Waggontüren-Skandal ist enthüllt
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Leben 271 – Dienstag, 17.06.08 Es ließ sich nicht länger verschweigen. Nachdem es mittlerweile Kult geworden war, sich nachts auf die Betriebsanlagen der Bahn zu schleichen und sich „seine“ Tür zu klauen, nachdem ganze Zuggarnituren von heute auf morgen nicht mehr betriebsfähig waren, nachdem die Bahn sogenannte Placebotüren aus Hartholz mit gelbem „Kaputt“-Aufkleber hatte entwickeln lassen, um wenigstens die Türlöcher zu schließen und die Züge mit eingeschränktem Türangebot verkehren zu lassen, hat die Bahn jetzt zum Mittel aller Mittel gegriffen. Während also die Waggontüren Einzug gefunden hatten in die Wohnungen und Gärten dieser Republik und es niemanden mehr gab, der nicht daran beteiligt war, verblieb als einziges und letztes das Tabu, nicht darüber zu sprechen. Nur in schummrigen Hinterzimmern ehemals verrauchter Kneipen brüsteten sich verwegene Gestalten ob der Anzahl von ihnen entwendeter Wagentüren. Keine Nachricht huschte über den Ticker, weder offizielle Verlautbarungen aalglatter Pressesprecher noch geheime Recherchekommandos sommerlochfüllenwollender Nachrichtenmagazine. Waren sie alle irgendwie mit verstrickt? Und bevor es nun heute offiziell wurde, bemerke ich seit Tagen schon, welch geniale Idee sich die Bahnverantwortlichen haben einfallen lassen. Finden sich doch nun nach und nach auf immer mehr Türen Aufkleber mit dem Bahnlogo und dem umwerfend originellen Text „BAHN“ dahinter. Einfach, aber wirkt. Entweder ist der Markt mit geklauten Türen „gesättigt“ oder es ist diesen Aufkleber zuzuschreiben, dass eine Wende eingetreten ist beim Türenklau. Wer will auch schon eine Tür in seiner Wohnung präsentieren, auf der „BAHN“ drauf steht? Genial auch die Vorgehensweise, um dem anfänglichen Aufklebermangel entgegenzuwirken. Da muss jemand aus der Schuhverkaufsbranche beraten haben. Zunächst sind nur die linken Türen für den Klau unbrauchbar geworden, wurden nur sie mit dem Eigentumshinweis verunziert. Und mal ehrlich, wer will denn nur eine rechte Halbtür sein „eigen“ wissen? Sicherlich wird es Menschen geben, die sich auch damit zufrieden stellen lassen, aber der Türenklau ist aufkleberbedingt ein Auslaufmodell geworden. Ich habe ja null Ahnung, wie viele Waggons es so gibt in Deutschland, aber ein ordentlicher Nahverkehrswaggon hat acht Türenhälften. Bei einem Zuggespann von 5,8 Waggons – von mir selbst erstellte Statistik auf der von mir frequentierten Strecke -, und bei von mir insgesamt vermuteten 8 Zuggespannen (Eigenrecherche) sind das 92,8 Aufkleber für linke Türen, weitere 92,8 Aufkleber für die andere Seite, die sich wohl aktuell im Beschaffungsprozess befinden. Ja, da frage ich mich, wie groß ist Deutschland, wie viele Nah- und Fernverkehrsgarnituren wollen beklebt sein? (Ich verkneife mir jetzt, in Wikipedia nachzuschlagen, weil, ich will es nicht wirklich wissen.) Ich sag mal so: Ich wär jetzt gerne die oder der, die oder der für diesen tollen Verbesserungsvorschlag eine bahninterne Prämie von wenn nicht noch mehr kassiert hat. Und noch viel lieber wäre ich die oder der, die oder der die Aufkleber produzieren darf und sich dabei eine goldene Nase verdienen. Und so bleibe ich nur der Hofnarr, der darüber zu berichten weiß… © Ulf Runge, 2008 |
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