Zwei Witze

Leben 307– Montag, 08.09.08

Zur allgemeinen Verwunderung möchte ich heute zwei Witze erzählen. Meinen Lieblings-Kurzwitz habe ich ja bereits hier zum Besten gegeben: Zwei Jäger. Und auch das Erzählen eines Blondenwitzes hat mein Blog überlebt.

Heute nun soll von zwei Witzen die Rede sein, die man eigentlich nicht mehr erzählen kann, weil die Welt sich geändert hat, weil der Erfahrungshorizont älterer und jüngerer Menschen zwangsläufig verschieden ist.

Ich riskiere einen Österreicher-Witz, den ich selber immer gerne erzählt habe, als man die Utensilien hierfür noch mit sich rumgetragen hat. (Dieser Witz könnte sich aber genauso gut über andere liebe Nachbarn der Deutschen lustig machen. Hauptsache, die anderen sind die Doofen.)

Bayerisch-österreichische Grenze. Der österreichische Grenzer sieht etwas am Boden liegen. „Ja mei, wos is denn des?“ sagt er laut zu sich selber. Hebt die beiden runden Dinger vom Boden auf und wiederholt seine Frage: „Ja mei, wos is denn des?“

„Des han zwoa Groschn. Mit dena konn man bei uns telefoniern.“ ruft ihm der bayerische Grenzer zu, der das die ganze Zeit beobachtet hat. Worauf der Österreicher die eine Münze vor seinen Mund hält, die andere ans Ohr und laut vernehmlich ruft: „Servus Zenzi, kannst Du mi hörn?“

Hinweis: Der Witz ist hier zu Ende. Im Radio und Fernsehen würde durch Lacher-Einspielungen jetzt klar sein, dass das lustig war. Wem in Österreich und Deutschland kann man diesen Witz heute noch erzählen? Groschen, was ist das? Was ist eine Telefonzelle? Wie funktioniert das mit Münzen in einer Telefonzelle? Wobei die schönste Frage, die ich mir von jungen Menschen wünschen würde: Was ist eine Grenze?

Der zweite Witz ist ein Tünnes- und Schäl-Witz, bei dem ich mich aber nicht ins Kölsche verkünsteln will, sondern die wörtliche Rede hochdeutsch halte. Auch dieser Witz ist so heute nicht mehr erzählbar:

Tünnes und Schäl haben Falschgeld gedruckt. Als sie ihre Scheine zählen, merken sie, dass es die 15-D-Mark-Scheine, die sie gedruckt haben, in Wirklichkeit gar nicht gibt. Tünnes weiß Rat. „Wir fahren in die Eifel zu den dummen Bauern, da kriegen wir das Geld los!“ Gesagt, getan. Im erstbesten Eifel-Dorf sagt der Schäl: „Pass auf, da vorne ist ne Gaststätte, da geh ich rein und kauf ne Packung Zigaretten.“ Fünf Minuten später kommt der Schäl freudestrahlend aus der Kneipe raus, in der einen Hand eine Packung Zigaretten, in der anderen das Wechselgeld. „Du glaubst es nicht“ sagt der Schäl, „die haben mir doch tatsächlich ne Packung Stollwesand verkauft und zwei 7-Mark-Stücke rausgegeben!“

Auch hier darf jetzt bei Bedarf gelacht werden. Dass Peter Stuyvesant, ein Niederländer seinerzeit New Amsterdam, das heutige New York gegründet hat, das habe ich seinerzeit von den Zigarettenpackungen bei uns zu Hause abgelesen. Diese Zigarettensorte ist, glaube ich, heute auch nicht mehr so angesagt wie früher, als in der Zigarettenwerbung (Was ist das?) noch der River-Quai-Marsch gespielt wurde. Dass eine Packung Zigaretten mal eine Mark gekostet hat, das glaubt heute auch keiner mehr. Und was ne Mark ist? So was ähnliches wie ein Groschen, bloß „größer“. Siehe oben.

Statt der ausländischen Nachbarn sind es diesmal die „dummen Eifelbauern“, die hier als Gegenstand der Belustigung herhalten müssen. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mit einem leichten Grinsen zugebe, dass ich beide Witze seinerzeit gerne erzählt habe.

Hinweis: Für die Übersetzungen vom Hochdeutschen ins Bayerische habe ich mich eines Übersetzers bedient.

© Ulf Runge, 2008

  1. 9. September 2008 um 13:36

    Man macht sich doch nicht über die lieben Nachbarn lustig. :( Ich hatte gestern einen Zusammenstoss mit einem Teeni. Der Teeni sagte zu mir und ihrer Mutter: “Wenn ihr eh schon da was macht, ich hätt gern Eisikuh.” Die Mutti, also meine Freundin, guckte mich fragend an und ich mußte grinsen. So ist es gerecht, das möchte ich sagen. Die ältere Generation kennt die “Neuzeitbegriffe” nicht alle unbedingt, dafür die Neuzeitgeneration im Umkehrschluss aber auch nicht alle “Altzeitbegriffe”. :)

  2. 9. September 2008 um 19:50

    Lieber Ulf,
    muss ich mir jetzt alt vorkommen, weil ich über den Witz mit dem Groschen lachen konnte und musste?
    Offensichtlich schwelge ich immer noch gerne ein bisschen in der Vergangenheit herum… :-)
    Liebe Grüße,
    Mareike

  3. 9. September 2008 um 20:12

    Lieber Ulf,

    ja, es gibt ein paar Dinge/Begriffe, die so allmählich aus unserem Leben verschwinden.

    Bekannte von uns waren vor ein paar Jahren ausgegangen. In der Zeit sollte ein Babysitter auf die Kleinen aufpassen.

    Als sie in der Nacht wieder nach Hause kamen, fanden sie ihre plärrenden Kinder mit einem fast aufgelösten Babysitter vor.

    Keiner konnte helfen – weil das Telefon nicht bedienbar war – es war ein Wählscheibentelefon ;-)

    Viele Grüße
    aus der Gruft
    von
    Sabine

  4. Ulf Runge
    10. September 2008 um 23:48

    Liebe tshalina,

    ich löse auf, okay?
    ICQ, das ist ein wirksame Waffe,
    um die Kids vom Telefon wegzukriegen.
    Dafür ist der PC dann immer blockiert :-)

    Liebe Grüße,
    Ulf

  5. Ulf Runge
    10. September 2008 um 23:49

    Liebe Mareike,

    schön, dass Du darüber lachen konntest. *freu*
    Nein, Du braucht Dir absolut nicht alt vorkommen.
    Alt bist Du erst dann, wenn nicht mehr darüber lachen kannst…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  6. Ulf Runge
    10. September 2008 um 23:56

    Liebe Sabine,

    wie “schön”.
    Ein Wählscheibentelefon!
    Da wird die Realität von einst auf einmal
    ein Gegenstand fürs Deutsche Museum,
    oder sogar ein Thema für den Geschichtsunterricht…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  7. 11. September 2008 um 14:53

    lieber ulf,

    das hat mich jetzt sehr beeindruckt:

    Wobei die schönste Frage, die ich mir von jungen Menschen wünschen würde: Was ist eine Grenze?

    leider sind wir davon noch ein wenig entfernt. aber wer weiss, vielleicht unsere enkel und grossenkel einmal…

    aber ich bin beruhigt, dass ich sowohl um icq als auch um die bedienung eines wählscheibentelefons bescheid weiss :)

    liebe grüsse,
    aprikose

  8. Ulf Runge
    11. September 2008 um 23:13

    Liebe Aprikose,

    schön, dass Dir mein Wunsch nach der jugendlichen Frage zur Grenze besonders gefällt.
    Auch wenn es natürlich reines Wunschdenken ist, träumen und hoffen darf man ja.
    Sonst wird da nie was draus…

    Du weißt wie ein Wählscheibentelefon funktioniert? Erzähl!

    Liebe Grüße,
    Ulf

  9. 17. September 2008 um 12:25

    Also, all ihr Lieben,
    am allermeisten haben mich die netten Kommentare amüsiert – verzeih mir, lieber Ulf! Es ist einfach alles so nett, alles… *immernochkicher*
    Herz-lichste und fröhliche Grüße von Elisabeth

  10. Ulf Runge
    20. September 2008 um 22:37

    Liebe Elisabeth,

    ich finde es immer wieder schön, wenn die Kommentare hier ihr
    Eigenleben entwickeln. Ich bin sehr glücklich, Euch, die Ihr hier
    lest und kommentiert, bei mir zu wissen.

    Aber mal ehrlich. Euch Österreichern fehlt doch genauso der Groschen
    wie uns, oder? Nicht nur der im Portemonnaie, sondern der, der uns früher
    auch “geistig” herunter gefallen ist.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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