Erstunken und erlogen

Leben 393 – Sonntag, 01.03.09

Dies ist eine erfundene Geschichte. Erstunken und erlogen. Wobei letzter Satz könnte geflunkert sein. Wer weiß?

Wir wollen essen gehen. Betreten ein uriges Bistrorant. Ziemlich leer heute hier. Streng genommen sehen wir nur den Chef und einen Kellner und dann sitzt am anderen Ende des Raumes noch ein Herr, der mit den beiden im Gespräch ist.

Wir platzieren uns am Fenster. Lassen uns eine köstliche Pasta munden. Seitdem wir hier sind, ist kein weiterer Gast hereingekommen, was ich schade finde für den Wirt, weil, es ist einfach schön hier, das Essen schmeckt ausgezeichnet, Preis und Service stimmen.

Während ich so in Gedanken bin, kommt der Chef auf uns zu, murmelt was von „der Herr da drüben braucht noch zwei Fotos und Interviews mit zwei Fallschirmspringern“, ob wir beide nicht bereit wären, wenigstens ein Foto, ob das okay sei?

Ich reibe mir die Augen, ob ich richtig verstanden habe.

Aus dem unscheinbaren dritten Gast am anderen Ende des Raumes wird ein interessanter, aufgeweckter Herr, der sich zu unserem Tisch dazu gesellt.

Er sei vom führenden Magazin für Fallschirmspringer, „Zieh Leine“, und bräuchte noch zwei Interviews, um seinen Artikel fertigzustellen, und er müsse heute noch liefern.

Nein, denke ich, kannste nicht bringen. Ja, denke ich, das ist eine Gaudi!

Die Honorar-Verhandlungen dauern kurz, wir denken jetzt nicht an Geld, sondern eher an den Riesen-Gag. Und es wird einer. Das Foto-Shooting beginnt bei meinem Begleiter, der sich spontan den Namen „Kemal“ gibt. „Lachmal!“ sage ich, „Kemal Lachmal, jau, Du heißt Kemal Lachmal!“ Wir brüllen von Lachen und biegen uns, bis wir krumm werden. Der Zieh-Leine-Reporter meint, da müsse ein soliderer Name her, irgendwas von nördlich vom Main. John Schneider sagt Kemal, und wir beschließen, dass er aus Neustadt am Rübenberge ist.

Während nun mein Konterfei abgelichtet wird, erzähle ich dem Journalisten, dass es kein schöneres Gefühl gibt, als zunächst nahezu schwerelos daher zu gleiten, um schließlich das Gewicht eines Felsbrocken annehmend vom Schirm sanft in die Obhut genommen zu werden.

(Ich, dem fast schlecht geworden ist, als er oben auf dem Christopherus stehend, das ist der Kölner Fernsehturm, eine sofortige Krise bekommen hat, als er gemerkt hat, dass der Boden hoch droben auf der Plattform durchsichtig ist, will sagen, ich habe direkt dorthin runtergeguckt, wohin ich falle, wenn sich dieser Glasziegel jetzt plötzlich lockert.)

Nachdem ich des weiteren über die mir bis eben noch unbekannte Kunst des Fallschirmpackens referiert habe, beenden wir unter Lachtränen mit schniefender Nase unseren Event.

Das Heft werde im April erscheinen. „Am 1.?“ will ich wissen, das wäre dann ja ein würdiger Artikel für diesen Tag. Oder passender Tag für diesen Artikel.

Als wir gehen, frage ich den Wirt, ob er diesen Unterhaltungsteil speziell für uns arrangiert habe, oder ob der Reporter echt sei. Lachen. Nein, der sei echt echt.

Aber wie gesagt, die Geschichte ist ja frei erfunden. Ähnlichkeiten mit Lebenden oder Verstorbenen (das will ich mal nicht hoffen, dass einer der Protagonisten das nicht überlebt hat) sind unbeabsichtigt. Aber naheliegend.

© Ulf Runge, 2009

 

 

  1. 2. März 2009 um 22:05

    Hallo,
    wenn Du magst, dann wartet in meinem Blog

    http://astraryllis.blogspot.com/2009/03/award.html

    ein Award auf Dich. Bitte fühle Dich aber zu nichts verpflichtet.

    Liebe Grüße,
    Astraryllis.

  2. Ursula
    3. März 2009 um 21:21

    Lieber Ulf,

    ich glaub Dir kein Wort…….. von wegen erstunken und erlogen :)

    Liebe Gruesse

    Ursula

  3. Sunny
    4. März 2009 um 03:30

    Hallo Ulf!
    Das ist ja der Hammer, war wahrscheinlich ein richtiges Bauchmuskeltraining wegen dem vielen Lachen ;-)

    Am 1. April? Ja, das würd gut passen *g*

    Ich schätze mal, dieses Erlebnis wirst du so schnell nicht wieder vergessen…

    Ich danke dir dafür, dass du es aufgeschrieben hast und uns Leser daran teilhaben lässt =)

    Liebe Grüße mit vielen Sonnenstrahlen für dich!
    Sunny

  4. Ulf Runge
    5. März 2009 um 01:17

    Liebe Astraryllis,

    danke vielmals. Ich nehme den Award selbstverständlich gerne an
    und fühle mich geehrt.
    Ich versuche, mich seiner würdig zu erweisen und ihn baldmöglichst
    weiterzureichen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  5. Ulf Runge
    5. März 2009 um 01:19

    Liebe Ursula,

    glauben heißt nicht wissen heißt es.
    Nicht glauben heißt dann was bitte?

    Liebe Grüße,
    Ulf

  6. Ulf Runge
    5. März 2009 um 01:28

    Liebe Sunny,

    daher kommt wohl der Begriff hammerhart.
    Ja, ich glaube, es musste die Aprilausgabe sein :-)

    Liebe Grüße,
    Ulf

  7. 5. März 2009 um 14:24

    Lieber Ulf,

    irgendwann ist immer das erste Mal…und ich glaube, es wurde Zeit, endlich mal auf deinen Blog zu schauen! Die Geschichte mit euch beiden “Fallschrimspringern” finde ich total witzig und zeugt von eurem herrlichen Humor! So etwas hätte meiner Freundin und mir durchaus auch “passieren” können. Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener…

    Danke für’s Teilhaben-Dürfen

    Gabriele, seelenfrau ;-)

  8. Ulf Runge
    5. März 2009 um 21:49

    Liebe Gabriele,

    willkommen hier! Schön, dass Dich diese skurrile Begebenheit anspricht.
    Da sitzt Du einfach vor Dich hin, und Du denkst, was wird Dir der Tag bringen,
    und plötzlich und unverhofft, da bringt er was, etwas, woran man sich noch lange dran
    erinnern wird.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  9. 6. März 2009 um 18:50

    Lieber Ulf grins

    meine Freundin Gabriele hat ja schon den passenden Kommentar abgegeben.
    Das hätte durchaus von uns beiden sein können :-)

    Liebste Sonnengrüße
    Dori :-)

  10. Ulf Runge
    7. März 2009 um 23:38

    Liebe Dori,

    es gibt doch (fast) nichts Schöneres, als wenn das Leben an einem vorbei fährt,
    und man im richtigen Moment aufspringt und so einen Riesenspaß hat.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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