im Westen nichts Neues.

Hugo verschickt ab sofort selbstklebenden Varusschlachtbriefmarken. An 19 Menschen, die bei der Krankenkasse arbeiten. Bei der Versicherung. Beim Theater. Die Geburtstag haben. Denen er sein Beileid bekunden will. Denen er zur Taufe gratuliert.

Hugo weiß noch nicht, was er mit den 19 Marken machen wird. Vielleicht hebt er sie auf, bis sie mal so viel Wert sind, wie die Blaue Mauritius. Dann wird es sie nicht mehr verschicken müssen.

© Ulf Runge, 2010

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