Sandkauf
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Leben 278 – Samstag, 19.07.08 Landeskriminalamt steht auf dem erwarteten Briefumschlag, den ich ungeduldig mit dem rechten Zeigefinger stümperhaft aufschlitze. „Toxikologisches Gutachten“ steht im Betreff des im besten Amtsdeutsch gehaltenen Schreiben. Ich wurstle mich durch etliche Textbausteine hindurch, bis ich endlich erfahre, dass es blinder Alarm war. Keine Kontaminierung. Was war passiert? Ich hatte bereits das Tierfutter im Einkaufswagen gehabt, als ich auf Idee kam zu fragen, ob man hier auch Sand kaufen könne. Dann hätte ich mir den Baumarkt sparen können. Ich schaue mich also um, und sehe einen Mitarbeiter dieses Marktes auf mich zukommen. Ob er helfen könne? Ob sie Sand hätten. Ja, da hinten im Außenbereich. Freude ist in seinem Gesicht zu erkennen. Er lächelt mich an, gibt mir das Gefühl, als wenn er sich Zeit für mich nehmen wolle. Und das obwohl es schwül ist, obwohl er abgekämpft aussieht an diesem Samstag Nachmittag. Er begleitet noch mich einige Schritte, streckt seinen Arm aus, weist mir die Richtung, „direkt am Zaun“ höre ich noch. Bedanke mich höflich. Gehe zum vermeintlichen Ort, an dem es Sand geben soll. Ich sehe, wie ich von dem netten Herrn im Auge behalten werde, winke ihm zu, da ich nun glaube, vor den Sandsäcken zu stehen. Dem ist nun aber nicht wirklich so, und nach wenigen Sekunden steht der nette Mensch wieder bei mir. Zeigt mir die richtige Stelle. Da liegen noch Säcke, beide allerdings beschädigt. Wieviel ich denn brauchen würde? „Genau zwei“, erfährt er von mir. Ob er sich meinen Einkaufswagen nehmen dürfe, er werde sofort zwei unbeschädigte Säcke besorgen. Nach fünf Minuten liegen dann zwei unversehrte Säcke im Wägelchen. Soviel Freundlichkeit! Glückselig fahre ich heim. Noch während ich im Auto sitze, hinterfrage ich, was ich da soeben erlebt habe. Hatte ich da nicht erst in der vergangenen Woche etwas über kontaminierten Sand gelesen, vor dessen Kauf dringend gewarnt wird? Erklärt das die überschäumende Freundlichkeit des Verkäufers? Oder war er einfach nur penetrant, wollte das giftige Zeugs an mich loswerden? Der Verdacht stand im Raum, unter großen Sicherheitsvorkehrungen entnahm ich an sechs verschiedenen Stellen der Sandsäcke Proben, die ich umgehend der Polizei zukommen ließ. Jetzt also dieser Bescheid vom LKA. Alles nur heiße Luft. Mein eigenes Hirngespinst. Aber muss man denn bei soviel Freundlichkeit nicht nachdenklich werden? Jemand, der abgekämpft und müde bei schwüler Luft zuvorkommend lächelt und aufmerksam ist, der dafür sorgt, dass der Kunde zufrieden nach Hause geht? Da muss doch was faul sein, oder? © Ulf Runge, 2008 |
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Lieber Ulf, schäm Dich, den netten Verkäufer SO zu verdächtigen…;-) Eigentlich ist es traurig, dass man Grund genug hat heutzutage, so misstrauisch sein zu “müssen”…Schön, dass sich der Verdacht nicht bestätigt hat und der Verkäufer einfach nett und hilfsbereit war…
Liebe Grüsse Andrea
andrea2007
20. Juli 2008 um 19:09
Liebe Andrea,
danke für Dein “schäm Dich”. Dieser Teil der Geschichte,
ich möchte noch mal darauf hinweisen, war natürlich rein erfunden
(3 Erdachtes…).
Liebe Grüße,
Ulf
Ulf Runge
21. Juli 2008 um 00:27