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Nota bene? Nota male!
| Leben 450 – Mittwoch, 24.06.09
Eines unser höchsten Güter ist das Recht auf freie Meinungsäußerung. Diesem Recht verdanke ich die Freiheit, hier zu schreiben, was ich denke. Aufgrund des gestrigen Urteils zur Lehrerbenotung auf Internetportalen, das Lehrer salopp gesagt zum Voting- und Ranking-Freiwild erklärt, fallen mir ein paar Dinge ein, für die die Zeit nun auch reif geworden ist: Ich schlage vor unter Schnarchnasenbatzi.de endlich mal die Linksspurschleicher an den Pranger zu stellen. Etwa so: „Der Fahrer dieses Kennzeichens wurde im vergangenen Monat 15 mal als Linksspurschleicher identifiziert.“ So darf jeder von uns sich ein bisschen wie ein Hilfssheriff fühlen. Ich-bin-Blockwart.de. Endlich mal die Meinung über die Nachbarn loswerden. Etwa so: „Lacht laut. Ist im vergangenen Monat mehrfach nach 22 Uhr aufgefallen. Liebt es, sich beim Lachen ungezügelt auf die Schenkel zu klatschen.“ Oder: „Macht keine Kehrwoche. Kümmert sich zu wenig um das Unkraut im Garten.“ Endlich hast Du die Chance, als „anschwaerzer09“ mal Klartext zu schreiben über den Typ von nebenan, der sein Auto nicht wäscht. Diaetenritter.de. Jep. Ein grundtiefes Bedürfnis, sich mal so richtig über Politiker auszulassen, würde endlich befriedigt werden. Bahnditen.de. Das Forum mit Meinungen zu Zugbegleitern und Mitpendlern. Ach, was könnte man da alles los werden. Wollen wir das wirklich? Wollen wir an den Pranger stellen? Womöglich selber dabei anonym bleiben? Der angegriffenen Person noch nicht einmal einen Hinweis geben, dass soeben ein öffentliches Tribunal gegen sie eröffnet wurde, zu dem sie gar nicht geladen ist? Wie ginge es uns, wenn jemand versuchte, unseren Ruf kaputt zu machen? Wie würden wir uns fühlen, wenn jemand versuchte, uns die Freude am Beruf zu nehmen? Es geht hier nicht um Lehrer. Es geht hier darum, ob wir bereit sind, uns zu eigen zu machen, was Kant mit dem kategorischen Imperativ ausgedrückt hat: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Auf diesen Zusammenhang hier gemünzt, würde Kant womöglich so formuliert haben: „Beurteile andere in der Öffentlichkeit so, wie Du Dich von anderen in der Öffentlichkeit beurteilen lassen möchtest.“ Ich glaube, es ist wichtig, dass die Schulen möglichst kreativ versuchen, das Thema Lehrerbenotung von der Öffentlichkeit zurückzuholen in einen innerschulischen Rahmen. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir den jungen Menschen klar machen, dass das Denunzieren und Denunziertwerden nicht der Preis des technischen Fortschritts sein darf. Dinge zu tun, bloß sie möglich geworden sind. Aus einer Laune heraus. Als Begleichung einer vermeintlich offenen Rechnung. © Ulf Runge, 2009 Hinweis: Die o.g. beispielhaften Namen für Internetauftritte sind Stand heute nicht vergeben. Hinweis: Nota bene ist Lateinisch und bedeutet “wohlgemerkt”. Wörtlich: “Gut notiert.” Nota male ist wörtlich genommen das Gegenteil davon. Und das Ganze ist einfach nur ein Wortspiel. |


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