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Archiv für 4. Juni 2008

Papa, Charly hat gesagt

4. Juni 2008 Ulf Runge 4 Kommentare
Leben 265 – Donnerstag, 05.06.08

Es war die Dampfradiozeit. Als immer wieder diese markante Stimme sich zu Wort meldete, Einlass begehrte bei Amboss und Hammer.

Die Bilder bleiben, wenn jemand stirbt. Die Stimme zu erinnern, fällt bisweilen schwerer. Nicht so bei ihm.

Gert Haucke ist tot: http://www1.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/gerthaucke100.html

Ich kannte ihn nicht wirklich vom Fernsehen. Ich kannte ihn vom Hörfunk. Papa, Charly hat gesagt. Das war Kult.

Danke, lieber Gert Haucke. Für die gute, niveauvolle Unterhaltung. Die Denkanstöße. Ich hatte verdrängt, dass ich diese Hörbeiträge geliebt hatte.

Sie sind wieder präsent. Gegenwärtig. Und so werde ich mich auf die Suche machen, irgendwo im Netz einen Ort zu finden, an dem ich die Stimme von Charlys Freund seinem Papa hören kann…

© Ulf Runge, 2008

Klo okay

4. Juni 2008 Ulf Runge 2 Kommentare
Leben 264 – Donnerstag, 05.06.08

Angesichts der weltweiten Sorgen, die uns oft nicht den Schlaf finden lassen, kommt rechtzeitig zur anstehenden Nachtruhe die gute Nachricht, dass das Weltraumklo repariert sei.
Nein, das hier wird kein Fäkalartikel, obwohl es mir natürlich in den Fingern juckt. Ich will mir auch nicht ausmalen, was denn so alles innerhalb und außerhalb der Raumstation denkbar wäre, wenn die Reparatur nicht geklappt hätte.

Ich frage mich höchstens, ob Biomasse ähnlich verglüht beim Eintritt in die Atmosphäre wie etwa Schutzkacheln an falschwinklig eintretenden Raumschiffen. Oder ob wir damit rechnen müssen, dass der Wetterbericht etwa für morgen zwischen 14:00 Uhr und 16:00 Uhr dringendst das Tragen von Kopfbedeckungen empfielt.

Aber gut. Sie ist ja repariert, die Toilette. Und da frage ich mich dann noch ergänzend: Nur eine Toilette haben die da oben? Das ist definitiv zu wenig.

Haben Sie schon mal gegähnt? In der Nähe eines anderen Menschen? Und was hat der dann getan? Logo. Gegähnt.

Mussten Sie schon einmal dringendst (schon wieder dieses Wort) in einem Eintoilettenhaushalt aufs Selbige? Und? Also! Wir sollten eine Unterschriftsaktion starten. Für die da oben …

© Ulf Runge, 2008

Grüße von hier

4. Juni 2008 Ulf Runge 4 Kommentare
Leben 263 – Mittwoch, 04.06.08

Ich weiß nicht, ob Sie mich noch kennen. Von früher her. Ich glaube schon, dass Sie sich an mich erinnern werden, wenn ich Ihrem Gedächtnis ein wenig nachhelfe. Sie werden sich damals gewundert haben, warum ich so plötzlich weg war. So plötzlich und spurlos. Ob mir was zugestoßen sei, haben sich damals wohl einige von Ihnen gefragt. Untergetaucht! Werden andere gedacht haben. Irgendein krummes Ding gedreht und dann ab nach Rio. Oder sonstwohin.

Ich habe jetzt endlich Gelegenheit, hier Klarheit in das Thema zu bringen, nachdem nun heute das Bridge-Abkommen geschlossen wurde. Aber der Reihe nach.

„… Ihnen bekannt ist, wird sich die Versorgung der Weltbevölkerung mit Lebensmitteln, Trinkwasser, guter Luft und Arbeitsplätzen zunehmend schwieriger gestalten…“ las ich da, gerade nach Hause gekommen, im Brief der Gerechtigkeitsbehörde. Alles war inzwischen auf E-Mail umgestellt, nur dieses Amt schrieb noch Briefe, um keine Entlassungen bei den Briefzustellern zu riskieren.

„… haben wir entscheiden müssen, Sie bis auf weiteres in die Parallelwelt ´Jugendträume´ zu dislozieren…“ Mir stockte der Atem, da gab es kein vertun, die wollten mich verlegen, dislozieren nannten sie das, wie damals bei den Pershing-Raketen, ich sollte raus aus dieser Welt, und was alle hinter vorgehaltener Hand immer wieder tuschelten, das bewahrheitete sich jetz wohl: Es gab sie, diese Parallelwelt, vielleicht auch Parallelwelten. Nur dass es niemand gab, der irgendwohin gegangen, irgendwoher gekommen war, und sich erinnern konnte, etwas berichten konnte.

Morgen sei der Dislozierungstermin, schrieben die da noch weiter, ich solle mich dezent von allen meinen Lieben verabschieden, wobei ich von der Parallelwelt nichts erzählen dürfe.

„Sie haben eine Stunde, Ihren Schreibtisch aufzuräumen!“ Diese Horroransage bei fristloser Kündigung, die ging mir jetzt durch den Kopf. Acht Stunden waren es noch bis Morgen. Zuwenig, um alle offenen Fragen zu regeln.

Ich bestand darauf, dass wir alle gemeinsam einen fernsehfreien Abend verbrachten, unser Abendessen selten lange zelebrierten, jeder sollte heute erzählen, was sie, was ihn am meisten bewegt hatte heute, und sie wunderten sich ein bisschen über mich, ob ich denn nun total übergeschnappt sei. Egal, es war ein schöner Abend. Selten schön.

Dass ich mich hier überhaupt bei Ihnen mal wieder melden darf, geschieht unter Auflage, dass ich über ´Jugendträume´ nichts erzähle. Das sei im Bridge-Abkommen zwischen den Parallelwelten so vereinbart, und wer sich nicht dran hält, muss mit Sanktionen rechnen…

Aber eins weiß ich. Wenn ich nicht in die Parallelwelt verlegt worden wäre, ich hätte öfter so einen Abend gestaltet, als sei morgen der Termin. An dem ich mich verabschiede. Plötzlich. Spurlos.

© Ulf Runge, 2008