Liebeserklärung

Leben 305– Freitag, 05.09.08

Eberesche 57° 40′ N, 14° 58′ O

Eberesche 57° 40′ N, 14° 58′ O

Dich zu blicken und zu schauen,
darf ich meinen Augen trauen?
Wann ich je Dich wiederseh,
und Dir komme in die Näh,

dann hüpft mein Herz, und mit ihm ich,
fühl mich reif, jung, ewiglich.

Dich zu kennen und zu wissen!
Möcht‘ Dich niemals wieder missen!
Kommt der Abschied, fließen Tränen,
möcht‘ mich hier zurück schon wähnen.

Seh Dich wachsen und gedeihen,
möcht’ Dir diese Verse weihen,
ach, wenn Du nur mit mir kämest,
das Getrenntsein uns jetzt nähmest,

doch dann wärst Du nicht mehr Du,
alles anders wär im Nu.

Dich zu fühlen und zu spüren,
Dich nie wieder zu verlieren,
ist mein Drängen und Verlangen,
will nie wieder um Dich bangen.

Doch ich weiß, Du wirst hier bleiben,
Dir die Zeit allein vertreiben,
auf mich warten, bis erfreut
wir uns sehen dann erneut.

© Ulf Runge, 2008

P.S.: Seit 2002 kennen “wir” uns, will sagen, kenne ich Dich. Seitdem besuche ich Dich einmal im Jahr, ergötze mich an Dir, und nehme Dich in meinem Herzen und in meinen Vorstellungen mit nach Hause. Und versuche ein bisschen von diesem erhabenen Augenblick, vor Dir zu stehen, festzuhalten, indem ich das eine oder andere Foto von Dir mache. Dies hier ist mein schönstes von Dir. Danke, liebe Eberesche, dass Du mir Jahr um Jahr das Gefühl gibst, dass wir beide älter werden dürfen, und zugleich doch einen Hauch von Die-Uhren-stehen-still vermittelst.

  1. 5. September 2008 um 09:45 | #1

    Lieber Ulf

    Was für ein schöner Baum!

    Da mag ich doch mein Sudelbuch einpacken und mich neben diese Eberesche setzen, abwechselnd träumen und schreiben.
    Wahrscheinlich läuft’s bei mir eher auf Träumen raus ;-)

    Liebe Grüße
    von
    Sabine

  2. 5. September 2008 um 10:01 | #2

    Das sind -hier im wahrsten Sinne des Wortes- die Fixpunkte im Leben, die man braucht.

    Wie habt Ihr Euch “kennengelernt”?

    Gruß
    Christian

  3. 5. September 2008 um 16:12 | #3

    Lieber Ulf, ist das Dein Gedicht? Das ist einfach wunder-wunderschön. Da fehlen mir weitere Worte und die sind auch gar nicht nötig. Ich setze mich einfach in Gedanken unter Deinen wunderschönen Baum und lasse die Worte auf mich wirken…sehr beeindruckt sende ich Dir ganz liebe Grüsse Andrea

  4. 5. September 2008 um 20:27 | #4

    Lieber Ulf,
    ich dachte jetzt auch, ich würde hier Goethe oder Eichendorff lesen – unglaublich, schön poetisch, sehr begabt, chapeau! :-)
    Ich habe ja auch ganz eigene, wunderschöne Beziehungen zu Bäumen, zu einigen sogar so innige wie du zu deiner Eberesche :-)
    Herz-liche Grüße von einer Mozart lauschenden und dein Baumfoto bewundernden Elisabeth

  5. Ulf Runge
    5. September 2008 um 23:05 | #5

    Liebe Sabine,

    genau dazu lädt er ein, “mein” Baum: zum dazu Sitzen, zum Träumen.
    Und zum Schreiben…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  6. Ulf Runge
    5. September 2008 um 23:10 | #6

    Lieber Christian,

    danke für die Frage, ich hatte gehofft, sie beantworten zu dürfen.
    Sie ist eine “Urlaubsbekanntschaft”! :-)

    Die in der Bildunterschrift genannten Koordinaten sind die der Stadt Eksjö
    im nördlichen Småland, also in Pippilangstrumpfland.
    Der Baum steht dort in der Nähe eines traumhaften Sees.
    *schwelg*

    Liebe Grüße,
    Ulf

  7. Ulf Runge
    5. September 2008 um 23:13 | #7

    Liebe Andrea,

    ja, das ist von mir.
    Gestern wollte ich “mal lyrisch sein”,
    und dann dachte ich an diesen bezaubernden Baum
    in wilder Natur.

    “Ihr” schönstes Bild ist dieses von 2004, die Aufnahmen aus den
    anderen Jahren sind nicht so fruchtig und sonnig…

    Schön, dass Du Dich zu “ihr” dazusetzt.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  8. Ulf Runge
    5. September 2008 um 23:16 | #8

    Liebe Elisabeth,

    das klingt romantisch:
    Dieses Bild anschauen und Mozart hören.

    Ich glaube, “sie” freut sich riesig darüber,
    gemeinsam mit genialer Musik Dich erfreuen zu dürfen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  9. 5. September 2008 um 23:44 | #9

    Schön, dass Ihr über die Entfernung die Beziehung halten könnt.
    Gruß
    Christian

  10. Ulf Runge
    5. September 2008 um 23:59 | #10

    Lieber Christian,

    eine Wochenendbeziehung ist eine S…eck dagegen… :-)

    Liebe Grüße,
    Ulf

  11. 6. September 2008 um 00:40 | #11

    Na ja, sie läuft ja nicht weg ;-)

    Gruß
    Christian

  12. 7. September 2008 um 01:44 | #12

    Lieber Ulf,

    eine schöne Urlaubsbekanntschaft hast du da. ;-) Und so schöne poetische Worte widmest du ihr. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man jedes Jahr im Urlaub wieder ankommt. Mir ging es immer so, wenn ich in die Berge fuhr. Meine Eltern fuhren mit mir immer an den gleichen Ort, jahrelang. Es war wie nach Hause zu kommen, sobald ich den einen Berg gesehen habe, zu sehen, dass er noch da war. Was bei einem Berg ja so ziemlich klar ist, :D aber das ist es vielleicht, die Beständigkeit, dass es da etwas gibt, das sich nicht ändert, in einer Welt, wo sich so viel verändert, etwas auf das Verlass ist.

    Diese Zeile hier gefällt mir besonders, auch wenn sie nicht mehr zum Gedicht gehört: “Danke, liebe Eberesche, dass Du mir Jahr um Jahr das Gefühl gibst, dass wir beide älter werden dürfen, und zugleich doch einen Hauch von Die-Uhren-stehen-still vermittelst.”

    Liebe Grüße,
    Martina

  13. Ulf Runge
    8. September 2008 um 23:49 | #13

    Lieber Christian,

    aber sie ist auch nicht da, wenn man sie mal braucht…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  14. Ulf Runge
    8. September 2008 um 23:52 | #14

    Liebe Martina,

    schön, wie Du die Stimmung aufgenommen hast und auf Deine
    Kindheitserinnerungen übertragen hast!

    Du hast es nicht minder schön ausgedrückt, indem Du darauf
    verweist,
    “… dass es da etwas gibt, das sich nicht ändert, in einer Welt, wo sich so viel verändert, etwas auf das Verlass ist.”

    Liebe Grüße,
    Ulf

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