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Archive for Dezember 2009

Klingelingeling

31. Dezember 2009 6 Kommentare
Leben 540 – Donnerstag, 31.12.09

Wer bloggt, der möchte schreiben. Der muss schreiben. Dazu muss man allerdings was zum Schreiben haben. Nicht jeden Tag hat man was zum Schreiben. (Du merkst, heute habe ich nichts zum Schreiben.)

Es ist nicht jeden Tag so, etwa wie gestern, dass man voller Hochspannung satellitengenau auf sein Dingenskirchen wartet, um dann zu erfahren, dass es sich nur um Kekse gehandelt hat, die hochpräzise „ausgerollt“ wurden. Um dann ein ganz schlechtes Gewissen zu bekommen, wenn man erfährt, dass der soeben gegessene Keks eigentlich jemand anderers Wasserkocher ist.

Nein, nicht jeden Tag hat das Schicksal so eine Story auf Lager. Eine Story, die einem die fehlende Phantasie durch skurrile Wirklichkeit ersetzt. Die man nur noch in Worte fassen muss.

Heute ist nicht so ein Tag. Nichts passiert. Oder findet Gnade vor dem Auswahlprozess des Schreiberlings.

Es klingelt. Nein, nicht an der Haustür. Die bringen mein Dingenskirchen heute noch nicht.

Es ist das Telefon. Am Apparat mein Kunde-wirbt-Kunde-Werber. Ihn habe ich gestern Abend nicht mehr persönlich erreicht. Nur um Rückruf gebeten. Was er hiermit nun tut.

Er will mir was erzählen, doch ich bremse ihn. Erst müsse ich ihm etwas zum Besten geben. Und erzähle ihm die Story des gestrigen Tages.

Lachen am anderen Ende als ich fertig bin. Dass wäre doch nicht so schlimm, wenn ich jetzt seine Kekse esse. Aber nun müsse er mir jetzt auch was erzählen.

Gestern Abend habe es bei ihm an der Haustür geklingelt. Ob er der sei, der an der Klingel stehe, sei er gefragt worden. Das habe er natürlich bejaht, und dann habe ihm der des Klingellesens mächtige Mensch ein Paket in die Hand gedrückt.

Er habe es mit in die Wohnung genommen. Und dann gar nicht weiter aufgemacht, weil er durch ein Telefonat gestört worden sei. Jetzt gerade, nachdem er zum zweiten Mal drüber gestolpert sei, habe er das Paket endlich geöffnet. Und deshalb rufe er nun an. Weil, er habe gar nicht mehr daran gedacht, dass wir seinerzeit darüber gesprochen hätten, genau, in dem Paket sei jetzt der besagte Wasserkocher!

„?!§$%&()@€#+*“ geht es mir durch den Kopf!

Okay. Also der Kunde-wirbt-Kunde-Werber bekommt doch sein Werbegeschenk. Ich bekomme hoffentlich demnächst mein Dingenskirchen. Und dann bliebe nur zu klären, warum ich satellitengenaue Kekse bekommen habe. Die Erklärung hatte ich ja schon gestern parat, aber aus unerfindlichen Gründen war ich dann doch zu unrecht unsicher geworden: „Das bekommen alle Neukunden!“ Sag ich mal so…

© Ulf Runge, 2009

Satellitengenaue Ausrollung

29. Dezember 2009 4 Kommentare
Leben 539 – Dienstag, 29.12.09

Hurra, hurra, das bestellte Dingenskirchen ist unterwegs! Das sagt zumindest die Betreffzeile der E-Mail von dem Versandhaus, bei dem ich erstmalig bestellt habe! Das ging aber fix, sage ich mal. Über Weihnachten habe ich die Bestellung veranlasst, gestern muss sie wohl bearbeitet worden sein und heute schon habe ich eine entsprechende E-Mail in meinem Posteingang.

Ich clicke rein. Ich könne jetzt unten genanntem Link folgend immer auf dem neuesten Stand sein, wo und wohin gerade die  Ware vom Spediteur transportiert werde. Spannend! Ich clicke auf selbigen Link, um nun zu erfahren, dass schon drei Dinge passiert sind: Gestern um 15:43 Uhr „Einrollung“ in M., heute früh um 05:18 Uhr „Eingang“ in W., und schon um 05:58 Uhr „Ausrollung“ in W.

Das heißt, das Dingenskirchen kommt heute noch! Klasse!

Das ganze Hochgefühl steigert sich, als mit der Briefpost am Mittag zusätzlich noch ein Päckchen vom Versandhaus kommt, in dem sich eine Dose Kekse befindet. „Das erhalten bestimmt alle Neukunden“, sage ich allwissend den fragenden Augen um mich herum.

Im Laufe des Nachmittags erhebt sich ein übler Verdacht: Es könnten die Kekse sein, die da „eingerollt“, „eingegangen“ und „ausgerollt“ worden sein. Und gar nicht unser Dingenskirchen.

Ich fange an zu lesen. Das hat sich immer wieder bewährt und tut es auch diesmal. Also die Ware kommt mit einem separaten Spediteur, der wohl ungenannt bleiben will, ebenso das Lieferdatum, dass sich irgendwo in den nächsten sieben Tagen befinden soll. Und ob sich diese Lieferung ebenso wird verfolgen lassen wie die Lieferung der Kekse, wird abzuwarten sein.

Und die Kekse sind ein Ersatz für den Wasserkocher, den es nicht mehr gebe, da die Kunde-wirbt-Kunde-Aktion vorbei sei. Und damit gehören die Kekse, ja, wir haben die Dose kostenderweise schon einmal geöffnet, die Kekse also gehören gar nicht mir, sondern meinem Kunde-wirbt-Kunde-Werber. Au backe!

Nun, der „Schaden“ ist noch übersichtlich und wird zu verargumentieren sein.

Aber wann erlebt man denn auch schon mal, dass einem Kekse sozusagen satellitengenau zugestellt werden?

Und das Dingenskirchen ist nächste Woche auch noch willkommen…

© Ulf Runge, 2009

Der Anruf

27. Dezember 2009 6 Kommentare
Leben 538 – Sonntag, 27.12.09

Beim gemeinsamen Nachmittagskaffee entsteht die Idee, jemand Bestimmtes anzurufen.

Es entsteht der Einwand, angesichts der Mitteilsamkeit der anzurufenden Person könne es darüber draußen leicht dunkel werden.

Ich schlage vor, mit dem Anruf doch zu warten, bis es Abend ist.

© Ulf Runge, 2009

Wieder einmal im Amo-Koma

27. Dezember 2009 4 Kommentare
Leben 537 – Sonntag, 27.12.09

Die Party ist vorbei. Wobei noch Hoffnung auf Zugabe besteht. So bleiben die Lichter im Saal weiterhin gedämpft. Als ich von hinten umarmt werde…

Einer der schönsten Events des Jahres liegt fast hinter mir. Amokoma im Rex. So gut wie im vergangenen Jahr. Mindestens. Sie sind sich treu geblieben. Spielen Bewährtes. „Friday Night.“ Auch Gerd Hofmann an den Keys darf wieder Werbung machen für sein Gorxheimer Tal und statt George Michael selber „Outside“ singen. Traumhaft auch wieder einmal die Black Eyed Peys Nummer „Where is the love“. Und gegen Ende einer der absoluten Höhepunkte: Das Earth, Wind & Fire Medley. Klasse Instrumentalisten. Aber eben auch starke, sehr starke Vokalisten. Wer mehr über sie lesen, hören und sehen möchte, geht auf ihre Homepage.

Ich müsse jetzt auf die Bühne. Genauer: Wir beide müssten jetzt auf die Bühne. Ich schaue ihn fassungslos an. Er insistiert weiter: Ob ich die drei Fragezeichen kennen würde. Nun, ich will ihm klar machen, dass ich dafür nicht ganz der Jahrgang bin, erkläre ihm aber, dass die drei Fragezeichen meiner Meinung Geschwister von TKKG sein müssten.

Ein geiles Konzert geht zu Ende, wartet auf seine Zugabe. Amokoma waren wieder einmal sehen- und hörenswert. Diesmal gab es ein Highlight, von dem ich vermute, dass ich in ein paar Jahren sagen werde, dass ich diesen Weltstar vor einigen Jahren im Rex das erste Mal erlebt haben durfte. Eine vermutlich hübsch anzusehende junge Frau, die ihr vermutlich wallendes Haar unter einem Stirnband bändigt, die ihr weibliches Äußeres minimalistisch unter einer hochgeknöpften Bluse versteckt, ein gigantisches Gesangtalent, das nur mit seiner Stimme und Gestik prätentiös wahrgenommen werden will, steht auf einmal auf der Bühne und sing Pink. Ist Pink. Eine röhrende Stimme, als sei der große Star persönlich da vorne. Noch mehr aber beeindruckt die junge Künstlerin namens Amalie oder Amelie Sista, Sesta, Sester wie auch immer, mit dem Whitney Houston Titel „Step by step“, wobei sie mich in diesem Augenblick glauben macht, das Original sei von Tina Turner und das Original sei sie selber!!!

Während ich die Situation mit dem Auf-die-Bühne-gehen noch nicht so recht kapiere, mich fast schon in mein „Schicksal“ füge, nun für einen Gag nach oben zu dürfen-müssen, fällt meinem Gegenüber sein Gebiss aus dem Mund. Dafür ist er allerdings zu jung, so dass es bei einer Fast-Ver-Aus-Renkung seines Unterkiefers bleibt. Ob ich etwa einen Blog betreibe, will er wissen. Ich denke mir, was das bitte mit unseren Auftritt auf der Bühne zu tun haben könne, antworte mir selber „Nichts!“ und antworte ihm wahrheitsgemäß: „Ja“. Will sagen, ja, ich betreibe einen Blog. Für mich aufgrund der Dunkelheit nicht erkennbare Röte steigt in sein Gesicht, er meint, wir würden uns kennen, beschreibt mir den präzise Zeitpunkt, Ort und Anlass unseres seinerzeitigen Kennenlernens, ja, er würde immer wieder gerne in meinem Blog lesen, und das mit dem Auf-die-Bühne-gehen, dass sei so ein Spaß von ihm gewesen, den er mit einem „wildfremden“ Opfer mal ausprobieren wollte. Und dass er gerade jetzt an mich geraten sei, also, das sei ihm peinlich. Wir lachen.

Die Zugabe kommt. Sie endet wunderwunderschön mit einer der schönsten Balladen, die uns die Commodores, sprich Lionel Richie, beschert haben: „Feelin‘ like Sunday mornin‘“…

Amokoma ist einfach riesig. Wegen der erstklassigen Instrumentalisten, den außergewöhnlichen Vokalisten, dem genialen Sound, dem ansteckenden Rhythmus, vor allem aber wegen der Freude, der Spielfreude, der Authentizität…

Es waren zwei bezaubernde Kids, die statt meiner auf der Bühne sein durften. Und mit den Großen singen und swingen. Die beiden werden davon hoffentlich noch lange schwärmen…

© Ulf Runge, 2009

Gegen Tierversuche

Leben 536 – Samstag, 26.12.09

Auf die Frage, ob ich denn nicht diese erstklassige, höchst empfehlenswerte Substanz voller Mineralien und stabilisierender – wobei, ab dieser Stelle habe ich nicht mehr konzentiert zugehört -, ob ich denn also diese Substanz nicht noch sozusagen als krönenden Abschluss auf meine Haare haben wolle, ja da habe ich freundlich und liebenswürdig, aber bestimmt mit „Nein!“ geantwortet.

Um zu ergänzen, dass ich der Meinung sei, das müsse von innen heraus kommen, etwa durch Ernährung. Das sei meine ganz private Meinung. Das solle sie bitte auch nicht persönlich nehmen, wenn ich das Zeugs nicht auf meinem Kopf haben wolle.

Sie macht einen letzten, löblichen Versuch: Die Substanz sei auch nicht an Tieren getestet.

Wow, das finde ich gut, das sage ich ihr auch, dass ich das gut finde, dass man das nicht an Tieren teste. Sie erkennt meine unveränderte Ablehnung, lächelnd trotzdem freundlich, greift zum Fön, und mein Murmeln, dass das ja nun an Menschen auch nicht getestet werden müsse, dieses Murmeln dringt leider nicht zu ihr durch…

© Ulf Runge, 2009

Vom Schenken, Danken und Überraschen

24. Dezember 2009 7 Kommentare
Leben 535 – Donnerstag, 24.12.09

Irgend jemand Liebes musste ihm das kleine Päckchen vor die Wohnungstür gelegt haben. Weihnachtlich verpackt. Nur sein Name stand drauf. Sonst nix. Kein Absender. Keine Grüße. Kein anderes Indiz, woher es sein könnte.

Obwohl, wenn er es recht überlegte, kam nur eine Person in Frage. Er könnte jetzt, zwei Tage vor Heiligabend natürlich das Geschenk auspacken, dann wäre er ganz SICHER. Aber er WUSSTE auch so, wer ihn da bedacht hatte.

Ohne lange zu fackeln, griff er zum Telefon, und rief Harry an. Niemand da. Nur der Anrufknecht meldete sich nach paar Mal Klingeln, spulte das volle Programm ab und gab endlich kurz vor dem sehnlich erwarteten Pieps auf: „Hallo Harry, hier Tim, ich finde es riesig von Dir, dass Du extra bei mir vorbei bist, um mir diese Riesenfreude zu bereiten. Schade, dass ich Dich jetzt nicht erreiche. Ich versuche es die Tage noch einmal. Dir auch ein frohes Fest und nen guten Rutsch!“

Tim bedauerte, dass Harry ihn und er wiederum selbigen verfehlt hatte. Er nahm das immer noch schön verpackte Etwas und legte es – eine tiefe Ungeduld in sich spürend – zu den anderen bereits eingetroffenen Weihnachtsgrüßen.

Nun, die zwei Tage bis Heilig Abend gingen dann doch recht schnell rum und Tim hatte Harrys Päckchen fast schon vergessen. Natürlich fiel sein Blick immer wieder auf das hübsch verpackte Präsent, aber im Weihnachts-Einkaufs-Finale hatte er sich keine Gedanken mehr gemacht, was denn da Schönes drin sein könnte. Obwohl er es ja WUSSTE…

Und jetzt, da die Kerzen nun brannten, weihnachtliche Düfte durch den Raum krochen und festliche Musik den Äther fest im Griff hatte, da war es Tim eine Riesenfreude, vorsichtig an den Bändern zu zupfen, sie ohne eine Schere zu öffnen, mit behutsamen Fingernägeln den Tesafilm zu lockern und ohne einen Riss das Geschenkpapier zu lösen. Ja, natürlich eine CD, mit ihr hatte er fest gerechnet, DIE CD, die von ihrem Live-Auftritt, das hatte Harry ja versprochen, dass er die bis Weihnachten fertig machen wolle. Und nun endlich lag sie vor ihm -nein, nein, nein, nicht wirklich, was war das denn, und Tim traute seinen Augen nicht, das war ja gar nicht von Harry und ihm und ihrem Live-Auftritt. Stattdessen las Tim: „Bernd liest seine Lieblingsgedichte.“

Tim traute seinen Augen nicht. Das war absolut nicht von Harry! Es war Bernd, der ihm eine Freude machen wollte, und Tim war total baff. Dass der Bernd ne gute Stimme hat, und dass er gerne Gedichte vorträgt und immer ein passendes Zitat auf den Lippen hat, okay, das war Tim schon bekannt. Aber die Idee, jetzt mal ein eigenes Hörbuch zu produzieren und zu Weihnachten an seine Freunde zu verschenken, die fand Tim schon genial.

Bei Bernd würde er sich morgen bedanken, klaro, und die CD würde er sich gleich noch reinziehen. Nur, wie kam er jetzt aus der Nummer mit Harry wieder heraus? Hatte er sich doch bei ihm für etwas bedankt, was dieser ihm gar nicht geschenkt hatte. Peinlich, peinlich, dachte sich Tim, als es an der Wohnungstür klingelte.

„Aber Harry, was machst Du denn hier?“ fuhr es Tim heraus, als er seinem unerwarteten Besuch öffnete. „Du Filou!“ entgegnete dieser, „das ja war schon ein Wink mit dem Zaunpfahl, bei mir anzurufen, und Dich für mein angebliches Geschenk zu bedanken! Rat mal, was ich die letzten zwei Tage gemacht habe. Kommst Du nie drauf. Jetzt guck nicht so, als ob Du nur bis zwei zählen kannst. Also…“ und damit zauberte er aus seiner Jackentasche ein CD-großes Etwas hervor, „hier ist sie: UNSERE CD! Unser Live-Auftritt beim Herbst-Festival!“

© Ulf Runge, 2009

P.S.: Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern das, was sie sich unter einem erbaulichen Weihnachtsfest vorstellen. Ich wünsche Zeit zur Muße und Reflexion, ich wünsche  Freude und Zufriedenheit, ich wünsche Dankbarkeit und Angenommensein.

Ich danke meinen Leserinnen und Lesern für das Immerwiedervorbeikommen. Für das interessierte, engagierte, wohlwollende, stets wertschätzende Kommentieren.

Ganz einfach

20. Dezember 2009 8 Kommentare
Leben 534 – Sonntag, 20.12.09

Also, Internetauktion ist ganz einfach. Du meldest Dich an bei dem Versteigerungsportal, hinterlegst Deine Bankverbindung und so, machst ein Foto von dem Dingens, was Du los werden möchtest, legst einen Preis fest, was das dann so kosten soll, sagst, wann Schluss ist. Und hoffst.

Ich will nicht länger langweilen, am Ende war’s der doppelte Betrag von dem, was wir als Anfangsgebot eingestellt hatten. Wenige Tage später war das Geld auf dem Konto, und auch ein Versandkarton war schnell gefunden.

Nun muss man wissen, dass man beim Einstellen des Angebotes auch gleich die Versandart festlegt. Und das war bei mir ein ganz bestimmter Spediteur, wobei man das Porto dann online bezahlt. Da hatte ich mir nicht weiter viel Gedanken gemacht, als ich das festgelegt hatte; es war einfach das günstigste Angebot.

Okay. Geld ist da. Paket ist fertig. Jetzt nur noch die Online-Frankierung erledigen.

Der Online-Auktionär leitet mich zum Spediteur weiter. 10-Kilo-Paket für Fünf-neunzig wähle ich. Um diesen Betrag zu zahlen, werde ich weitergeleitet zu einem Online-Zahlungsportal. Bei dem ich auch schon mal Kunde war, ich erinnere mich. Allerdings nicht mehr an mein seinerzeit vereinbartes Kennwort.

Kein Problem. Ich lasse mir ein neues an meinen E-Mail-Account zuschicken. Beantworte noch zwei vorher vereinbarte Geheimfragen. Und habe Glück, dass ich die Antworten auf die von mir seinerzeit eingestellten Fragen noch weiß. Puh.

Also, ich komm jetzt rein ins Online-Zahlungsportal und erfahre, dass der Betrag von 5 Euro 90 über meine Kreditkarte abgebucht wird. Finde ich doof. Lastschrift über mein Konto wäre doch besser, oder? Eine gefühlte Ewigkeit später habe ich das auch hingekriegt.

Click. Click. Click. Und jetzt erhalte ich die Nachricht, dass der Betrag belastet worden ist und ich im nun aufgehenden Fenster den Paketaufkleber incl. Porto ausdrucken kann. Ich könne beliebig oft einen Testausdruck anfordern, aber den mit der Frankierung nur ein einziges Mal.

Das Fenster mit dem Aufkleber öffnet sich, nur zu sehen ist: NICHTS. Ein leeres Fenster. Halt, nicht ganz. Eine Fehlermeldung erscheint. Mein Java sei nicht mehr aktuell. Ich könne HIER clicken, um zu aktualisieren.

Okay, ich downloade Java, und drücke mir die Daumen, dass die vergangenen 120 Minuten nicht vergeblich gewesen sein mögen. Ich will doch bloß einen Paketaufkleber. Der möglichst auch frankiert ist…

So, Java ist fertig, mir fallen fast schon die Augen zu, als ich nicht glaube, was ich da lese: Ich solle alle Browser-Fenster schließen, damit Java neu gestartet werden kann, und das müsse sein! Da mir jetzt auffällt, dass das Auktionsportal, der Spediteur und das Zahlungsportal alle in dem von mir favorisierten Firefox-Browser unterwegs sind, Java aber den Internet Explorer aufgerufen hat, stimme ich leichten Herzens zu. Wird ja nur den Internet Explorer beenden, wenn ich zustimme.

Dem ist dann doch nicht so. Die Firefoxfenster sind ebenfalls alle zu. Ich habe jetzt also 5 Euro 90 ausgegeben, 3 Stunden verbraten und eine neue Java-Version. Na klasse!

Ich starte Firefox. Und zu meiner Überraschung bietet Firefox mir an, die alten Fenster noch mal anzuzeigen. Ja, ja, ich wähle diese Option und traue meinen Augen nicht, dass das Fenster mit dem Porto, das die alte Java-Version nicht anzeigen wollte, dass dieses Fenster nun genau die erwarteten Versandpapiere anzeigt.

Ich wähle Testdruck. Klappt. Ich wähle Portodruck. Klappt. Glückselig, freudetaumelnd nehme ich dieses eine Blatt Papier aus dem Drucker und sage mir, dass das ja gar nicht so schwer war. Und dass ich deshalb auch darüber schreiben sollte…

© Ulf Runge, 2009

Der Beweis

20. Dezember 2009 2 Kommentare
Leben 533 – Sonntag, 20.12.09

8. Ich zog meine Jacke aus und erfuhr, dass nicht jeder eine Nummer bekommt. Nur eine pro Familie. Sie habe die 8. Aha.

21. Nein, dem sei nicht so, meinte die junge Dame an der Kasse, pro Person sei eine Nummer vorgesehen. Ich dürfe also auch eine ziehen. Ziehe. Drehe den Zettel um: 21. Aha.

Vor Beginn des weihnachtlichen Abends verglichen wir mit unseren Nachbarn die Nummern. Es könne eine Tombola sein, denken wir zunächst. Ganz hartnäckig hält sich das Gerücht, wessen Nummer gezogen werde, die oder der müsste dann auf die Bühne und mitsingen. Soso.

Das Konzert war vorbei, die Nummern fast schon vergessen, als dann doch noch die Sprache auf selbige kam. Man wolle noch zwei Geschenke verlosen.

Dazu habe man zwei junge Männer, von denen man hoffe, ja nein, von denen man sicher sei, dass sie aufgrund ihres Alters oder besser ihrer Jugend die Zahlen bis 100 kennen würden, dazu habe man also diese beiden jungen Männer hier, und die Dame am Mikrofon wies auf die beiden Grundschüler links und rechts von ihr, die beiden habe man also für die Aufgabe gewinnen können, die zwei Lossieger zu ermitteln.

31. Wer denn nun geglaubt hatte, also etwa ich, der erste der beiden Jungen würde nun in eine Lostrommel greifen und dort ein Etwas entnehmen, auf dem eine Zahl zu erkennen sei, der hatte sich getäuscht. Wie sich nämlich herausstellte, bestand das Verfahren der Findung einer zufälligen Glückszahl darin, dass der junge Mann aufgefordert wurde, sich doch bitteschön eine zwischen 1 und 100 auszudenken. Während ich noch „interessante Variante“ denke, höre ich ihn, den ersten Jungen, ganz selbstbewusst die „31“ sagen. Wer denn bitteschön die „31“ habe, wollte nun die Dame am Mikro wissen. „Ich!“ erschallt es durch den Raum, ein mittelalter, was auch immer das sei, ein mittelalter Herr streckt den Finger und begründet seinen Gewinnanspruch. Nun, der Herr ist der Dame am Mikro persönlich bekannt, so wie die beiden Jungen auch und so meint sie dann: „So ein Zufall (!), das ist ja der Vater!“ Raunen im Saal.

59. Dass es keine Zufälle gibt, bestätigt sich sogleich bei der „Ziehung“ der zweiten Zahl zur Ermittlung des anderen Siegers. „59!“ ruft der zweite Zufallszahlenspender in die Runde, worauf binnen weniger Sekunden ein anderer junger Mann Ich-sagender- und fingerstreckenderweise seinen Anspruch anmeldet. „Bist Du nicht der Bruder?“ fragt die Dame am Mikro, der bereits nach der Ziehung der ersten Zahl klar geworden sein musste, dass sie zukünftig ein anderes Losverfahren wählen würde, deren diesbezügliche Meinung sich nun noch, sagen wir mal, intensiviert. Heftiges Raunen im Saal.

Übergabe der Preise an die „Glücklichen“.

Fazit: Es war ein erbaulicher Abend. Zudem mussten wir nicht nach vorne, um zu singen. Und spätestens seit diesem Abend ist bewiesen, dass es keine Zufälle gibt.

© Ulf Runge, 2009



Fehlt da nicht was?

14. Dezember 2009 8 Kommentare
Leben 532 – Montag, 14.12.09

Gabel, Schere, Licht, sind für kleine Kinder nicht.

Hm, fehlt da nicht was?

Ich versuche mit scharfem Verstand darüber nachzudenken, und mir kommen Bilder.

Von dem nun nachnamenlosen Herrn in der Dreigroschenoper namens Mackie.

Von dem Bericht in der Tageszeitung über eine stecherei, bei der die Tatwaffe ein Fahrten gewesen sein soll.

Von der BMW Isetta, die in den schmitt Kabinenroller in der Nachbarstraße verliebt gewesen sein soll.

Von all den nun traurigen technischen Geräten, dem Temperatur, dem Geschindigkeits und dem Druck.

Von Solingen, das zukünftig nur noch „Stadt der“ genannt wird werden können.

Von Udo Lindenberg, der sehr befremdlich reimen wird: „fremder geruch an deinem körper – wie ein in mein herz“.

Mir könnte jetzt das in der Hose aufgehen, aber ich sage einfach nur:

SWR1 ohne Wolfgang, fehlt da nicht was?

© Ulf Runge, 2009

P.S.: Ein mir ganz besonders ans Herz gewachsener Moderator bei SWR1, Wolfgang Messer, hat „heute Nacht“, sprich am 15.12.09 von 00:00 Uhr bis 05:00 Uhr seine Abschiedssendung. Ich grüße ihn ganz herzlich. Ich werde seine angenehme Stimme und seine sympathische Art, mich durch die Nacht zu begleiten, vermissen. Zum Schluss rufe ich ihm zu: Jeder ist ersetzbar. Aber nicht alle werden vermisst, wenn sie weg sind. Ihn werde ich vermissen.

Ausgefallene Begebenheit

14. Dezember 2009 10 Kommentare
Leben 531 – Montag, 14.12.09

Leider muss die heutige Begebenheit ausfallen. Und das kam so:

Ich esse keinen Joghurt. Und als ich noch Joghurt gegessen habe, dann immer nur ohne. Ohne Geschmack. Geschmacklosen. Auch hierüber habe ich seinerzeit berichtet.

Nichtjoghurtesser zu sein bedeutet aber noch lange nicht, Nichtjoghurtkäufer zu sein.

So spielte sich angesichts des herannahenden Wochenendes die nun zu schildernde Szene ab, nämlich dass ich beim Abendessen den Auftrag fing, ich solle doch am Samstag bitteschön von Der-und-der-Firma Joghurt kaufen. Mit Geschmack. Pfirsich-Maracuja. Aber ich solle aufpassen, die hätten nämlich komischerweise neben den Pfirsichen eine aufgeschnittene Passionsfrucht auf das Etikett gedruckt, ich solle mich nicht davon irritieren lassen und auf die Aufschrift „Pfirisch-Maracuja“ achten.

Mal abgesehen davon, dass ich mir das brav notierte und mir fest vornahm, am vor der Tür stehenden Samstag den bestellten Einkauf ordnungsgemäß zu erledigen, also mal abgesehen davon, ließ es mir keine Ruhe, dass eine große Milcherzeugnisseverwertungsfirma nicht in der Lage ist, ein gescheites Etikett zu drucken. Als ob wir Verbraucher das nicht merken würden. Wir Verbraucher sind ja nicht alles Männer.

Mir wurde klar, dass dies den Stoff für eine grausam-schöne Geschichte auf meinem Blog werden würde. Ich würde eine Analogie zu scheuen, wilden Tieren an den Anfang stellen. Die sich nur ungerne fotografieren oder filmen lassen. Ich werde berichten von den Wassertieren, ich glaube es sind Polypen, die fest angewachsen sind, wie ein Baum, aber die nicht weglaufen können.

Und dann werde ich berichten, dass jetzt auch das umgekehrte Phänomen von einem Forscher namens Ulf Runge entdeckt worden sei, nämlich dass der scheuen Maracuja-Pflanze, die sich immer dann aus dem Staub mache, wenn jemand mit einer Kamera auftauche. Die davonstürmende Maracuja-Pflanze sei dabei sogar so tricky, dass sie auf der Flucht zur Ablenkung der Paparazzi aufgeschlitzte Passionsfrüchte auf dem Fluchtweg fallen lasse.

Ja, so ungefähr würde die Geschichte werden. Ich vielleicht würde mir noch etwas mehr Abstruses einfallen.

Ob ich schon meinen Beitrag gepostet habe, werde ich gefragt. Ich verneine, frage „Warum denn?“, um dann zu vernehmen, man habe gegugelt und ob ich es nun glaube oder nicht, Maracuja und Passionsfrucht, das sei das selbe.

„Nö, oder?“ entfährt es mir. Na, denne. Und was schreibe ich dann heute Nacht?

© Ulf Runge, 2009

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