Spielregeln

Leben 394 – Mittwoch, 04.03.09

 

Ein vorwurfsvolles „Du warst lange weg“ ist mein erster Gedanke, als Du endlich zurück bist. Eines Lächelns noch nicht fähig, nehme ich Dich zärtlich in den Arm, drücke Dich zärtlich an mich, wähne mich alle meine Poren öffnend, Dich in mich einsaugend, Dich, Du!

 

„Tu das nie wieder! Geh nie wieder fort!“ blicke ich Dich flehend an, eines Wortes noch nicht fähig. Denke an die schönen Tage, die wir zusammen hatten. Die ausgelassenen Stunden, die Luftsprünge voller Lebensmut, Deine Liebkosungen. Verdränge die Niedergeschlagenheit des Ohnedichs. Als ich auf meinem Küchenstuhl sitzend in das kalte Dunkel hinausgeblickt habe, vergeblich auf ein Zeichen von Dir hoffend. Leblos vor Sprachlosigkeit in sternenklarer Winternacht. Mutlos angesichts einsam aufsteigender Morgennebel.

 

WARUM NUR? Mit all der mir verbliebenen Kraft schreie ich in mich hinein. Brülle mit größtmöglicher Stille. Auf dass mein Verstand es endlich kapiere. Meine Seele unwiderruflich Abschied von Dir nehme. Mein Herz endlich bereit sei, Dich loszulassen.

 

Keiner Träne fähig, trockenen Halses, voll innerer Leere, habe ich in diesen Nächten auf Dich gewartet. Abschied genommen von Dir.

 

Ob man so einen Heimkehrer empfängt? willst Du wissen. Mehr Freude hättest Du erwartet? Ich will ehrlich sein, ich hatte nicht mehr mit Dir gerechnet. Ja, ja, ich müsse das ja eigentlich wissen, es sei ja schließlich nicht das erste Mal, dass Du weg gewesen. Ob ich jetzt mal die Tränendrüseplatte beiseite legen könne, ob wir denn nicht ein Fest feiern wollten, Party machen?

 

Du bist gut! Platzt hier herein. Bist einfach zurück. Plötzlich. Unverhofft. Und alles soll nun nach Deinen Spielregeln weitergehen?! Und? Was mache ich? Ja, ja, ist schon gut. Was soll ich unternehmen gegen Deine strahlenden Augen? Du hast gewonnen. Wieder einmal. Mich ein weiteres Mal überwältigt. Nimmst mich grenzenlos in Deinen Bann. Nicht mehr loslassen will ich Dich. Willkommen zurück, mein geliebter Frühling!

 

© Ulf Runge, 2009

  1. 4. März 2009 um 11:54

    Puh, du lieber Ulf, was tust du mir an mit diesem absolut genialen, packenden, berührenden Text, du!!!!!
    Was hab ich grad mit dir gelitten und durchgemacht… hach… und dann ist´s bloß der Frühling, der über alles geliebte :-) ohne den jedoch das Leben auch superschön ist, nicht wahr? Und dem ich keine Träne nachweine, ihn aber freudigst erwarte und empfange…
    Und ich dachte schon… So, jetzt hast du aber ganz schön in meine Landkarte geguckt, nicht wahr? *lach*
    Eine ganz besonders sonnige Frühlingsumarmung von Elisabeth

  2. 4. März 2009 um 12:16

    Lieber Ulf, so gut kenn ich Dich mittlerweile, dass es hier nicht um einen geliebten Menschen gehen konnte:-) umso gespannter hab ich den schönen Text gelesen, um herauszufinden, was Du das so vermisst hast… Frühling, ein Wort, das man hier noch lange nicht sagen können wird, ich hab den Schnee langsam echt satt…Aber Euch gönne ich ihn natürlich von Herzen! Liebe Grüsse Andrea

  3. Ursula
    4. März 2009 um 14:47

    Lieber Ulf,

    als ich in einer verspaeteten Mittagspause den Text angelesen habe dachte ich (wenn auch nur ganz kurz) oh nee, nicht auch noch hier schlechte Nachrichten :)).

    Wunderschoene Sprache!

    Hier fuehrt der Fruehling ein Lotterleben und paart sich fast taeglich noch mit dem Winter, aber die Schneegloeckchen und die Krokusse stehen in voller Bluete und endlich kann ich sehen, wohin ich die Zwiebeln fuer die Narzissen im letzten Herbst gesteckt habe. Die Obstbaeume haben schon einen hellen Schimmer an den Knospen und auch sonst ahnt man das frische Gruen. Nur leider graupelt der Winter noch manchmal dazwischen und der alljahreszeitliche, hollaendische Wind kann sich auch nicht zurueckhalten.

    Aber bald ist Ostern und dann darf der Herr von Goethe wieder zitiert werden………

    Liebe Gruesse

    Ursula

  4. Ulf Runge
    5. März 2009 um 01:32

    Liebe Elisabeth,

    Du bist noch nicht so “abgebrüht” wie Andrea ;-)
    Danke, dass Du mitgelitten hast. Dich hast einfangen lassen von den hier geschilderten Gefühlen.
    Bloß der Frühling? Bloß? Lass das ihn nur nicht hören…
    Danke für Deinen Landkarteneinblick :D
    Herzlich (!) frühlingshafte Umarmung,
    Ulf

  5. Ulf Runge
    5. März 2009 um 01:36

    Liebe Andrea,

    für Dich muss ich mir also noch stärkere gefühlsverwirrende “Geschütze” einfallen lassen,
    auf dass es mir gelänge, Dich auch aufs Glatteis zu führen… :D
    Schön, dass Dir der Text “trotzdem” gefällt.
    Schneeschmelzende Grüße,
    Ulf

  6. Ulf Runge
    5. März 2009 um 01:40

    Liebe Ursula,

    danke für die Frühlingsblumen. Zu meinem Text.
    Und die schöne Schilderung des erwachenden holländischen
    Frühlings.

    Liebe Grüße,
    Ulf

    P.S.: Hilf mir bitte weiter, welches Goethe-Zitat meinst Du?
    (hoffentlich wird Deine Antwort nicht zu peinlich für mich…)

  7. Ursula
    5. März 2009 um 07:09

    aehm….. Fluester
    “Faust, Osterspaziergang, vom Eise befreit sind Stroeme und BAche ;)

  8. Ursula
    5. März 2009 um 08:01

    Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
    durch des Frühlings holden belebenden Blick,
    im Tale grünet Hoffnungsglück;
    der alte Winter, in seiner Schwäche,
    zog sich in rauhe Berge zurück.
    Von dort her sendet er, fliehend, nur
    ohnmächtige Schauer körnigen Eises
    in Streifen über die grünende Flur.
    Aber die Sonne duldet kein Weißes,
    überall regt sich Bildung und Streben,
    alles will sie mit Farben beleben;
    doch an Blumen fehlt’s im Revier,
    sie nimmt geputzte Menschen dafür.
    Kehre dich um, von diesen Höhen
    nach der Stadt zurückzusehen!
    Aus dem hohlen, finstern Tor
    dringt ein buntes Gewimmel hervor.
    Jeder sonnt sich heute so gern.
    Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
    denn sie sind selber auferstanden:
    aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
    aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
    aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
    aus den Straßen quetschender Enge,
    aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
    sind sie alle ans Licht gebracht.
    Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
    durch die Gärten und Felder zerschlägt,
    wie der Fluß in Breit und Länge
    so manchen lustigen Nachen bewegt,
    und, bis zum Sinken überladen,
    entfernt sich dieser letzte Kahn.
    Selbst von des Berges fernen Pfaden
    blinken uns farbige Kleider an.
    Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
    hier ist des Volkes wahrer Himmel,
    zufrieden jauchzet groß und klein:
    Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

  9. 5. März 2009 um 08:22

    “Abgebrüht”, na hör mal, lieber Ulf, das ist ja frech:-) Ich erinnerte mich nur an einen Beitrag über Deine Schreibmaschine und an einen über Deine geliebten Hund und da ging es auch anders aus, als ich am Anfang dachte…ich bin vielleicht schon zu lange dabei:-)Aber Du wirst mich trotzdem nicht los:-)

    Liebe Ursula, ja der Osterspaziergang, an den dachte ich bei Deinen Worten, ein wunderbarer Monolog aus einem meiner Lieblingswerke. dem Faust. Danke für die Erinnerung und “HIER bin ich Mensch, hier darf ich’s sein” sind schöne Worte für einen neuen Tag (mit Schneetreiben, ächz).

    Liebe Grüsse an Euch beide Andrea

  10. Ulf Runge
    5. März 2009 um 09:48

    Hihi, liebe Andrea!
    Ich wäre tieftraurig, Dich missen zu müssen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

    P.S.: Nicht nur Goethen?
    Jetzt auch noch faustisch?
    eijeijei

  11. Ulf Runge
    5. März 2009 um 09:51

    Liebe Ursula,
    ich ahnte, es würde peinlich werden.
    Ich muss gestehen, in Teilen (sprich mindestens die ersten vier Worte) konnte ich dieses wunderbare Gedicht schon mal auswendig.

    Danke, dass Du es hier eingestellt hast.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  12. 5. März 2009 um 14:20

    Lieber Ulf, denk gar nicht erst dran, dass ich Dich verlassen könnte, keine Chance…:-)
    Aber hilf mir bitte, ist faustisch “schlimmer” als goethisch?:-)also ich mag beides, was auch immer es sein mag…
    Heitere Grüsse, Andrea

  13. Ulf Runge
    5. März 2009 um 21:37

    Liebe Andrea,

    faustisch? Goethisch? Ich sag mal, am schlimmsten ist kafkaesk. :-)

    Liebe Grüße,
    Ulf

  14. 5. März 2009 um 21:46

    oder brechtisch…:-)

  15. Ulf Runge
    5. März 2009 um 21:58

    oder männisch :-)
    *ich glaube wir albern hier rum…* :D

  16. 5. März 2009 um 22:15

    also brechtisch wäre für mich wirklich schlimm, den mochte ich schon zu Schulzeiten nicht besonders, auch wenn ich einmal eine super Note bekam für eine Arbeit über ein Werk von ihm:-)männisch und faustisch fänd ich cool:-) und rumalbern ist auch ok…

  17. Ursula
    5. März 2009 um 23:21

    solange es nicht mephistisch wird ……… ;)
    schon mal ein schoenes Wochenende euch beiden

    Liebe Gruesse

    Ursula

  18. Ulf Runge
    5. März 2009 um 23:34

    Liebe Andrea,

    über was hast Du referiert? Über die Brechtrommel?
    Und überhaupt ist mir gerade so lenzig:
    Auf grassigen Wiesen möcht ich nächstens sitzen
    bei einem böllig Feuerwerk…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  19. Ulf Runge
    5. März 2009 um 23:37

    Liebe Ursula,

    Du hast auch eine schillernde Fantasie, sag mal :-)

    *Wochenende? Jetzt schon? Hast Du’s gut*

    Ein schönes Wochenende auch Dir,
    wobei es soll sehr nass werden morgen…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  20. Ursula
    5. März 2009 um 23:55

    Lieber Ulf,

    leider hab ich noch kein Wochenende. Morgen gibt es einen besonders langen Arbeitstag da irgendwelche US VP’s da sind die Zahlen und Forecasts sehen wollen….. (einem habe ich heute eine Zitronenpresse geschenkt und er hat es NICHT verstanden…..) und da weiss ich nicht ob ich morgen Abend noch computertauglich bin, daher die Wochenendwuensche.

    Hier ist es schon ganz greislich nass

    Liebe Gruesse

    Ursula

    h

  21. Ulf Runge
    6. März 2009 um 00:19

    och, Du arme, dann wünsche ich Dir, dass lieben Kollegen heute Nacht davon träumen,
    morgen nett zu Dir zu sein. Wenn Du da auch entsprechend mitträumst, wer weiß,
    ob das nicht doch noch ein guter Tag wird morgen…

    Süß! Du verschenkst eine Zitronenpresse…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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