Beziehungsglück

Leben 383 – Sonntag, 15.02.09

Für eine glückliche Beziehung
gibt es keine Rezepte.
Jede braucht andere Zutaten

Ernst Ferstl

Jeder Mensch ist anders. Und folglich ist jede Beziehung zwischen zwei Menschen anders.

Aber so ganz möchte ich Ernst Ferstl doch noch nicht folgen.

Wenn im Wirtschaftsleben eine folgenreiche Investionsentscheidung ansteht, dann ist es ein probates Verfahren, die verschiedenen Alternativen zu bewerten. Nach verschiedenen Kriterien. Wie schnell oder wie leise oder wie stromsparend eine Maschine arbeitet. Was auch immer.

(Damit das vorher vom Bauchgefühl formulierte, gewünschte Ergebnis bei dieser objektiven Methode dann doch herauskommt, gewichtet man die verschiedenen Kriterien mit einem Faktor. Stromsparender kann dann wichtiger werden als leise. Zum Beispiel. Und die Gewichte lässt man nicht vom Verstand, sondern vom Gefühl festlegen…)

(Falls das immer noch nicht ausreicht, führt man eine weitere Unterscheidung bei den Kriterien ein: Musskriterien und Kannkriterien. Ein Musskriterium, das nicht erfüllt ist, führt automatisch dazu, dass die entsprechende Alternative nicht weiter verfolgt wird. Und es wird sich doch ein Musskriterium finden lassen, dem nur die favorisierte Alternative gerecht wird…)

Spass beiseite. Auch in Beziehungen gibt es Musskriterien, finde ich. Eines der bedeutendsten ist für mich die Achtung, der Respekt vor der anderen Person. Wenn in einer Beziehung die Achtung vor dem anderen abhanden kommt, dann bleibt nicht mehr viel übrig vom Miteinander.

Das besondere an einer glücklichen Beziehung ist sicherlich die dauerhafte Anziehung der beiden Partner zueinander. Sympathie, Zärtlichkeit, Vertrautheit, Erotik, Esprit, Sex, gleiche Interessen, all das sind unterschiedliche Facetten, auf die sich die Anziehungskraft kaprizieren kann. Mal stärker, mal weniger. Einander Trost spenden zu können und eine gegenseitig akzeptierte Streitkultur runden eine Partnerschaft ab.

Stopp!

Eine Beziehung kann nicht glücklich sein, sorry, Herr Ferstl. Glücklich (oder unglücklich) können nur Menschen IN EINER BEZIEHUNG sein. Und da Glück ja – profan ausgedrückt – ein selbst erzeugtes Gefühl ist, muss man sich die Frage stellen: „Bin ich in meiner Beziehung glücklich?“ (Und wenn beide in einer Beziehung sagen, ja, ich bin jetzt glücklich, okay, dann ist also auch eine Beziehung glücklich. Und fünf Minuten später?)

Das Spannende am Leben an sich und in einer Partnerschaft im Speziellen ist ja, dass wir uns ungewollt (das wäre schade) oder absichtlich (gut so) verändern. Weil wir unserer Ziele immer wieder neu definieren, unsere Ausrichtung neu kalibrieren. Und in einer Beziehung heißt das: Immer wieder akzeptieren, dass sich mein Gegenüber ändert. Immer wieder neu entscheiden, ob man diese Veränderung für sich selber auch mitgehen will, oder einfach nicht.

Und immer wieder hinterfragen, ob die Menge der Gemeinsamkeiten so groß ist, dass man zufrieden ist miteinander. Glücklich.

© Ulf Runge, 2009

Ich bedanke mich beim Bellaprint-Verlag , Hinterbrühl, Österreich, für die freundliche Genehmigung, den Sinnspruch des Original-Leitspruch-Wochenkalenders als Thema für Beiträge in meinem Blog verwenden zu dürfen. Der Original-Leitspruch-Kalender wird in Deutschland vertrieben von der Impuls-Kalender GmbH.

  1. Ursula
    15. Februar 2009 um 23:38 | #1

    Lieber Ulf,

    was fuer eine schoene Geschichte zum Sonntag,

    ich wuensch Dir eine gute Woche

    Liebe Gruesse

    Ursula

  2. 16. Februar 2009 um 18:52 | #2

    Lieber Ulf

    “Das Spannende am Leben an sich und in einer Partnerschaft im Speziellen ist ja, dass wir uns ungewollt (das wäre schade) oder absichtlich (gut so) verändern …”

    Warum ist “ungewollt” schade?

    Möglicherweise erkennen wir nicht sofort, in welche Richtung wir uns oder Partner/in sich verändern…

    Möglicherweise hinkt die Erkenntnis hinterher…
    auch wenn so mancher das nicht wahr haben will. Und anschließend muss neu kalibriert werden.

    Ich habe schon viele Partnerschaften zerbrechen sehen – und sie zerbrachen, weil der Partner Veränderungen nicht sehen wollte/konnte. Und irgendwann war es zu spät.

    Liebe Grüße

    Sabine

  3. 16. Februar 2009 um 20:07 | #3

    Lieber Ulf, ein sehr sinniger und wahrer Beitrag von Dir. Es gibt in einer Beziehung selten Stillstand, mal verändert sich der eine, mal der andere, vielleicht beide, vielleicht in eine gemeinsame Richtung oder auch nicht. Ja, man muss immer wieder überprüfen, ob es für einen selbst noch stimmt. Sich auf die Gemeinsamkeiten besinnnen, ohne sie “krampfhaft” suchen zu müssen.

    Eines ist für mich auch ein Musskriterium: ich darf den anderen nicht für mein Glück (oder Unglück) verantwortlich machen; das nimmt auf Dauer jeder Beziehung die Basis.

    Nachdenkliche Grüsse Andrea

  4. 17. Februar 2009 um 09:59 | #4

    Lieber Ulf,
    oh, wie schön, ich habe in “der Hinterbrühl” im Süden von Wien immer meine Ferien verbracht, als ich noch Kind war – Moment, das Kind in mir existiert immer noch! :-) Es macht zur zeit nur nicht mehr so oft Ferien… ;-)
    Dein Beitrag hat mich erkennen lassen, wie genau du alles wahrnimmst und wie genau du hinschaust… Das hat mich an vieles denken lassen, das hat mich erinnert, meine Wahrnehmung weiterhin zu schärfen… Genau, eine Beziehung kann nicht glücklich sein ;-) Gestern habe ich mir die unterschiedliche Wirkung der Aussagen “Ich HABE eine Beziehung” und “Ich BIN in einer Beziehung” auf der Zunge zergehen lassen. Hm, das erstere hat mir nicht “geschmeckt”… ;-)
    Und ich denke auch daran, was ich mir von einem Partner wünsche und ob ich auch bereit bin, das selbst zu geben… *grübel*
    Da könnte ich jetzt noch weiter denken und schreiben und es höret nimmer auf… so wie die Liebe :-)
    Alles LIEBE von Elisabeth

  5. Ulf Runge
    18. Februar 2009 um 01:45 | #5

    Liebe Ursula,

    da freue ich mich, dass Dich dieser Artikel angesprochen hat.

    Viele Grüße,
    Ulf

  6. Ulf Runge
    18. Februar 2009 um 01:49 | #6

    Liebe Sabine,

    “ungewollt” sollte in meinem Beitrag den negativen Touch haben, dass man ziellos, ungerichtet durchs Leben stolpert.

    Und natürlich, da hast Du recht, wir tun das viel zu oft. Und dabei entstehen Katastrophen. Und Wunder.

    Und wie Du sagst: Irgendwann muss man zur Kenntnis nehmen, dass sich was geändert hat. Drüber reden.
    Und “arbeiten” an dem, was einem wichtig im Miteinander.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  7. Ulf Runge
    18. Februar 2009 um 01:51 | #7

    Liebe Andrea,

    danke, da hast Du vollkommen recht.
    Glück und Unglück: Darüber entscheide ich selber.
    Aber wenn sich die Partnerin, der Partner, ein wenig so verhält, wie ich es erhoffe, dann fällt das ein wenig leichter mit dem Glück :-)

    Liebe Grüße,
    Ulf

  8. Ulf Runge
    18. Februar 2009 um 01:53 | #8

    Liebe Elisabeth,

    schön, dass ich Dich wieder mit Dirselber in Kontakt gebracht habe. (Wobei, Du bist ja schon länger in Kontakt mit Deinem inneren Kind…)

    Es mag haarspalterisch klingen: Aber eine Beziehung haben oder in ihr sein, da hast Du recht, ist ein meilenweiter Unterschied.

    Und nichts ist so verräterisch wie Sprache.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  9. Maria H
    21. Januar 2012 um 01:03 | #9

    Lieber Ulf,

    zu diesen Deinen Gedanken muss man keinen Kommentar mehr abgeben. Du hast alles ausgedrückt, was wir uns wünschen, erhoffen und auch, was wir uns erarbeiten müssen:

    GLÜCK!!!!

    Nachdenkliche Grüße
    Maria

  10. Ulf Runge
    24. Januar 2012 um 00:04 | #10

    Liebe Maria,

    danke, Du hast es auf den Punkt gebracht. Erfüllung im Glück. Zeitlos.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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