Archiv
Nicht tarifierbar
|
Leben 419– Dienstag, 28.04.09
Ich liebe Bahnfahren. Es bringt Abwechslung ins Leben. Es härtet ab. Es bringt einem Steilvorlagen fürs Schreiben.
Allerdings ist das Leben als Bahnkunde eine immer wieder neue und zugleich harte Schule des Umgangs mit Komplexität.
Erstens müsste ich erklären, um klar zu machen, dass bis jetzt noch nichts passiert ist in dieser Begebenheit.
Zweitens müsste ich erklären, um klar zu machen, dass die Komplexität nun gleich ihren Lauf nehmen wird.
Drittens müsste ich schlussendlich erklären, um dann endlich schildern zu können, wie sehr sie verloren ist mit ihrem Apparat, der seinerseits sichtlich überfordert ist mit meinem Wunsch, den sie sich nun zu eigen gemacht hat, eine Schnellzughinfahrkarte ab einem Nichtschnellzugbahnhof auszustellen, wobei die Rückfahrt dann wiederum ohne Schnellzugzuschlag sein soll. Klar?
Genau!
Genau das müsste ich erklärt haben, um ein nachvollziehbares Fundament dafür zu legen, dass ich nun meine helle Freude hatte an der Nachricht auf dem Display, den mir die geduldige Dame als der Unweisheit letztem Schluss vorlas: „Nichttarifierbares Angebot!“
Übrigens. Das ganze erinnert mich an einen lieben ehemaligen Kollegen, der seinerzeit das Phänomen, dass einem eine Pointe einfällt, aber nicht der zugehörige Witz, der also genau dieses Phänomen mit „unbewitzbare Pointen“ bezeichnet hat. © Ulf Runge, 2009 |
Eine Frage der Technik
|
Leben 418– Montag, 27.04.09
In der heutigen Begebenheit wird ein Tabu gebrochen. Und über’s Gewicht gesprochen. Wobei das Gewicht nicht das Tabu ist, um das es hier gehen soll.
Der Reihe nach. Ich erinnere mich an die Zeit, als man im heimischen Bad auf einer vollmechanisch-vollanalogen Waage sein Körpergewicht von Zeit zu Zeit kontrolliert hat, indem man sich nackig drauf gestellt hat. Kurzsichtige Brillenträger – wie ich – mussten dabei in Kauf nehmen, dass die Brille mitgewogen wurde, wobei die Genauigkei der seinerzeitigen Waage sich auf halbe Kilos reduzierte, auf Pfunde also.
Die Waage war nie mein Feind, ich war immer ein Strich in der Landschaft, bis ich vor wenigen Jahren entdecken musste, dass ein gewisser BMI und ich in Konfliktbeziehung standen. Das Thema ist zwar inzwischen durch, das Aufdiewaagestellen macht mir wieder Freude.
Bevor ich zur Sache komme, möchte ich noch eine (rhetorische) Frage stellen: Ich habe nie verstanden, warum man früher auf Bahnhöfen für 10 oder 50 Pfennig oder ne Mark, ich weiß nicht wirklich, wieviel das damals gekostet hat, weil dafür war mir mein Geld zu schade, also warum man sich früher auf Bahnhöfen wiegen konnte. Da stand eine Personenwaage mit Geldschlitz und Gewichtsanzeige. Ich habe nie, wirklich nie, jemanden gesehen, der sich nackig auf die Waage gestellt hat. Und das mit dem Koffer und dem Übergewicht, das war ja eine Geldverdienidee der Fluggesellschaften, aber nicht der Bahn. Soweit mal dazu.
Nun haben sich allerdings die Zeiten verändert, die Elektronik hat Einzug gehalten auch in die Wiegetechnik. Inzwischen wird das Gewicht elektronisch auf einem Display angezeigt, und bei Bedarf auch im Memory gespeichert. Schön.
Wenn man sich auf so eine Waage stellt, macht es Sinn, sich möglichst immer zu vergleichbaren Anlässen zu wiegen. Nach dem Aufstehen etwa, nach dem Aufstehen und dem Toilettengang, nach dem Aufstehen und dem Toilettengang und vor dem ersten Schluck und Bissen des Tages, weil, dann wiegst Du am wenigsten.
Der Fortschritt hat dazu geführt, dass man außer einer relativ zuverlässigen Gewichtsmessung auch noch Quatschinformationen bekommt. Muskelmasse. Fettanteil (oh Schreck!). Wasseranteil. Gemessen wird an den Füßen. Oberflächenspannung. Du steigst runter. Wieder rauf. Sensationell andere Werte werden angezeigt. Nochmal runter. Rauf. Du beschließt als Nebenfachmathematiker eine statistische Messreihe von mindestens 1000 Messungen anzulegen und den Durchschnitt davon zu nehmen. Und irgendwann sagst Du Dir, dass Du auf diesen Blödsinn nichts mehr gibst.
Nun berichtet mir mein Freund Bodo von folgender Begebenheit. Das dampfende Essen steht auf dem Tisch, als letzter kommt endlich auch Bodos Jüngster, der 10jährige Florian, an den Tisch und berichtet mit ernster Miene, er habe zwei Nachrichten, er häbe sich gerade gewogen, die gute Nachricht sei, er würde zwar nur noch 40 Kilo wiegen, aber der Fettanteil liege bei 24 Prozent. Aha!
Bodo wiederholt zum xten Mal, dass man auf den Fettanteil beim Wiegen nichts geben könne, das seien einfach nur Jux-Werte, als Florian relativ bald appetitlos das Essen einstellt.
Es sei totaler Blödsinn zu glauben, dass man an den Füßen das Körperfett etwa an den Pobacken messen könne! Bodo sagt das ziemlich heftig. Statt trotzig zu widersprechen verschwindet Florian aus der Küche, um kurz darauf mit der Waage zurückzukommen, seine Hose herunterzuziehen und sich mit nackigem Po auf die Waage zu setzen und seine Füße bodenhaftungsvermeidenderweise in die Luft zu strecken.
„Zwanzig Prozent! Du hast recht Papa!“ Rennt mit der Waage ins Bad. Und sitzt mit Riesenheißhunger umgehend wieder am Tisch…
Womit bewiesen wäre, dass Fettanteilmessungen eine Frage der Technik sind.
© Ulf Runge, 2009
|
Hinter’m Mond
|
Leben 417– Sonntag, 26.04.09
Ich kaue meinen Salat. Trinke meinen O-Saft. Wir reden im Kollegenkreis. Nein, nicht über die Arbeit. Wir erzählen dies und das. Und plötzlich wird aus einem alltäglichen Gespräch ein bemerkenswertes, ein außergewöhnliches. Das kann nicht wahr sein, was die KollegInnen da erzählen. Kaum bistu mal für ne Woche off-world, will sagen, guckst im Urlaub kein Fernsehen, keine Nachrichten, hörst kein Radio, keine Nachrichten, hältst die Zeit an, für Tage, für wenige nur, und schon entgeht Dir etwas abstrus Besonderes.
Wobei meine Recherchen schlussendlich dazu führen, dass ich schon seit Jahren hinter dem Mond lebe.
Worum geht es?
Da häben an 25 Orten in Deutschland ganz viele Menschen gleichzeitig eine Kissenschlacht veranstaltet. Ich muss mein Amusement schmerzhaft verbergen, um nicht bei den Nachbartischen aufzufallen. Denke mir, da wärste auch gern dabei gewesen.
Natürlich ist das ein unzulässiger Gedanke, der Kollege holt mich dann auch sofort heim, indem er mehrfach das „Stadtreinigung“ in die Runde wirft. Klaro, so ein Happening verursacht gigantische Kosten, ungeplant noch dazu, bei der Stadtreinigung. Da würde ich nicht gerne zur Kasse gebeten werden wollen.
Allein, der Gedanke an so ein Event ist etwas Verführerisches.
Wie kann nun so etwas verabredet werden? Nun, es wird vermutet, dass als Technologie Doodle verwendet worden sei. Da kann ich nur mit einem fettbreiten Grinsen sagen: „Wir berichteten darüber“.
Wir können ja wirklich froh sein, in einer liberalen und freien Gesellschaft zu leben. Auch wenn der Kampf um das Existenzielle, um Einkommen und Arbeitsplatz immer härter wird, wenn wir immer wieder aufpassen müssen, dass der „Überwachungsstaat“ nicht Wirklichkeit wird, wobei ich glaube, dass das privatwirtschaftliche Überwachungsinternet eher Realität wird als das selbige staatliche Gemeinwesen. Will sagen, wenn ziviler Ungehorsam sich heutzutage in Kissenschlachten abspielt, dann kann es uns nur gut gehen.
Hier ein entsprechendes Video aus 2007 (das macht dann 2 Jahr „hinter dem Mond“ aus): http://www.youtube.com/watch?v=Nh-I7sfjQhA
Eine beeindruckende Variante dieses Themas findet sich hier:
http://www.youtube.com/watch?v=0U_kp1saG-g
Und wehe, ich erwische jemanden mit einem Grinsen im Gesicht!
© Ulf Runge, 2009
|
blitzlicht
liebe leserinnen und leser meines blogs,
danke für eure clicks und lieben kommentare,
die ich voraussichtlich erst am wochenende würdigen und erwidern kann.
wer kennt sie nicht, diese zeiten, die so voll sind von verpflichtungen,
terminen, die wahr genommen werden wollen,
prioritäten, umpriorisierungen.
herzliche grüße,
ulf runge
Wenn – Dann
|
Leben 416– Dienstag, 21.04.09
Gesundheit! Wünsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern. Die Osterpause ist beendet und Sebastian Kneipp spricht hier stabreimig aus, was viele von gar nicht so lustig empfinden werden. Weil, in der Schule, oder besser noch in Mathe, da habe ich Wenn-Dann-Beziehungen gelernt. Wenn ich 100 D-Mark mit 5% Zins anlege, dann habe ich nach einem Jahr 105 D-Mark. Klaro, oder?
Nun die D-Mark ist dem Euro gewichen. Und mit der Gesundheit ist es leider nicht so, dass ich mich bloß richtig – was auch immer das sein mag – ernähren muss und angemessen meinen Kreislauf herausfordern und was für meine Beweglichkeit tun (was beides nicht unbedingt das Gleiche ist), und schon bin, bleibe, werde ich gesund.
Aber so einfach hat sich Sebastian Kneipp das sicherlich auch nicht machen wollen. Will sagen, mit dem Wort „Lebenswandel“ meint er, dass wir Menschen die (verdammte) Pflicht (uns selber und unseren Lieben gegenüber) haben, alles in unserer Macht stehende zu tun, dass wir gesund sein können.
Der Umkehrschluss ist wohl leider nicht erlaubt. Wenn Unfälle oder gar schlimme, womöglich unheilbare Krankheiten über uns oder nahe bei uns hereinbrechen, dann mag der Lebenswandel hilfreich, ja sogar Voraussetzung sein für eine Genesung. Ich glaube, dass in diesen besonderen Lebenslagen noch zwei weitere wichtige Faktoren hinzukommen: Dass man Zuversicht hat, dass man unverzagt ist, dass man Sinn entdeckt im vermeintlich Sinnlosen. Und dass es Menschen gibt, die einen trostvoll, liebevoll, herzlich und ebenso zuversichtlich begleiten.
Also: Verabschieden wir uns vom Wenn-Dann-Denken bei der Gesundheit. Hoffen wir, dass wir so viel wie möglich tun und getan haben, um unseren Beitrag zu leisten. Und hoffen wir dann schließlich noch auf das, was die einen Gottes Fügung nennen, und was für die anderen Schicksal, Kismet, wasauchimmer ist.
Anmerkung 1: Oben habe ich von „richtiger“ Ernähung gesprochen. Ich für mich habe nach der Lektüre des Buches „Stopp! Die Umkehr des Alterungsprozesses“ von Andreas Campobasso entschieden, dass eine möglichst ausschließlich pflanzliche, rohkostbasierte, basische Ernährung es einen Versuch Wert ist, die von Sebastian Kneipp geforderten selbstinitiativen Voraussetzungen für ein gesundes Leben zu schaffen.
Anmerkung 2: Ich empfinde es als Luxus, dass ich mir über die Begriffe Massentierhaltung oder Legebatterie nicht mehr vergleichbar viel Gedanken machen muss wie bisher.
© Ulf Runge, 2009
P.S.: Ich bedanke mich beim Bellaprint-Verlag , Hinterbrühl, Österreich, für die freundliche Genehmigung, den Sinnspruch des Original-Leitspruch-Wochenkalenders als Thema für Beiträge in meinem Blog verwenden zu dürfen. Der Original-Leitspruch-Kalender wird in Deutschland vertrieben von der Impuls-Kalender GmbH .
|
Osterclickparade 2009
|
Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs, “Mein Schreibetagebuch: Leben” geht in einen kurzen Urlaub und wird sich voraussichtlich am 20. April 2009 zurückmelden. Bis dahin veröffentliche ich hier eine Liste sämtlicher Links auf meine bisherigen Blogbeiträge, in absteigender Reihenfolge sortiert nach der Häufigkeit des Angeclicktwerdens.
Ich würde mich freuen, wenn dieses Angebot, ein bisschen auf meinem Blog rumzustöbern, von der einen oder dem anderen – ob dieser Pause womöglich Enttäuschten – aufgegriffen wird.
Ich wünsche allen, die dies hier lesen, gute Stunden mit lieben Menschen, ein erholsames Ausbrechen für Stunden und Tage, ich wünsche uns allen, dass wir einander die Kraft und Zuwendung geben, die uns gegenseitig stark macht, die uns unverzagt und hoffnungsvoll im Jetzt leben lässt und uns zuversichtlich nach vorne blicken lässt.
Herzliche österliche Grüße, Ulf Runge
© Ulf Runge, 2009 |
|
Titel |
Aufrufe |
|
Fünf Minuten früher – So geht es! |
1.275 |
|
Über mich (das sollte ich mal wieder aktualisieren) |
761 |
|
575 |
|
|
475 |
|
|
Nackte Tatsachen – ab jetzt täglich auf |
467 |
|
462 |
|
|
452 |
|
|
446 |
|
|
380 |
|
|
317 |
|
|
310 |
|
|
309 |
|
|
296 |
|
|
290 |
|
|
285 |
|
|
278 |
|
|
276 |
|
|
258 |
|
|
246 |
|
|
242 |
|
|
238 |
|
|
231 |
|
|
228 |
|
|
224 |
|
|
221 |
|
|
218 |
|
|
215 |
|
|
211 |
|
|
204 |
|
|
200 |
|
|
200 |
|
|
192 |
|
|
183 |
|
|
173 |
|
|
172 |
|
|
171 |
|
|
170 |
|
|
169 |
|
|
159 |
|
|
158 |
|
|
156 |
|
|
156 |
|
|
154 |
|
|
151 |
|
|
149 |
|
|
145 |
|
|
142 |
|
|
141 |
|
|
140 |
|
|
140 |
|
|
139 |
|
|
138 |
|
|
137 |
|
|
136 |
|
|
135 |
|
|
135 |
|
|
132 |
|
|
130 |
|
|
130 |
|
|
129 |
|
|
127 |
|
|
125 |
|
|
124 |
|
|
124 |
|
|
123 |
|
|
122 |
|
|
122 |
|
|
121 |
|
|
120 |
|
|
119 |
|
|
119 |
|
|
117 |
|
|
117 |
|
|
117 |
|
|
116 |
|
|
116 |
|
|
116 |
|
|
116 |
|
|
115 |
|
|
114 |
|
|
114 |
|
|
113 |
|
|
112 |
|
|
111 |
|
|
110 |
|
|
108 |
|
|
107 |
|
|
106 |
|
|
105 |
|
|
104 |
|
|
104 |
|
|
103 |
|
|
102 |
|
|
100 |
|
|
99 |
|
|
99 |
|
|
97 |
|
|
97 |
|
|
96 |
|
|
96 |
|
|
96 |
|
|
95 |
|
|
94 |
|
|
94 |
|
|
94 |
|
|
91 |
|
|
91 |
|
|
90 |
|
|
90 |
|
|
90 |
|
|
89 |
|
|
89 |
|
|
88 |
|
|
87 |
|
|
86 |
|
|
85 |
|
|
84 |
|
|
84 |
|
|
83 |
|
|
83 |
|
|
82 |
|
|
82 |
|
|
81 |
|
|
81 |
|
|
81 |
|
|
80 |
|
|
80 |
|
|
79 |
|
|
79 |
|
|
79 |
|
|
79 |
|
|
78 |
|
|
78 |
|
|
77 |
|
|
76 |
|
|
75 |
|
|
75 |
|
|
75 |
|
|
74 |
|
|
74 |
|
|
73 |
|
|
73 |
|
|
73 |
|
|
73 |
|
|
73 |
|
|
72 |
|
|
72 |
|
|
71 |
|
|
71 |
|
|
70 |
|
|
70 |
|
|
70 |
|
|
70 |
|
|
69 |
|
|
69 |
|
|
69 |
|
|
68 |
|
|
68 |
|
|
68 |
|
|
68 |
|
|
67 |
|
|
67 |
|
|
67 |
|
|
67 |
|
|
67 |
|
|
67 |
|
|
67 |
|
|
66 |
|
|
66 |
|
|
66 |
|
|
66 |
|
|
66 |
|
|
65 |
|
|
65 |
|
|
64 |
|
|
64 |
|
|
63 |
|
|
62 |
|
|
62 |
|
|
62 |
|
|
62 |
|
|
61 |
|
|
61 |
|
|
60 |
|
|
59 |
|
|
59 |
|
|
59 |
|
|
58 |
|
|
58 |
|
|
58 |
|
|
57 |
|
|
57 |
|
|
57 |
|
|
57 |
|
|
56 |
|
|
56 |
|
|
56 |
|
|
56 |
|
|
55 |
|
|
55 |
|
|
55 |
|
|
55 |
|
|
55 |
|
|
55 |
|
|
55 |
|
|
54 |
|
|
53 |
|
|
53 |
|
|
53 |
|
|
53 |
|
|
53 |
|
|
52 |
|
|
52 |
|
|
52 |
|
|
52 |
|
|
51 |
|
|
51 |
|
|
51 |
|
|
51 |
|
|
50 |
|
|
50 |
|
|
50 |
|
|
50 |
|
|
50 |
|
|
49 |
|
|
49 |
|
|
49 |
|
|
49 |
|
|
49 |
|
|
48 |
|
|
48 |
|
|
48 |
|
|
48 |
|
|
47 |
|
|
47 |
|
|
47 |
|
|
47 |
|
|
47 |
|
|
46 |
|
|
46 |
|
|
46 |
|
|
46 |
|
|
45 |
|
|
45 |
|
|
45 |
|
|
45 |
|
|
45 |
|
|
45 |
|
|
45 |
|
|
45 |
|
|
45 |
|
|
44 |
|
|
44 |
|
|
43 |
|
|
43 |
|
|
43 |
|
|
43 |
|
|
43 |
|
|
42 |
|
|
42 |
|
|
42 |
|
|
42 |
|
|
42 |
|
|
41 |
|
|
41 |
|
|
41 |
|
|
40 |
|
|
40 |
|
|
40 |
|
|
40 |
|
|
40 |
|
|
39 |
|
|
39 |
|
|
39 |
|
|
39 |
|
|
39 |
|
|
39 |
|
|
38 |
|
|
38 |
|
|
38 |
|
|
38 |
|
|
38 |
|
|
37 |
|
|
In Emtern möcht‘ ich nicht wohnen |
37 |
|
37 |
|
|
37 |
|
|
36 |
|
|
36 |
Schatzsuche
|
Leben 415– Donnerstag, 09.04.09
Mit Gefühlen anderer Menschen zu spielen, ist an und für sich verwerflich. Und doch gibt es hin uns wieder Situationen, in denen wir nicht „Nein“ sagen können, wenn uns das Leben eine Vorlage bietet, „Schicksal zu spielen“.
Alles fängt damit an, dass Eishersteller immer wieder, erdölseidank, jede Menge Plastikbeiwerk zum eigentlichen Verzehrprodukt „Eis“ hinzugesellen. So hat ein großer Eishersteller so um 2002 immer wieder ein anderes Meerestier den Eispackungen hinzugelegt, so dass man natürlich Eis ohne Ende verzehren musste, um alle verschiedenen Variationen sein eigen nennen zu dürfen.
Ein anderer Hersteller hatte vor noch längerer Zeit sein Eis in zauberhaften kleinen, blauen Schatztruhen angeboten. Das war ein Spaß! Du öffnest vorsichtig den Deckel und findest auf den Eis einen kleinen Plastiklöffel, mit dem Du die Truhe dann langsam „ausräumst“. Anschließend im letzten Spülwasser auswaschen und die Schatztruhensammlung kann zu wachsen beginnen.
Es gibt ja nichts Schlimmeres als eine Sammlung leerer Behälter. Die man für irgendwanneinmal aufhebt. Weil man sie ja dann vielleicht noch gut gebrauchen kann. So hatte ich früher, als man noch richtige Fotofilme gekauft hat, einen Wahnsinnsbestand an leeren Plastikdöschen mit Deckeln. Für alle Fälle halt. Eine sinnvolle Verwendung für diese Gegenstände fand sich dann doch im Laufe der Jahre: Übrig gebliebene Münzen ferner Länder fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Die findungssicher aufbewahrten italienischen Lire, französischen Francs, österreichischen Schillinge sowie die niederländischen Gulden blieben nämlich im entscheidenden Wiederverwertungsaugenblick leider unauffindbar. Vermutlich wurde die Digitaltechnik bei Fotoapparaten auch deshalb eingeführt, weil es für die Plastikdöschen keine weitere Verwendung gab, als die Einführung des Euro private Fremdwährungsbestände nahezu überflüssig machte.
Ein Urlaub am Meer stand an, zum ersten Mal wollten wir mit unserer mittlerweile knapp dreijährigen Tochter an die See. Da ich nun definitiv nicht der Sandburgenbautyp bin, verzichteten wir auf größeres Räumgerät und statteten nur unsere Tochter mit Werkzeug aus: Eimerchen, Sieb, Schäufelchen, ein kleiner Rechen und drei süße Förmchen, um dem Sand die Gestalt einer Ente zu geben, oder die eines Sterns, oder einer Rosette.
Nachdem der Sand komplett fertig gesiebt war und der Strand bis zum Horizont mit Enten, Sternen und Rosetten übersät war, erklang das ruhe- und erholungssuchenden Eltern wohlbekannte „Mir ist langweilig!“
„Dann buddle doch mal ein bisschen tiefer im Sand, vielleicht findest Du einen Schatz!“ machte ich ihr Hoffnung auf ein plötzliches Treffen von Wirklichkeit mit Märchenwelt.
Ich will jetzt nicht weiter erörtern, welche fundamentalen Erziehungsfehler Eltern gemacht haben könnten, wenn ihr dreijähriger Zögling total abgebrüht „Hier gibt’s doch keine Schätze!“ antwortet.
„Wetten dass?“ entgegnete ich mit ernstem Gesicht.
Und so buddelte unsere Tochter – zum Glück doch noch etwas elterngläubig – in den folgenden zehn Minuten nach dem Schatz der Schätze, den Abertausende von Vorherurlauberkindern nicht gefunden haben sollen.
Frustiert bestand die Kleine dann darauf, mit ihrer Mama ins Wasser gehen zu dürfen, etwas Abkühlung genießen.
Nun muss man wissen, dass ich diesen Augenblick inbrünstig herbeigesehnt hatte. Und zwar schon lange vor Antritt der Urlaubsreise. Zu Hause hatte ich drei der leeren Eis-Schatztruhen mit Glasmurmeln gefüllt. Diese drei Schätze schmuggelte ich in einer Plastiktüte heimlich in meinen Koffer, in dem sie bis heute früh unerkannt versteckt geblieben waren. Beim Packen der Utensilien für den Strandspaziergang legte ich selbige Plastiktüte zuunterst hin, darauf dann die Strandmatten und das Sandspielzeug.
Während Mutter und Tochter vergnüglich im Wasser planschten, schlich ich mich ein paar Meter seitlich und vergrub dann drei verschiedenen Stellen die Kostbarkeiten.
Ob sie nicht doch noch mal nach Schätzen buddeln wolle, versuchte ich das Interesse der jungen Dame für das Fortsetzen der ergebnislosen Schatzsuche zu wecken. Ich hätte im Reiseführer gelesen, dass es hier wirklich noch Schätze geben solle. Mir zuliebe machte sie sich noch mal auf, um dann schon bald „Keine Schätze!“ zu rufen.
Ich wollte ihr schon „zu Hilfe“ eilen, als endlich ein mark- und beinerschütterndes „Schaaatz! Ich habe einen Schaaahaaatz!“ ertönte. Wir sprangen auf und sahen, wie ein total verklärtes Kind voller Schatzfinderglück ganz vorsichtig den Deckel der murmelschweren Truhe anhob. „Murmeln! Ich habe einen Murmelschatz!!“
Auch Dreijährige kennen bereits die Weisheit „Einer geht noch rein!“ und „Auf einem Bein kann man nicht stehen.“ Sozusagen: „Ein Schatz kommt selten allein.“
Die weiteren Schätze waren schneller geborgen, als ich gehofft hatte. Für den Rest des Tages konnte unsere Tochter ihr Glück kaum fassen. Immer wieder wollten die Murmeln in die Hand genommen sein. Raus aus ihren Kisten. Und wieder vorsichtig hineingelegt.
Der Schwindel flog auf, nachdem ich die drei Schatztruhen heimlich wieder in Transportkorb gelegt hatte, nachdem ich sie erneut versteckt hatte, nachdem sie erneut gefunden worden waren, als diese zurück in der Unterkunft zu den gestern entdeckten Schätzen hinzugestellt werden sollen. Womit bewiesen wäre, dass Dreijährige schon bis 6 zählen können…
© Ulf Runge, 2009
|
Ob ich denn wirklich der Meinung sei …
|
Leben 414– Dienstag, 07.04.09 Ob ich denn wirklich der Meinung sei, dass der Kunde König sei? Grinste er mich frech an. Da überlegte ich doch für einen Augenblick, wie ich überhaupt hierher gekommen sei. Aber der Reihe nach… Ja, richtig, es hatte damit angefangen, dass ich die Nächte gugelnd verbrachtet hatte. Auf der Suche nach einem Handy. Modell W-irgendwas, Farbe Silber, Country-Silber glaube ich. Wer je einen lofotengrünen Käfer gefahren hat, weiß die Bedeutung sachdienlicher Attribute für die Wirkung der Farbe zu schätzen. Das alte Handy war noch gut, d.h. man konnte überraschungsfreier Weise immer noch mit ihm telefonieren. Auch Foto hatte es. Doch kein Radio. Oder Empedrei. Nun hatte die Jugend, wirklich guten Geschmack zeigend, einen einzigen Weihnachtswunsch geäußert. Dieses W-irgendwas, country-silbern. Sonst nix. Fröhliche Weihnachten mit ebendiesem Handy. Oder ohne selbiges bei selberschuldmieser Stimmung. Ein erster Blick ins Netz zeigte, dass die Aufgabe kinderleicht war, auf den ersten Blick: 1 Euro. Nur einen einzigen Euro sollte das neue Spielzeug kosten. Nach Lektüre des kleinstkleingedruckten Abschnittes darunter verstand ich, dass ich die kommenden 24 Monate noch mit erheblichen weiteren Kosten hätte rechnen müssen. Nein, danke. Ich wollte prepaid. Wechsle also die Sortierreihenfolge. Auf „von teuer nach preiswert“. Aha. Mein Blick friert ein, wird seltsam starr. Zweihundertirgendwas Euro für ein W-irgendwas, country-silbern. Wo ist da noch der Maßstab, denke ich? Hin- und hergerissen zwischen „den Wunsch erfüllen wollend“ und „das muss doch billiger gehen“, surfe ich die kommenden Nächte durchs Netz, u.a. auch meinen Blog sträflich vernachlässigend. Beschäftige mich mit Handy-Brandings. Lande immerhin bei magentafarbenem Branding für gut 170 Euro. Wobei ich noch klären muss, ob es sich nur um einen Branding-Aufkleber oder ein „branded menu“ handelt. Lauter Dinge, die ich eigentlich nicht wissen will. Ich will nur ein preiswertes Geschenk kaufen. Die Nächte bringen mich einer Lösung nicht näher. Egal. Ich finde ich mich auf einer Tagesreise mit dem Auto wieder, als ich fern der Heimat beschließe, an der nächsten Ausfahrt rauszufahren, in ein Einkaufszentrum, in dem ich schon vor längerer Zeit mal war, vergeblich nach dem Ichbindochnichtblöd-Markt suchen. Bin bereit, die Kohle auf den Ladentisch zu blättern, will meine Ruhe haben. Bin wieder zu blöd den Ichbindochnichtblöd-Markt zu finden. Gehe in ein Geschäft. Frage nach dem, nein ich frage nicht. Weil, ich bemerke, dass ich in einem Telefonshop gelandet bin. Just von dem Provider, bei dem die Jugend schon prepaid hat. Und die Gattin schon seit ewigen Zeiten einen fairen Vertrag. Von wegen es gibt keinen Zufall. Ich sag ihm, dem netten Herrn mir gegenüber, nicht, dass zum Ibdnb-Markt will. Oder wollte. Das werde ich ihm vielleicht erst in zwei Stunden sagen. Jetzt sage ich ihm mein wirkliches Anliegen. Und dass ich gelesen hätte, dass sie dieses W-irgendwas leider nicht im Angebot hätten. Er schaut mich höflich an, freundlich an, vielleicht sogar ein bisschen generös. Ob ich mal die Telefonnummer meiner Ehefrau sagen könne. Selbige eintippenderweise erhellt sich sein Gesicht, ein erfreutes „Aah“ ist zu vernehmen. Gefolgt von einem dann allerdings verzweifelten, verzweifelnden „Ooh“. Mein fragendes Gesicht fordert Aufklärung ein, die da lautet: Der Vertrag sei upgradefähig, aber das System sei gerade abgestürzt, er könne mir noch nicht sagen, zu welchen Konditionen er mir das Handy anbieten könne. Er ruft in der Zentrale an. Alle Systeme sind abgestürzt. Keine Auskünfte aktuell möglich. Es werde wohl ne Stunde dauern. Ich rechne mir eine Ersparnis von mindestens 100 Euro aus, und beschließe, dass ich mir davon einen Imbiss beim Italiener leisten könne. Und dann frage ich noch nach dem Weg zum Ibdnb-Markt, um das Ersparte teilweise auch in eine lang schon gewünschte externe Festplatte zu investieren. Nach 60 Minuten stehe ich wieder auf der Matte, das System ist wieder oben, der Preis wird bei 80 Euro liegen. Die Weihnachtsgeschenkschmerzgrenze ist jetzt nicht mehr überschritten, ich mache den Kauf endgültig fest. Ja und das ist jetzt der Augenblick, in dem die Erscheinung auf der anderen Seite der Verkaufstheke seinen lockeren Spruch los wird: Ob ich denn wirklich der Meinung sei, dass der Kunde König sei? Grinst mich frech as frech can an. Definitiv sei das nämlich anders. Er, der Verkäufer, er sei König. Er habe nämlich die Möglichkeit zu entscheiden – er geht kurz mal in der Lagerraum und kommt mit zwei Verpackungen zu mir zurück – er habe nämlich die Freiheit zu entscheiden, ob er dieses Handy hier verkaufe oder, und nur blickt er auf die andere Verpackung, jenes hier. Da ich nicht bockig erscheinen möchte, frage ich interessiert nach dem Unterschied der beiden Kartons. Dieses Handy hier sei das von mir gewünschte Gerät. Und jenes hier in der etwas größeren Schachtel, sei auch das von mir gewünschte Telefon. Doch es enthalte darüber hinaus zwei Minilautsprecher. Die seien so was von cool. Und er, er alleine, entscheide, wem er das verkaufe. Grinst mich nochmal vollfett an. „Und diese Sonderausgabe mit den Lautsprechern, die bekommen Sie!“ Ernsthaft dankbar darüber, etwas ganz besonderes mit nach Hause nehmen zu dürfen, und auch mächtig belustigt über diese schauspielerische Leistung bezahle ich und verlasse erfreut das Einkaufszentrum. Die vergeblichen Suchnächte sind vorbei. Das Geschenk ist vom Preis her vertretbar. Es ist außergewöhnlich. Und für irgendwann – irgendwann ist nun also jetzt – habe ich mal wieder eine Geschichte für meinen Blog im Kasten. © Ulf Runge, 2009 |
Netz weg
|
Leben 413– Sonntag, 05.04.09
Ich denk‘ noch nach, was ich schreiben könnte zu diesem Sinnspruch, bin noch unentschlossen, höre auf meinem Lieblingssender SWR1/RP „den“ Moderator meiner Jugend, Frank Laufenberg, habe die Ansage des Songs verpasst, des Songs der mir so gut gefällt, den ich seinerzeit immer wieder gerne gehört habe, ich vermute, es sind die Spotniks, ich clicke ins Netz, um den Titel herauszufinden, UND? Weg! Blödes DSL!
Und besinne mich sogleich auf das, über das ich schreiben wollte. Ich kann mich jetzt noch ne Weile ärgern! Oder. Meine Augen schließen. Die Ohren weit öffnen. Und den Klang der Jugend aufsaugen.
Das könnte Jane Austen gemeint haben, als sie diesen Spruch formuliert hat.
Was kann einem denn fehlen? Gesundheit, Zuversicht, Vertrauen, Mut, Liebe, Freunde, Auskommen, Einkommen, Ansehen. Ein einzigartiges, abhanden gekommenes Foto. Eine ganz, ganz wichtige Seite aus dem Tagebuch. Irgendetwas nicht wieder Herbeizauberbares.
Und dann, wenn wir uns des Verlustes bewusst werden, dann sollen wir trotzdem überlegen, an was wir noch Freude haben können. Es ist nicht die Trübsal, die uns den Blick nach vorne öffnet. Es ist nicht die Mutlosigkeit, die uns den Weg zum Gipfel wieder aufnehmen lässt.
Das Netz geht immer noch nicht. Aber Frank Laufenberg spielt Johnny & The Hurricans und deren „Sandstorm“. Das war für mich DIE Samstagabendmeldie, weil sie als Indikativ der BFBS Cologne Top Ten über den Äther strömte. Wenn ich diesen Artikel „im Kasten“ habe, dann werde ich mich an den bösen Kleinstweichwaren-Witz erinnern, wie man denn ein Auto, das nicht mehr tut, repariert. „Ganz einfach. Aussteigen. Einsteigen. Tut.“ Ich werde also den DSL-Stecker rausziehen, einstecken. Den WLAN-Router ausschalten, einschalten. Den Laptop ausschalten, einschalten. Und tut dann hoffentlich wieder.
Und ich werde mich dabei nicht ärgern. Weil, es ist 23:43 Uhr. Und Frank Laufenberg wird mich noch mindestens 17 Minuten begleiten. Jane Austen hatte mit Sicherheit einen bedeutsamen Mangel als eine fehlendes Netz im Sinn, als sie diese Worte fand. Ich glaube aber, dass sich mein Beispiel sehr wohl übertragen lässt auf Situationen, die weitaus aussichtsloser erscheinen als der Verzicht auf ein paar Minuten online. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, dass Sie / Ihr einen Weg finden/t, das eigene Verlustthema positiv zu bearbeiten und zu überwinden durch die Besinnung auf all das Schöne, was einem geblieben ist, was man im Jetzt genießen darf.
© Ulf Runge, 2009
P.S.: Duane Eddy mit dem Song “Peter Gunn“, das war die gigantische Nummer, bei der ich vorhin die Augen genussvoll geschlossen habe. Statt mich über technische Unzulänglichkeiten zu ärgern…
P.S.: Jane Austen ist eine sehr bekannte britische Schriftstellerin, die am 16.12.1775 in Steventon, Hampshire geboren wurde und am 18.07.1817 in Winchester verstorben ist. Wir haben die Verfilmung ihres Werkes “Pride and Prejudice” in der Fassung, die auf Deutsch “Stolz und Vorurteil” heißt. Ich glaube, ich sollte mir diese DVD jetzt endlich auch mal ansehen. P.S.: Ich bedanke mich beim Bellaprint-Verlag , Hinterbrühl, Österreich, für die freundliche Genehmigung, den Sinnspruch des Original-Leitspruch-Wochenkalenders als Thema für Beiträge in meinem Blog verwenden zu dürfen. Der Original-Leitspruch-Kalender wird in Deutschland vertrieben von der Impuls-Kalender GmbH .
|
(Zu) späte Wiedergutmachung
|
Leben 412 – Mittwoch, 01.04.09
Es hätte sein ganz persönliches Geschenk an die von ihm ungeliebten Nahverkehrskunden werden sollen. Doch nun kommt es anders. Nein, ich möchte mich nicht in die Reihe der ewigen Mehdorn-Kritiker einreihen, die nun, wo er zu gehen bereit ist, auf einmal seine Leistungen, die auch er unbestritten vorzuweisen hat, besonders hervorheben möchte.
Wenn auch bei vielen Bahnkunden nicht zum persönlich erlebten Erfahrungsalltag gehörend, muss man zugeben, dass die Bahn in den vergangenen Jahren sehr pünktlich geworden ist. Bei den Zügen, mit denen ich fahre, gibt es nur eine einzige Verbindung, die täglich „pünktlich“ zu spät ist. Bei allen anderen Relationen, wie der Fachmann sagt, darf ich es mir nicht erlauben, auch nur eine Sekunde zu spät am Bahnhof zu erscheinen.
Da die Bahn mittlerweile schon seit längerer Zeit im großen und ganzen pünktlich unterwegs ist, haben sich deren Verkehrplaner nun auf die Suche gemacht, wie man die letzten Unpünktlichkeiten beseitigen kann. Die bisher hierzu vorliegenden Analysen haben bisher zu keinem wirklichen Ergebnis geführt, wie der jüngsten Ausgabe der Kundenzeitung der Bahn zu entnehmen ist. Statt dessen hat man allerdings das Phänomen der „Pünktlichkeits-Puffer“ entdeckt, nämlich dass insbesondere Fernzüge auf Hochgeschwindigkeitstrassen im Minutenbereich von fünf, manchmal sogar bis zu acht Minuten zu früh auf dem Zielbahnhof einlaufen. Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen für den IC 2296 ab Heppenheim, der in der Regel 4 Minuten zu früh eintrifft.
Und diese Pünktlichkeits-Puffer sollen ab dem Sommerfahrplan den Nahverkehrskunden zur Verfügung gestellt werden. Dieses bedarfsorientierte System funktioniert denkbar einfach und soll anfänglich als kostenloser Service angeboten werden. Ähnlich wie beim Ruf-Taxi meldet man seinen Reisewunsch mit seinem Handy an, und zwar per SMS mit der Zugbezeichnung an die PP-Hotline, in meinem Beispiel also die „2296“. Aufgrund der Satelliten-Standortbestimmung wird ermittelt, an welchem Bahnhof ich gerne zusteigen würde. Falls sich der betreffende Zug dann im PP-Bereich von mindestens 3 Minuten Verfrühung befindet, hält der Zug am gewünschten Unterwegs-Bahnhof, wobei Ein- und Aussteigen aufgrund der verschiedenen Zuglängen aus Sicherheitsgründen jeweils nur im ersten Waggon möglich sein wird. Beim Einsteigen teilt der Fahrgast dem Lokführer auch gleich seinen Zielbahnhof mit. Und gut ist. Das ganze kostet maximal drei extra Minuten und die Verfrühung kann somit nicht weiter wachsen.
Genial. Bahn(!)brechend. Wie gesagt, ab dem Sommerfahrplan soll dieser Service eingeführt werden. Zunächst auf ausgewählten Strecken, ab dem Winterfahrplan dann flächendeckend. Schade für Herrn Mehdorn, dass er diese späte Wiedergutmachung bei den Pendlern nicht mehr selber verkünden darf.
P.S.: Wenn Sie weitere Details über diese Innovation erfahren möchten, dann schauen Sie doch bitte mal auf den Kalender. Danke fürs Bishierherlesen.
© Ulf Runge, 2009
|
Schatzsuche

Angemerktes