Mein Schreibetagebuch: “Leben”

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Fußball für die Umwelt

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mit vollgas ins finale


Foto: © Marika / PIXELIO

Leben 270 – Sonntag, 15.06.08

Also. Ich weiß nicht, ob dieser Beitrag einige Leserinnen oder Leser, tja, sage ich mal, überraschen wird. Ich schreib das jetzt mal so runter, und ich glaube, es ist trotzdem kein coming out, wie der Deutsche sagt. (Ist heute nicht irgendein Deutsche-Sprache-Gedächtnistag? Egal.)

Also. Ich hätte schon immer gerne so ein Fähnchen an der Autoscheibe gehabt. Weil die Fußball-WM ist. Der Männer. Oder der Frauen. Oder der Handball-Männer. Oder nun die EM. Und dann mit dem Fähnchen durch die Lande fahren und alle wissen lassen, dass man teilhaben möchte an der guten Stimmung.

Das habe ich leider nie geschafft. Aus zwei Gründen.

Erstens. Ich schäme mich nicht, die deutsche Fahne am Auto durch die Gegend zu fahren. Aber am liebsten hätte ich ein Fähnchen, auf dem die Flaggen aller teilnehmenden Nationen zu sehen ist. Auch die deutsche, aber als eine von vielen. Um auszudrücken, dass der oder die bessere Mannschaft gewinnen möge.

Zweitens. Ich weiß nicht, wo es die Fähnchen zu kaufen gibt.

Nun. Nun weiß ich, warum ich bisher nicht wusste, wo es die Dinger zu kaufen gibt. Weil. Ich bin kein Baumarkt-Futzi. Will sagen, länger als 5 Minuten halte ich mich nicht in einem Baumarkt auf. In einem Ich-bin-doch-nicht-blöd-Markt kann ich dagegen viele Minuten verbringen, auch mal ne Stunde, wenn ich eine „schwierige“ Entscheidung zu treffen habe.

Okay. Ich war heute in einem Baumarkt. Holzleim. Eine Leiste. Ein Bilderrahmen. Das stand auf meiner Liste. Nach 10 Minuten hatte ich alle drei Artikel. Nach weiteren 10 Minuten, in denen ich zum dritten Mal am Hundefutter vorbeigekommen war, habe ich mich dann doch getraut, eine offensichtliche ortskundige Mitarbeiterin nach dem Weg zur Kasse zu fragen, in der Hoffnung, dass dann da auch der Ausgang sei.

Die Erklärung war brauchbar und kurz vor der Kasse, da! Ja! Da lagen sie. Die Fähnchen. Nein, leider „nur“ deutsche. Leider nicht mein Phantasie-Fähnchen mit allen Teilnehmern. Auch keine schwedische dabei, auf dass ich links die deutsche und auf der anderen Seite die gelb-blaue Flagge hätte zeigen können. „Nur“ deutsche. Aber! Fähnchen! Hier lagen sie. Ich blickte mich um, ob man mich bei meiner schwierigen Entscheidung etwa beobachtete.

Ich nahm zwei, trug sie weder stolz noch verschämt zur Kasse, eher versuchte ich, „selbstverständlich“ zu gucken.

Nachdem ich gezahlt hatte, hätte ich die Dinger doch beinahe ins Auto geworfen und durch die Gegend kutschiert, ohne ihnen den gebührenden Platz an der Fensterscheibe einzuräumen. Ich reiße die Verpackung auf, die Montage ist idiotensicher, die Fähnchen hängen schlapp herunter, so ohne Fahrtwind, und dann sehe ich noch einen wichtigen Hinweis auf der Verpackung: Tempo 100! Mit diesen Spielzeugen an der Scheibe darf man nicht schneller als Hundert fahren.

Haben wir in Deutschland nicht schon erbitterste Debatten geführt um ein Tempolimit auf Autobahnen? Das wäre es doch: Immer Fußball-WM oder -EM, Männer oder Frauen, Fußball oder Handball, Wasserball, Volleyball, Curling, Vierschanzenspringen, Schach. Was auch immer! Egal, Hauptsache gute Stimmung, Hauptsache Fähnchen auf dem Dach, und alle fahren nicht schneller als hundert Sachen. Auf dass die Eisberge langsamer schmelzen…

© Ulf Runge, 2008

10 Antworten

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  1. **Ich blickte mich um, ob man mich bei meiner schwierigen Entscheidung etwa beobachtete.**

    :-)

    Mo

    15. Juni 2008 um 09:33

  2. Also, lieber Ulf, wenn du nun schon die Montage-Technik hast, dann gäbe es die Möglichkeit, ein bisschen Stoff zu kaufen und Fähnchen nach deinem Gusto zu fabrizieren. Mit einem Nähmaschinchen ist das ganz einfach. Du könntest auch mehrere Fähnchen nähen und so jeden Tag dein Auto mit einem anderen schmücken.

    Ansonsten finde ich deine Idee mit dem Tempolimit prima! Da zerbrechen sich Heerscharen von Fachleuten den Kopf, wie sie die autofahrenden Zeitgenossen zu gemäßigtem Tempo motivieren können, und dabei braucht es einfach nur das Verteilen von Fähnchen. So einfach stellen sich die Dinge des Lebens manchmal dar. Und die Welt würde zudem noch ein bisschen bunter…

    Herzlicher Gruß von Renate

    Renate

    15. Juni 2008 um 10:34

  3. Liebe Renate,
    Du bist viel zu ehrlich für diesen Blog!

    Ulf? Nee,ich habe doch gar nichts geschrieben!

    Mo

    15. Juni 2008 um 13:24

  4. Ich hab ja was von Tempolimit 50 ! gelesen … mehr würden die Fähnchen angeblich nicht aushalten.

    Aber … ’s sieht ja schon schön aus … mit den vielen Fähnchen und Fahnen … überall … :-)

    Die Ulli

    zauberliebe

    16. Juni 2008 um 20:59

  5. Liebe Mo,
    es war so, genau so war es. Da stand ich alleine vor der Warenbox voller Deutschlandfahnen.
    Wohl wissend, dass 50% der anwesenden Kunden schon eine selbige hatten und mich als Spätmerker einstuften.
    Während die anderen 50% mich wohl als Fahnenflüchtigen betrachteten…

    Liebe Grüße,
    Ulf

    Ulf Runge

    17. Juni 2008 um 00:20

  6. Liebe Renate,

    Du hast recht. Bis zur nächsten WM, an der “wir” hoffentlich teilnehmen, falls “die” nicht ausscheiden vorher,
    bis dahin sollte ich soviel Nähkünste entwickelt haben, dass ich mit der von mir jüngst erworbenen Befestigungstechnik eine oder zwei Kombifahnen durch die Gegend fahren kann.

    Und. Genau. Du siehst das richtig: Fahnen für alle! Und so fahren wir alle langsamer…

    Liebe Grüße,
    Ulf

    Ulf Runge

    17. Juni 2008 um 00:22

  7. Liebe Mo,

    Deinen zweiten Kommentar habe ich leider, weder bezüglich Renate noch auf mich bezogen verstanden.
    Manchmal steht man halt auf dem Schlauch. Sorry.

    Liebe Grüße,
    Ulf

    Ulf Runge

    17. Juni 2008 um 00:24

  8. Liebe Ulli,

    ich werde das ausreizen mit den hundert K-Em-Ha. Und dann gegebenenfalls berichten…

    Du hast recht: Viele türkische, spanische, portugiesische, italienische, französiche, kroatische und griechische Fahnen sprießen auf einmal aus den Autos und Fenstern hervor…

    Liebe Grüße,
    Ulf

    Ulf Runge

    17. Juni 2008 um 00:26

  9. Lieber Ulf, nun stehen wir schon zu zweit auf dem Schlauch … macht aber nix. Man muss ja nicht immer und alles verstehen …

    Das mit dem Fähnchen-Nähen ist übrigens eine einfache Angelegenheit. Stoff zuschneiden, Kanten einschlagen, drüber nähen. Fertig ist das Fähnchen. Dann kaufst du dir im Baumarkt eine Nietenzange + Nieten, produzierst damit Löcher im Stoff (kann man überhaupt Löcher produzieren?), Faden durchziehen an der Befestigung befestigen und bingo! ;-)

    Renate

    20. Juni 2008 um 09:41

  10. Liebe Renate,

    das schreibt sich so einfach. :-)
    Deutsche und österreiche Fähnchen, vielleicht sogar schweizer würde ich damit vielleicht hinbekommen.
    Aber jetzt denkmal an die Kroaten mit ihren Karos und erst den Wappen, oder die Spanier mit ihrem königlichen Symbol.

    Aber für Deine praktischen Tipps danke. Ich vermute mal, Du hast schon selber Fähnchen genäht? :-)

    Liebe Grüße,
    Ulf

    Ulf Runge

    21. Juni 2008 um 00:39


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