Mein Schreibetagebuch: “Leben”

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Augsburg-Osnabrück

mit 4 Kommentaren

Leben 259 – Sonntag, 18.05.08

Ich glaube, ich kann mit Fug und Recht (ach was für eine schöne Phrase, ich liebe sie) behaupten, dass ich schon ein genügsamer Mensch bin. Der nur selten über die Stränge schlägt. Das letzte Mal, will ich mal sagen, als die Eagles von SWR1/RP so oft gespielt wurden, dass ich diesen Sound selber „haben“ wollte. Jederzeit hören können. Und ich habe es nicht bereut. Ich berichtete darüber. Und habe es bis heute nicht bereut.

Wieder bin ich weichgeklopft worden. Vom SWR1. BAP. Die einen mögen BAP. Ich gehöre definitiv zu dieser Bevölkerungsgruppe. Andere wiederum nicht. Schade.

Die neue CD heißt „Radio Pandora“. Wer Pandora war, nämlich sozusagen die Eva der Griechen, und dann noch ziemlich böse, in ihrer Büchse zum Schluss nur noch die Hoffnung bewahrend, das steht dann auch auf Seite zwo der Libretti. Libretti?

Clevere Produktidee. Mach ein paar Songs, spiel sie akustisch (unplugged), spiel sie mit E-Gitarre und so (plugged), schon hast Du zwei CDs, die Du verkaufen kannst. Und beide CDs enthalten auch jeweils Titel, die auf der anderen nicht drauf sind. (Und wer noch richtige Ohren hat und einen Plattenspieler [was das ist, möge hier unbearbeitet bleiben]: Der kann das ganze auf drei Vinyl-LPs kaufen.) Geckige Produktvermarktung, kann ich nur sagen. Allen anderen wäre ich dafür böse. Nur BAP nicht. So sitze ich hier, höre die Unplugged-Version im Hintergrund plätschernd, werde sie mir am Montag früh mit dem Textbook reinziehen, wenn es wieder gen Frankfurt geht…
Und auf dem Rückweg die Plugged-Version…

Augsburg-Osnabrück. Ein „schönes“ Fernfahrerlied. Der Titel heißt eigentlich „Morje fröh doheim“.

Ohne den Text jetzt wirklich ausgelotet zu haben (es ist ja noch nicht Montag Morgen), kommen mir die Gedanken, dass wir in die große weite Welt gehen, um Geld zu verdienen, damit es unsere Lieben gut haben, und dann stellt sich immer wieder die Frage, bin ich genug zu Hause, um mich einzubringen daheim?

Ich stelle es mir sehr schwer vor, familienorientiert zu sein und als Fernfahrer durch die Lande, durch Europa zu fahren, Kilometer zu fressen. Nein, es ist kein Truckerthema, es ist Thema aller Berufstätigen, dass sie sich immer wieder fragen, wieviel darf ich mich in die Firma einbringen, ohne dass meine Lieben schaden nehmen?

Ein täglicher Konflikt. Vor allem, wenn keine Oma-/Opa-Situation gegeben ist. Wenn Krankheit in der Familie zuschlägt, während man auf der Arbeit vermeintlich unabkömmlich ist. So wünsche ich allen die richtige Entscheidung, die richtigen Prioritäten, sofern der ökonomische Zwang einem überhaupt die Wahl lässt.

(Natürlich habe ich jetzt doch noch den Liedtext zu Augsburg – Osnabrück gelesen. Tiefe Melancholie umfängt einen da. Und die Metapher mit dem Prinz auf dem weißen Pferd gegen Ende des Songs, die habe ich noch nicht verstanden, aber das muss jetzt auch nicht sein.)

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag im Kreise ihrer Lieben.

P.S.: Nicht ganz passend. Aber was soll ich tun gegen Gedanken, die nun einmal hoch kommen: Da gab es dieses Fernfahrerlied von dem Jungen im Rollstuhl, der von einem Trucker durch das Viertel kutschiert wurde, Schmalz pur, dieses Lied, aber irgendwie schön, und vor 15 oder 20 Jahren war dieses Lied Pflicht in jedem Hörerwunschkonzert. Nur mal so…

© Ulf Runge, 2008

Written by Ulf Runge

17. Mai 2008 um 23:22

4 Antworten

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  1. Das Lied vom Truckerfahrer, war das nicht teddybär 04?

    Ich finde es gar nicht mehr so schmalzig, seit ich selbst im Gesundheitswesen tätig bin und die Wünsche meiner Patienten kennenlernte. Manchmal ist es so leicht ihnen einen wichtigen Wunsch zu erfüllen….

    Bei BAB habe ich das Problem, dass ich meine, nur weil sie “Deutsch” singen müsse ich sie auch verstehen.. Der Köll’sche Dialekt bleibt mir ebenso ein Geheimnis, wie hier der schwäbische.

    ..grüßt in reinem Hochdeutsch Monika ;-)

    syntaxia

    18. Mai 2008 um 16:30

  2. Lieber Ulf,
    BAP verstehe ich natürlich sehr gut, da ich ja Rheinländerin bin, zwar nicht Kölnerin, aber immerhin :-)
    Mit Trucker-Liedern kenne ich mich nicht aus. Was mir nur auffällt hier an meinem Arbeitsplatz (Du weißt ja, wo ich arbeite) sind all die jungen Menschen so um die 30 – 35, die unbedingt Karriere machen wollen und oftmals abends bis 20 oder 22 Uhr in ihren Büros sitzen. Derweil die jungen Frauen mit den Babies oder Kleinkindern zu Hause warten. Da frage ich mich allen Ernstes: kann es das gewesen sein? Dabei sind das nicht einmal Trucker, sondern Bankangestellte.
    Sonnige Grüße
    Dori

    Dori

    19. Mai 2008 um 15:36

  3. Liebe Monika,

    ja, es war “Ruf Teddybär eins vier” von Johnny Hill: http://de.youtube.com/watch?v=xehmEdsYhzQ
    (Ich habe es mir gerade wieder mal angehört, zum ersten Mal nach Jahren.
    Ich find es immer noch “schmalzig”. Und wie immer läuft mir beim Anhören eine kalter
    Schauer über den Rücken…)

    Schön, dass Du es auf den Punkt bringst: Wo uns bei englischer Musik ziemlich egal, was die da singen,
    da wollen wir bei Kölschrock auf einmal alles genau wissen…

    Gelle?
    Liebe Grüße,
    Ulf

    Ulf Runge

    22. Mai 2008 um 23:22

  4. Liebe Dori,

    das ist ein schwieriges Thema, das Du da ansprichst.

    Da baut / kauft man ein zu teures Haus, damit die Kids es gut haben,
    dann arbeitet man wie wild, um die Finanzierung nicht gegen die Wand laufen zu lassen,
    die Familie entfremdet sich, läuft gegen die Wand.
    Das ist eine Facette, warum man bis tief in die Nacht im Büro sitzt.
    Diese habe ich selber schon kennengelernt. Und auch draus gelernt.

    Und so haben diese Workaholics wohl alle ihre Erklärung, warum sie so lange arbeiten (müssen…).

    Liebe Grüße,
    Ulf

    Ulf Runge

    22. Mai 2008 um 23:29


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