Ob ich denn wirklich der Meinung sei …
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Leben 414– Dienstag, 07.04.09 Ob ich denn wirklich der Meinung sei, dass der Kunde König sei? Grinste er mich frech an. Da überlegte ich doch für einen Augenblick, wie ich überhaupt hierher gekommen sei. Aber der Reihe nach… Ja, richtig, es hatte damit angefangen, dass ich die Nächte gugelnd verbrachtet hatte. Auf der Suche nach einem Handy. Modell W-irgendwas, Farbe Silber, Country-Silber glaube ich. Wer je einen lofotengrünen Käfer gefahren hat, weiß die Bedeutung sachdienlicher Attribute für die Wirkung der Farbe zu schätzen. Das alte Handy war noch gut, d.h. man konnte überraschungsfreier Weise immer noch mit ihm telefonieren. Auch Foto hatte es. Doch kein Radio. Oder Empedrei. Nun hatte die Jugend, wirklich guten Geschmack zeigend, einen einzigen Weihnachtswunsch geäußert. Dieses W-irgendwas, country-silbern. Sonst nix. Fröhliche Weihnachten mit ebendiesem Handy. Oder ohne selbiges bei selberschuldmieser Stimmung. Ein erster Blick ins Netz zeigte, dass die Aufgabe kinderleicht war, auf den ersten Blick: 1 Euro. Nur einen einzigen Euro sollte das neue Spielzeug kosten. Nach Lektüre des kleinstkleingedruckten Abschnittes darunter verstand ich, dass ich die kommenden 24 Monate noch mit erheblichen weiteren Kosten hätte rechnen müssen. Nein, danke. Ich wollte prepaid. Wechsle also die Sortierreihenfolge. Auf „von teuer nach preiswert“. Aha. Mein Blick friert ein, wird seltsam starr. Zweihundertirgendwas Euro für ein W-irgendwas, country-silbern. Wo ist da noch der Maßstab, denke ich? Hin- und hergerissen zwischen „den Wunsch erfüllen wollend“ und „das muss doch billiger gehen“, surfe ich die kommenden Nächte durchs Netz, u.a. auch meinen Blog sträflich vernachlässigend. Beschäftige mich mit Handy-Brandings. Lande immerhin bei magentafarbenem Branding für gut 170 Euro. Wobei ich noch klären muss, ob es sich nur um einen Branding-Aufkleber oder ein „branded menu“ handelt. Lauter Dinge, die ich eigentlich nicht wissen will. Ich will nur ein preiswertes Geschenk kaufen. Die Nächte bringen mich einer Lösung nicht näher. Egal. Ich finde ich mich auf einer Tagesreise mit dem Auto wieder, als ich fern der Heimat beschließe, an der nächsten Ausfahrt rauszufahren, in ein Einkaufszentrum, in dem ich schon vor längerer Zeit mal war, vergeblich nach dem Ichbindochnichtblöd-Markt suchen. Bin bereit, die Kohle auf den Ladentisch zu blättern, will meine Ruhe haben. Bin wieder zu blöd den Ichbindochnichtblöd-Markt zu finden. Gehe in ein Geschäft. Frage nach dem, nein ich frage nicht. Weil, ich bemerke, dass ich in einem Telefonshop gelandet bin. Just von dem Provider, bei dem die Jugend schon prepaid hat. Und die Gattin schon seit ewigen Zeiten einen fairen Vertrag. Von wegen es gibt keinen Zufall. Ich sag ihm, dem netten Herrn mir gegenüber, nicht, dass zum Ibdnb-Markt will. Oder wollte. Das werde ich ihm vielleicht erst in zwei Stunden sagen. Jetzt sage ich ihm mein wirkliches Anliegen. Und dass ich gelesen hätte, dass sie dieses W-irgendwas leider nicht im Angebot hätten. Er schaut mich höflich an, freundlich an, vielleicht sogar ein bisschen generös. Ob ich mal die Telefonnummer meiner Ehefrau sagen könne. Selbige eintippenderweise erhellt sich sein Gesicht, ein erfreutes „Aah“ ist zu vernehmen. Gefolgt von einem dann allerdings verzweifelten, verzweifelnden „Ooh“. Mein fragendes Gesicht fordert Aufklärung ein, die da lautet: Der Vertrag sei upgradefähig, aber das System sei gerade abgestürzt, er könne mir noch nicht sagen, zu welchen Konditionen er mir das Handy anbieten könne. Er ruft in der Zentrale an. Alle Systeme sind abgestürzt. Keine Auskünfte aktuell möglich. Es werde wohl ne Stunde dauern. Ich rechne mir eine Ersparnis von mindestens 100 Euro aus, und beschließe, dass ich mir davon einen Imbiss beim Italiener leisten könne. Und dann frage ich noch nach dem Weg zum Ibdnb-Markt, um das Ersparte teilweise auch in eine lang schon gewünschte externe Festplatte zu investieren. Nach 60 Minuten stehe ich wieder auf der Matte, das System ist wieder oben, der Preis wird bei 80 Euro liegen. Die Weihnachtsgeschenkschmerzgrenze ist jetzt nicht mehr überschritten, ich mache den Kauf endgültig fest. Ja und das ist jetzt der Augenblick, in dem die Erscheinung auf der anderen Seite der Verkaufstheke seinen lockeren Spruch los wird: Ob ich denn wirklich der Meinung sei, dass der Kunde König sei? Grinst mich frech as frech can an. Definitiv sei das nämlich anders. Er, der Verkäufer, er sei König. Er habe nämlich die Möglichkeit zu entscheiden – er geht kurz mal in der Lagerraum und kommt mit zwei Verpackungen zu mir zurück – er habe nämlich die Freiheit zu entscheiden, ob er dieses Handy hier verkaufe oder, und nur blickt er auf die andere Verpackung, jenes hier. Da ich nicht bockig erscheinen möchte, frage ich interessiert nach dem Unterschied der beiden Kartons. Dieses Handy hier sei das von mir gewünschte Gerät. Und jenes hier in der etwas größeren Schachtel, sei auch das von mir gewünschte Telefon. Doch es enthalte darüber hinaus zwei Minilautsprecher. Die seien so was von cool. Und er, er alleine, entscheide, wem er das verkaufe. Grinst mich nochmal vollfett an. „Und diese Sonderausgabe mit den Lautsprechern, die bekommen Sie!“ Ernsthaft dankbar darüber, etwas ganz besonderes mit nach Hause nehmen zu dürfen, und auch mächtig belustigt über diese schauspielerische Leistung bezahle ich und verlasse erfreut das Einkaufszentrum. Die vergeblichen Suchnächte sind vorbei. Das Geschenk ist vom Preis her vertretbar. Es ist außergewöhnlich. Und für irgendwann – irgendwann ist nun also jetzt – habe ich mal wieder eine Geschichte für meinen Blog im Kasten. © Ulf Runge, 2009 |


Hihi, der liebe Ulf in den Händen der Handy-Mafia:-) Sehr amüsant geschrieben, ich hab immer schneller gelesen, weil ich endlich wissen wollte, wie es ausgegangen ist:-)Irgendwie werd ich auch das Gefühl nicht los, Du hättest viel gelernt bei diesen Erlebnissen, nicht nur über Handy´s:-) Liebe Grüsse Andrea
Lieber Ulf,
Du bist ja doch der König, hattest Du nicht mal in ner Apotheke auch nen Schirm bekommen?
Glückskind!
Köstlich …
LG seelenworte
ein wahrer König….und sei es nur beim Handy Kauf!
Danke für die amüsante Erzählung!
LG Bonafilia
Liebe Andrea,
danke für Dein zwischenzeiliges Kompliment.
Ohne die Handlung wirklich in die Länge ziehen zu wollen,
mir war jedes Detail wichtig, um genau den bei Dir erzielten Spannungsbogen
aufzubauen.
Liebe Grüße,
Ulf
Liebe seelenworte,
Du sagst es. Von wegen “Die (Service)wüste lebt”.
Ich habe diese Begebenheit wahrlich genossen.
Liebe Grüße,
Ulf
Liebe Bonafilia,
schön, dass Du auch bis zum Ende durchgehalten hast.
Es ist ein schönes Gefühl, amüsant unterhalten zu haben.
Liebe Grüße,
Ulf
Lieber Ulf,
danke fuer ein Lachen am Morgen (habe UUUUUUrlaub)….
ich weiss ja nicht, wie ich reagiert haben wuerde, wenn er mit dem Koenig Verkaeufer angefangen haette. In Laeden meide ich meistens kein Fettnaepfchen und es war ja etwas missverstaendlich am Anfang. Ich sah mich schon streitbereit um dan mit roten Ohren dumm da zu stehen.
Liebe Gruesse
Ursula
Lieber Ulf,
ja, für DIESE absolut superspannende Geschichte hat sich DER Aufwand garantiert ausgezahlt! *grins*
Ich bin auch auf der Suche nach einen neuen Handy – also, wenn du noch Kapazitäten und Ausdauer übrig haben solltest…!? Denn mir ist das zuviel, vielleicht wirds nur ein neuer Akku…
Liebste und fröhliche Sonnengrüße von Elisabeth
Da bin ich ja wohl voll Deine Zielgruppe:-) Liebe Grüsse aus Bielefeld, der Stadt, die es nicht gibt:-)Andrea
Liebe Ursula,
manchmal hilft einfach nur Durchatmen und Zuhören.
Ich glaube sogar, dass ich für einen kurzen Augenblick gedacht habe,
dass die Show, die da auf der anderen Seite der Verkaufstheke abgezogen wird,
vielleicht sogar von mir hätte sein können…
Liebe Grüße,
Ulf
Liebe Elisabeth,
bestehst Du bei der Unterstützung für Dein neues Handy auf einer ähnlichen unterhaltsamen Begebenheit?
Das ist vielleicht sogar eine Marktlücke:
Den Handykauf als Überraschungs-Event organisieren.
Da würden noch mehr Menschen mit funktionierende Handy sich aufmachen, ein weiteres zu erwerben.
Ist es bei der Abwrackprämie nicht ähnlich. Habe erst gestern gehört, dass es Menschen geben soll,
die Ihr noch gutes, aber altes Auto, dass mehr als 2.500 Euro wert ist, zum Schrotthändler bringen,
um die 2.500 Euro vom Staat zu kassieren.
Verrückte Welt.
Ebensoliebe und sonnigfröhliche Grüße zurück an Dich und Deine Mitmenschen,
Ulf
Liebe Andrea,
das sagen alle Bielefelder, von wegen der Stadt die es nicht gibt.
Es muss ja richtiger heißen: Bis vor kurzem gab es Bielefeld nicht.
Doch dann haben sich viele Menschen, so wie Du auch, zusammengetan und dort,
wo es Bielefeld nicht gab, Bielefeld gegründet. Sogar die Bahn hat nen Bahnhof dort gebaut…
Genieß die Zeit in der Heimat, liebe Zielgruppenrepräsentantin, fett grins,
liebe Grüße,
Ulf
Lieber Ulf, bitte bitte verbreite DAS mal im Internet, das würde mir sehr helfen *grins* Liebe Grüsse aus der Stadt mit nem Bahnhof, Andrea
Lieber Ulf! *lach*
Das ist eine spitzen Idee!!! Das wäre was…
Himmel, was die Menschen für Geld alles tun, ich will´s gar nicht wissen…
Herz-lichst und sonnig, Elisabeth
Liebe Andrea,
ich erzähl das allen, die’s hören wollen… fettgrins
Schöne Tage in Liebefeld
Ulf
Liebe Elisabeth,
Ja, für Geld und Statussymbole…
Man müsste nur ein ETWAS erfinden, das nichts tut, nicht mal telefonieren,
aber ganz schick ist, sprich, was jedeR braucht.
Liebe vollmondigsonnige Grüße,
Ulf
Lieber Ulf,
na sowas, der Verkäufer ist also König.
Okay, das ist ja inzwischen nichts Neues mehr, zumindest hat man manchmal den Eindruck. 
Dennoch, war ja ein netter Verkäufer. Unter diesen Umständen darf er sich auch als König fühlen. Es soll ja auch gütige und freundliche Könige gegeben haben.
Prima Schnäppchen hast du da gemacht.
Liebe Grüße,
Martina
Liebe Martina,
wie Du schon sagst, es ist alles eine Frage der Perspektive.
Der sich als König fühlende Verkäufer hat mich Käufer de facto zum König gemacht…
Liebe Grüße,
Ulf