Mutmachertag

Leben 446 – Mittwoch, 17.06.09

17.06.2009. Mutmachertag.
Kai-Jürgen Lietz hat dazu aufgerufen, den heutigen Tag als Mutmachertag zu begehen. Dass das eine schöne Idee ist, hatte ich vor einiger Zeit bereits angemerkt.

17.06.1953. An diesem Datum nicht weiter erwähnenswert ist, dass ich da noch nicht geboren war. Von historischer Bedeutung ist allerdings der Mut der ostdeutschen Bevölkerung, die seinerzeit in der aus der SBZ sowjetisch-besetzten Zone Deutschlands hervorgegangenen DDR lebte, den Konflikt mit der Besatzungsmacht und ihrem verlängerten Arm, den kommunistischen SED-Machthabern, aufzunehmen. Dass an diesem Tag Blut für die Freiheit floss, ist bekannt. Dass es noch fast zwei Generationen dauern sollte, bis ein Leben in freier Selbstbestimmung in den heutigen „neuen Bundesländern“ möglich wurde, ist ebenfalls Geschichte.

Freie Selbstbestimmung.
Das ist für mich das Schlüsselwort, das die Brücke zum Mutmachertag schlägt. Was das Leben in vielfältiger Form für uns so vorhält, womit es uns bisher schon „beglückt“ hat, was da noch auf uns zukommt, das steht außer unserer Macht. Denken wir oft genug.

Schließlich suchen wir uns ja unsere Krankheiten nicht aus, oder unsere Rückschläge bei familiären Bindungen. Auch auf die Bekanntschaft mit Hartz IV können wir gerne verzichten. Jeder hat da sicherlich seine eigenen Schicksalsschläge zu berichten.

Und dann gibt es Menschen, die können da leichter mit umgehen. Und andere, die vor lauter Verzweiflung den Weg aus dem Dunkel nicht finden. Weil sie nicht an sich glauben. Womöglich noch nie oder schon sehr lange nicht mehr erfahren haben, dass sie etwas an ihrer Situation ändern können.

Da tut dann schon einmal ein Wechsel der Perspektive gut. Und die Hilfe lieber Menschen in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis.

Was ich mir für den Mutmachtertag vorgenommen habe? Ich werde heute und in den kommenden Tagen liebe Menschen anrufen, die sich aus meinem aktiven Kontaktkreis „herausgeschlichen“ haben. Werde sie nach ihrem „Los“ fragen und nach dem Weg, den sie eingeschlagen, für den sie sich entschieden haben. Werde zuhören. Meine Wertschätzung ausdrücken. Und werde so hoffentlich ein bisschen unverhoffte Energie in ein anderes Leben hineinbringen. Mut zur Selbstbestimmung machen wollen.

Ich wünsche allen einen mutmachenden 17. Juni 2009!

© Ulf Runge, 2009

P.S.: Diesen Beitrag nominiere ich gerne für Herrn Lietz’ Blogparade zum Thema Mutmachertag.

  1. 17. Juni 2009 um 17:48

    Ja, heute ist der Tag der Deutschen Einheit.
    Ich dachte mir ursprünglich, das dies auch ein guter Tag sein könne, um den Mutmachertag zu begehen.
    Leider habe nur Wenige die Idee weitergetragen. Nachdem ich das das Buch “Tribes” von Seth Godin gelesen habe, verstehe ich, dass keine Idee ohne Führungsfigur erfolgreich sein kann. Das ist schade, denn ich wollte es für diese Idee nicht sein. Ich hatte gedacht, dass diese Idee allen gehört und jeder sie aufgreifen, weiterentwickeln und sie wieder freilassen kann.

    Trotzdem Danke, dass Sie mitgemacht haben.

    Mit besten Grüßen

    Kai-Jürgen Lietz

  2. 17. Juni 2009 um 21:09

    Lieber Ulf,

    auch ich war ´53 noch nicht auf der Welt. Wurde dann über zehn Jahre später in diese SBZ hinein geboren. Anfangs brauchte ich keinen Mut, als Kind, da regelte Vater Staat und die Eltern eh alles für mich. Nachdem dann das Bewusstsein so weit entwickelt war, dass man Schwarz und Weiß zu unterscheiden lernte, brauchte ich fast jeden Tag neuen Mut, dem “Staat” zu “dienen”. Bis er mir ausging, der Mut; obwohl auch eine gehörige Portion Mut dazugehörte, einen Antrag auf dauerhafte Ausreise aus der DDR zu stellen. Mittlerweile ärgere ich mich (wenn auch nur ein kleines bisschen), nicht Mut bewiesen zu haben, das System von der DDR aus zu verändern. Doch so ist es mir vergönnt, konkrete Vergleiche zu ziehen, was das Leben in beiden Ländern anbelangte.

    Liebe Grüße,
    Holger

  3. Ulf Runge
    19. Juni 2009 um 02:02

    Lieber Herr Lietz,

    ich glaube, der Tag ist historisch richtig gewählt. Und am 17.06.09 war nur der Anfang…

    Und Sie haben vollkommen recht: Wer die Idee hat, den Mülleimer runter tragen zu sollen wollen müssen,
    der darf ihn auch runtertragen. Und wer die Idee für einen Mutmachertag hat, der darf ihn auch organisieren.

    Wer weiß, was aus Ihrer Idee noch wird? Was vielleicht Sie selber noch draus machen?

    Liebe Grüße,
    Ulf Runge

  4. Ulf Runge
    20. Juni 2009 um 01:38

    Lieber Holger,

    danke für Deine starken Worte.
    Deine Schilderung macht betroffen.
    Ein verblutender, verbluteter Peter Fechter ist den wenigsten heute noch bekannt.
    Unsere Freiheit ist mit Blutzoll erkämpft.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  5. Martin Koch
    20. Juni 2009 um 16:20

    Hi Ulf,

    ich bin schwer beeindruckt von Deiner Web-Site. Klasse, werd’ sicher öfters reinschauen.

    Viele liebe Grüße
    Martin

  6. Ulf Runge
    21. Juni 2009 um 01:17

    Lieber Martin,

    danke für Dein Kompliment. Ist Ansporn für mich, so weiterzumachen.
    Und gleichzeitig zu überdenken, was ich denn noch anderer (!) machen könnte.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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