Intravenös

Leben 294– Samstag, 16.08.08

Mein Hund darf mit. Denn, es ist Samstag. Markttag. Zeit, um in der Nachbarstadt Gemüse und Obst zu kaufen, und noch das eine oder andere Geschäft in der Altstadt aufzusuchen.

Wir stellen uns an. Am Ende der Schlange, direkt vor uns, eine junge Dame, vermutlich noch nicht im Führerscheinalter. Sie spricht französisch mit ihrer älteren Begleiterin, die ich jetzt mal als ihre Mutter festlege.

Ich bin im Begriff, meinem vierbeinigen Freund das Kommando „Platz“ bedeuten zu wollen, als sich die junge Dame vor mir umdreht, mich nun nicht wirklich eines längeren Blickes würdigt, sondern gleich ihre gesamt liebevolle Zuwendung und Ausstrahlung meinem Begleiter zuströmen lässt, der sofort in ihrem Bann gefangen ist.

Nachdem sie ihn ein paar Mal liebevoll gestreichelt hat, sieht sich mich nun doch noch ganz freundlich und fröhlich an und sagt in erstklassigem Hochdeutsch, ohne ihre französische Herkunft verbergen zu können, „Ich darf doch?“

An dieser Stelle sage ich immer sehr gerne meinen Standardmonolog, allerdings nur, wenn man mich fragt, ob der beißt, oder so. Worauf ich dann verschmitzt anworte: „Nein, der beißt nicht! Der küsst!“

Ich kam nicht zu meinem Lieblingsselbstgespräch, dafür aber mein Schatz zu weiteren herzigen Umarmungen und Liebkosungen.

Dann war’s auch gut damit, und die nette junge Dame war an der Reihe, gemeinsam mit ihrer Mutter bedient zu werden.

Meine zweitliebste Antwort auf die Frage, ob man denn mal streicheln dürfe, ist übrigens: „Einmal Streicheln, fünf Euro!“ Allerdings nicht jeder versteht diesen Spaß. Na, ja.

Ich bin dran, mein Hund macht Platz, beobachtet von unten das intensive Markttreiben sehr interessiert, aber bleibt folgsam liegen wie ein nasser Sack.

Ich möchte Tomaten, ja, genau von denen, ja, die Strauchtomaten da, und bei meinem Gespräch mit der Marktfrau meint eine andere Dame, sie müsse sich zur Seite stellen, damit ich besser meine Bestellung aufgeben könne. Auf meinen Einwurf, sie könne ruhig stehen bleiben, geht sie nicht ein, sie will nicht stören.

Gemüse, Obst und Eier sind dann irgendwann in den Taschen verstaut, ich gehe zur Seite, um zu zahlen, als mich die nicht stören wollende Dame anspricht, wie alt der denn sei. Ihrer sei genauso alt, entgegnet sie mir auf meine Antwort, und dann meint sie noch, ihrer sei ebenso lackiert wie meiner, bloß eine andere Rasse.

Wir lächeln uns an, hundehalterwellenlängig.

„Wenn ich abends schon mal erschöpft oder frustriert nach Hause komme, dann reicht seine Begrüßung schon, und mir geht’s wieder besser.“ sage ich. Darauf sie: „So geht’s mir auch, wissen Sie was, das ist dann richtiggehend INTRAVENÖS!“

Wir lachen, wünschen einander noch einen schönen Tag, und ich denke mir, dass dieser Einkauf ein einziges Attribut verdient hat: INTRAVENÖS!

© Ulf Runge, 2008

  1. 17. August 2008 um 03:48 | #1

    Ja Hunde sind komunikativ….jedenfalls schaffen sie Kommunikation!

    Schöne Geschichte , darf ich fragen was für ein Hund es ist :lol: und wie alt? darf ich ihn streicheln? …

    ♥ -lich Bonafilia

  2. 17. August 2008 um 08:20 | #2

    Lieber Ulf,

    ich wünsche mir schon seit langem einen “intravenösen” Hund :-) allerdings sind die äußeren Umstände bisher in meinem Leben noch nicht die passenden.
    Ich habe es aber immerhin zu zwei wirklich sehr “intravenösen” Kaninchen gebracht. Wobei…..beim Kauf des 5. Telefonkabels (die vorherigen 4 wurden irgendwie durchgeknabbert)fand ich es für einen kurzen Moment wenig “intravenös”.

    Sonnige und lachende Grüße für einen schönen Sonntag,

    Dori

  3. 17. August 2008 um 09:50 | #3

    Lieber Ulf, ich sag immer, wer mit einem Hund unterwegs ist, ist nie allein. Wenn er nicht grad schrecklich furchteinflössend ist, wird man über den Hund doch oft angesprochen, ganz locker und ohne “Anmach”-Gehabe.

    Da fällt mir was ein, erzähl doch Matzel mal davon, wie leicht man jemand mit Hund ansprechen kann:-)Vielleicht hilft ihm das beim 30Tage Programm…

    Hundefreundliche Grüsse Andrea

    P.S. Liebe Dori, wenn Du wüsstest, was unsere Hunde damals zuhause alles angeknabbert haben, einer hat mal die ganze Tapete runtergekratzt, immer die teuersten Schuhe angeknabbert usw.:-)Was aber unsere Liebe zum Hund nur vorübergehend eingeschränkt hat:-)

  4. 17. August 2008 um 15:09 | #4

    Lieber Ulf,

    ein bisschen neidisch bin ich immer auf Hundebesitzer, die ihren Hund überallhin mitnehmen können. *seufz*

    Mein wibbeliges Hündchen… der und ruhig liegen bleiben… nicht mal für Leberwurst, wenn da so viel los ist. Da ist der viel zu neugierig für. Überall müsste er gucken und ich müsste vermutlich aufpassen, dass er nirgendwo sein Beinchen hebt. Dabei ist er schon eine ganze Ecke ruhiger geworden, nachdem die Flegelphase vorbei ist. Friedlich wäre er bestimmt, weil so viel los ist und er gar nicht wüsste worauf er sich zuerst konzentrieren sollte. :D Und auf die Frage, ob er beißt, müsste ich dann antworten: “Nein, beißen tut er nicht, er ist nur umwerfend.” ;-) Und das, obwohl er so klein ist. Wenn er sich freut, dann wackelt immer der ganze Hund. Anschließend ist er völlig aus der Puste. Kaum zu glauben, wenn man ihn so friedlich hier in meinem Büro liegen sieht, während ich das schreibe.

    Zuhause ist er der liebste Hund der Welt, auch wenn er hier mal alleine ist. Er hat hier noch nie etwas kaputt gemacht, außer sein eigenes Spielzeug. ER hatte so einen kleinen Teddy, den hat er geschüttelt und drauf rumgebissen. Heute würde so ein Teddy keine fünf Minuten überleben, bei den Beißerchen. Aber an meine Stofftiere (ja habe auch welche, obwohl ich schon groß bin)geht er nicht dran. Er hat auch nie Möbel, Schuhe oder Tapeten angeknabbert. Ich habe von Anfang an klargestellt, dass er das nicht darf und er hat’s kapiert. :D Er hatte auch genug anderes zum Kauen. Wieviele Kauknochen der schon als kleiner Welpe verputzt hat… unglaublich. Früher haben wir immer so richtig große gekauft, da hatte er ordentlich mit zu tun. Heute tun es kleinere auch, die kleinen halten jetzt länger als früher die großen. :D
    Upps, darum geht es ja gar nicht. Ich glaube INTRAVENÖS ist hier der richtige Ausdruck. *lach* :D Oje, ich bin wohl hoffnungslos infiziert von meinem Hündchen. Sorry, wenn ich einmal anfange.

    Wie gesagt, ich bin ein wenig neidisch, aber vielleicht lernt mein Hündchen das ja auch noch. Käme auf einen Versuch an. Immerhin kann ich ihn seit ein paar Monaten wieder ohne Leine laufen lassen, beim Spazierengehen, er hört prima. Selbst bei der Entscheidung ob er dem Hasen folgen oder auf mich hören soll hat es funktioniert. Er hat sich für mich entschieden. Hurrah. Jagen ist nämlich seine größte Leidenschaft. Upps… ich komme schon wieder ins Schwärmen.

    Dabei wollte ich doch noch sagen, dass ich die Idee von Andrea, mit Matzel, klasse finde. Ist ja auch so, mit Hund lernt man viel schneller Menschen kennen. Das sollte Matzel unbedingt wissen. :D

    So, nun ist aber genug. Deine kleine Marktgeschichte hat mir wieder mal gut gefallen. Konnte es mir gut vorstellen.

    Liebe Grüße,
    Martina

  5. Ulf Runge
    17. August 2008 um 23:42 | #5

    Liebe Bonafilia,

    Border Collie / Schäferhund, 8 Jahre.
    Selbstverständlich darst Du ihn streicheln,
    aber sei vorsichtig ;-)

    Liebe Grüße,
    Ulf

  6. Ulf Runge
    17. August 2008 um 23:46 | #6

    Liebe Dori,

    zum Wünschen kommen immer auch die äußeren Umstände hinzu, wie Du selber schon sagst,
    und ein Hund sollte nicht länger als einen halben Tag alleine bleiben…
    Ein gutes Händchen bei der Wahl wünsche ich Dir…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  7. Ulf Runge
    18. August 2008 um 00:28 | #7

    Liebe Andrea,

    ich hab’s Matzel gesagt. Und er will mal in sich gehen, ob das was für ihn wäre…

    Du hast recht: Das häufigste, was ich höre, ist: “Ist der aber süß!”

    Liebe Grüße,
    Ulf

  8. Ulf Runge
    18. August 2008 um 00:33 | #8

    Liebe Martina,

    wow, Dein Beitrag ist wie Dein Hund: UMWERFEND!
    Wenn Du möchtest, dass Dein Hund so cool liegen bleibt
    wie meiner, dann wäre es einen Versuch wert,
    mal probeweise in eine Hundegruppe zu gehen,
    einmal die Woche.
    Das ist ungemein hilfreich.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  9. 18. August 2008 um 01:33 | #9

    Ach ja, lieber Ulf, das mit der Hundeschule hatte ich ja schon. Hat auch einiges gebracht. Aber bevor man daran arbeiten könnte, müsste er dann erst mal lernen bei anderen Rüden friedlich zu sein. *seufz* Er hatte dort im Spielgehege nie die Möglichkeit, sich vorher auszutoben und dann klappt es bei ihm mit der Konzentration nicht. Er kann es ja, ruhig liegen bleiben auf Kommando. Nur die Konzentration, wenn so viele andere Hunde (besonders Rüden) da sind… er müsste sich vorher abreagieren können, dass er ausgepowert ist und das geht dort in der Schule nicht. Dann könnte ich das besser in der “realen Welt” üben. Ja, und vielleicht tue ich das ja mal. :D

    Lieben Gruß,
    Martina

  10. 20. August 2008 um 19:56 | #10

    Lieber Ulf,
    danke für das bunte Markttreiben mit Hund-Bild, das du für mich gemalt hast! *lächel*
    Ich hab das Gefühl, mitten drin und dabei gewesen zu sein, all die Farben von Obst und Gemüse, die Düfte, dein streichelweicher Hund – darf ich auch mal? Willst du dafür 5 Euro oder krieg ich einen Kuss? ;-)

    Herz-lichst Elisabeth

  11. Ulf Runge
    21. August 2008 um 22:09 | #11

    Liebe Martina,

    Du hast recht, eigentlich muss der Hund “total platt” (vom Spielen meine ich)
    sein, wenn man mit ihm zur Hundegruppe geht.
    Dann lässt er sich nicht so leicht ablenken.
    Dann ist er aber auch nicht mehr so motiviert,
    die Standard-Unterwerfungsübungen mitzumachen.

    Selber üben? Gute Idee!

    Liebe Grüße,
    Ulf

  12. Ulf Runge
    21. August 2008 um 22:10 | #12

    Liebe Elisabeth,

    schön, dass Du in den Worten das Bild “gesehen” hast.
    Und Deine Frage bringt mich in Verlegenheit :-)

    Herz-lichst Ulf

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