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Archive for 2. Juni 2009

Jägerwitz No. 2

2. Juni 2009 6 Kommentare
Leben 439 – Dienstag, 02.06.09

Der von mir hier schon mehrfach als mein Lieblingswitz genannte und erzählte, ich nenne ihn mal Jägerwitz, ist meiner Leserschaft vermutlich bis zum Abwinken bekannt. Aus Kreisen genau dieser meiner treuen Leserschaft erreichte mich nun ein Witz von fast gleichen Kaliber des Jägerwitzes, finde ich. Deshalb will ich ab sofort den ersten Jägerwitz, den „echten“ als Jägerwitz No. 1 titulieren, und den neuen, nur noch wenige Sekunden seiner Preisgabe harrend, als Jägerwitz No. 2.

Der guten Ordnung halber und auch, um wildes Geclicke und Gesuche zu vermeiden, hier in aller Kürze der allseits bekannte Jägerwitz No. 1: Treffen sich zwei Jäger. Beide tot.

Der Vorworte genug: Jägerwitz No.2: Treffen sich zwei Unsichtbare. Sagt der eine zum anderen: „Lange nicht gesehen!“

© Ulf Runge, 2009

Selbst ist die Luftmatratze

2. Juni 2009 8 Kommentare
Leben 438 – Freitag, 29.05.09Kindergeburtstag. Das hört sich nach „Reise nach Jerusalem“ an, bei der man zur Musik um eine Stuhlreihe läuft, die einen Stuhl weniger enthält als Spielteilnehmer teilnehmen. Wenn die Musik stoppt, findet eine/einer keinen Platz. Scheidet aus. Und ein Stuhl auch. Und so geht es weiter, bis jemand gewonnen hat.Oder nach Topfschlagen.

Nein. Es ist kein Kindergeburtstag. Teeny-Geburtstag. Könnte man sagen: Mit Übernachtung. Und noch ohne Jungs.

Wir wollen nur „Gute Nacht“ sagen, fragen, ob alles okay ist, irgendwas fehlt.

Alles okay, wobei man mir sehr sensibel bedeutet, dass ich den Raum nicht unbedingt betreten müsse, nur junge Damen…

Nun also vor dem hobbyraumgroßen Schalfgemach stehend, gebe ich ein vernehmbares „Gute Nacht“ von mir, bar jeden Sichtkontaktes zu denen, die da sich gleich noch stundenlang was zu erzählen haben werden.

Ob ich nicht doch mal reinkommen könne? An mein Alter denkend vermute ich mal zunächst Wahrnehmungsstörungen. Man hört ja gerne, was man hören möchte.

Doch, doch, ich solle doch mal nach der Luftmatratze gucken. Man hält mir einen textilen Gegenstand mit einer Öffnung hin, einem Ventil, wie ich vermute. Ich hole die Luftpumpe vom Fahrrad, was nicht wirklich zielführend ist. Passt nicht. (Hier hätte ich stutzig werden müssen. Wurde ich aber nicht. Dann hätte ich aber auch nix zu erzählnen.)

Vielleicht noch ein Kurz-Exkurs: Irgendwann zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn habe ich als Total-Nicht-Techniker die Existenz von zwei geschlechtlichen Phänomen erfahren: Es gibt männliche Dinge. Und weibliche. Ich bleibe mal in der Erfahrungswelt von uns allen. Also, elektrische Stecker sind männlich. Und Stromsteckdosen sind weiblich. Überhaupt sind alle Stecker männlich. Und alle Dosen weiblich. (Ich schlage vor, die Bierdosen von dieser Betrachtung mal auszunehmen.)

Warum dieser Kurz-Exkurs? Da halte ich das Ventil der Luftmatratze in der Hand und in der anderen die Luftpumpe. Die Pumpe sage ich mal, ist weiblich. Dann muss das Ventil irgendwie ein bisschen männlich sein. Ist es ja auch. Aber ziemlich groß. Überfordert meine Fahrradluftpumpe.

Ich gebe es zu. In Ermangelung eines Blasebalges habe ich das Grillfeuer heute mit einer Luftballonaufblaspumpe entfacht. Ja, genau diese Pumpe könnte passen, denke ich mir. Hole sie. Aber irgendwie funktioniert das auch mit der nicht.

Nun hat der Mensch, bevor er das Werkzeug erfand, ja auch feste an sich selber geglaubt. Ich also auch an mich. Ich nehme also dieses nicht-DIN-konforme Ventil in meinen Mund und freue mich, kurz vor Mitternacht, selbige Matratze mit gespitzem Mund aufzublasen. Die Anwesenheit der jungen Ladys begflügelt mich zu einer atemtechnischen Höchstleistung.

Während ich mit voller Lungenkraft die Matratze prall und praller mache, denke ich mir, wie es wäre, wenn ich jetzt eine Pause bräuchte, ob dann der Überdruck aus der Matratze voll in meine Lunge einfahren würde, und mich sozusagen zum Platzen bringen würden.

Wer platzt, das sind die Mädels, angesichts dieser fast-maskulinen Aufpump-Show. Statt einer Luftmatratze halte ich, die die „Stopp, stopp, stopp!“-Rufe ignoriert habend, ein Etwas in der Hand, das eher die Form eines Baguettes hat, total ungeeignet zum obendrauf Liegen, aber nicht wirklich rechteckig-praktisch-gut ist.

Ich will mit dem Aufblasen aufhören, als ich um den Stöpsel bitte. Man reicht ihn mir. Nur. Der passt irgendwie nicht. Hat ein Gewinde. Jetzt geht die blöde Luft doch raus, während ich nach einem Weg suche, die doofe Kappe zu befestigen.

Ich will das nicht in die Länge ziehen, irgendwann schaffe ich es, die Kappe zu montieren. Fühle mich wie Chuck Norris, der bei Praktiker sogar 20% auf Tiernahrung kriegt.

Das war sie, die Geschichte, die ich hier hätte schildern wollen. Witzig, oder?

Ich frage die junge Dame, wie sie denn geschlafen häbe, auf meiner Luxus-Luft-Prallvoll-Matratze.

Sie häbe sich drauf gelegt. Sagt sie. Und dann habe es Pffffff gemacht. Und die Luft sei raus gewesen. Es häbe ihr auch nichts ausgemacht, auf dem glatten, kalten Boden zu nächtigen.

Das war sie, die Geschichte, die ich hier hätte schildern wollen. Witzig, oder?

Die junge Dame mit der Baguette-Luftmatratze wird abgeholt. Ob es denn geklappt gehabe mit der selbstaufblasenden Luftmatratze, will ihre Mutter wissen…

© Ulf Runge, 2009

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