Hej

Leben 268 – Mittwoch, 11.06.08

Dieser Artikel ist ein sehr kurzer. Er braucht allerdings einen kleinen Anlauf. Es geht um Sprache. Die Frage, die es zu beantworten gilt, ist folgende: „Wie grüße ich in Schweden?“

Erstens. Man muss zwei Wörter kennen. Und richtig aussprechen. Wort 1 lautet: „Hej“. Der Vokal hat weniger etwas mit einem HühnerEI zu tun. Man denke eher an Katie Meluas „9 Million Bicycles in BEJING“. Hej wie Bejing. Oder wie „say“ in „You can say you to me.“ Wobei, ich wollte hier gar nicht rumalbern.

Wort 2. Wir sind immer noch bei “Erstens”. „då“ heißt das zweite Wort. Der Vokal wird gesprochen wie in „Boah“, einem meiner Lieblingsanglogermanozismen. Oder wie in „LAW and order“.

Zweitens. Nachdem wir also etwas Lippen-, Gaumen-, Kiefer- und Stimmbandgymnastik gemacht haben, bauen wir aus diesen zwei Wörtern drei Grußphrasen.

Begrüßungsphrase: „Hej!“ Heißt „Guten Tag, hallo, ich grüße Dich, schön, dass Du da bist!“ Oder eben kurz „Hej!“

Antwort auf Begrüßungsphrase: „Hej hej!“ Heißt „Ich Dich auch!“ oder so. Dazu gleich mehr.

Abschied: Statt “Tschüs” sagt man „Hej då!“ Und antwortet „Hej då!“ Freudig. Weil man hofft, dass man sich bald wiedersieht.

Das wär’s zum Thema.

Man stelle sich vor. Campingplatz. Männerwaschraum. (Nur von diesem kann ich berichten, aber ich wette, bei den Frauen ist es nicht anders.) Geschäftiges Treiben auf den Klos und an den Waschbecken. Prime Time halt. Einer betritt den Waschraum. Und? Ja, richtig, er sagt: „Hej!“ Und, ja richtig: Ein nicht endendes Feuerwerk von „Hej hej“ Ausrufen, nuschelnd, leise, laut, piepsig, alles was die Stimmbänder so bieten, nimmt Besitz von der Raumakustik, will gar nicht verstummen, und klingt dann doch leise ab, geschäftiges Schweigen will sich einstellen, als der nächste den Waschraum betritt. Ja, ja, ja. Er sagt „Hej!“ Und bevor sich jemand in Sicherheit bringen kann, schallt es aus allen Winkeln und Ecken „Hej hej, hej hej, hej hej, hej hej, hej hej,…“ (Ob ich mich lustig machen will, frage ich mich gerade. Nein, absolut nicht. Im Gegenteil, es ist ein erhebendes Gefühl, die Schweden sich grüßen zu hören. Und es ist so leicht, dabei zu sein, mitzumachen.)

In diesem Sinne: „Hej då!“

© Ulf Runge, 2008

  1. Mo
    11. Juni 2008 um 04:14 | #1

    “Hallo Ulf”, oder “Hallo lieber Ulf” .
    Ich grüße meistens in dieser Form, wenn ich Dein Blog betrete.
    Löst das bei Dir jetzt etwa ein weniger erhebendes Gefühl aus, als wenn ich schreiben würde: “Hej Ulf” ?
    Ich vermute mal, Du möchtest mit Deiner Geschichte darauf aufmerksam machen, dass wir Menschen doch bitte mal öfter den Mund zu einem freundlichen Gruße aufmachen sollten, wenn wir einander begegnen.
    Es sind ja nicht nur Worte die Menschen verbinden. Ein freundliches Lächeln, Blinzeln oder Nicken sind ebenfalls starke Ausdrucksformen, die Höflichkeit und Respekt bei einer Begegnung bekunden.
    Es muss sich ja nicht jeder mit einem überschwenglichen “Hej” gleich zum “Schweden machen”, nur weil es so einfach ist mitzumachen. ;-)

  2. 11. Juni 2008 um 07:38 | #2

    Lieber Ulf, stelle mir grad diese Szene lautmalerisch vor und muss grinsen…Lauter grosse gutaussehende gutgebaute blonde Schweden, die Hej Hej brummen, herrlich.
    Spontan dachte ich auch gleich noch an die Stelle “Hey Oh” in diesem Lied: http://www.youtube.com/watch?v=N8jS6jk8QlU

    Liebe Grüsse und wann gehts los nach Schweden? Andrea

  3. Ele
    11. Juni 2008 um 11:45 | #3

    Hola Ulf,

    ich LIEBE Schwedischkurzkurse. Was für eine nette Sprache. Auch, wenn’s furchtbar albern ist: hier etwas von Leuten, die sich definitiv lustig machen wollen.

    http://www.swr3.de/fun/comix/-/id=136018/did=342748/cf=42/pv=raw/fdx=2/nid=136018/gp2=audios/gp1=367804/10k9fcb/index.html

    Liebe Grüße

    U.

  4. 13. Juni 2008 um 08:50 | #4

    Lieber Ulf,

    die Einleitung ist klasse. :D

    “Nachdem wir also etwas Lippen-, Gaumen-, Kiefer- und Stimmbandgymnastik gemacht haben,…” Woher weißt du das. *grins* Kannst du etwa durch meinen Bildschirm gucken? Hilft diese Übung auch vorbeugend gegen Falten? ;-)

    Der Männerwaschraum ist auch klasse. :D Wenn ich da so drüber nachdenke, wird wohl das Wort “Hej” das meist gesprochene Wort in Schweden sein. Und wenn ich noch ein bisschen weiter denke, dann brauche ich eigentlich nur zwei Worte schwedisch lernen, wenn ich mal dort hinfahren sollte. “Hej” und “då”. Und die kann ich ja jetzt. Also auf nach Schweden. :D

    Wenn man bedenkt was “Hey, da”, bei uns bedeutet. Da kann man noch locker ein “weg” dazwischen klemmen. “Hey, weg da”. Oder ein “du”. “Hey, du da.” Klingt eher weniger freundlich. Aber das Schwedische “Hej då” klingt wirklich schön. Macht doch einen Unterschied, ob da ein y oder ein j steht und ob da ein Kringel über dem a ist. Wer hätte gedacht, dass ein j freundlicher ist als ein y. Und das ein Kringel verbindet. :D

    Vielen Dank für den Schwedischkurzkurs. ;-)

    Hej då,
    Martina

  5. 13. Juni 2008 um 10:57 | #5

    ICH WILL AUCH NACH SCHWEDEN!!!!!!!!!!!!!!! :-)

    Spontane Frage, die sich mir aufdrängt: was heißt “Du mich auch”? ;-)

    Alberne Grüße, Ulli

  6. Ulf Runge
    14. Juni 2008 um 00:45 | #6

    Liebe Mo,
    ich rufe Dir ein freundliches “Hej” zu!
    Wenn ich bedenke, wieviel Freundlichkeit und Wertschätzung der Schwede mit diesem
    Ausruf verbindet, dann glaube ich, darfst Du Dich über dieses “Hej! freuen.
    Und über ein freundliches “Hallo” und wertschätzende Kommentare von Dir werde ich mich
    auch in Zukunft freuen.

    Hej då,
    Ulf

  7. Ulf Runge
    14. Juni 2008 um 00:53 | #7

    Liebe Andrea,

    Du hast es sofort richtig interpretiert. Dieser Beitrag ist eine Einstimmung auf Schweden…
    Eine Woche noch und dann geht es wieder los. Zu vertrauten Plätzen, lieben Freunden und
    neuen Abenteuern. Und wieder werden ein paar Sprachbrocken mehr im Gepäck auf der Heimfahrt dabei sein…

    Danke für den Hinweis auf die Red Hot Chili Peppers. Der Song ist mir bekannt, er trieb schon sein
    Unwesen bei mir als Ohrwurm; nun kommt zum Namen der Band auch ihr wohl bekanntestes Lied zu mir
    als Assoziation.

    Und ob ich dann im Männerwaschraum bei “Hej” und “Hej hej” an “Hey oh” denken werde?
    Ich glaube, das Lied und Du, Ihr seid beide im gedanklichen Gepäck…

    Hej då,
    Ulf

  8. Mo
    14. Juni 2008 um 17:18 | #8

    Hallo lieber Ulf.
    Da hast Du ja wieder mal sehr versiert meinen Kommentar beantwortet.
    Ich habe auch nichts anderes erwartet.
    Ich möchte Dir jetzt schon einen supertollen Schweden-Urlaub wünschen, ehe ich es vergesse.
    Ich nehme an, Du wirst hier sicherlich noch eine Abwesenheitsmitteilung einbringen, von wann bis wann Du hier nichts schreiben wirst. ;-)
    Wird sich nach Deinem Schweden-Urlaub irgendetwas auf Deinem Blog verändern? Ich bin schon jetzt gespannt.
    Ich sehe schon die Überschriften vor mir:
    “Hier geht es zu Ulf Runges Schweden-Blog.”
    Oder: “Schwedisch für Anfänger.”
    Oder: “Hej! ist mehr als nur ein Wort.”
    Oder: “Schweden ist mein Traumland.”
    Lieber Ulf, bitte nicht böse sein, ich bin halt sehr kreativ veranlagt, fiel mir gerade so ein. ;-) :-)

    Liebe Grüße Mo

  9. Ulf Runge
    15. Juni 2008 um 00:02 | #9

    Lieber Ele,

    danke für den Hinweis, dass die Elch-Radionisten sich an Aufklärung über die schwedische Sprache versuchen / versucht haben. Reichlich albern, wie Du selber schon bemerktest… :-)

    Liebe Grüße,
    Ulf

  10. Ulf Runge
    15. Juni 2008 um 00:29 | #10

    Hej Martina,

    ich hatte gehofft, dass die geneigten und gewogenen Leserinnen und Leser
    sich auch lautmalerisch versuchen würden an den zwei wichtigsten Wörtern
    des Schwedischen…

    Nein, ich kann nicht durch Deinen Bildschirm gucken.
    Aber ich werde den Vorschlag machen, dass der Bundestrojaner das auch können sollte…

    Nein, diese Übung hilft nicht gegen Falten.
    Falten: Wer, wenn nicht die Falten, erzählen etwas über den Menschen, den Du gerade ansiehst?

    Auf nach Schweden? Ja, jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Midsommar…

    Deine Erkenntnis, dass ein j “freundlicher” sein kann als ein y, das scheint mir der wahre Durchbruch zu sein beim Verstehen von Sprache, an sich und überhaupt…

    Hej då,
    Ulf

  11. Ulf Runge
    15. Juni 2008 um 00:34 | #11

    Liebe Ulli,

    du mig och, das wäre “Du mich auch”, strictly translated…

    Liebe Grüße,
    Ulf

  12. Ulf Runge
    15. Juni 2008 um 20:42 | #12

    Liebe Mo,

    tack så mycket, das heißt herzlichen Dank!

    Ja, ab nächsten Samstag bin ich für drei Wochen offline.
    Aber ich habe da eine Idee, meine Leserschaft bei Laune zu halten.
    Mal sehen, mal sehen.

    Ob sich was ändern wird? Nein, ich glaube nicht.
    Ich wollte schon im vergangenen so eine Art Schwedentagebuch schreiben,
    hier im Blog oder separat als kleines Machwerk in Papierform,
    aber es hat sich nicht ergeben.
    Mal sehen, wie sich die Dinge diesmal entwickeln.

    Liebe Grüße,
    Ulf

  13. Hase
    20. Dezember 2011 um 00:09 | #13

    „Hej då!“

    Erika :lol:

  1. 13. Juni 2008 um 12:34 | #1
  2. 18. Juli 2008 um 09:50 | #2

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