Beschwerde 2: Schwindsüchtiges Sortiment
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Leben 262 – Sonntag, 01.06.08 Wenn ich einkaufen gehe, möchte ich die gewünschten Artikel möglichst frisch, in guter Qualität und preiswert einkaufen. So kaufe ich üblicherweise zuerst beim Aldi ein und anschließend bei meinem Vollsortimentsupermarkt, ich nenne ihn mal „Supi“. Was ich gerade beobachte sind zwei Phänomene: Die Regale sind immer öfter nicht mehr voll gefüllt. Das habe ich früher kurz vor einer Inventur öfters bemerkt und dafür nur eingeschränktes Verständnis aufgebracht. Ehrlich gesagt: Kein Verständnis. Auch jetzt gähnen mich die Regale wieder leer an. Bei „hohes C“ ist der O-Saft ausverkauft. Das Regal sieht aus wie eine Kirmesschießbude kurz vor Mitternacht. Ich frage nach, ob wieder eine Inventur ansteht. Nein, nein, die hätten ein neues Logistiksystem eingeführt. „Die“. Da kommt ja voll die Identifikation mit dem Arbeitgeber raus, denke ich mir so. Aha, ein neues Logistiksystem. Alle und alles für den Kunden. So preiswert wie möglich. So billig wie möglich. Zu diesem Leereregalephänomen gesellt sich noch ein zweites. Supi hat eine Hausmarke. (Ich will es mal nicht Billigmarke nennen. Für viele Menschen ist ein Segen, sich bestimmte Artikel leisten zu können, ohne den Preis von echter Markenware zahlen zu müssen.) Die Hausmarke von Supi nenne ich mal „Aua“. Also das zweite Phänomen, das ich bemerke, ist eine Schwindsucht bei Markenartikeln. Statt Lavazza Espresso breitet sich Aua-Expresso im Regal aus. Der Mazetti Balsamico wartet nur darauf, dass an seiner Stelle Aua-Essig feil geboten wird. Den Bianco hat es schon hingerafft, der Rosso verliert sich im Regal. Ich konsumverweigere mich, greife nicht zu Aua-Ersatzartikeln, gehe zur Kasse, zahle, frage höflich, ob sich nicht schon andere Kunden beschwert hätten, die Kassierin lächelt mich freundlich verlegen an. Sie kann ja nichts dafür. Ich gehe zum Infoschalter. Ich wolle mich beschweren, sage ich der netten Dame freundlich ins Gesicht. Benenne ihr die fehlenden Artikel, die auch letzte Woche zum Teil schon gefehlt haben, frage sie, ob sie nicht meinen Namen aufschreiben will, doch, sie will, schreibt sich meinen Namen mit Adresse auf. Bin stolz auf mich. Dass ich mich nicht nur etwas geärgert habe. Sondern auch – freundlich – darauf hingewiesen habe, dass ich unzufrieden bin. Eventuell mal woanders einkaufen gehen werde. Dass ich vor lauter – freundlicher – Beschwerde – meine EC-Karte bei ihr liegen lasse, und sie mir selbige fünf Minuten später überreichen kann, freut die Dame am Infoschalter schon ein bisschen… Und mich erst! © Ulf Runge, 2008 |

Hallo lieber Ulf.
Ich kann das „Leerregalephänomen“ was Du bemängelst nicht bestätigen.
Ich stehe einem Überangebot an Waren gegenüber.
Was mich wirklich ärgert ist: Bestimmte, von mir bevorzugte Artikel, muss ich oft minutenlang suchen.
Nicht weil sie nicht vorhanden sind, sondern weil das Verkaufspersonal stets damit beschäftigt ist, die Waren von einem Regal in das nächste Regal umzuräumen.
Ich neige also eher dazu, ein Geschäft auf Grund von ständigen „Umräumaktionen“ nicht mehr zu betreten.
Einkaufen muss schnell gehen, ich möchte mich nicht unnötig lange in einem Geschäft aufhalten müssen, nur weil Filtertüten zum Beispiel, neuerdings den „Papierartikeln“ zugeordnet werden, anstatt wie sonst üblich zwei Meter neben den Kaffeepackungen zu finden sind.
Hallo Ulf,
geh doch mal in den kleinen Bioladen um die Ecke. Qualität und Service sind da sicher, gesünder für dich und die (Um-)Welt ist es ausserdem auch.
Sparen (Zeit und Geld) kann nicht die dominierende Leitlinie im Leben sein – für mich ist Sparen an essentiellen Dingen, wie z.B. Essen, jedenfalls kein Thema. Und ich GENIEßE jede Mahlzeit
Gruß,
Ayshe
Liebe Mo,
recht hast Du! Auch in meinem Supi werden die Artikel immer umgeräumt.
Auf dass Du nach Möglichkeit auch immer wieder eine Chance hast,
das gesamte Sortiment kennen zu lernen.
Ich fände es „obercool“, wenn ich das Filterpapier beim Kaffee UND beim Papier finden würde…
Liebe Grüße, Ulf
Liebe Ayshe,
schön eine neue Kommentiererin hier begrüßen zu dürfen…
Ich gehe samstags immer auf den Wochenmarkt, da kaufe ich Obst und Gemüse superduperfrisch,
und ich glaube, auch ohne „Bio“-Etikett ist die Ware, die ich dort kaufe, sehr gesund.
Wenn es diesen Wochenmarkt nicht gäbe, würde ich wahrscheinlich viel eher zu Bio-Laden gehen.
Die anderen Artikel, die mir der Supi-Supermarkt verweigert, den Espresso oder Essig aus Italien,
da weiß ich nicht, ob die auch beim Bio-Laden in ähnlicher Geschmacksrichtung finde.
Ich gelobe: Ich werde mich mal umgucken.
Liebe Grüße,
Ulf