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Archiv für 14. Juni 2008

Fußball für die Umwelt

14. Juni 2008 Ulf Runge 10 Kommentare
mit vollgas ins finale


Foto: © Marika / PIXELIO

Leben 270 – Sonntag, 15.06.08

Also. Ich weiß nicht, ob dieser Beitrag einige Leserinnen oder Leser, tja, sage ich mal, überraschen wird. Ich schreib das jetzt mal so runter, und ich glaube, es ist trotzdem kein coming out, wie der Deutsche sagt. (Ist heute nicht irgendein Deutsche-Sprache-Gedächtnistag? Egal.)

Also. Ich hätte schon immer gerne so ein Fähnchen an der Autoscheibe gehabt. Weil die Fußball-WM ist. Der Männer. Oder der Frauen. Oder der Handball-Männer. Oder nun die EM. Und dann mit dem Fähnchen durch die Lande fahren und alle wissen lassen, dass man teilhaben möchte an der guten Stimmung.

Das habe ich leider nie geschafft. Aus zwei Gründen.

Erstens. Ich schäme mich nicht, die deutsche Fahne am Auto durch die Gegend zu fahren. Aber am liebsten hätte ich ein Fähnchen, auf dem die Flaggen aller teilnehmenden Nationen zu sehen ist. Auch die deutsche, aber als eine von vielen. Um auszudrücken, dass der oder die bessere Mannschaft gewinnen möge.

Zweitens. Ich weiß nicht, wo es die Fähnchen zu kaufen gibt.

Nun. Nun weiß ich, warum ich bisher nicht wusste, wo es die Dinger zu kaufen gibt. Weil. Ich bin kein Baumarkt-Futzi. Will sagen, länger als 5 Minuten halte ich mich nicht in einem Baumarkt auf. In einem Ich-bin-doch-nicht-blöd-Markt kann ich dagegen viele Minuten verbringen, auch mal ne Stunde, wenn ich eine „schwierige“ Entscheidung zu treffen habe.

Okay. Ich war heute in einem Baumarkt. Holzleim. Eine Leiste. Ein Bilderrahmen. Das stand auf meiner Liste. Nach 10 Minuten hatte ich alle drei Artikel. Nach weiteren 10 Minuten, in denen ich zum dritten Mal am Hundefutter vorbeigekommen war, habe ich mich dann doch getraut, eine offensichtliche ortskundige Mitarbeiterin nach dem Weg zur Kasse zu fragen, in der Hoffnung, dass dann da auch der Ausgang sei.

Die Erklärung war brauchbar und kurz vor der Kasse, da! Ja! Da lagen sie. Die Fähnchen. Nein, leider „nur“ deutsche. Leider nicht mein Phantasie-Fähnchen mit allen Teilnehmern. Auch keine schwedische dabei, auf dass ich links die deutsche und auf der anderen Seite die gelb-blaue Flagge hätte zeigen können. „Nur“ deutsche. Aber! Fähnchen! Hier lagen sie. Ich blickte mich um, ob man mich bei meiner schwierigen Entscheidung etwa beobachtete.

Ich nahm zwei, trug sie weder stolz noch verschämt zur Kasse, eher versuchte ich, „selbstverständlich“ zu gucken.

Nachdem ich gezahlt hatte, hätte ich die Dinger doch beinahe ins Auto geworfen und durch die Gegend kutschiert, ohne ihnen den gebührenden Platz an der Fensterscheibe einzuräumen. Ich reiße die Verpackung auf, die Montage ist idiotensicher, die Fähnchen hängen schlapp herunter, so ohne Fahrtwind, und dann sehe ich noch einen wichtigen Hinweis auf der Verpackung: Tempo 100! Mit diesen Spielzeugen an der Scheibe darf man nicht schneller als Hundert fahren.

Haben wir in Deutschland nicht schon erbitterste Debatten geführt um ein Tempolimit auf Autobahnen? Das wäre es doch: Immer Fußball-WM oder -EM, Männer oder Frauen, Fußball oder Handball, Wasserball, Volleyball, Curling, Vierschanzenspringen, Schach. Was auch immer! Egal, Hauptsache gute Stimmung, Hauptsache Fähnchen auf dem Dach, und alle fahren nicht schneller als hundert Sachen. Auf dass die Eisberge langsamer schmelzen…

© Ulf Runge, 2008

Einen doppelten, bitte

14. Juni 2008 Ulf Runge 6 Kommentare

Leben 269 – Samstag, 14.06.08

Ich bin gut in der Zeit (!) und so stürme ich heute nicht bei meinem Espresso-Zeitungs-Laden hinein, auf dass ein Blick genügen möge, mir doch bitte kurzfristigt einen Doppio to go (!) aufzubrühen.

Nein, ich bin gut in der Zeit, entbiete höflichst einen vollständigen Tagesgruß und bitte freundlich um „einen doppelten“, zum Mitnehmen! Während meine Bestellung bearbeitet wird, fällt mir siedend heiß ein, dass man geflissentlich ja Geld dabei haben sollte, um zahlen zu können. Einen Espresso mit EC-Karte bezahlen ginge zwar auch. Abgesehen von der zu erwartenden Lachnummer könnte sich der nähernde Zug nun doch noch überlegen, ohne mich losfahren zu wollen.

Ich entlocke meinem Portemonnaie gerade noch die erforderlichen Münzen und trenne mich dabei von meinem letzten Supermarkt-Einkaufswägelchen-Euro. Eine Hypothek auf die Zukunft, denke ich mir dabei, aber vielleicht wird ja daraus wieder eine Geschichte…

Nachdem ich die Münzen ein letztes Mal durchgezählt habe, blicke ich vor mich auf den Doppelten, ich blicke irritiert auf das was da vor mir steht, besser liegt, um dann meine Augen weiterzubewegen auf das grinsende Gesicht des Betreibers.

Ich lächle zurück. Wir lachen.

Den Spaß mit dem Doppelkorn-Flachmann, „den habe ich mir nicht verkneifen können, ich hatte jetzt richtig Verlangen nach einem Spaß!“ Wenn ich ihm schon so einen Steilpass-Vorlage gäbe…

Den Doppio in der Hand und diese Geschichte im Kopf wünsche ich ihm einen doppelt schönen Tag und steige total entspannt in meinen Zug.

© Ulf Runge, 2008