Archiv
Treffendes Wort
| Leben 460 – Freitag, 03.07.09
Ob ich das Brot einfach daneben legen könne. Neben ihr Teil da. Frage ich die Jugend. Die da etwas auf den Abendbrottisch gelegt hat, was dort absolut nicht hingehört. Sie kapiert sofort, macht aber keine Anstalten, den Gegenstand zu entfernen. Statt dessen wendet sie sich an den anderen Elternteil, um mit hilfsbedürftiger Miene darauf hinzuweisen, dass sie diskriminiert werde. Diskriminiert? Aber hallo, sie hat soeben „diskriminiert“ gesagt. „Ein treffenderes Wort hättest Du nicht finden können!“ applaudiere ich, stolz darauf, dass das Kind in der Schule was gelernt hat. Die soeben gelobte Jugend will dann wissen: „Hm, was bedeutet ‚diskriminieren‘ eigentlich?“
© Ulf Runge, 2009
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Später Stock
| Leben 459 – Freitag, 03.07.09
Hm, ich muss jetzt mal zu einem Rundumschlag ausholen. Ich bedanke mich bei allen, die mir irgendwann einmal ein Stöckchen zugeworfen haben. Oder gar einen Award gewidmet haben. So manche dieser aufmerksamen Zuwendungen meiner MitbloggerInnen habe ich womöglich übersehen, andere nicht angemessen erwidert. Das ist schade, das tut mir leid, und ich bitte um Nachsicht. Und vor wenigen Minuten folgte ich einem Link auf meinen Blog, ein Stöckchen, das Dori mir zugeworfen hat, die es wiederum von Astraryllis erhalten hat. Ja, dachte ich mir, ich nehme endlich mal wieder eins auf, schieb es nicht länger vor mir her. Um Sekunden später irritiert zu entdecken, dass selbiges Stöckchen vom Juni ist. Juni 2008. Die Zeit heilt Wunden, heißt es. Damals wär ich nicht in der Lage gewesen, die nachstehenden Zeilen zu schreiben. Heute weiß ich, dass die, die nicht mehr unter uns sind, auf ihre ganz eigene Weise hier „mitlesen“. Es handelt sich um ein Zitate-Stöckchen, das ich nun mit einjähriger Verzögerung aufgreifen möchte. Die Hand, die Du gegen Deine Eltern erhebst, wird Dir aus dem Grab wachsen. Mit ernster Stimme und verschmitzten Augen hat mir das meine „Planufer“-Oma ins Gewissen geredet, wann immer ich mich respektlos, oder gar aufsässig meinen Eltern gegenüber gezeigt habe. Erst der Reiter, dann das Pferd. (Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.) Oh, was hat mir dieser Spruch meines Vaters gestunken. Frühstück war für mich erst angesagt, wenn der Wellensittich versorgt war. Irgendein Wochenendvergnügen stand unter dem Vorbehalt, dass die wöchentliche Käfigreinigung erledigt war. Ich fand diesen Spruch spießig. Heute muss ich meinem Vater recht geben: Erst sind die dran, die auf uns angewiesen sind. Bei meiner Mutter tue ich mich etwas schwer, DEN für sie typischen Spruch zu finden. Sie war eine Verfechterin der Gerechtigkeit. Und hatte ein großes Herz. Und weil Sie soviel Helligkeit in meine Welt gebracht hat, widme ich ihr den Spruch: Das Licht einer einzigen Kerze reicht aus, um einen dunklen Raum zu erleuchten. Mein Motto: Das Glück muss entlang des Weges gefunden werden. (Der Weg ist Ziel). Und hier noch ein paar ganz persönliche Favoriten: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery. Es ist, was es ist, sagt die Liebe. Von Erich Fried Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer! von Antoine de Saint-Exupery.
Ich werfe dieses Stöckchen all denen zu, denen es am Herzen liegt, auch von ihren ganz persönlichen Sinnsprüchen zu berichten. © Ulf Runge, 2009 |
Die Bestellung
| Leben 458 – Freitag, 03.07.09
Pizza sollte es sein. Endlich mal wieder ne Pizza. Wir setzten uns an den Tisch, studierten die Speisekarte und entschieden uns alle für die Nummer 4, Pizza Chef. Ich greife zum Telefon, am anderen Ende vernehme ich ein herzliches „buon giorno“ – ahrrr, ich vergaß zu erwähnen, dass wir ja gar nicht in der Pizzeria sind, wir wollen die Pizza zu hause essen – und dann denke ich mir, es wäre doch nett von mir, der Italiener freut sich bestimmt darüber, wenn ich auch bisschen mit meinen italienischen Sprachkünsten glänze, und bestelle so polyglott wie möglich: „Buon giorno, wir möchten gerne dreimal die Quattro, per favore!“ „Si, si, dreimale die Quattro, in funfzene Minutte! Ciao.“ Als ich die Pizzen abhole, hat der freundliche Pizzabäcker sie bereits in Kartons verstaut. Ich bezahle und fahre die wohlduftig dampfenden Pizzen vorsichtig nach Hause. Unsere Überraschung ist groß, besonders weil wir ja mit keiner gerechnet haben, als wir dann die Kartons öffnen. Nein, nicht dass keine Pizzen drin gewesen wären. Nur, es war keine Pizza Chef im ersten Karton. Auch nicht im zweiten. Oder im dritten. Vor uns standen dreimal Quattro Stagione. Wir ließen uns die Freude nicht verderben, genossen unter Gelächter die Vier Jahreszeiten, und fassten einen lebenslangen Beschluss: Nie wieder bestellen wir Pizza Nummer 4. Auf italienisch. Wie wäre es, wenn alle Pizzerien weltweit gezwungen werden würden, die Quattro Stagione als Pizza 4 zu verkaufen? Buona notte! © Ulf Runge, 2009 |


Angemerktes