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Stink-Tier-Zeit

14. März 2009 2 Kommentare

Leben 402 – Samstag, 14.03.09

Ich will jetzt nicht lange hier um den kalten Brei herumschreiben, sondern komme gleich zur Sache: Wann hast Du das letzte Mal lauthals gelacht? So spontan und frei, dass die Menschen im Nebenraum Dich großäugig betrachten, wenn Du unter Tränen wieder bei Ihnen aufkreuzt. Also wann?

Ich hoffe, Deine Antwort ist „heute“. Schlechtestenfalls gestern.

Meine Antwort ist definitiv „heute“.

Dazu sollte man vielleicht wissen, dass ich bei bestimmten Wartesituationen gerne etwas Sinnstiftendes dabei habe. Ein Buch, in dem ich durch das Lesen der nächsten zwei Seiten vielleicht schon heute ein noch besserer Mensch werde. Merke allerdings beim Betreten besagten „Warte“raumes, dass ich genau dieses mein Büchlein nicht dabei habe. Will andererseits aber auch nicht noch mal rausgehen, weil ich recht dringend…

Entdecke dann aber dankbar eine Hinterlassenschaft der vor mir ge“wartet“ habenden Person. Das ZEITmagazin der vergangenen Woche. Lese die Inhaltsübersicht. Entscheide mich für einen Bericht über Menschen, die schreiben.

Dort lese ich dann, dass es darum geht, „Stinktiere“ zu erkennen und entweder aus seinem Leben auszusortieren oder mit ihnen angemessen, sehr bewusst umzugehen. Stinktiere? Das seien ziemlich üble Zeitgenossen, die immer alles besser wüssten oder die jede noch so beschauliche Stimmung durch ihre Einwürfe kaputt machen. 7 Spielarten werden in diesem Artikel beschrieben.

Die von mir geplante Verweilzeit im „Warte“raum wird nicht ausreichen, den kompletten Text zu lesen. So will ich denn nur eine Leseprobe nehmen und lande bei folgender Passage, die ich mit freundlicher Genehmigung des S. Fischer Verlages und der Zustimmung der Autoren hier wiedergeben darf:

„Ja, warum, was machst du denn?“

„Morgens um sechs geht’s los. Zementsäcke schleppen, unfassbar schwer, vom Keller hoch in den fünften Stock, kein Aufzug, keine frische Luft, heiß, Kollegen sind scheiße, nur eine Pause am ganzen Tag, zehn Minuten, so geht das bis sieben Uhr abends. Und morgens wieder hoch …“

„Du lieber Himmel“, sagt der Freund erschrocken, „wie lange machst du das denn schon?“

„Morgen fang ich an.“

Brüll! Genial! Es zerreißt mich fast vor Lachen, ich beende meinen Aufenthalt im „Warte“raum ordentlich und sehe beim Öffnen der Tür in zwei fragende, amüsierte Gesichter.

Hinweis: Dieser locker geschriebene Artikel von Andreas Lebert und Stephan Lebert ist äußerst unterhaltsam. Danke dafür an die beiden Autoren!

Nicht mehr aktueller Tipp: (Auch) diese Woche DIE ZEIT kaufen, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Tipp: DIE ZEIT zu kaufen, lohnt sich immer.
Noch’n Tipp: Und auch wirklich lesen. Incl. ZEITmagazin.

Ganz heißer Tipp: DIE ZEIT abonnieren.
DIE ZEIT, eine besonders gelungene Form der Vergänglichkeit.

Wer nun traurig ist, dass wir, wie jede Woche, (tchibomäßig) eine neue Woche haben und das besagte ZEITmagazin nicht mehr beim Zeitungshändler käuflich erworben werden kann, der findet hoffentlich Trost im Copyright: Das dort aufgeführte Buch von Andreas und Stephan Lebert vermag bestimmt, die Tränen zu trocknen.

© Auszüge aus dem Buch „Der Ernst des Lebens. Und was man dagegen tun muss“ von Andreas und Stephan Lebert. S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2009

© Ulf Runge, 2009

Kategorien:Leben
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