Dreieins

Leben 504 – Mittwoch, 14.10.09

Als der Gedanke
bemerkte,
dass nicht er es war,
der da dachte,
sondern dass er gedacht wurde,
da beschloss er,
Wort werden zu wollen.

Und als der Gedanke
bemerkte,
dass er es war,
der da gesprochen wurde,
und als das Wort
bemerkte,
dass nicht es es war,
das da sprach,
sondern dass es gesprochen wurde,
da beschloss es,
Tat werden zu wollen.

Und als der Gedanke
bemerkte,
dass er es war,
der da Gestalt annahm,
und als das Wort
bemerkte,
dass es es war,
das nun Tat-Sache wurde,
da fühlte der Denker des Gedankens,
der Äußerer des Wortes,
der Macher der Tat,
da fühlte er sich dreieins glücklich.

© Ulf Runge, 2009

Inspiriert durch Andrea und den hierzu angemerkten Kommentar von Chris

  1. 14. Oktober 2009 um 10:51 | #1

    Lieber Ulf,

    den Werdegang vom Gedanken bis zur Tat hast du wunderbar dargestellt und mich zum Schmunzeln gebracht. :-)

    Liebe Grüße,
    Martina

  2. Ulf Runge
    14. Oktober 2009 um 11:06 | #2

    Liebe Martina,

    ich DENKE, ich sollte Dir SAGEN, dass mich Dein Schmunzen freut.
    Gesagt, GETAN.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  3. 14. Oktober 2009 um 12:00 | #3

    Lieber Ulf, dass ich Dich zu so einem wunderbaren Gedicht inspierieren konnte, waoh… das freut mich. Es ist wirklich wunderbar geschrieben und ich les es jetzt einfach noch einmal…Liebe Grüsse Andrea

  4. Ulf Runge
    14. Oktober 2009 um 12:07 | #4

    Liebe Andrea,

    ja, es ist bisweilen sehr merkwürdig, wie sich die Assoziationen im Netzwerk fortpflanzen.
    Ich war selber überrascht.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  5. 14. Oktober 2009 um 12:21 | #5

    Lieber Ulf, ich finde das grossartig und es ist eines der Dinge, die ich am Bloggen so sehr mag…Liebe Grüsse Andrea

  6. Ulf Runge
    14. Oktober 2009 um 15:34 | #6

    Liebe Andrea,

    das ist wohl wahr. Bloggen ist keine Einbahnstraße.
    Auch wenn ich derzeit weniger lese und kommentiere als selber schreibe…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  7. Mo
    14. Oktober 2009 um 21:15 | #7

    Lieber Ulf,
    nichts für ungut,
    aber das ist Humbug den ich da von Dir lese.
    Völliger Humbug zum Beispiel, dass das Wort beschloss Tat werden zu wollen.

  8. 14. Oktober 2009 um 21:33 | #8

    Lieber Ulf,
    daß alles was hier zu lesen steht einmal die Ahnung eines gedankens war, unglaublich.
    Und daß die kreativität, die da dahinter steckt ,Dir in die Wiege gelegt wurde – was für ein Geschenk.
    Es klingt so lange bis hin zum geschriebenen Wort und doch kann es manchmal nur Sekunden dauern.
    Und dann wundert man sich selbst, wer das jetzt grad geschrieben hat.
    Schön.
    liebe Grüße
    elisabeth

  9. Ulf Runge
    14. Oktober 2009 um 23:56 | #9

    Liebe Mo,

    genau das war mir wichtig,
    dass der gedachte Gedanke,
    gedacht im Passiv stehend und doch gleichzeitig denkend das Aktiv für sich beannspruchend,
    dass also der gedachte Gedanke beschließt,
    dass er mehr sein will als nur die Gunst einer Millisekunde.

    Bei den ca. 60.000 Gedanken, die uns täglich kommen und gehen,
    da macht sich immer wieder der eine oder andere auf,
    wenn wir es zulassen,
    und der sagt sich und Dir dann:
    Drück Dich aus, Mensch!
    Werde Gestalter, Mensch!

    Dass Du zu diesen Zeilen keinen Zugang gefunden hast,
    ist schade.
    So mögen diese in einem Gedicht (Tat) zu Worten gewordenen Gedanken für Dich Humbug bleiben.
    Und ich erfreue mich, dass Dein Widerspruch (Gedanke) durch das Schreiben Deiner Zeilen Gestalt angenommen hat.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  10. Ulf Runge
    15. Oktober 2009 um 00:03 | #10

    Liebe elisabeth,

    danke für diese schönen Gedanken.
    Wenn ich dichte, dann stabreime ich meistens, ohne Rücksicht auf Verluste, die Lacher oft auf meiner Seite habend.
    Dieses eine Mal habe ich einen ganz anderen Zugang zur Gedichtform gefunden.

    Wenn ich Deine Lyrik lese, dann verneige ich mich vor der Kraft Deiner Assoziationen,
    den tief nach innen gehenden Gedankengängen, die weit weg führen von der Oberfläche.
    Und ihrer Oberflächkeit.

    Du hast recht. Da lese ich (bei Andrea), und auf einmal bemerke ich,
    wie meine Hände geführt werden.

    Du hast recht. Es ist ein Geschenk, wenn man zu “Papier” bringen darf,
    was man soeben erst geahnt hat.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  11. Mo
    16. Oktober 2009 um 20:09 | #11

    Hallo Ulf.
    Vielen Dank für Deinen freundlichen (Rück-) Kommentar.
    Die Realität holt uns immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück – dann findet die Philosophie nicht unbedingt den Platz der ihr gebührt.
    Es gibt dann zwar Worte der Philosophie, aber sie erreichen uns dann nicht.
    Die Realität ist manchmal so anstrengend, dass wir sie auch durch philosophische Worte nicht beschönigend oder aufmunternd sehen können oder wollen – auch dann nicht, wenn wir die Worte verstehen.

    LG – Mo

  12. Ulf Runge
    17. Oktober 2009 um 00:47 | #12

    Liebe Mo,

    ich wünsche Dir, dass es Augenblicke geben möge, in denen die Phantasie und die Philosophie stärker sind als die Realität.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  13. Mo
    18. Oktober 2009 um 03:33 | #13

    Lieber Ulf,
    nichts ist stärker als die Realität.
    Das ist auch gut so.
    Denn sie gereicht uns zum Leben. :-)

  14. Ulf Runge
    19. Oktober 2009 um 01:22 | #14

    Liebe Mo,

    sind wir alle für die anderen nichts anderes als nur ein paar elektrische Ströme, die sich zwischen ein paar schaltungsbereiten Synapsen ergeben?

    Und was ist dann der Unterschied zwischen geträumter Realität und vermeintlich einziger Wirklichkeit?

    Ich glaube, das Leben besteht sehr wohl auch aus den Phantasien.
    Und manchmal muss man sich ja die Augen reiben.
    Weil das Gedachte so real wirkt. Und die Fakten so surreal.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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