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Der Tausch – oder Hans im Glück „reloaded“

Leben 329– Mittwoch, 22.10.08

Erste Annäherung:

In Wikipedia.de liest sich zu „Hans im Glück“ in der Zusammenfassung folgende Begebenheit:

Hans tauschte den Lohn für sieben Jahre Arbeit gegen einen kopfgroßen Klumpen Gold, diesen gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans, die Gans gegen einen Schleifstein mitsamt einem einfachen Feldstein – und glaubte jedes Mal, ein gutes Geschäft gemacht zu haben, weil das neue Gut ihm weniger Schwierigkeiten zu machen scheint als das weggegebene. Zuletzt fallen ihm noch, als er trinken will, die beiden schweren Steine in einen Brunnen. „‚So glücklich wie ich, rief er aus‚ gibt es keinen Menschen unter der Sonne‘. Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter angekommen war.

Das lasse ich jetzt hier mal stehen. Einfach so.

Zweite Annäherung:

Transsibirische Eisenbahn. Seit Stunden rollt der Zug durch die unwirtliche Landschaft, als er auf offener Strecke unverhofft zum Stehen kommt. Als die Reise nach zwei Stunden immer noch nicht weitergeht, begibt sich einer der Fahrgäste auf die Suche nach einem Zugbegleiter. Auf die Frage, warum es denn nicht weitergehe, antwortet der Bahnmitarbeiter: „Wir tauschen die Lok!“ Warum das denn so lange dauere, will unser Reisender nun wissen. Darauf der Bedienstete: „Nastrovje! Wir tauschen gegen Wodka!“

Der Tausch

Ich habe auch getauscht. Am Wochenende. Negative Emotionen getauscht. Gegen positive. Das klingt wie Geldwechseln. Oder Lok-Tauschen. Und ist womöglich genauso einfach. Wenn man eine Idee hat, wie das denn gehen könnte.

Ich hatte das Glück, genau so eine Idee vermittelt zu bekommen. Am Wochenende. Und ich bin zuversichtlich, dass das bei mir nicht nur mal eben funktioniert hat. Sondern dass dieser Tausch nachhaltig ist.

Und ich habe noch mehr über mich erfahren, ich Linkshirniger, Anhänger der Ratio, und doch zugleich Rechtshirnfühldenkender. Habe erfahren, welche Kraft ich besitze, wie mich meine Vorstellungskraft nach Morgen entführt. Wenn ich will und bereit bin.

Was ich dieses Wochenende nicht gemacht habe: War nicht auf dem Markt. War nicht im Supermarkt, im Getränkemarkt. Nicht beim Schuhmacher. Metzger. Oder Lotto-Toto-Laden. War nicht in der Hundegruppe. War nicht für meine Lieben da. Habe auch nicht geschrieben. Nicht genetzt.

Was ich dieses Wochenende gewesen bin: Ich war da. Nur für mich. (Und für viele andere, die ebenfalls nur für sich da sein wollten. Und es wiederum für viele andere waren, die ebenfalls nur für sich da sein wollten. Und für mich.)

Am vergangenen Wochenende habe ich wie selten zuvor die Chance genutzt, mich mit mir selbst zu beschäftigen.

Während ich mich in den vergangenen Jahren schon unterwegs glaubte und wusste, habe ich am Samstag und Sonntag erfahren dürfen, wie sehr ich noch mit Barrieren im Kopf herumlaufe und zu welchen Ufern ich aufbrechen kann, wenn ich zu Ende denke, was bisher an den selbstgesteckten „Du kannst das nicht“-Grenzen gescheitert ist.

Als wenn ich nicht vorher schon gewusst hätte, dass Visionen und Ziele gedacht und formuliert sein wollen, dass man sie operationalisieren muss, dass es einer Selbstverpflichtung bedarf, dass man das in Herz und Blut übergehen lassen muss, wenn man ankommen will.

Seit diesem Wochenende weiß ich wie nie zuvor, dass es an mir liegt, meine Träume, welcher Art sie auch sein mögen, Wirklichkeit werden zu lassen. Und dass ich die Kraft dazu habe, den Weg dorthin zu finden.

Keine Angst: Ich bin weder einer Sekte beigetreten. Noch habe ich mein Gehirn waschen lassen. Und erst recht arbeite ich jetzt nicht für einen Strukturvertrieb. Es ist alles wie vorher. Äußerlich.

Und innerlich?

Ich höre schon die Planierraupen anrollen. Ich vernehme das Geräusch der Macheten im Dschungel. Ich weiß noch nicht, WO und WIE die Wege verlaufen werden. Aber sie werden. Verlaufen. Und ich werde sie gehen.

Mehr hierzu zu gegebener Zeit.

Hans im Glück „reloaded“

Nach mehr als fünf Jahrzehnten lief Hans immer noch gebeugten Oberkörpers herum. Bisweilen schweratmig. Voller Barrieren in seinem Kopf, die zum Glück niemand sah. Da kam einer des Wegs, um ihm anzubieten, die Barrieren gegen schöne Bilder zu tauschen. Freudig nahm Hans an.

Dass es schwere Barrieren waren, auf die er nun verzichtete, wurde ihm klar, als sein Kopf nun auf einmal so leicht wurde. Dafür nahm er sogar in Kauf, dass die eingetauschten Bilder keine Fotografien waren, auf Papier. Sondern nur in seinem Kopf.

Als er dem Fremden ein zweites Mal begegnete, wollte dieser von Hans wissen, ob er sich denn nicht von seinem schweren Atem trennen wolle und von den Bleigewichten in seinem Rückgrat. Aber gerne, entfuhr es dem Hans, der auf einmal nicht nur schöne Bilder in seinem Kopf sah, sondern auf einmal auch eine unbeschreiblich intensive Wärme in seinem Bauch und seinen Gliedmaßen spürte, die der Andere „Kraft“ und „Energie“ nannte.

Auf einmal hatte Hans nicht nur seinen schweren Mühlstein im Brunnen verloren, sondern auch die gewichtige Last ungelöster Lebensknoten.

So glücklich wie ich, dachte er ganz leise bei sich, gibt es keinen Menschen im Universum“. Mit leichtem Herzen und frei von aller Last folgte er dem noch unbekannten Weg zu diesen Bildern in seinem Kopf.

© Ulf Runge, 2008

  1. 22. Oktober 2008 um 11:53

    Lieber Ulf,

    eigentlich weiß ich noch gar nicht so richtig, was ich zu diesem Beitrag schreiben soll. Ich hatte ihn heute Nacht schon mal gelesen und jetzt das zweite Mal. Mein Inneres kann sich noch nicht entscheiden, was es dabei empfinden soll. *seufz*
    Ich taste mich einfach ran, so wie ich es öfter mache, wenn ich nicht weiß wie.
    Ich weiß immerhin schon mal, dass ich das hier auch gerne tun würde: “Negative Emotionen getauscht. Gegen positive.” Ich arbeite immer wieder dran. Manchmal scheint es zu gelingen, bis mich die Wirklichkeit in Form einer schlechten Nachricht oder Ähnlichem wieder einholt. Und es nimmt kein Ende.

    Ich würde auch gerne den schweren Kopf, die Bleigewichte in den Beinen loswerden. Ich fühle mich seit ewigen Zeiten nur noch schlapp und kraftlos und weiß gar nicht mehr, wie ich früher so viele Dinge geschafft habe. Heute reicht die Kraft nicht mal mehr für die einfachsten Dinge. Ausgelaugt, einfach ausgelaugt. Dazu kommt mir vieles so unwichtig vor.
    Aber stop!!! Cut!!! Cut!!! Cut!!! Stop!!! Genug!!! Das soll ja jetzt hier nicht in Jammern ausarten! *brrrrrrrrr*
    Das war mit annähern nicht gemeint.

    Klingt jedenfalls gut, was du da schreibst. Bei manchen Dingen regt sich zwar in mir Widerstand, aber das Gesamtbild klingt gut. :D
    Falls du uns irgendwann mitteilen magst, was diese Wandlung ausgelöst hat, dann werde ich es gerne lesen. Obwohl ich einen leisen Verdacht habe. Aber der muss ja nicht stimmen.

    Zeit mit dir selbst, ja das braucht man gelegentlich. Ich glaube das hat man zu selten, zumindest so wirklich richtig. Nur weil man mal alleine Zuhause ist, verbringt man die Zeit ja nicht unbedingt mit sich selbst.

    Also bevor ich jetzt noch wirreres Zeug schreibe, höre ich jetzt besser auf. :D

    Eins noch, bei Strukturvertrieb musste ich lachen. Ich weiß genau, was du meinst, bin damit auch schon in Berührung gekommen. Nicht alles schlecht, einige brauchbare Ansätze, aber die falschen Motive.

    So, jetzt aber. Schwing die Machete und bahne dir deinen Weg durch den Dschungel, lieber Ulf. Meine besten Wünsche dafür.

    Liebe Grüße,
    Martina

  2. 22. Oktober 2008 um 19:59

    Tja, wozu Ruhe gut sein kann. Jetzt wünsche ich Dir genausoviel Ruhe zum Aufbruch in Taten (so paradox es klingen mag).

  3. 22. Oktober 2008 um 21:10

    Lieber Hans, ähhh Ulf, ein wunderbarer Beitrag! Wie du schon irgendwo bei mir kommentiert hast, es ist schön, wie sich die Erfahrungen kreuzen, wie wir uns mit denselben Dingen auf verschiedene Weisen beschäftigen. Auch ich habe in meinem Kurs gelernt, Bilder auszutauschen, das hat sehr viel Power und gibt mir sehr viel neue Energie. Ich wünsche Dir viel Spass auf Deinem neuen Weg oder auf Deinem alten Weg mit neuem Werkzeug, wie auch immer Du das sehen möchtest und ich freu mich, dass ich das auf Deinem Blog immer ein wenig mitverfolgen kann.

    Liebe Grüsse Andrea

  4. Ulf Runge
    23. Oktober 2008 um 00:36

    Liebe Martina,

    danke für Deine ausführlichen Anmerkungen.
    Ich weiß, ich bin nicht konkret genug geworden,
    das wird auch noch brauchen.

    Aber ein paar Fakten zu nennen, bin ich schon bereit.
    Ich war am Wochenende auf einem Seminar.
    Gedankendoping. Von Eugen Simon.
    Für mich ist definitiv keine Sekte.
    Bei linkshirniger Betrachtung lässt sich der Seminarinhalt vielleicht in 10 Minuten erzählen.
    Etwa: “Glaube an Dich!”
    Das wäre aber zu platt und wird der Sache nicht gerecht.
    Wenn man Ratio, Gefühl, Spirit und Körper in Einklang bringen möchte,
    dann braucht das seine Zeit.
    Und natürlich ist Eugen Simon geschäftstüchtig.
    Ich für mich habe allerdings keine einziges Mal die wohlbekannte Kaffeefahrten-Heizdeckenkauf-Suggestion erlebt.
    Und wer gehen wollte oder eine temporäre Auszeit wollte, der durfte das jederzeit so halten, wie sie/er wollte.
    Dieses Seminar ist aber nur dann etwas für einen, meiner Einschätzung nach,
    wenn man bereit ist, sich zu öffnen.
    Für neue Erfahrungen. Vor allem mit sich selbst.

    Mehr dazu unter Gedankendoping.de.
    (Nein ich bekomme kein Geld für diese Zeilen.
    Auch keine Bonuspunkte.
    Es gibt keine Motivation, außer meiner intrinsischen,
    diese Zeilen hier zu schreiben.
    )

    Liebe Grüße,
    Ulf

  5. Ulf Runge
    23. Oktober 2008 um 00:37

    Lieber Christian,

    das ist absolut nicht paradox!
    Danke für die guten Wünsche!

    Liebe Grüße,
    Ulf

  6. Ulf Runge
    23. Oktober 2008 um 00:39

    Liebe Andrea,

    danke für Deine Zeilen.
    Was aus schwimmenden Kühen so alles werden kann…
    (Das ist in der Tat ein Insider.)

    Liebe Grüße,
    Ulf

  7. 24. Oktober 2008 um 17:40

    Hihi, ja schwimmende Kühe können der Beginn einer wunderbaren (Blog) Freundschaft sein und dann auch noch zu Hans im Glück werden:-) Insider-ische Grüsse Andrea

  8. Ulf Runge
    25. Oktober 2008 um 18:28

    :-)

  9. 26. Oktober 2008 um 11:58

    Lieber Ulf,

    Gedankendoping hört sich gut an. Werde mich da mal umsehen. :D
    Dass Eugen Simon geschäftstüchtig ist, finde ich völlig okay, jeder muss sein Brot und sein Dach über dem Kopf bezahlen, es wird keinem geschenkt. Und solange man nicht das Gefühl hat, zu irgendwas gezwungen zu sein oder anderweitig übers Ohr gehauen wird, sehe ich da nichts Schlechtes drin.

    Danke für die Info.

    Liebe Grüße,
    Martina

  10. Ulf Runge
    28. Oktober 2008 um 01:10

    Liebe Martina,

    ich sehe das genauso. Ich habe 1 Euro plus 1 Nacht im Hotel plus 1 Fahrt nach Köln (das ist wahrlich kein Opfer für mich) plus ein paar Euro für die unbestritten karitativen Zwecke investiert.
    Das ist finanziell überschaubar.

    Ich habe zwei Tage investiert. Das ist fast noch wertvoller.

    Und ich habe es nicht bereut.
    Ich habe für mich viel Kraft mitgenommen.
    Ich habe mit vielen anderen Augenblicke gespürt, die nahe waren an einem spirituellen Gemeinschaftserlebnis.
    Und doch hat das – Gott (!) sei dank – absolut nichts mit Sektentum zu tun.
    Auch nicht auf die subtile Tour. Das gilt definitiv für das Einführungswochenende.
    Wer weiter macht, macht aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen mit diesem Wochenende weiter.

    Weiteres gerne per pn.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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