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Archiv für 16. Juli 2008

Lächeln, bitte lächeln!

16. Juli 2008 5 Kommentare

Leben 274 – Donnerstag, 17.07.08

Zum sechsten Mal fahren wir die Straße von Höganäs nach Helsingborg. Zum sechsten Mal werden wir Schweden verlassen. Zum sechsten Mal nähern wir uns dieser Ampel, dieser ganz besonderen Ampel. Diesmal soll es sein. Diesmal muss es sein!

Was denn bitte?

Erinnern wir uns an das erste Jahr. Wir fahren auf die grüne Ampel zu, sie springt um auf rot, wir halten an, kommen direkt vor ihr zu stehen. Nach sehr kurzer Schaltzeit springt sie wieder um auf grün und wir trauen unseren Augen nicht: Schaut uns tatsächlich ein lächelnder, grüner Smiley an.

Fröhlich, nein, lächelnd fahren wir weiter. Erzählen zu Hause darüber. Und gut ist. Vergessen die Sache.

Im Folgejahr dann das dejà vu Gefühl: Wir fahren auf die Ampel zu, sie springt gerade auf grün um, und als uns das grüne Gesicht wieder zulächelt, steigert es unsere Laune ein weiteres Mal.

So geht es weiter in den Folgejahren. Am Tag vor der Ausreise flachsen wir rum, dass wir morgen wieder amplig angelächelt werden werden (ja: 2x werden…)

Und dass wir mal ein Foto schießen sollten. Es kommt nicht zum Foto. Wir vergessen es. Oder wir kommen nicht zum Halt vor der Ampel. Oder es findet sich keine Möglichkeit, in der Nähe anzuhalten. Wir vertagen dieses Thema jedes Mal auf das nächste Jahr.

So auch im vergangenen Jahr.

11. Juli 2008. Der Fotoapparat ist gerichtet. Die Speicherkarte hat noch Platz, die Akkus sind geladen. Kein Regen, leichte Bewölkung, ideale Belichtungsverhältnisse. Wir werden ein Foto machen, und wenn wir den ganzen Verkehr aufhalten (nicht wirklich, aber der Vorsatz hierfür war sehr stark…)

Wir verlassen Höganäs, biegen auf die A111 ein, nur noch wenige Minuten trennen uns vom ultimativen Smiley-Ampel-Foto, das dann hier in diesem Blog veröffentlicht werden wird. Als Beweismittel, sozusagen.

Nach wenigen Minuten ist alles anders als sonst. Ein neuer Kreisverkehr. Wir folgen der Beschilderung und merken nach weniger als 60 Sekunden, dass wir geleimt worden sind. Eine neue Umgehungsstraße, die die geplagten Bürgerinnen und Bürger vor Lärm, Abgas und Unfällen schützen soll, führt uns auf einem neuen Weg nach Helsingborg.

Da rechts! Da irgendwo! Da muss diese Ortschaft liegen! Wir fahren, traurig, weiter. Kein ampliges Lächeln wird uns dieses Jahr erheitern. Wir vertagen uns auf nächstes Jahr. Bestimmt! Ganz bestimmt!

Während der Weiterfahrt gehen mir noch Gedanken durch den Kopf, ich denke an die „Geschichte mit dem Hammer“: MUSS MAN DENN ALLES FOTOGRAFIEREN? GLAUBT EINEM KEINER MEHR ETWAS HEUTZUTAGE? WEIß DOCH JEDER, WIE EIN SMILEY AUSSIEHT! ALSO, WOZU DIE GANZE AUFREGUNG! Wer bitte ist denn aufgeregt, denke ich zu mir? Da müssen die Blogleserinnen und Blogleser eben noch ein Jahr warten auf dieses … Foto.

Epilog: Heutzutage findet man alles im Internet. Such mal nach irgendwas, und Du wirst schon was finden. Meine letzte Hoffnung, eventuell ein Foto dieser Ampel woanders im Netz zu finden, bleibt unerfüllt. Wenn ich bisher nicht wusste, warum es nächstes Jahr wieder nach Schweden gehen muss, jetzt weiß ich es.

© Ulf Runge, 2008

Vom Fremddrehen, Alarmstuhlclicks und Pseudopopulationen

16. Juli 2008 6 Kommentare

Leben 273 – Mittwoch, 16.07.08

Uhps! Was wird das für ein Artikel? Bei dieser Überschrift! Hat er das nötig, auf Clicks zu schielen, die hier sonst nie vorbeikommen würden? Nein, hatter nicht! Aber jeder Click hier ist ein Nichtclick woanders. So wie jede Zigarette, die man selber raucht, verhindert, dass jemand anders sie raucht…

Fangen wir mal mit den Alarmstuhlclicks an. „Alarmstuhl“, sollte man meinen, ist ein unverfängliches Wort. Warum nun aber sucht jemand seit Tagen wie wild nach diesem Begriff? Und clickt bei mir rein? Um die Dramatik der Situation zu veranschaulichen: Es handelt sich hier um mehr als 1000 Clicks für den einzigen meiner Artikel, in dem der Begriff „Alarmstuhl“ vorkommt. An einem Tag! Am Folgetag immerhin noch mehr als 300 Clicks. (Es kann sich natürlich um eine lange Nacht gehandelt haben, die bis tief in den Morgen ging.)

Erklärung 1: Die Bundeswehr hat neue Rekruten, der Begriff „Alarmstuhl“ fiel während einer Unterweisung, wurde aber nur unzureichend erklärt, so dass eine ganze Kompanie nach Feierabend das nächstbeste Internetcafé gestürmt hat, um endlich bei mir Aufklärung zu finden.

Erklärung 2: Jemand gugelt nach „Alarmstuhl“, rutscht mit der Maus zufällig auf den ersten Eintrag auf der zweiten Ergebnisseite (das bin ich…), die leere Bierflasche rollt auf die Entertaste oder die Maus oder was auch immer (wir sind hier ja nicht im Technikforum, oder?) und der PC-Nutzer rutscht von seinem DIN-geprüften Drehstuhl direkt auf seine Schlafmatratze. (Hier stellt sich die Frage, ob Autoren wirklich über so viel Phantasie verfügen, oder ob das meiste dann doch autobiographisch ist.)

Alarmstuhl fertig. So, jetzt fehlen noch Fremddrehen und Pseudopopulation.

Vorher aber noch ein Zwischenruf. Das Küchenradio steht bei uns auf SWR1/RP. Niemand würde sich wagen (ich glaube eher, dass es einfach Desinteresse ist; Noch! Denke ich mal) den Sender zu verstellen. Wahrscheinlich lässt sich das Rändelrad auch schon nicht mehr so leicht bewegen. Aber das zu testen würde sich niemand wagen (s.o.).

Im Badezimmerradio kämpfe ich bisweilen gegen Feindsender wie Radio Regenbogen oder RPR1. Seltenst SWR3. Egal wie. DAS Rändelrad ist übrigens sehr leichtgängig. (Mein Traum: Ein Badezimmerradio mit Stationstasten! Ob es sowas wohl geben mag?) Soweit dieser Zwischenruf.

Drehe ich also gestern am hellichten (schreibt man das jetzt mit 3 Ell?) Tag das Autoradio an, um mir nach dem Spielen eines meiner 100.000 Lieblingslieder die Frage zu stellen, ob ich jetzt besser auf einen anderen Sender umstelle, um die Wahrscheinlichkeit des Hörens genau dieses Liedes auf einem anderen Kanal zu erhöhen, oder bleibe ich aus Treue (ja, das gibt es noch) bei meinem Lieblingssender, von dem ich ja nicht mehr berichten muss, dass es sich um SWR1/RP handelt.

Bevor ich die Entscheidung treffen kann, eventuell untreu zu werden, ist der Sender sowieso weg. (Können Sender beleidigt sein?) Ich zappe zu FFH, lande dann aber doch wieder beim SWR, diesmal beim Rechtsnachfolger meines Jugendlieblingssenders SWF3, also SWR3. (Ich weiß, heute ist der Artikel nicht so leicht zu lesen. Aber ich komme gleich zur Sache.)

Hellichter Tag. Sagte ich schon. „Wie war der Tag, Liebling?“ fragt Kristian Thees seine Kollegin Anke Engelke am anderen Ende der Leitung. Und sie berichtet, was sie heute (also der Beitrag ist eine Wiederholung von gestern abend, weil so früh am Morgen kann man doch noch gar nicht so viel über den ge-WAR-enen Tag berichten) über Pseudopopulation erfahren ist. Glaube ich zumindest, verstanden zu haben. Pseudopopulation. Aha. Sie erzählt total begeistert von sexuellen Täuschungen an Insekten, begangen von niederträchtigen Orchideen, die auch mal bestäubt werden wollen. Irgendwann dämmert mir dann doch der Falschversteher meinerseits, und ich komme während des Imstaustehens nicht aus dem Kringelnvorlachen heraus. Die sich mir nun stellende Frage, ob es das ganze dann auch als Pottkascht gibt, habe ich soeben gelöst. Man clicke hier.

Fremddrehen kann Spaß machen. Ganz ohne Reue. Im Radio.

© Ulf Runge, 2008

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