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Klorollengedanken

26. August 2008 19 Kommentare

Leben 301– Dienstag, 26.08.08

Nun erlaubt ja die deutsche Sprache Wortschöpfungen wie „Klorollengedanken“, was die ungeneigte Leserin geschweige den selbigen Leser den Verdacht schöpfen lassen könnte, ich wolle behaupten, dass Klorollen ein Eigenleben haben, ja dass sie sogar des Denkens mächtig seien.

Nein, beileibe nicht; der, der hier denkt, bin ich. Denke ich. Es sind meine Gedanken, die sich um unterschiedliche Nutzungsformen von Klorollen drehen.

Nicht erörtert werden soll hier die Entsorgung von Klorollen im schulischen Kunst-, Physik- oder Mathematikunterricht. Klorollen, die man monatelang auf Verdacht aufhebt, ungefähr einmal die Woche abstaubt, für die eine didaktisch wertvolle Unterrichtstunde mit Anschauungsmaterial, zu der die Kids diese Papprollen mitbringen sollen. Wobei die Kiddies ja genau dann krank werden oder das Material zu Hause liegen lassen. Monate des Sammelns, Hütens und Staubabwischens vergebens! Aber wie gesagt, hiervon soll nicht die Rede sein.

Auch nicht von den vermeintlich lustigen Streichen, aufgrund derer man zu den Raus-auf-die-Straße-Anlässen in der Nacht zum 1. Mai oder in der Walpurgisnacht Gartenzäune und Autokarosserien „hübsch“ umwickelt vorfindet.

Es geht hier um die primär angedachte Nutzung von Klorollen in direktem Zusammenhang mit sehr persönlichen Geschäften auf diskreten Örtlichkeiten. Nun gibt es da zwei prinzipiell verschiedene Möglichkeiten, wie denn das Klopapier am Wandhalter befestigt sein kann. Variante 1, ich nenne sie zuerst, ohne sie wirklich (jetzt schon) bevorzugen zu wollen, äußert sich dadurch, dass man das Klopapier von hinten nach oben nach vorne (vhnonv) abwickelt und bei Erreichen der gewünschten Länge an der Perforation abreißt. Variante 2 ist identisch zu Variante 1, außer dass das Papier von hinten nach unten nach vorne (vhnunv) abgerollt wird; ich habe lange darüber gebrütet, ob die Schilderung dieses Sachverhalts einer Illustrierung durch langweilige Toilettenfotos oder durch eine „witzige“ Skizze erfordert. Da ich das Überspielkabel vom Fotoapparat zum PC ebenso wenig griffbereit habe wie ich über hinreichendes Talent zum Menschen-, Tiere-, Pflanzen- oder Klopapierrollenmalen verfüge, verzichte ich also auf diese Ergänzung und hoffe, dass meine in knappe Worte gefasste Beschreibung der beiden Varianten genügen möge.

Es gibt noch eine dritte Variante. Wenn die Rolle leer ist. Bei Variante 3 „vergisst“ die Letztbenutzerin oder der Letztbenutzer, eine neue Rolle einzulegen. Aber auch hiervon soll aufgrund der möglichen Ablenkung vom Kernthema nicht weiter die Rede sein.

Lange Zeit hatte ich geglaubt, es gäbe in sozialen Gemeinschaften (Familie, Büro, oder so) einen unausgesprochenen und ungeschriebenen Konsens, wie denn nun so eine Rolle einzulegen sei. Nämlich, und damit möchte ich meine Leserschaft nicht (mehr als nötig) beeinflussen, Variante 1. Also von hinten nach oben nach vorne (vhnonv).

Jahrelang habe ich in den Kreisen, in denen ich regelmäßig verkehre, diesen Konsens zu spüren geglaubt.

Bis ich letzte Woche meinen Augen nicht traute. Eine falsch rumme Rolle blickte mich keck an. (Variante 2, vhnunv, s.o.) Für einen Augenblick lang wollte ich das oberste Verfassungsgericht einberufen, die Presse alarmieren, ein Tribunal einberufen, verzichtete dann aber doch auf jedwede Spurensicherung, ließ den Tatort unfotografiert, und auch die jederzeit für die Aufnahme von Fingerabdrücken griffbereite Tesafilmrolle blieb ungegriffen.

Für dieses eine Mal wollte ich noch drauf verzichten, aus diesem Thema ein Thema zu machen. Schließlich darf ja jeder mal einen Fehler machen. Einmal. Doch bin ich mir nicht ganz sicher, ob in meinem Umfeld das Unrechtsbewusstsein für diesen Sachverhalt – Verletzung gegen das Wohlbefinden bei Vonhintennachobennachvorne-Abrollern – genügend ausgeprägt ist. Und so frage ich mich, ob ich das Thema nicht mal grundsätzlich diskutieren (lassen) sollte, etwa auf meinem Blog.

Und so frage ich schlussendlich meine lieben Leserinnen und Leser, was ist denn richtig? Von hinten nach oben nach vorne (vhnonv) oder von hinten nach unten nach vorne (vhnunv) ? Und warum? Ja, das wäre mir noch viel wichtiger, wenn ich erfahren dürfte, warum meine Variante (1) die richtige ist. (Oder vielleicht auch nicht…)

© Ulf Runge, 2008

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